Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Paläotypie

Die Paläotypie ist wie die Paläographie eine Disziplin der kulturhistorischen Hilfswissenschaften, speziell der Buch- und Bibliothekswissenschaft. Die Paläotypie widmet sich der systematischen Erforschung sämtlicher europäischer Druckwerke des 15. Jahrhunderts, konkret von Johannes Gutenbergs (um 1400–1468) frühesten Straßburger Experimenten um 1438 bis in das Jahr 1500, mit dem die sogenannte Inkunabelzeit endet.

Hauptthemen der paläotypischen Studien sind neben der exakten Datierung und Zuordnung der » Wiegendrucke « zu bestimmten Druckerpersönlichkeiten (Prototypographen) und deren Offizinen vor allem die Charakterisierung und
Klassifizierung der reichen Vielfalt an verwendeten Druckschriften in Akkordanz zu ihren skriptographischen Quellen sowie die historische Entwicklung und drucktechnische Realisierung der einzelnen Typen.

Ein früher Pionier der typohistorischen Forschung in Deutschland war Ludwig Hain, der 1826 in Tübingen den ersten Band seiner umfassenden Inkunabel-Bibliographie vorlegte; ein Mammut-Unterfangen, das 1895 von W.A. Copinger in London komplettiert wurde. Richtungweisend für die universitäre paläotypische Forschung sind nach wie vor der Deutsche Konrad Haebler und sein jüngerer österreichischer Kollege Otto Mazal. Haeblers Typenrepertorium, das zwischen 1905 und 1924 in Halle-Leipzig publiziert wurde und fast 4000 exemplarische Druckschriften verzeichnet, ist das grundlegende Werk über die Typen (Druckbuchstaben) der Inkunabelzeit. Die Studien des Mediävisten und Kunsthistorikers Mazal aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind unverzichtbare Standardliteratur für jede Forschung in Buchkunst, Schrift- und Druckgeschichte (
Schriftgeschichte).

[L] Ludwig Hain, Repertorium bibliographicum, in quo omnes libri ab arte typographica inventa usque ad annum MD typis expressi recensentur, Vol. I & II, Stuttgart und Tübingen 1826-1838.
[L] Olgar Thierry-Poux, Premiers monuments de l'Imprimerie en France au XVe siècle, Paris 1890.
[L] Walter Arthur Copinger, Supplement to Hain's Repertorium bibliographicum, London 1895-1902, Neudruck Milano 1950.
[L] Konrad Haebler, Typenrepertorium der Wiegendrucke, Abt. 1-5, Halle & Leipzig, 1905-1924, Neudruck bei Nendeln, Wiesbaden 1968.
[L] Konrad Haebler, Der italienische Wiegendruck in Original-Typenbeispielen mit 120 Inkunabelproben, München 1927.
[L] Stanley Morison, Meisterdrucke gotischer Schrift in 152 Faksimiletafeln. (Deutsche Inkunabeln im British Museum), Berlin 1928.
[L] Ferdinand Geldner, Inkunabelkunde, Wiesbaden 1978.
[L] Claus W. Gerhardt, Geschichte der Druckverfahren, Stuttgart 1978.
[L] Otto Mazal, Paläographie und Paläotypie, Stuttgart 1986.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 08.11.2008
von
Wolfgang Beinert




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Quelle: © Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie
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