Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Plakatgrößen
Plakatschriften

Begriff aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes für Druckschriften in Kegelgrößen bzw. Schriftgraden ab 48 Didot-Punkten
bis 200 Cicero (Mittel), die für die Gestaltung von Plakaten in unterschiedlichen Bogenformaten verwendet wurden. Seit Einführung des optomechanischen Schriftsatzes (Fotosatz) werden Plakatgrößen als Displaygrößen bezeichnet.

Mit der Bezeichnungen »Plakatgrößen« waren fast ausschließlich »Plakatschriften« (Drucktypen) aus Buchsbaum-, Ahorn oder Birnenholz gemeint. Denn
Kegel mit diesen großen Volumen konnten kaum oder nur sehr aufwendig aus Metall hergestellt und weiterverarbeitet werden. Plakatschriften wurden in der Regel von Holztypenmanufakturen, beispielsweise von der Roman Scherer A.-G. in Luzern (Schweiz), hergestellt.

Die ersten Plakatschriften
aus Holz wurden Anfang des 19. Jahrhunderts als Akzidenschriften in den USA für Plakate und Headlines produziert. Trotz der Erfindung der Holzfräse und des Pantographen waren Plakatschriften in Ihrer Anschaffung und Aufbewahrung sehr kostenintensiv und wurden deshalb im Akzidenzsatz aufbewahrt. In Deutschland wurden Plakatschriften meist über traditionelle Schriftgießereien, beispielsweise über die Offenbacher Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor (infolge Stempel AG) vertrieben, welche ihre gesamte Holzletternproduktion ab den 1960er Jahren an die Firma Gedi Schriften [2] in Bamberg (Bayern) delegierte. Mitte der 1970er Jahre wurde die Produktion von Plakatschriften aus Holz in Deutschland eingestellt.

[1] Kegelgrößen bzw. Schriftgrade werden in Konsultationsgrößen, Lesegrößen und Schaugrößen eingeteilt. Heute werden Plakatgrößen zu den »Ferngrößen« gezählt.
[2] Das Museum der Arbeit in Hamburg, Wiesendamm 3, beherbergt in der Abteilung Grafisches Gewerbe die wohl einzige noch funktionierende Holzletternwerkstatt, die so genannte »Holzlettern Manufaktur«. Dort wird auch der Nachlass (Maschinen und Schablonen) der Firma Gerdi Schriften aufbewahrt.
[T] Mit der Bezeichnungen Plakatschriften werden in der
Typographie primär Plakatgrößen – also Schriftgrade – in Verbindung gebracht. Erst in zweiter Hinsicht die »Holzdruckletter«.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 15.01.2013
von
Wolfgang Beinert

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