Register und Registerhaltigkeit

1.  Register im Buchsatzspiegel und Gestaltungsraster

In der Typo­gra­phie steht der Ter­mi­nus »Regis­ter« für ein durch­gän­gig stan­dar­di­sier­tes, ein­heit­li­ches Zei­len­ras­ter eines Schrift­sat­zes, das Teil eines Buch­satz­spie­gels bzw. Gestal­tungs­ras­ters ist. Zum Regis­ter zäh­len

  • Grund­schrift­li­ni­en­ras­ter (Zei­len­ras­ter)
  • Halb­zeilen­ras­ter 1 )

Das Regis­ter doku­men­tiert den Durch­schuss, den Zei­len­ab­stand (ZAB), die Zei­len­an­zahl, die Zei­len­län­ge bzw. die Kolumnen-/Spaltenbreite eines Schrift­sat­zes. In der Buch­ty­po­gra­phie beschreibt das Regis­ter die bedruck­ten Flä­chen des Satz­spie­gels eines Buch­satz­spie­gels einer Buch­dop­pel­sei­te. In der Zei­tungs­ty­po­gra­phie die bedruck­ten Kolum­nen (Spal­ten) einer Sei­te. Die Kon­struk­ti­on eines Regis­ter im Rah­men eines Buch­satz­spie­gels bzw. Gestal­tungs­ras­ters gehört in den Bereich der Makro­ty­po­gra­phie

Beispiel eines Gestaltungsrasters mit integrierten Kolumnenraster, Zeilenraster und Bildraster. Infografik: www.typolexikon.de
Bei­spiel eines Gestal­tungs­ras­ters mit inte­grier­ten Kolum­nen­ras­ter, Zei­len­ras­ter und Bild­ras­ter.
Ein Buchsatzspiegel beschreibt die unbedruckten und bedruckten Flächen einer Buchdoppelseite. Beispiel: Einspaltiger Satzspiegel mit Beschnitt, Symmetrieachse, Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg und Fußsteg. Die linke Seite wird als »Verso« (Widerdruck) und die rechte Seite als »Recto« (Schöndruck) bezeichnet. Infografik: www.typolexikon.de
Ein Buch­satz­spie­gel beschreibt die unbe­druck­ten und bedruck­ten Flä­chen einer Buch­dop­pel­sei­te. Bei­spiel: Ein­spal­ti­ger Satz­spie­gel mit Beschnitt, Sym­me­trie­ach­se, Kopf­steg, Bund­steg, Außen­steg und Fuß­steg. Die lin­ke Sei­te wird als »Ver­so« (Wider­druck) und die rech­te Sei­te als »Rec­to« (Schön­druck) bezeich­net.

Ety­mo­lo­gi­sch rührt das Sub­stan­tiv »Ras­ter« aus dem mtl. »regi­s­trum«, aus lt. »regestra« bzw. »restrum« zu lt. »rege­re­re« (rege­stum) für »ein­tra­gen, ein­schrei­ben, zurück­tra­gen, auf­wer­fen«. Die Kon­struk­ti­on von »Kodex­re­gis­tern«, einer Arche­form des Buch­satz­spie­gels, gehör­te bereits seit dem 1. Jahr­hun­dert zum Stan­dard­re­per­toire eines Kal­li­gra­phen oder Kopis­ten. 

2. Registerhaltigkeit bei Druckerzeugnissen

Bei Druckerzeug­nis­sen, bei­spiels­wei­se bei Büchern, Zei­tun­gen oder Pro­spek­ten, wer­den in der Regel die Papier­sei­ten beid­sei­tig (Bogen­vor­der­sei­te und Bogen­rück­sei­te) bedruckt. Die lin­ke (Buch)Seite wird als »Ver­so« (Wider­druck), die rech­te (Buch)Seite als »Rec­to« (Schön­druck) bezeich­net.

Unter »Regis­ter­hal­tig­keit« ver­steht man in der Typo­gra­phie, dass das gedruck­te Regis­ter der Ver­so-Sei­te exakt mit dem Stand des gedruck­ten Regis­ters der Rec­to-Sei­te über­ein­stimmt. 

Opazität von Papieren

Druck­pa­pie­re ver­fü­gen über unter­schied­li­che Opa­zi­tä­ten (Licht­durch­läs­sig­kei­ten). 2 ) Je höher die Licht­durch­läs­sig­keit ist, desto stär­ker scheint das gedruck­te Regis­ter (gedruck­te Zei­len) der Ver­so-Sei­te durch das Papier auf die bedruck­te Rec­to-Sei­te – und natür­li­ch umge­kehrt. Dies ver­än­dert – je nach Opa­zi­täts­grad – den Grau­wert eines Schrift­sat­zes, der wie­der­um die Les­bar­keit stark beein­flußt. Je dunk­ler der Grau­wert einer Text­sei­te ist, desto schlech­ter die Les­bar­keit.

Optimierung des Grauwerts durch Registerhaltigkeit

Um den Ver­so-Rec­to-Grau­wert eines Regis­ters zu sta­bi­li­sie­ren bzw. zu opti­mie­ren, ist es not­wen­dig, dass die gedruck­ten Regis­ter (Zei­len­ras­ter) der Ver­so-Sei­ten und die der Rec­to-Sei­ten deckungs­gleich gedruckt wer­den. Im gewer­be­spe­zi­fi­schen Sprach­satz wird dies als »Regis­ter­hal­tig­keit« oder »Regis­ter hal­ten« bezeich­net. 3 )

Je höher die Lichtdurchlässigkeit (Opazität) eines Papiers ist, desto stärker scheinen die gedruckten, spiegelverkehrten Zeilen der Verso-Seite durch das Papier auf die bedruckte Recto-Seite – und natürlich umgekehrt. Dies verändert – je nach Opazitätsgrad – den Grauwert eines Schriftsatzes, der wiederum die Lesbarkeit stark beeinflußt. Je dunkler der Grauwert einer Textseite ist, desto schlechter die Lesbarkeit. Die Registerhaltigkeit ist eine Methode, um ein optisches Durchschlagen der Schriftzeilen im nichtbedruckten Durchschuss (Weißraum) auf die Vorder- bzw. Rückseite zu vermeiden und somit die Lesbarkeit zu erhöhen. Foto: www.typolexikon.de
Je höher die Licht­durch­läs­sig­keit (Opa­zi­tät) eines Papiers ist, desto stär­ker schei­nen die gedruck­ten, spie­gel­ver­kehr­ten Zei­len der Ver­so-Sei­te durch das Papier auf die bedruck­te Rec­to-Sei­te – und natür­li­ch umge­kehrt. Dies ver­än­dert – je nach Opa­zi­täts­grad – den Grau­wert eines Schrift­sat­zes, der wie­der­um die Les­bar­keit stark beein­flußt. Je dunk­ler der Grau­wert einer Text­sei­te ist, desto schlech­ter die Les­bar­keit. Die Regis­ter­hal­tig­keit ist eine Metho­de, um ein opti­sches Durch­schla­gen der Schrift­zei­len im nicht­be­druck­ten Durch­schuss (Weiß­raum) auf die Vor­der- bzw. Rück­sei­te zu ver­mei­den und somit die Les­bar­keit zu erhö­hen.

Die Regis­ter­hal­tig­keit einer (Buch)Seite ist – abge­se­hen von ästhe­ti­schen Betrach­tungs­wei­sen – eine Metho­de, um – ins­be­son­de­re bei unvor­teil­haf­ter Papier­opa­zi­tät – ein opti­sches Durch­schla­gen der Schrift­zei­len im nicht­be­druck­ten Durch­schuss (Weiß­raum) auf die Vor­der- bzw. Rück­sei­te zu ver­mei­den und somit die Les­bar­keit zu erhö­hen.

Im Ide­al­fall bezieht sich die Regis­ter­hal­tig­keit auch auf Bild- und Farb­ton­flä­chen.

3. Buchformate

Als Regis­ter (Klein Dedi­an), Schmal Regis­ter und Mit­tel Regis­ter bezeich­ne­te man im 19. Jahr­hun­dert in Deutsch­land und Öster­reich bestimm­te Buch­grö­ßen. 4 )

4. Namen- und Sachwortverzeichnis

In der klas­si­schen Buch­ty­po­gra­phie wird ein Namen- und Sach­wort­ver­zeich­nis auch als Index oder Regis­ter bezeich­net. 

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Halb­zeilen­ras­ter wer­den in der Regel ergän­zend für Head­lines, Mar­gi­na­li­en, Legen­den und Fuss­no­ten ver­wen­det.
2.Anmer­kung: U.a. bestim­men die Gram­ma­tur und die Zusam­men­set­zung der kris­tal­li­nen Struk­tur von Füll­stof­fen die Opa­zi­tät eines Papiers.
3.Tipp: Feh­ler bei der Regis­ter­hal­tig­keit ent­ste­hen sowohl bei der Kon­struk­ti­on von Satz­spie­geln und Gestal­tungs­ras­tern als auch bei pas­se­run­ge­nau­en Druck. Bei sehr dün­nen Werk­druck­pa­pie­ren ist auch die prä­zi­se buch­bin­de­ri­sche Ver­ar­bei­tung wich­tig.
4.Quel­le: Ren­ner, Paul: Die Kunst der Typo­gra­phie, Sei­te 80 »Buch­grö­ßen um 1880« Reprint, Maro­Ver­lag, Augs­burg, 2003, ISBN 37512–414-6.