Römische Zahlen

Römi­sche Zah­len­zei­chen wur­den im römi­schen Kul­tur­kreis erst mit­tels eines Addi­ti­ons­sys­tems durch sie­ben Buch­sta­ben der »Capi­ta­lis scrip­tu­ra« dar­ge­stellt. Die Römer über­nah­men ab dem fünf­ten Jahr­hun­dert v. Chr. die Dar­stel­lung von Zah­len durch Zah­len­zei­chen mit der Assi­mi­la­ti­on des west­grie­chi­schen Alpha­bets. Der genaue Ursprung die­ser Form des Addi­ti­ons­sys­tems konn­te aller­dings bis heu­te nicht voll­stän­dig geklärt wer­den. Sicher ist jedoch, dass Römi­sche Zah­len­zei­chen eine Abwand­lung erheb­li­ch älte­rer Zei­chen sind und alter­na­tiv zu Kerb­zei­chen zuer­st als rei­ne Kar­di­nals­zah­len zum Zäh­len von Men­schen, Vieh, Geld und Haus­rat ver­wen­det wur­den; also um damit fest­zu­stel­len, wel­che Men­ge mehr Bestand­tei­le hat. Exper­ten geht davon aus, dass bereits im ers­ten vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert die Nota­ti­on aus dem Majus­kel­al­pha­bet der »Scrip­tu­ra capi­ta­lis« aus­ge­reift war.

Die indo-arabische Zahl 2015 in Form römischer Zählzeichen. MMXV (2015) setzt sich wie folgt zusammen: M (1000) + M (1000) + X (10) + V (5). Beispiel gesetzt in der Zierschrift »Sofia Rough Black Three« von Olivier Gourvat aus dem Jahre 2015. Quelle: www.typolexikon.de
Die indo-ara­bi­sche Zahl 2015 in Form römi­scher Zähl­zei­chen. MMXV (2015) setzt sich wie folgt zusam­men: M (1000) + M (1000) + X (10) + V (5). Bei­spiel gesetzt in der Zier­s­chrift »Sofia Rough Black Three« von Oli­vi­er Gour­vat aus dem Jah­re 2015.

Mit Römi­schen Zah­len­zei­chen kön­nen theo­re­ti­sch alle Zah­len mit­tels sie­ben Majus­keln dar­ge­stellt wer­den. Man unter­schei­det hier­bei zwi­schen Zähl­zei­chen, also I für 1, V für 5, X für 10 und L für 50 und Nenn­zei­chen, also C (Abk. für lat. »Cen­tum« für »hun­dert«) für 100, D (Abk. für lat. »Dimi­di­us« für die »Mit­te« oder »Hälf­te«) für 500 und M (Abk. für lat. »Mil­le« für »tau­send«) für 1000. Wobei die Römer zur Zeit der Repu­blik 24 ver­schie­de­ne Zei­chen für Tau­send, bei­spiels­wei­se »CIC« 1 ) oder »DD« 2 ) ver­wen­det haben. Meist han­del­te es sich hier­bei um abge­wan­del­te etrus­ki­sche und west­grie­chi­sche Gra­phe­me. Das »M« fand erst im Mit­tel­al­ter Ein­zug und lös­te die unter­schied­li­chen Schreib­wei­sen der Zif­fer Tau­send ab.

Wie Isi­dor von Sevil­la um 620 n. Chr. in sei­ner zwan­zig­bän­di­gen Enzy­klo­pä­die des gesam­ten Wis­sens jener Zeit »Ori­gi­num seu ety­mo­lo­giar­um libri XX« berich­tet, soll der Dich­ter Quin­tus Enni­us (gebo­ren 239 v. Chr. in Rudiae, Kala­bri­en, gestor­ben 169 v. Chr.) die bei­den Abbre­via­tu­ren M für Mil­le (Tau­send) und C für Cen­tum (Hun­dert) erfun­den haben.

Römi­sches Zähl­zei­chenAra­bi­sche Ziffer/ZahlLatein
I1unus
II2duo
III3tres
IV4quat­tuor
V5quin­que
VI6sex
VII7sep­tem
VIII8octo
IX9novem
X10decem
XX20vigin­ti
XXX30tri­gin­ta
XL40qua­dra­gin­ta
L50quin­qua­gin­ta
LX60sexa­gin­ta
LXX70sep­tua­gin­ta
LXXX80octo­gin­ta
XC90nona­gin­ta
C100cen­tum
CC200ducen­ti
CCC300tre­cen­ti
CD400qua­drin­gen­ti
D500dimi­di­us (quin­gen­ti)
DC600sescen­ti
DCC700sep­t­in­gen­ti
DCCC800octin­gen­ti
CM900non­gen­ti
M1.000mil­le
MM2.000duo milia
MMM3.000tres milia
MMMM4.000quat­tuor milia
MMMMM5.000quin­que milia
MMMMMM6.000sex milia
MMMMMMM7.000sep­tem milia
MMMMMMMM8.000octo milia
MMMMMMMMM9.000novem milia
XVIII18duo­de­vi­gin­ti
XXIX29vigin­ti novem
XXXVI36tri­gin­ta sex
XLVIII48qua­dra­gin­ta octo
LV55quin­qua­gin­ta quin­que
LXIV64sexa­gin­ta quat­tuor
LXXI71sep­tua­gesi­mo
LXXXIX89unde­no­na­gin­ta

In der Pra­xis jedoch stößt das Römi­sche Zah­len­sys­tem aber schon ab »10000« (MMMMMMMMMM) – auf­grund sei­ner Unüber­sicht­lich­keit – an sei­ne Gren­zen. Des­halb gab es unwei­ger­li­ch für hohe Zah­len und mathe­ma­ti­sche For­meln indi­vi­du­el­le, nicht für die All­ge­mein­heit gül­ti­ge Abbreviaturen.Römische Zah­len wur­den ab dem Mit­tel­al­ter (vor­her wur­den bis zu vier Zei­chen geschrie­ben) als Drei­er-Bün­del 3 ) im Posi­ti­ons- bzw. Stel­len­wert­sys­tem addiert, wel­ches bis heu­te Gül­tig­keit hat. Seit­dem grup­pie­ren sich die Zei­chen nicht mehr rang­mä­ßig von rechts nach links, wobei links immer der grö­ße­re Wert stand, son­dern wur­den inso­fern durch­ein­an­der geschrie­ben, als nun auch links vom grö­ße­ren ein klei­ne­rer Wert mög­li­ch war, der vom grö­ße­ren abge­zo­gen wur­de. Bei »vier« wur­den kei­ne vier Stri­che mehr zusam­men­ge­zählt, son­dern es wur­de von »fünf« (V) »einer« abge­zo­gen (IV). Dabei ist zu beach­ten, dass »Einer« nur von »Fün­fern« und »Zeh­nern«, »Zeh­nern« nur von »Hun­der­tern« und »Hun­der­ter« nur von »Tau­sen­dern« abge­zo­gen wer­den konn­te. Bis auf das »M«, wel­ches belieb oft benutzt wer­den kann, dür­fen heu­te römi­sche Zah­len­zei­chen maxi­mal drei Mal neben­ein­an­der wie­der­holt wer­den. 4 )

Ab 1200 n. Chr. wur­den die Römi­sche Zah­len­zei­chen durch die Indo-Ara­bi­schen Zif­fern als Zah­len­zei­chen abge­löst. Erst durch sie konn­ten in West­eu­ro­pa kom­ple­xe mathe­ma­ti­sche Zusam­men­hän­ge, also höhe­re Mathe­ma­tik, dar­ge­stellt wer­den.

In der Schrift­satz–Typo­gra­phie fin­den Römi­sche Zah­len 5 ) bis heu­te Ver­wen­dung; über­wie­gend als Ordi­nals­zah­len, als mathe­ma­ti­sche Son­der­zei­chen, als Glie­de­rungs­zei­chen und als Inschrif­ten im Bereich der Archi­tek­tur und Kunst. 6 )

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1, 2.Anmer­kung: Der jeweils letz­te Buch­sta­be müss­te hier eigent­li­ch gespie­gelt wer­den, was lei­der in HTML nicht mach­bar ist.
3.Anmer­kung: In alten Inschrif­ten, in Latein­bü­chern sowie in älte­ren Büchern und Manu­skrip­ten wer­den Römi­sche Zah­len oft noch in Vie­rer-Bün­deln dar­ge­stellt.
4.Anmer­kung: Erst als in Euro­pa die ara­bi­schen Zif­fern all­ge­mein bekannt wur­den, kam der Brauch auf, anstel­le der vier nur mehr drei glei­che Zei­chen zu schrei­ben. Damit war das ein­fa­che Zusam­men­zäh­len der Wer­te nicht mehr mög­li­ch, es muß­te nun auch abge­zo­gen wer­den. Die Zei­chen grup­pier­ten sich nicht mehr rang­mä­ßig von rechts nach links, wobei links immer der grö­ße­re Wert stand, son­dern wur­den inso­fern durch­ein­an­der geschrie­ben, als nun auch links vom grö­ße­ren ein klei­ne­rer Wert mög­li­ch war, der vom grö­ße­ren abge­zo­gen wur­de. Bei vier wur­den kei­ne vier Stri­che mehr zusam­men­ge­zählt, son­dern es wur­de von fünf (V) einer abge­zo­gen (IV).
5.Tipp: Römi­sche Zah­len soll­ten in der Mikro­ty­po­gra­phie immer wie Majus­keln leicht spa­tio­niert wer­den.
6.LIte­ra­tur­emp­feh­lung: Fried­rich Nau­mann: Vom Aba­kus zum Inter­net, Die Geschich­te der Infor­ma­tik, Pri­mus Ver­lag 2001, ISBN 3–89678-224-X.