Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Satzspiegel

Typographischer Terminus für ein schematisches Ordnungssystem einer Buchdoppelseite; Grundriss von Schrift, Bild und Fläche einer Buchdoppelseite; Buchsatzspiegel; Kolumne; Gestaltungsraster. Der Satzspiegel beschreibt insbesondere den zu bedruckenden Teil einer Buchdoppelseite. Der Entwurf eines Satzspiegels gehört in den Bereich der Makrotypographie und ist eine Methode zur Definition und Dokumentation ästhetischer Proportionen.

Die Konstruktion von »Kodexregistern«, einer Archeform des Buchsatzspiegels, gehörte bereits seit dem 1. Jahrhundert zum Standardrepertoire eines
Kalligraphen (Kalligraphie) oder Kopisten. Die Villardsche Figur, ein auch heute noch verwendeter Teilungskanon für einen Buchsatzspiegel, stammt beispielsweise aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ab der italienischen Renaissance wurden Satzspiegel dann auch nach den Proportionen des Goldenen Schnitts konstruiert, welchen der Mathematiker Leonardo Fibonacci (um 1180–1240) erstmals nachgewiesen hat.

Ein Satzspiegel dokumentiert immer eine Doppelseite und beschreibt das Seitenformat (Papierrand, Beschnitt), die unbedruckten Flächen (Kopfsteg
, Bundsteg, Außensteg, Fußsteg), das Raster- und Register-Umbruchsystem (Zeilenraster, Bildraster, Tabellenraster, Flächenraster, Zeilenabstand, Durchschuß, Satzspalten, Satzbreite, Schriftsatzarten, Spaltenabstand, Headlines, Tabellen) und die bedruckte Flächen außerhalb des Register-Umbruchsystems (Lebender und toter Kolumnentitel, Legenden, Pagina, Fußnoten, Marginalien).

Über die Konstruktion von Satzspiegeln existieren seit Jahrhunderten in Bezug auf Aufbau, Technik, Wirtschaftlichkeit, Psychologie, Kultur und Ästhetik unterschiedliche Betrachtungsweisen.

[T] Der Begriff Satzspiegel bezieht sich in der Regel immer auf ein Buch oder im weiteren Sinne auf ein buchähnliches Druckerzeugnis, beispielsweise einen Geschäftsbericht. Der Begriff Gestaltungsraster hingegen ist in seiner Anwendung offen, er kann sich also auch auf Websites oder dreidimensionale Objekte beziehen.
[L] Jan Tschichold: Schriften 1925-1974, Brikmann & Bose, Berlin 1991, Band 1 und 2, ISBN 3-922660-35-5 und ISBN 3-922660-36-3.
[L] Jan Tschichold: Im Dienste des Buches, 1951, SGM-Bücherei, St. Gallen.
[L] Otl Aicher und Josef Rommen: Typographie, Ernst & Sohn Verlag, ISBN 3-433-02090-6.
[L] Jost Hochuli: Bücher machen. Agfa Compugraphic.
[L] Stanley Morison: Grundregeln der Buchtypographie, Heymanns Verlag, Köln.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.10.2008
von
Wolfgang Beinert

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