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Schmutztitel
Vortitel
Begriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer, Drucker und Buchbinder für die erste Seite eines Buches, die einen repräsentativen Haupttitel [1] vor und während der handbuchbinderischen Weiterverarbeitung vor dem Verschmutzen schützen soll [2]. Heute auch als Vortitel bezeichnet.
In der industriellen Buchproduktion ist der Schmutztitel für die Weiterverarbeitung funktionslos; er findet in der Buchtypographie nur noch als dramaturgisches Gestaltungsmittel Anwendung, um den nachfolgenden Haupttitel hervorzuheben.
In der traditionellen Buchgestaltung bzw. Buchtypographie folgt der Schmutztitel nach dem Vorsatz(papier) und steht vor dem Haupttitel (Buchtitel) [3]. Er ist die erste Seite, also die Seite 1 eines Buches, welche aber nicht paginiert wird. Der Schmutztitel gehört zur Titelei eines Buches; er befindet sich auf dem ersten Druckbogen (Rohbogen).
Der Schmutztitel kann mit dem Verfasser, Titel des Buches [3], Reihentitel, Verlag, Verlagssignet, Widmungszeile oder einem Credo etc. versehen werden. In der Regel ist der Schmutztitel einzeilig. Alternativ kann die Schmutztitelseite auch eine Vakatseite [4] sein.
[1] Vor der Industrialisierung des Buchdrucks war es bei Büchern oft üblich, den Haupttitel eines Buches kunstvoll und aufwendig zu gestalten und zu produzieren. Der Schmutztitel schützte während der buchbinderischen Weiterverarbeitung den Haupttitel vor Verschmutzung und Verletzungen (z.B. Farbabrieb). Diesen ursprünglichen Sinn und Zweck erfüllt ein Schmutztitel auch heute noch, wenn bibliophile Bücher, z.B. Künstlerbücher oder aufwendige Jahresgaben, von einem Handbuchbinder weiterverarbeitet werden.
[2] In handwerklich organisierten Buchbindereien dient(e) der Schmutztitel auch dazu, unterschiedliche Buchblöcke im Sinne der Auftragsabwicklung augenscheinlich kenntlich zu machen.
[3] »Titel eines Buches« und »Buchtitel« sind in der Buchgestaltung zweierlei: Der Titel eines Buches ist wortwörtlich zu verstehen, während der Buchtitel der »Haupttitel« ist und Verfasser, Titel und Verlag nennt. Der Haupttitel ist in der klassischen Buchtypograhie die Seite 3.
[4] Viele Typographen, u.a. Jan Tschichold (1902–1974), verwenden alternativ eine Vakatseite (Leerseite), um dem Haupttitel einen repräsentativeren Auftritt zu ermöglichen.
[T] Die Funktion des Schmutztitels, auch wenn er gegebenenfalls mit Autor und Buchtitel versehen ist, ersetzt nicht den Haupttitel eines Buches.
[T] Der Schmutztitel wird gemäß Satzspiegel registerhaltig gesetzt.
[T] Die Rückseite eines Schmutztitels sollte immer eine Vakatseite sein, damit der Haupttitel gebührend zur Geltung gebracht werden kann.
[T] In Schriftsatzprogrammen, beispielsweise InDesign ®, beginnt die erste »gezählte« Seite beim Schmutztitel, auch wenn die erste Pagina nicht gedruckt wird.
[T] Die Schmutztitelseite ist die passende Seite für handschriftliche Widmungen, beispielsweise wenn man ein Buch verschenkt.
[L] Jost Hochuli: Bücher machen. Eine Einführung in die Buchgestaltung. Agfa Compugraphic, 1989.
Aufsatz zuletzt bearbeitet am 11.03.2011
von Wolfgang Beinert
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