Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Digitale Schreibschriften
Script

Typographischer Terminus für Zierschriften, die in ihrer Formgebung auf Handschriften basieren;
Fonts, die in ihrem Aussehen einer Hand-, Schreib- oder Pinselschrift nachempfunden wurden. Im Sprachschatz deutscher Typographen auch als Schönschriften, Schrägschriften, Kartenschriften, Rundschriften, Korrespondenzschriften, Facsimileschriften oder Kurrentschriften, im englischsprachigen Raum als »Script« bezeichnet.

Digitale Hand-, Schreib- und Pinselschriften eignen sich im Segment der Lesetypographie nicht als Grundschrift, da sie in der Regel über auffällige, dekorative, modische bzw. geschmäcklerische Charaktere verfügen. Sie werden deshalb überwiegend in der Gebrauchstypographie (Werbetypographie) und in der Kunsttypographie (Typo Design) – meist in großen Schriftgraden – als Headlines, als Schmuckschriften bzw. als Gestaltungselemente verwendet. Hand-, Schreib- und Pinselschriften verfügen oft nur über ein Figurenverzeichnis. Obwohl ihr Duktus sich an skriptographischen Schreibwerkzeugen, wie beispielsweise an
Federn, Markern, Pinseln oder Stiften orientieren, handelt es sich nicht um kalligraphische Schriften. In den USA, z.B. bei House Industries ® (Font Foundries), werden Hand- und Pinselschriften auch als Display Typefaces bezeichnet.

Vertreter dieser Schriftart: Amazone (L.H.D. Smith, 1958), Berthold Script (Günter Gerhard Lange, 1977), Bible Script (Richard Bradley, 1997), Dolores (Tobias Fere-Jones, 1991), Fink Brush (Cruz, Roat, Barber, Nguyen), House Script (Cruz, Roat, Barber, Nguyen), Linoscript™ (Morris Fuller Benton, 1905) Murray Hill (Emil Klump, 1956), Tagliente 1524 (Judith Sutcliffe, 1990), Tiki Holiday (Cruz, Roat, Barber, Nguyen) und Zapfino™ (Hermann Zapf, 2003).

[T] Digitale Schreibschriften sollten nur begrenzt und sehr überlegt eigesetzt werden, da diese »falschen Schreibschriften« – insbesondere bei größeren Textmengen – immer künstlich und unnatürlich wirken. Sparsam und gekonnt eingesetzt, eignen sie sich aber vorzüglich im Grafik- und Editorial Design als Titelsatzschriften.
[T] Im materiellen Schriftsatz (Bleisatz) gehörten Schönschriften, Schrägschriften, Kartenschriften, Rundschriften, Korrespondenzschriften, Facsimileschriften oder Kurrentschriften zu den Akzidenzschriften.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.10.2008
von
Wolfgang Beinert

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