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Schriftlinien
Schriftliniensysteme
In der Typometrie lateinischer Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen werden unterschiedliche Schriftlinien und Schriftliniensysteme mit zwei, drei und vier Hauptschriftlinien sowie deren Überhangslinien unterschieden. Schriftlinien ordnen die Majuskeln und Minuskeln eines lateinischen Alphabets in Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen.
Schriftlinienproportionen, also der Abstand der Schriftlinien zueinander, dienen der Konstruktion von Buchstaben und sind ein wesentliches Schriftklassifikationsmerkmal; sie sind bei jeder Schrift unterschiedlich. Schriftlinienproportionen bestimmen nicht nur die Ästhetik einer Schrift, sondern auch deren Lesbarkeit. Der Standard in gemischten Alphabeten westeuropäischer Schriften ist das »Vierliniensystem«.
Die Typographie unterscheidet sechs Schriftlinien (von oben nach unten):
- Á-Linie (Akzentlinie)
k-Linie (Minuskeloberlänge bei Renaissance-Antiquas)
H-Linie (Majuskel- oder Versalhöhe)
x-Linie (Minuskelhöhe)
Grundlinie (Schriftline)
p-Linie (Unterlänge)
Im Vierliniensystem werden folgende Hauptschrift- und Überhanglinien differenziert (von oben nach unten):
- Großer Überhang
Majuskelhöhe (H-Linie)
Kleiner Überhang
Minuskelhöhe (x-Höhe)
Grundline (Schriftlinie)
Unterer Überhang
Unterlänge (Grundlinie zur p-Linie)
Tiefer Überhang
Das konsequente Vierliniensystem bei Antiqua-Druckschriften wurde bereits mit der Venezianischen Renaissance-Antiqua der Prototypographen Gebrüder von Speyer und Nicolas Jenson, welche die »Sublacensische Antiqua« der Prototypographen Conrad Sweynheym und Arnold Pannartz kultivierten, zum Standard in der typographischen Schriftgestaltung.
[T] Schriftlinien sind insbesondere bei der mikrotypographischen Interpretation von Schriften im Segment der Schriftmischung von großer Wichtigkeit.
[T] Im Zweiliniensystem werden beispielsweise Majuskelalphabete (Trajanisches Alphabet) oder Tabellenziffern entworfen.
[T] Im Dreiliniensystem werden beispielsweise Kapitälchen entworfen.
[T] Im Vierliniensystem werden gemischte Alphabete und Mediävalziffern entworfen.
Aufsatz zuletzt bearbeitet am 23.08.2006
von Wolfgang Beinert
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