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Serifen
Typographischer Terminus für die Endstriche, An- und Abstriche eines lateinischen Buchstabens, einer Arabischen Ziffer oder eines Sonderzeichens; Abschluß der Balken (Haupt-, Grund- oder Standstriche), Querbalken (Querstriche) und Schrägen einer Serifenschrift. Umgangssprachlich auch als » Füßchen « bezeichnet. Semantisch vom ndrl. » schreef « für » Strich «; etymologisch aus dem lt. » scribere « für » schreiben «. Die Serifenform bestimmt im Wesentlichen die Charakteristik und Anmutung einer Antiqua. Serifenformen gehören deshalb zu den kardinalen Schriftklassifikationsmerkmalen (Schriftklassifikation).
Serifen wurden von der Prototypographie durch die kalligraphische (Kalligraphie) Formgebung der Capitalis Quadrata (Majuskelalphabet) und der Humanistica formata (Minuskelalphabet) übernommen, die wiederum mit ihren Serifen die breiten Meißelansätze [1] der Capitalis monumentalis imitierten bzw. die durch unterschiedliche kalligraphische Schreibtechniken sowie auch Münzprägetechniken [2] kultiviert wurden. Nach Adrian Frutiger [3] stellen Serifen seit der Antike das Ende eines Strichs dar, was dem menschlichen Bedürfnis nach » Sicherheit und Begreifbarkeit « gerecht wird. » So wird Anfang und Ende « grafisch begreiflich und » die Linien verlieren sich nicht in der Unendlichkeit «.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen ein- und doppelseitigen Kopf-, Stand-, Abschluss- und Querserifen. Typometrisch beginnt der Serifenansatz bei Balken, Querbalken oder Brücke eines Buchstabens und mündet über den Serifenübergang in die eigentliche Serife, welche sich aus Serifenhöhe, Serifenlänge sowie der Form der Serifenober-, Serifenunter- und Serifenseitenkante ergibt. Kopfserifen von Majuskeln enden in der traditionellen Druckschriftgestaltung bei der H-Linie (Versalhöhe); Standserifen von Majuskeln stehen auf der Grundline; Abschlussserifen der Unterlängen von Minuskeln auf der p-Linie.
Die Typometrie kennt unterschiedliche Serifenformen. Beispielsweise feine Haarserifen, Serifen mit gerundeten bzw. gewölbten oder geraden Serifenunterkanten mit eckigen oder abgerundeten Serifenübergängen, gekehlte oder betonte bzw. blockartige Serifen (Slab Serif) sowie trapez- bzw. keilförmige Serifen (Glyphic) etc.
In der Lesetypographie gilt die Erkenntnis, dass die Serifenformen den Leseprozess spürbar beinflussen können. So gelten beispielsweise fette, blockartige Endstriche wie sie bei Egyptienne-Schriften zu finden sind oder sehr feine Endstriche z.B. bei Klassizistischen Antiquas als lesehemmend. Dagegen werden Serifenformen von Renaissance- und Vorklassizistischen Antiqua-Druckschriften als lesefördernd eingestuft. Druckschriften mit Serifen werden in Westeueropa grundsätzlich, je nach Print-Lesbarkeitstest, bis zu einem Fünftel schneller gelesen, als Druckschriften ohne Serifen (z.B. Pyke, 1929, Monotype No. 2 Old Style ./. Stephenson & Blake No. 10 Lining Grotesque).
Bei VGA- und LCD-Bildschirmen gilt diese Erkenntnis aus der Print-Lesbarkeitsforschung allerdings nicht. Denn aufgrund der geringen lpi-Auflösungen handelsüblicher Monitore und der damit mangelhaften Darstellung der Serifen, sind Screen-Schriften ohne Serifen, beispielsweise die Verdana von M. Carter, in Schriftgraden von 8 bis 12 Pixel deutlich schneller lesbar, als Screen- und Druckschriften mit Serifen in gleicher Versalhöhe.
[1] Die Epigraphik kennt auch Inschriften ohne Breitmeißelansätze, beispielsweise aus der hellenistischen Epoche. Serifen waren somit technisch gesehen nicht unbedingt notwendig, sondern sie entsprachen vermutlich auch einer ästhetische Auffassung. Somit bleibt die Begründung der technischen Notwendigkeit auch weiterhin ein Hypothese, wenn auch eine sehr überzeugende.
[2] Serifen dokumentiert die Numismatik bereits bei Münzprägungen in der griechischen Antike und der Römischen Republik. So beispielsweise auf dem Tetradrachme des Lysimachos (Rückseite mit Kopfportrait von Alexander dem Großen) ca. 297281 v.Chr. oder dem römisch republikanischen Tryphon, Tetradrachme, Antiochia 138141 v.Chr. (Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Bode-Museum, Münzkabinett, Vitrine 32, Die antike Welt bis zum 3. Jahrhundert).
[3] [L] Frutiger, Adrian: Der Mensch und seine Zeichen, 1978, Vourier Verlag ISBN 3-925037-39-X.
[T] Schriften sollten grundsätzlich nur auf dem Trägermaterial beurteilt werden, welches letztendlich als Trägermaterial dient. Eine Druckschrift, z.B. eine Bauer Bodoni ® normal mit sehr feinen Serifen, am Bildschirm zu beurteilen, ist nicht möglich. Merke: Schrift ist nicht gleich Schrift!
[L] Peter Karow: Schrifttechnologie, Methoden und Werkzeuge, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, N.Y., ISBN 3-540-54918-8.
[L]
Karen Cheng: Designing Type, Anatomie der Buchstaben, Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISBN 3-87439-689-4.
Aufsatz zuletzt bearbeitet am 24.05.2007
von Wolfgang Beinert
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