Schreibschriften

In der Typographie sind »Schreibschriften« ein Sammelbegriff für dekorative Druckschriften und Screen Fonts, die in ihrer Formgebung (Typometrie) auf einer kalligraphischen Schönschrift (siehe Kalligraphie) oder Handschrift beruhen bzw. um Schriften, die per Hand (Handcrafted) gezeichnet und so belassen als TrueType Font digitalisiert wurden. Im angelsächsischen Sprachraum als »Script Fonts«, abgekürzt als »Script« bezeichnet.

Schreibschriften 1 ) 2 ) eignen sich im Segment der Lesetypographie nicht als Grundschrift, da sie im Allgemeinen über eine individuelle und somit für den Rezipienten ungewohnte Letterarchitektur verfügen. In der typographischen Schriftklassifikation gehören Schreibschriften zu den Zierschriften. Sie werden primär im Akzidenzsatz, in der Kunst- und Gebrauchstypographie, im Grafikdesign, im Webdesign und im Editorial Design – meist in großen Schriftgraden – als Headlines, Trend- und Schmuckschriften bzw. als Gestaltungselemente verwendet. 

In der Typographie sind »Schreibschriften« (Script Fonts) ein Sammelbegriff für dekorative Druckschriften und Screen Fonts, die in ihrer Formgebung auf einer kalligraphischen Schönschrift oder Handschrift beruhen bzw. um Schriften, die per Hand (Handcrafted) gezeichnet und so belassen als TrueType Font digitalisiert wurden. Beispiele von oben: »Avera Sans« (2014) von Tom Chalky, »Reporter« (1938) von Carlos Winkow und »Alivia« (2017) von Kelly Reed.
In der Typographie sind »Schreibschriften« (Script Fonts) ein Sammelbegriff für dekorative Druckschriften und Screen Fonts, die in ihrer Formgebung auf einer kalligraphischen Schönschrift oder Handschrift beruhen bzw. um Schriften, die per Hand (Handcrafted) gezeichnet und so belassen als TrueType Font digitalisiert wurden. Beispiele von oben: »Avera Sans« (2014) von Tom Chalky, »Reporter« (1938) von Carlos Winkow und »Alivia« (2017) von Kelly Reed.
Drucktypen und Fonts, die auf einer originären Handschrift basieren, werden als Faksimile-Schreibschriften (Script) bezeichnet, beispielsweise der Font »P22 Da Vinci Forward« (1997) von Denis und Richard Kegler, einer originalgetreuen Reproduktion der Handschrift von Leonardo da Vinci (1452–1519).
Drucktypen und Fonts, die auf einer originären Handschrift basieren, werden als Faksimile-Schreibschriften (Script) bezeichnet, beispielsweise der Font »P22 Da Vinci Forward« (1997) von Denis und Richard Kegler, einer originalgetreuen Reproduktion der Handschrift von Leonardo da Vinci (1452–1519).

Bereits im späten 18. Jahrhundert wurden in England und Frankreich Schreibschriften in grafischen Tief- und Hochdruckverfahren, beispielsweise in der Beschreibung einer technischen Skizze, genutzt. In Deutschland wurden diese Drucktypen ab Mitte des 19. Jahrhunderts u.a. als »Kartenschriften«, 3 ) z.B. eine »Englische Schreibschrift«, oder als »Reklameschriften«, z.B. die »Linoscript®« (1905) von Morris Fuller Benton (1872–1948), von den Schriftgießereien (Font Foundry) als Akzidenzschriften angeboten. 

Beispiel einer gedruckten »Schönschreibschrift« aus dem Jahre 1853. Quelle: Publication Industrielle des Machines, Outils et Appareils, Chez M. Carilian-Goeury et Victor Dalmont, Libraires pour L´Industrie, les Arts et Les Scirnces, Paris.
Beispiel einer gedruckten »Schönschreibschrift« aus dem Jahre 1853. Quelle: Publication Industrielle des Machines, Outils et Appareils, Chez M. Carilian-Goeury et Victor Dalmont, Libraires pour L´Industrie, les Arts et Les Scirnces, Paris.
Beispiel einer Reklameschreibschrift aus dem Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885.
Beispiel einer Reklameschreibschrift aus dem Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885.

In der DIN 16518, einem deutsches Schriftklassifikationsmodell für den Bleisatz aus dem Jahre 1964, wurden die von Schönschreibschriften abgeleitete Drucktypen in die Untergruppe 8 einsortiert. Allerdings war im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) der Umfang dieser Schriftgruppe noch sehr bescheiden. Selbst sehr große Schriftgießereien boten selten mehr als ein Dutzend Schreibschriftvarianten für den Akzidenzsatz an.

Ebenso gering war das Angebot von Schreibschriften im optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz). Beispielsweise umfasste die Schriftenbibliothek von Berthold im Jahre 1988 insgesamt 286 Schriftfamilien. Darunter befanden sich allerdings – und das bei großzügiger Interpretation der Typometrie – nur 27 Schreibschriften. 4 ) Erst ab Mitte der 1990er Jahre im Zuge der Digitalisierung der Schrift und der einhergehenden Demokratisierung der Produktionsmittel – heute kann technisch gesehen jeder eine Schrift an seinem PC mit einem Font Generator herstellen – nahm das Angebot sprunghaft zu. Gegenwärtig existieren unzählige Script Fonts, die beispielsweise als »Designer Fonts«, »Indie Fonts« oder »Handcrafted Fonts« kostenlos oder entgeltlich im Internet angeboten werden.

In der Matrix Beinert (2001/2007), einem Schriftklassifikationsmodell für das Electronic und Desktop Publishing (DTP), zählen digitale Schreibschriften zu den Zierschriften (Hauptschriftgruppe 4). Sie bilden dort die Schriftuntergruppe »Script«, die je nach Bedarf in Unter- und Nebengruppen aufgeteilt wird.

Klassifikation von Schreibschriften (Script) nach der Matrix Beinert:

  • Script
    • Script Airbrush
    • Script Bleisatz
      • Script Anglaise
      • Script Cursiv Rundschrift
      • Script Englische Schreibschrift
      • Script Kartenschrift
      • Script Korrespondenzschrift
      • Script Kurrentschrift
      • Script Mediaeval Schreibschrift
      • Script Reklameschrift
      • Script Rundschrift
      • Script Schönschrift
      • Script Verzierte Rundschrift
    • Script Freestyle & Fantasy
    • Script Handgzeichnete Drucktypen & Indie (Handcrafted)
    • Script Handschriften
      • Script Blockbuchstaben 
      • Script Cursiva
      • Script Faksimile 
      • Script Gotisch
      • Script Schulschrift
    • Script Kalligraphie
      • Script Federn
        • Script Bundzugfeder
        • Script Glasfeder
        • Script Pfannenfeder
        • Script Plakatfeder
        • Script Schnurzugfeder
        • Script Schreibfeder
        • Script Spitzfeder
        • Script Zeichenfeder
      • Script Griffel
      • Script Pinsel
        • Script Malerpinsel
        • Script Schreibpinsel
      • Script Schreibrohr
        • Script Kalamoi
        • Script Rohrfeder
      • Script Stifte 
        • Script Bleistift
        • Script Buntstift
        • Script Filzstift
        • Script Kohlestift
        • Script Kreide
        • Script Kugelschreiber
        • Script Marker
           

Vertreter dieser Schriftart

Schreibschriften (Auswahl):

SchriftSchriftgestalterFont FoundryJahr
AdornWorthington, LauraLaura Worthington 2014
AliviaReed, KellyPixelbuddha2016
Amelia ScriptBaboon, MaroonEigenproduktion2015
Cinque Donne Sementelli, DebiDebi Sementelli2017
Englische Schreibschrifto.A.Berthold1972
English 157Yefimov, VladimirBitstream1999
Künstler ScriptBohn, HansStempel1957
LinoscriptBenton, Morris FullerLinotype1905
MamboFullard, ValFontFont1992
Next RustPetrova, Ani
Simov, Svetoslav
Stanev, Vasil
Tinkov, Radomir
Fontfabric2014
SelfieSprovier, MaximilianoLián Types2014
Sofa Sans HandHerold-Wildfellner, GeorgFaceType2017
ZapfinoKobayashi, Akira
Zapf, Hermann
Linotype2003

Script Fonts verfügen oft nur über ein Figurenverzeichnis. In den USA, z.B. bei House Industries®, werden Hand- und Pinselschriften neben der Sammelbezeichnung »Script« auch als »Display Typefaces« vermarktet.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Tipp: Digitale Schreibschriften sollten nur sehr begrenzt und sehr überlegt eigesetzt werden, da diese »falschen Schreibschriften« – insbesondere bei größeren Textmengen – immer künstlich und unnatürlich wirken. Sparsam und gekonnt eingesetzt, eignen sie sich aber vorzüglich im Grafik- und Editorial Design als Titelsatzschriften.
2.Literaturempfehlung: Pott, Gottfried: Schreiben mit Hand und Herz, Kalligrafische Erfahrungen, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, ISBN 978-3-87439-886-2.
3.Anmerkung: Kartenschriften sind Druckschriften, die überwiegend für private Akzidenzdrucke, z.B. für Hochzeitskarten, Einladungskarten oder Visitenkarten, angeboten wurden. Meist handelte es dabei um Künstler-, Schön und Bankschriften. Später zählten auch Schraffur- und Schattenschriften dazu.
4.Quelle: H. Berthold AG: Berthold Types, Band A, Berlin 1988.