Schriftgrad

Schrift­grö­ße einer Druck­schrift oder eines Screen Fonts. Im mate­ri­el­len Schrift­satz (z.B. Blei­satz) als »Kegel­grö­ße«, in der Infor­ma­tik und im Web­de­si­gn als »font-size« bezeich­net. Der Schrift­grad ist eine von sehr vie­len Kom­po­nen­ten, die die Les­bar­keit eines Schrift­sat­zes beein­flus­sen kann.

Der Umgang mit Schrift­gra­den gehört sowohl in die Makro­ty­po­gra­phie als auch in die Mikro­ty­po­gra­phie. 1 )

Die im Blei­satz, Foto­satz, DTP Desk­top Publis­hing und teils im Web Publis­hing gebräuch­li­chen Schrift­gra­de fol­gen bestimm­ten Tra­di­tio­nen, die sich his­to­ri­sch bis zu den Pro­to­ty­po­gra­phen des 15. Jahr­hun­derts zurück­ver­fol­gen las­sen. Im 18. Jahr­hun­dert wur­de durch Pier­re Simon Four­nier (1712–1768), François Ambroi­se Didot (1730–1804) und sei­nen Sohn Fir­min Didot (1764–1836), erst­mals eine Nor­mung der Schrift­gra­dab­stu­fun­gen in Form eines »Point typo­gra­phi­que« ange­strebt, die teil­wei­se noch heu­te gül­tig ist und auch der digi­ta­len Typo­gra­phie als Grund­la­ge dient. 2 )

Schrift­gra­de von Druck­schrif­ten (Text­schrif­ten, Werk­satz­schrif­ten) wer­den in der Lese­ty­po­gra­phie tra­di­tio­nell in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen (Opti­sche Grö­ße »Cap­ti­on«), Lese­grö­ßen (Opti­sche Grö­ße »Regu­lar«) und Schau­grö­ßen (Opti­sche Grö­ße »Sub­head«) unter­teilt. In der Akzi­denz­ty­po­gra­phie (sie­he auch Akzi­denz­schrift) wird die­se Ein­tei­lung noch zusätz­li­ch durch Pla­kat­grö­ßen und Fern­grö­ßen (Opti­sche Grö­ße »Dis­play«) ergänzt.

Im mate­ri­el­len Schrift­satz (Blei­satz) exis­tie­ren für alle gän­gi­gen Kegel­grö­ßen Eigen­na­men, soge­nann­ten »Mit­tel«, die ehe­mals von deutsch­spra­chi­gen Schrift­gie­ße­rei­en in einer »Mit­tel­ta­bel­le« doku­men­tiert wur­den, einer Umrech­nungs­ta­bel­le mit Schrift­gra­den in Didot-Punk­ten, basie­rend auf dem deut­schen Kon­kor­danz­sys­tem.

Schriftgrade sind relativ

Grund­sätz­li­ch ist fest­zu­stel­len, dass im Sin­ne der Metro­lo­gie und Typo­me­trie kei­ne ver­bind­li­chen und ein­heit­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen für die Bema­ßung von Druck­schrif­ten und Screen Fonts exis­tie­ren.  

Heute existieren in der digitalen Typographie im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen mehr. Schriftgrade sind deshalb heute relativ. Ein Typometer ist nutzlos – das Auge und die Erfahrung eines Typographen/in ist um so wichtiger geworden. Vergleich einer Baskerville, Curier, DIN 30640 und Zapfino. Alle Schriften wurden in Adobe Photoshop® im Originalmaßstab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schriftlinien erkennbar ist, weichen sowohl die Majuskelhöhen als auch sämtliche Ober-, Mittel- und Unterlängen voneinander ab.
Heu­te exis­tie­ren in der digi­ta­len Typo­gra­phie im Sin­ne der Metro­lo­gie und Typo­me­trie kei­ne ver­bind­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen mehr. Schrift­gra­de sind des­halb heu­te rela­tiv. Ein Typo­me­ter ist nutz­los – das Auge und die Erfah­rung eines Typographen/in ist um so wich­ti­ger gewor­den. Ver­gleich einer Bas­ker­vil­le, Curier, DIN 30640 und Zap­fi­no. Alle Schrif­ten wur­den in Ado­be Pho­to­shop® im Ori­gi­nal­maß­stab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schrift­li­ni­en erkenn­bar ist, wei­chen sowohl die Majus­kel­hö­hen als auch sämt­li­che Ober-, Mit­tel- und Unter­län­gen von­ein­an­der ab.

Neben unter­schied­li­chen phy­si­schen und vir­tu­el­len sowie abso­lu­ten und rela­ti­ven Maß­ein­hei­ten exis­tie­ren diver­se Metho­den zur Ermitt­lung von Schrift­gra­den, die von der Ver­ma­ßung der Majus­kel­hö­he (Ver­sal­hö­he) bis hin zur durch­schnitt­li­chen hp-Ver­ti­kal­hö­he mit und ohne »Flei­sch« eines Wor­tes rei­chen. Des Wei­te­ren sind Schrif­ten in ihrem typo­me­tri­schen Auf­bau sehr unter­schied­li­ch, bei­spiels­wei­se mit gro­ßen Mit­tel­län­gen, mit fast gleich gro­ßen Ober­län­gen, Mit­tel­län­gen und Unter­län­gen, klei­nen Mit­tel­län­gen sowie gro­ßen und klei­nen Unter­län­gen.

In Deutsch­land, Öster­reich und in der Schweiz ist offi­zi­ell das metri­sche Sys­tem, also die Bemes­sung von Buch­sta­ben in mm, cm bzw. Meter, bin­dend. 3 ) Auch sämt­li­che EU-Ver­ord­nun­gen, bei­spiels­wei­se das EU-Kenn­zeich­nungs­recht 1169/2011 (EU-Ver­ord­nung über die Infor­ma­ti­on der Ver­brau­cher über Lebens­mit­tel) fixiert Schrift­grö­ßen in metri­schen Ein­hei­ten (mm). Die klein­s­te sinn­vol­le Ein­heit im DTP Desk­top Publis­hing für die Schrift­gra­dab­stu­fung beträgt 0,25 mm, was etwas fei­ner ist, als die klas­si­sche Didot-Punkt-Ein­heit von 0,376 mm.

Ein in typo­gra­phi­schen Punk­ten oder Mil­li­me­tern ange­ge­be­ner Schrift­grad wur­de bis zum Ende des opto­me­cha­ni­schen Licht­sat­zes (Foto­satz) mit unter­schied­li­chen Typo­me­tern gemes­sen, wel­che aller­dings in der digi­ta­len Typo­gra­phie kei­ne genau­en Ergeb­nis­se mehr lie­fern kön­nen.

Ein Typometer diente u.a. zum Messen von Schriftgraden und Zeilenabständen – hier im Beispiel ein transparentes Typometer für den Fotosatz der Firma Berthold GmbH aus den 1990er Jahren. Das Messen mit einem Typometer ist sys­tem­im­ma­nent. Das bedeutet, es funktioniert nur innerhalb eines bestimmten geschlossenen Schriftsatz- und Schriftvervielfältigungssystems, ansonsten ist der gemessene Schriftgrad nur relativ und somit nicht verwendbar. Heute ist die Divergenz bei Typometern, Fonts, Software, Peripheriegeräten (RIPs) etc. so groß, dass Typometer mehr oder weniger nutzlos geworden sind.
Ein Typo­me­ter dien­te u.a. zum Mes­sen von Schrift­gra­den und Zei­len­ab­stän­den – hier im Bei­spiel ein trans­pa­ren­tes Typo­me­ter für den Foto­satz der Fir­ma Bert­hold GmbH aus den 1990er Jah­ren. Das Mes­sen mit einem Typo­me­ter ist sys­tem­im­ma­nent. Das bedeu­tet, es funk­tio­niert nur inner­halb eines bestimm­ten geschlos­se­nen Schrift­satz- und Schrift­ver­viel­fäl­ti­gungs­sys­tems, ansons­ten ist der gemes­se­ne Schrift­grad nur rela­tiv und somit nicht ver­wend­bar. Heu­te ist die Diver­genz bei Typo­me­tern, Fonts, Soft­ware, Peri­phe­rie­ge­rä­ten (RIPs) etc. so groß, dass Typo­me­ter mehr oder weni­ger nutz­los gewor­den sind.

Wie wird ein Schriftgrad gemessen?

Bleisatz

Im Blei­satz wird die Schrift­grö­ße eines Buch­sta­bens in Form der Grö­ße des Buch­sta­ben­kör­pers (Kegel) in typo­gra­phi­schen Punk­ten bemes­sen und mit Mit­tel­na­men benannt. 

Der Schriftgrad wird im Bleisatz – also im materiellen Schriftsatz – als Kegelgröße bezeichnet. Sie umfaßt den erhabenen, druckenden Teil eines Buchstabens von der oberen Kante der Oberlänge bis hin zur unteren Kante der Unterlänge plus seinem oberen und unteren »Fleisch«, also der nichtdruckenden, oberen und unteren Peripherie einer Drucktype, wobei die Kegelgröße und die eigentliche Schriftbildgröße unterschiedlich ausfallen.
Der Schrift­grad wird im Blei­satz – also im mate­ri­el­len Schrift­satz – als Kegel­grö­ße bezeich­net. Sie umfaßt den erha­be­nen, dru­cken­den Teil eines Buch­sta­bens von der oberen Kan­te der Ober­län­ge bis hin zur unte­ren Kan­te der Unter­län­ge plus sei­nem oberen und unte­ren »Flei­sch«, also der nicht­dru­cken­den, oberen und unte­ren Peri­phe­rie einer Druck­ty­pe, wobei die Kegel­grö­ße und die eigent­li­che Schrift­bild­grö­ße unter­schied­li­ch aus­fal­len.

Die Abstu­fun­gen unter­schied­li­cher Schrift­grö­ßen sind im Blei­satz ein­heit­li­ch gere­gelt, so dass alle Schrif­ten zwar nicht in der Schrift­bild­grö­ße aber in der Stem­pel­grö­ße iden­ti­sch vor­han­den sind. 4 )

Fotosatz

Mit dem opto­me­cha­ni­schen Schrift­satz (Foto­satz) eta­blier­ten sich zwei unter­schied­li­chen Metho­den, um einen Schrift­grad in typo­gra­phi­schen Punk­ten oder Mil­li­me­tern zu mes­sen.

  1. Die eine legt sich eine Ver­ti­kal­hö­he eines Wor­tes zurecht. Das heißt, es wird vom denk­bar höchs­ten Punkt der Minus­kel »h« zum denk­bar tiefs­ten Punkt der Minus­kel »p« gemes­sen, was einer Addi­ti­on der Sum­man­den Unter­län­ge, Mit­tel­län­ge und Ober­län­ge inklu­si­ve aller opti­schen Über­hän­ge ent­spricht. Man bezeich­net die­se Metho­de auch als die Ermitt­lung der »hp-Ver­ti­kal­hö­he«.
  2. Bei der ande­ren Metho­de misst man die Höhe der Maju­s­el »H« von der Grund­li­nie bis zur H-Linie und erhält über eine Tabel­le die Gesamt­hö­he der Schrift, wobei unter­schied­li­che Foto­satz­ge­rä­te, z.B. von Bert­hold, Mono­ty­pe oder Lino­ty­pe, unter­schied­li­che Tabel­len und somit auch unter­schied­li­che Typo­me­ter und Legen­den in den Schrift­mus­ter­bü­chern erfor­der­ten. 

Bei­de Metho­den gel­ten im metro­lo­gi­schen Sin­ne als nicht sehr zuver­läs­sig, ins­be­son­de­re bei der Bema­ßung von klei­nen Schrift­gra­den. 

In der Typographie waren Schriftgrade schon immer relativ: »Wenn ein Leser seine Schrift messen würde, käme er zu anderen Ergebnissen als der Setzer. Was ein Setzer in Händen hat, stimmt nicht mit dem überein, was der Leser sieht.« Philipp Luidl, Typograph und Lehrer (1930–2015). Erste Zeile: Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad im materiellen Schriftsatz ist der Kegel einer Drucktype. Zweite und dritte Zeile: Im Fotosatz wird die hp-Vertikalhöhe oder die H-Linie mit einem Typometer gemessen.
In der Typo­gra­phie waren Schrift­gra­de schon immer rela­tiv: »Wenn ein Leser sei­ne Schrift mes­sen wür­de, käme er zu ande­ren Ergeb­nis­sen als der Set­zer. Was ein Set­zer in Hän­den hat, stimmt nicht mit dem über­ein, was der Leser sieht.« Phil­ipp Luidl, Typo­gra­ph und Leh­rer (1930–2015). Ers­te Zei­le: Bemes­sungs­grund­la­ge für den Schrift­grad im mate­ri­el­len Schrift­satz ist der Kegel einer Druck­ty­pe. Zwei­te und drit­te Zei­le: Im Foto­satz wird die hp-Ver­ti­kal­hö­he oder die H-Linie mit einem Typo­me­ter gemes­sen.

DTP Desktop Publishing

Im DTP Desk­top Publis­hing (z.B. mit Ado­be InDe­si­gn®) sowie im Seg­ment der Text­ver­ar­bei­tung (z.B. mit Micro­soft Word®) wer­den Schrift­gra­de über die jewei­li­ge Soft­ware in unter­schied­li­chen typo­gra­phi­schen Punk­ten 5 ) bzw. in Mil­li­me­ter defi­niert. 6 ) 

Schrift­gra­de in der digi­ta­len Typo­gra­phie sind grund­sätz­li­ch rela­tiv, da kei­ne ein­heit­li­chen metro­lo­gi­sche Bemes­sungs­grund­la­gen exis­tie­ren, um Schrift­gra­de sys­te­ma­ti­sch zu ermit­teln, ein­heit­li­ch zu bemes­sen und auf unter­schied­li­chen Trä­ger­ma­te­ria­li­en zu ver­glei­chen. 

In der Schriftgestaltung (Type Design) werden Schiften, beispielsweise OpenType Fonts, heute mit Font Editor Software (z.B. Fontographer® oder FontForge® von George Williams) gestaltet bzw. generiert. Die Schriftgröße orientiert sich dabei in der Regel an einer Art »hp-Vertikalhöhe« plus dem oberen und unteren »Fleisch« eines fiktiven »Kegels, der natürlich bei jedem Font willkürlich ausfällt. Ein Anachronismus, der die technischen Möglichkeiten und Anforderungen ad absurdum führt und selbst ansatzweise einheitliche Schriftgrade unmöglich macht.
In der Schrift­ge­stal­tung (Type Desi­gn) wer­den Schif­ten, bei­spiels­wei­se Open­Ty­pe Fonts, heu­te mit Font Edi­tor Soft­ware (z.B. Fon­to­gra­pher® oder FontFor­ge® von Geor­ge Wil­liams) gestal­tet bzw. gene­riert. Die Schrift­grö­ße ori­en­tiert sich dabei in der Regel an einer Art »hp-Ver­ti­kal­hö­he« plus dem oberen und unte­ren »Flei­sch« eines fik­ti­ven »Kegels, der natür­li­ch bei jedem Font will­kür­li­ch aus­fällt. Ein Ana­chro­nis­mus, der die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten und Anfor­de­run­gen ad absur­dum führt und selbst ansatz­wei­se ein­heit­li­che Schrift­gra­de unmög­li­ch macht.

Ins­be­son­de­re die Abwei­chung von gleich­lau­ten­den Schrift­gra­den bei der Aus­ga­be auf unter­schied­li­chen Schrift­bild­trä­gern (z.B. Papier oder elek­tro­ni­sche Benut­zer­ober­flä­chen) ist gra­vie­rend, eben­so die exak­te Aus­ga­be und Wei­ter­ver­ar­bei­tung von vor­ge­ge­be­nen Schrift­gra­den auf unter­schied­li­chen Peri­phe­rie­ge­rä­ten (z.B. Laser­dru­cker oder CTP Com­pu­ter to Pla­te). 

Schriftgrade in der digitalen Typographie sind grundsätzlich relativ, da keine einheitlichen metrologische Bemessungsgrundlagen existieren, um Schriftgrade systematisch zu ermitteln, einheitlich zu bemessen und auf unterschiedlichen Trägermaterialien zu vergleichen. Beispiel: Eine »Minion Pro« von Robert Slimbach, eine »Arial« von Robin Nicholas und Patricia Saunders sowie eine »Zapfino« von Hermann Zapf (1918—2015), gesetzt in Adobe InDesign® CC (2017) im Originalmaßstab (1:1) in der jeweils gleichen Schriftgröße von 20 mm. Die Schriftgrade weichen sowohl optisch als auch rechnerisch erheblich voneinander ab. Eine Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad der Open Type Fonts erschließt sich nicht.
Schrift­gra­de in der digi­ta­len Typo­gra­phie sind grund­sätz­li­ch rela­tiv, da kei­ne ein­heit­li­chen metro­lo­gi­sche Bemes­sungs­grund­la­gen exis­tie­ren, um Schrift­gra­de sys­te­ma­ti­sch zu ermit­teln, ein­heit­li­ch zu bemes­sen und auf unter­schied­li­chen Trä­ger­ma­te­ria­li­en zu ver­glei­chen. Bei­spiel: Eine »Mini­on Pro« von Robert Slim­bach, eine »Ari­al« von Robin Nicho­las und Patri­cia Saun­ders sowie eine »Zap­fi­no« von Her­mann Zapf (1918—2015), gesetzt in Ado­be InDe­si­gn® CC (2017) im Ori­gi­nal­maß­stab (1:1) in der jeweils glei­chen Schrift­grö­ße von 20 mm. Die Schrift­gra­de wei­chen sowohl opti­sch als auch rech­ne­ri­sch erheb­li­ch von­ein­an­der ab. Eine Bemes­sungs­grund­la­ge für den Schrift­grad der Open Type Fonts erschließt sich nicht.

Web Publishing

In der Web-Typo­gra­phie gel­ten die glei­chen dif­fu­sen Rah­men­be­din­gun­gen wie im DTP Desk­top Publis­hing. Aller­dings kommt erschwe­rend hin­zu, dass neben rela­ti­ven Schrift­gra­den (z.B. Pro­zent und Geviert) 7 ) und kon­sis­ten­ten Schrift­gra­den (z.B. Pixel) die Schrift­grö­ßen über einen Inter­net Brow­ser (z.B. Safa­ri® von App­le® oder Goo­gle Chro­me® von Goo­gle®) an einem Moni­tor nicht ein­heit­li­ch dar­ge­stellt wer­den kön­nen. 8 ) Ein Schrift­grad wird in der Regel mit der Sty­le­s­heet Eigen­schaft (CSS3) »font-size« in den CSS Cas­ca­ding Sty­le Sheets 9 ) beschrie­ben.

Wie soll man Schriftgrade nun messen?

Unab­hän­gig von die Erkennt­nis, dass Schrift­gra­de rela­tiv sind, erfor­dert die typo­gra­phi­sche Pra­xis den­no­ch das Mes­sen, Beur­tei­len, Ver­glei­chen und Fixie­ren von Schrift­gra­den unter­schied­li­cher Schrift­ar­ten auf unter­schied­li­chen Schrift­bild­trä­gern. Die weit­hin prak­ti­ka­bels­te und zuver­läs­sigs­te Metho­de dürf­te hier­bei die Ermitt­lung der »hp-Ver­ti­kal­hö­he« sein. 

Erste Zeile: Heute empfiehlt es sich, Schriftgrade von Druckschriften und Screen Fonts im gemischten Schriftsatz anhand der »hp-Vertikalhöhe« inklusive ihrer optischen Überhänge und Ausschweifungen (z.B. inklusive schräger Dachansätze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu messen. Diese Methode funktioniert bei den meisten Schriften, auch bei Zierschriften. Zweite Zeile: Im reinen Majuskelsatz wird der Schriftgrad zwischen der Grundlinie und der H-Linie ohne ihre optischen Überhänge, Unterlängen und Ausschweifungen gemessen. Dritte Zeile: Bei Minuskel- oder Konsultationssatz kann die x-Höhe eines Buchstabens zwischen der Grundlinie und der x-Linie als Bemessungsgrundlage sinnvoll sein, insbesondere bei sehr kleinen Schriften, z.B. auf Lebensmitteletiketten.
Ers­te Zei­le: Heu­te emp­fiehlt es sich, Schrift­gra­de von Druck­schrif­ten und Screen Fonts im gemisch­ten Schrift­satz anhand der »hp-Ver­ti­kal­hö­he« inklu­si­ve ihrer opti­schen Über­hän­ge und Aus­schwei­fun­gen (z.B. inklu­si­ve schrä­ger Dach­an­sät­ze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu mes­sen. Die­se Metho­de funk­tio­niert bei den meis­ten Schrif­ten, auch bei Zier­s­chrif­ten. Zwei­te Zei­le: Im rei­nen Majus­kel­satz wird der Schrift­grad zwi­schen der Grund­li­nie und der H-Linie ohne ihre opti­schen Über­hän­ge, Unter­län­gen und Aus­schwei­fun­gen gemes­sen. Drit­te Zei­le: Bei Minus­kel- oder Kon­sul­ta­ti­ons­satz kann die x-Höhe eines Buch­sta­bens zwi­schen der Grund­li­nie und der x-Linie als Bemes­sungs­grund­la­ge sinn­voll sein, ins­be­son­de­re bei sehr klei­nen Schrif­ten, z.B. auf Lebens­mit­te­le­ti­ket­ten.
Gemischter Schriftsatz

Bei gemisch­ter Schreib­wei­se (Groß- und Klein­buch­sta­ben) emp­fiehlt es sich, Schrift­gra­de anhand der »hp-Ver­ti­kal­hö­he« – inklu­si­ve ihrer opti­schen Über­hän­ge – wenn mög­li­ch im metri­schen Sys­tem (mm) – zu mes­sen und medi­en­über­grei­fend zu ver­glei­chen. 10 )

Majuskelsatz 

Bei rei­nem Majus­kel­satz (Ver­sal­satz) emp­fiehlt es sich, die H-Höhe (Grund­li­nie zur H-Linie) zu mes­sen, wobei die opti­schen Über­hän­ge und mode­ra­te Unter­län­gen, z.B. der Schweif beim »Q«, beim Mes­sen igno­riert wer­den. 11 )

Minuskel- und Konsultationssatz

Bei rei­nem Minus­kel­satz (Gemei­ner Satz, nur Klein­buch­sta­ben) und Schrift­satz in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen, also sehr klei­nen Schrift­gra­den, z.B. bei Geschäfts­be­din­gun­gen oder Lebens­mit­te­le­ti­ket­ten, ist es durch­aus sinn­voll, die x-Höhe (Grund­li­nie bis zur x-Linie) als Bemes­sungs­grund­la­ge für einen Schrift­grad zu wäh­len, so wie es bei­spies­wei­se die EU-Lebens­mit­tel­in­for­ma­ti­ons­ver­ord­nung (LMIV) zur Kenn­zeich­nung von Lebens­mit­teln vor­schreibt. 12 )

Fazit: Schrift ist nicht gleich Schrift!

Les­bar­keits­tests, Lehr­bü­cher, Tuto­ri­als, Tipps und Tricks zur »bes­se­ren Les­bar­keit« und zur »idea­len Schrift­grö­ße«, egal ob am Bild­schirm oder auf Papier, müs­sen heu­te prin­zi­pi­ell hin­ter­fragt wer­den, da sie auf­grund der baby­lo­ni­schen Schrift­viel­falt und der gro­ßen Diver­genz in der schrift­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ihre All­ge­mein­gül­tig­keit ver­lo­ren haben. 

Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen oder sogar den gleichen Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier unterschiedlichen Bodonis im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander. Um ein vergleichbar großes Schriftbild zu erzeugen, benötigen unterschiedliche Bodonis folglich auch unterschiedliche Schriftgrade.
Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schrif­ten auf den ers­ten Bli­ck ähn­li­ch aus­se­hen oder sogar den glei­chen Namen tra­gen. Hier ein Roh­satz­ver­gleich von vier unter­schied­li­chen Bodo­nis im nor­ma­len Schrift­schnitt. Die Typo­me­trie unter­schei­det sich signi­fi­kant von­ein­an­der. Um ein ver­gleich­bar gro­ßes Schrift­bild zu erzeu­gen, benö­ti­gen unter­schied­li­che Bodo­nis folg­li­ch auch unter­schied­li­che Schrift­gra­de.

Pau­scha­le Emp­feh­lun­gen à la »Der Fließ­text wird am bes­ten in Schrift­grö­ße 12 geschrie­ben« (Tipp für Micro­soft Word®), »Die Schrift­grö­ße soll­te 30 Punkt betra­gen« (Tipp für Micro­soft Power­Point®), »das Ide­al­maß bei Roma­nen liegt bei 13 Punkt« (Tipp für Taschen­bü­cher) oder »16 Pixel ist die idea­le Schrift­grö­ße für ange­neh­mes Lesen am Bild­schirm« (Tipp für Web­sites) sind gut gemeint, aber lei­der nicht sehr hilf­reich.

Heu­te muss jede Schrift, jede Schrift­stil­va­ri­an­te und jeder Schrift­schnitt auf jedem Schrift­bild­trä­ger indi­vi­du­ell beur­teilt wer­den. All­ge­mei­ne Regeln, wie sie noch bis zum Ende des Foto­sat­zes gal­ten, sind heu­te mehr up to date. Das Auge und der Erfah­rungs­schatz eines Typographen/in ist des­halb heu­te wich­ti­ger denn je.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

Share / Bei­trag tei­len:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Im Seg­ment der Makro­ty­po­gra­phie wird der Schrift­grad »rela­tiv«, also unge­fähr fest­ge­legt. Bei­spiels­wei­se eine Bodo­ni in 4 mm (= 11,339 Ado­be-Post­Script-Punk­te bei 72 Pt/Zoll). In der Mikro­ty­po­gra­phie wird dann, nach­dem eine spe­zi­el­le Bodo­ni aus­ge­wählt wur­de, der Schrift­grad der jewei­li­gen Typo­me­trie ange­passt und kon­kre­ti­siert, also bei­spiels­wei­se eine Bau­er Bodo­ni von Lino­ty­pe in 4,5 mm (= 12,756 Ado­be-Post­Script-Punk­te bei 72 Pt/Zoll).
2.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Boss­hard, Hans Rudolf: Tech­ni­sche Grund­la­gen zur Satz­her­stel­lung, Bil­dungs­ver­band Schwei­zer Typo­gra­fen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3–85584-010–5.
3.Anmer­kung: Seit 1868/69 ist das metri­sche Ein­hei­ten­sys­tem in Deutsch­land, seit 1871 in Öster­reich und seit 1875 in der Schweiz gesetz­li­ch vor­ge­schrie­ben. Seit dem 1. Janu­ar 1978 ist das metri­sche Sys­tem in allen Län­dern der Euro­päi­schen Gemein­schaft (heu­te Euro­päi­sche Uni­on) bin­dend, wobei der Typo­gra­phi­sche Punkt in Cice­ro und Punkt nicht mehr gebraucht wer­den soll. Die­ses Gesetz gilt auch für alle Nor­mie­rungs­aus­schüs­se, wie z.B. die Inter­na­tio­nal Stan­dard Orga­niza­t­i­on (ISO).
4.Quel­le: Luidl, Phil­ipp: Typo­gra­phie, Her­kunft, Auf­bau, Anwen­dung. Schlü­ter­sche Ver­lags­an­stalt und Dru­cke­rei, Han­no­ver, 1984, ISBN 3–87706-212–1.
5.Anmer­kung: Schrift­satz­pro­gram­me mes­sen in unter­schied­li­chen typo­gra­phi­schen Punkt­sys­te­men. Bei­spiels­wei­se bie­tet Ado­be InDe­si­gn CC® in den Vor­ein­stel­lun­gen die Wahl zwi­schen »Post­Script« (72 Pt/Zoll) und »Tra­di­tio­nell« (72,27 Pt/Zoll).
6.Anmer­kung: Bei aktu­el­len Schrift­satz­pro­gram­men, z.B. Ado­be InDe­si­gn CC®, ist es zwar mög­li­ch, Schrift­gra­de in Mil­li­me­ter ein­zu­ge­ben, die­se wer­den jedoch meist auto­ma­ti­sch in typo­gra­phi­sche Punk­te umge­rech­net, wobei natür­li­ch aus­schlag­ge­bend ist, wel­ches Punkt­sys­tem ver­wen­det wird. Auch kann mit InDe­si­gn® die x-Höhe berech­nen wer­den. Aber Vor­sicht: Die gemes­se­ne x-Höhe einer gedruck­ten Schrift wird nicht der ermit­tel­ten x-Höhe am Bild­schirm ent­spre­chen!
7.Anmer­kung: Da Schrift­gra­de rela­tiv sind, ergibt sich ins­be­son­de­re im Web Publis­hing eine »Schrift­grad-Geviert-Pro­ble­ma­tik«. Ein Geviert ist dort im dop­pel­ten Sin­ne eine rela­ti­ve Maß­ein­heit!
8.Anmer­kung: Erwähnt sei hier bei­spiels­wei­se das »Windows/Mac Font-size-Pro­blem«. Win­dows® berech­net die Bild­schirm­auf­lö­sung mit 96 dpi (dot per Inch = Punk­te per Zoll) und App­le® mit 72 dpi. Als wei­te­re Varia­blen gel­ten u.a. die phy­si­sche Grö­ße und Qua­li­tät des Bild­schirms, die ver­wen­de­te Hard­ware, die Tech­no­lo­gie und Qua­li­tät der Screen Fonts sowie deren Dar­stel­lungs­qua­li­tät (z.B. Font Hin­ting) und die indi­vi­du­el­le Vor­ein­stel­lung der Schrift­grö­ße im Brow­sers.
9.Anmer­kung: CSS Cas­ca­ding Sty­le Sheets ist ein welt­wei­ter Stan­dard des W3C (World Wide Web Con­sor­ti­um). Infor­ma­tio­nen ver­füg­bar unter http://​www​.w3c​.de/​a​b​o​ut/ (12.12.2016).
10, 11, 12.Anmer­kung: Eine Ver­gleich­bar­keit von Schrift­gra­den unter­schied­li­cher Schrift­ar­ten ent­steht dadurch aller­dings nicht. Eben­so sind alle drei Metho­den zuein­an­der inkom­pa­ti­bel.