Schriftklassifikation

Schriftklassifikation dient dem Ordnen, Katalogisieren und der Pflege von Schriften in Schriftenbibliotheken sowie dem Studium von Schriften. Klassifikations- und Ordnungsmodelle optimieren spürbar typographische Gestaltungs- und Arbeitsprozesse, also den typographischen Workflow vom Entwurf bis zur Produktion.

Neben philologischen Klassifikationsmodellen existieren für Druckschriften und Bildschirmschriften römischen Ursprungs unterschiedliche typographische Klassifikationsmodelle, beispielsweise

  • die internationale »Typeface Design Grouping according to AFI«,
  • die deutsche »DIN 16518« für materielle Druckschriften im Bleisatz (1964), 1 )
  • die deutsche »Matrix Beinert« von Wolfgang Beinert  für Schriften im Electronic Publishing (2001/2015),
  • die italienische »Classificazione Novarese« von Aldo Novarese für materielle Druckschriften im Bleisatz (1957),
  • die französische »Classification typographique de Vox-AtypI« von Maximilien Vox für Druckschriften (1954) und
  • die Typeface Classifications »British Standards« für materielle Druckschriften im Bleisatz (1967).

Die Klassifikation von Druckschriften hat ihren Ursprung in den historischen Hilfswissenschaften Paläographie und Paläotypie. 2 ) Die jeweiligen Klassifikationsmodelle weisen in der Regel markante Unterschiede auf.

Die Eingruppierung einer Druck- oder Bildschirmschrift (Screen Font) erfolgt in der Regel nach entsprechend nachvollziehbaren Merkmalen und wird jeweils durch Beispiele veranschaulicht, wobei die Klassifikationsmermale einer digitalen Schrift heute meist unkonkret und die Grenzen zwischen den Schriftarten und deren Nebengruppen fließend sind.

Westeuropäische bzw. westliche Druck- und Screenschriften werden in der Regel je nach Ursprung in Schriftgattungen (Hauptgruppen), Schriftarten (Untergruppen), Nebengruppen und Schriftstil gegliedert. Desweiteren stehen zum Aufbau einer Klassifikationsmatrix u.a. die Schriftbezeichnung, das Figurenverzeichnis, die Schriftbibliothek, der Schriftgestalter bzw. Schriftschneider, das Entstehungsjahr, die Schrifttechnik, die Quelle und der Distributor zur Verfügung.

Schrift ist nicht gleich Schrift

Bis zum Ende des materiellen Schriftsatzes in den 1970er Jahren konnten handelsübliche Schriften relativ einfach klassifiziert und in Gruppen eingeteilt werden. Dies ist seit dem optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz) und insbesondere seit Beginn der digitalen Typographie (PostScript, TrueType, Bitmap, OTF-Technologie, Web Fonts etc.) nicht mehr – oder nur zum Teil möglich. Zu viele

  • Repliken (erneute Ausführung eines bereits vorhandenen Originals durch den Schriftgestalter selbst),
  • Remakes (spätere Nachbildungen einer bereits existierenden, aber nicht mehr am Markt verfügbaren Schrift, die sich streng am Original orientiert),
  • Klone (1:1-Kopie einer Schrift),
  • Formvarianten (abweichende Interpretation einer bereits existierenden Schrift) 3 ) und
  • Mischformen (Hypride aus unterschiedlichen Schriftuntergruppen und/oder Schriftnebengruppen) sind existent.

Einheitliche Formmerkmale sind kaum mehr konkret nachweisbar und es ist nahezu unmöglich geworden, Antiqua-Schriften kunstgeschichtlich zuzuordnen. 

Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen können oder vordergründig sogar den gleichen Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier Bodoni Antiquas im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander. Infografik: www.typolexikon.de
Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen können oder vordergründig sogar den gleichen Namen tragen. Hier ein Rohsatzvergleich von vier Bodoni Antiquas im normalen Schriftschnitt. Die Typometrie unterscheidet sich signifikant voneinander.
Schriftklassifikationsmodell

Schriftgattung: Antiqua-Schriften 
Schriftart: Klassizistische Antiqua
Nebengruppe: Bodoni-Varianten
Schriftbezeichnung: Bauer Bodoni
Schriftstil/Schriftschnitt: Roman 
Schriftgestaltung Original: Giambattista Bodoni, 1790
Schriftgießerei Orginal: Stamperia reale, Parma
Schriftgestaltung Remake: Heinrich Jost und Lois Höll, 1926/1927
Schriftgießerei Remake: Bauersche Gießerei
Lizenzgeber: Bauer Types S.A.
Vertrieb: Linotype®
Figurenverzeichnis: W2G, 2013, 420 Characters
Tastaturcodierung: Unicode 
Technologie: OpenType, CFF, PostScript® 1
File Dateiname: BauerBodoniStd-Roman.otf
Windows® Menüname: Bauer Bodoni Std
PostScript®  Name: BauerBodoniStd-Roman
Langer PostScript® Name: BauerBodoniStd-Roman
Katalognummer: 16740074

Wichtige typometrische Formmerkmale eines Buchstabens sind u.a. die Formgebung der Serifen, also die Serifenübergänge, Serifenseitenkanten und Serifenunterkanten, die Form der Dachansätze, die Höhen und Proportionen der Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen, die optische Achse der Rundformen und der Stichstärkenkontrast der Balken und Querbalken.

Typifikation

Hauptgruppen (Schriftgattungen)

Antiqua-Schriften Untergruppen

Antiqua-Schriften Nebengruppen

Antiqua
  • Renaissance Antiqua
    • Venezianische Renaissance Antiqua
    • Französische Renaissance Antiqua
  • Vorklassizistische Antiqua (Barock Antiqua) 4 ) 5 )
  • Klassizistische Antiqua
Venezianische Renaissance Antiqua (Stempel Schneidler), Französische Renaissance Antiqua (Garamont), Vorklassizistische Antiqua (Caslon) und Klassizistische Antiqua (Didot) im Vergleich. Infografik: www.typolexikon.de
Venezianische Renaissance Antiqua (Stempel Schneidler), Französische Renaissance Antiqua (Garamont), Vorklassizistische Antiqua (Caslon) und Klassizistische Antiqua (Didot) im Vergleich.
Grotesk
Ältere (Akzidenz Grotesk), Amerikanische (Trade Gothic), Konstruierte (Futura) und Jüngere Grotesk (Frutiger) im Vergleich. Infografik: www.typolexikon.de
Ältere (Akzidenz Grotesk), Amerikanische (Trade Gothic), Konstruierte (Futura) und Jüngere Grotesk (Frutiger) im Vergleich.
Egyptienne
  • Clarendon
  • Egyptienne
  • Hypride
  • Zeitungsantiqua
Antiqua Varianten 
Antiqua Varianten (Zierschriften). Beispiele gesetzt in der Blur von Neville Brody, Arnold Böcklin von Otto Weisert, Copperplate Gothic von Frederic Goudy und Souvenir von Morris Fuller Benton. Infografik: www.typolexikon.de
Antiqua Varianten (Zierschriften). Beispiele gesetzt in der Blur von Neville Brody, Arnold Böcklin von Otto Weisert, Copperplate Gothic von Frederic Goudy und Souvenir von Morris Fuller Benton.

Gebrochene Schriften Untergruppen

  • Fraktur
  • Rotunda
  • Schwabacher
  • Textura

Nichtrömische Schriften Geogruppen

  • Arabisch
  • Asiatisch
  • Griechisch
  • Hebräisch
  • Kyrillisch
  • Ost-Akzente

Schriftbezeichnungen

Schriften erhalten von den Type Designern oder Font Foundries Namen oder Abkürzungen. Beispielsweise Verdana, Bodoni, ITC Bauhaus, Corporate, Times, Helvetica oder ORC2. Die Schriftbezeichnung wird für sämtliche Schriftstile einer Schriftfamilie verwendet. 

Schriftstile (Schriftschnitte) 

Stilvariante einer Schrift innerhalb einer Schriftfamilie. Die Bezeichnungen für den Schriftstil bzw. für den Schriftschnitt variieren je nach Land, Autor und Schriftenhersteller. Im europäischen Raum sind für Druckschriften u.a. nachfolgende Begriffe und Kombinationen für Schriftstile, Schriftstärken und Schriftlagen geläufig:

  • breit (extended, large, ancha, largo, bred)
  • breitfett (bold extended, large gras, negra ancha, nero largo, bredfet)
  • breithalbfett (medium extended, large demigras, seminegra ancha, neretto largo, bredhalvfet)
  • breitmager (light extended, large maigre, fina ancha, chiarissimo largo, bred mager)
  • Buch (book, romain labeur, libro)
  • Buch kursiv (book italic, italique labeur, libro cursiva, libro corsivo, buch kursiv)
  • Buch schmal (book condensed, étroit romain lebeur, libro estrecha, libro stretto, buch smal)
  • eng (condensed, étroit, estrecha, strettissimo, trång)
  • extra (extra bold condensed, étroit extra gras, muy negra estrecha, nerissimo stretto, extrafet smal)
  • fett (bold, gras, negra, nero, fet)
  • halbfett (medium, demi-gras, seminegra, neretto, halvfet)
  • Kapitälchen fett (Caps bold)
  • Kapitälchen kursiv (Caps italic)
  • Kapitälchen leicht (Caps Display)
  • Kapitälchen normal (Caps, Capitales, Mayusculita, Maiuscoletto, Kaptäler)
  • kursiv (italic, italique, cursiva, corsivo)
  • kursiv extra (extra bold condensed italic, italique étroit extra gras, muy negra estrecha cursiva, nerissimo stretto corsivo)
  • kursiv fett (bold italic, italique gras, negra cursiva, nero corsivo, kursiv fet)
  • kursiv halbfett (medium italic, italique demigras, seminegra cursiva, neretto corsivo, kursiv halvfet)
  • kursiv mager (light italic, italique maigre, fina cursiva, chiarissimo corsivo)
  • kursiv schmal (condensed italic, italique étroit, estrecha cursiva, stretto corsivo, kursiv smal)
  • kursiv schmalhalbfett (medium condensed italic, italique étroit demi-gras, seminegra estrecha cursiva, neretto stretto corsivo, kursiv schmalhalvfet)
  • kursiv ultra leicht (ultra light italic, italique ultra maigre, cursiva muy fina, ultra chiaro corsivo, kursiv ultra mager)
  • mager (light, maigre, fina, chiarissimo)
  • normal (regular, chiaro tondo)
  • schmal (medium condensed, étroit, estrecha, stretto, smal)
  • schmalfett (bold condensed, étroit gras, negra estrecha, nero stretto, smalfet)
  • schmalhalbfett (medium condensed, étroit demigras, seminegra estrecha, neretto stretto, smalhalvfet)
  • schmalmager (light condensed, étroit maigre, fina estrecha, chiarissimo stretto, smalmager)
  • schräg fett (bold oblique, oblique gras, negra inclinada, nero corsivo, lutande fet)
  • schräg halbfett (demi-bold oblique, oblique demigras, seminegra inclinada, neretto corsivo, lutande halvfet)
  • schräg normal (medium oblique, oblique demigras, inclinada normal, corsivo chiaro tondo, lutande)
  • ultra leicht (ultra light, ultra maigre, muy fina, ultra chiaro, ultra mager)

Des Weiteren werden Schriftstile – anstatt mit Namen – auch mit Ziffern bzw. Zahlen gekennzeichnet. Beispielsweise benannte der Typograph Adrian Frutiger den normalen Stil seiner Frutiger mit »55«, den kursiven Stil mit »56«, – usw. 

Figurenverzeichnis 

Unter Figur wird das einzelne Zeichen bzw. der Buchstabe eines Schriftschnitts bzw. Schriftstils verstanden. Er kann beispielsweise Glyphen, Tabellenziffern, Bruchziffern, Mediävalziffern, Illustrationen, Pictogramme, Ligaturen oder Sonderzeichen enthalten und auch in unterschiedlichen, auch in nichtrömischen, sprachspezifischen Figurenverzeichnissen vorliegen.

Buchstaben

In der Mikrotypographie zählen rund hundert Termini zum Repertoire, die die Formmerkmale (Typometrie) eines Buchstabens  beschreiben:

  • Abschluß (Strichabschluß)
  • Abschlußserife zweiseitig (Serife)
  • Abstrich (Diagonalstrich von oben nach unten)
  • Achse (Optische oder rechnerische Achse eines Buchstabens)
  • Achsneigung (Diagonale Abweichung von der optischen oder rechnerischen Achse eines Buchstabens)
  • Anstrich (Ansatz)
  • Nase (Strichbeginn)
  • Arm beidseitig (Horizontalstrich, der links und rechts vom Stammstrich ansetzt)
  • Arm einseitig (Horizontalstrich, der links oder rechts vom Stammstrich ansetzt, z.B. bei der Majuskel E)
  • Aufstrich (Diagonalstrich von unten nach oben)
  • Ausgleichsserife (Obere und untere Serife, z.B. bei Majuskel S)
  • Auslauf (Strichabschluß)
  • Auslaufbogen (Rundung)
  • Auslaufpunkte (Strichabschluß)
  • Balken (Strich)
  • Bein (Standbein (Rechtes Standbein, z.B. bei der Majuskel R oder der Minuskel k)
  • Betonte Serife (Serife)
  • Bogen (Gerundeter Strich, der eine Punze begrenzt, z.B. bei der Majuskel P oder der Minuskel d)
  • Bogeneinlauf (Rundung)
  • Brücke (Rundung)
  • Dickte (Buchstabenbreite)
  • Einlauf (Ansatz)
  • Fleisch (Rechnerischer Weißraum vor und nach dem Buchstaben)
  • Fußserife (Serife)
  • Gekehlte Serife (Serife)
  • Gerundete Serife (Serife)
  • Gewölbte Serife (Serife)
  • Grundform (Typometrische Grundform eines Buchstabens)
  • Grundstrich (Strich)
  • Haarlinienserife (Serife)
  • Haarstrich (Querstrich (Horizontaler Verbindungsstrich, z.B. bei der Majuskel H oder der Ziffer 4)
  • Hals (Übergang von Strich zu Serife)
  • Hauptstrich, Stamm, Standstrich oder Vertikalstrich (Vertikaler Hauptstrich eines Buchstabens)
  • Innenbogen (Rundung)
  • Keilförmige Serife (Serife)
  • Kopf (Dach (Dachansatz eines Buchstabens)
  • Kopfserife einseitig (Serife)
  • Kopfserife zweiseitig (Serife)
  • Kurve (Runder Strich, z.B. bei der Ziffer 8)
  • Kurvenbalken (Rundung)
  • Majuskelbreite, Majuskeldickte, Versalbreite oder Versaldickte (Breite eines Großbuchstabens)
  • Majuskelhöhe (Versalhöhe (Maß von der Grundlinie bis zur H-Linie)
  • Mitte (Optische oder rechnerische Mitte eines Buchstabens)
  • Mittellänge (Maß von der Grundlinie bis zur x-Linie)
  • Nachbreite (Rechnerischer Weißraum nach einem Buchstaben)
  • Oberer Bogen (Gerundeter Strich, der die Punze in der oberen Hälfte begrenzt, z.B. bei den Majuskeln B, P und R)
  • Oberkante (Oberer Scheitel eines Buchstabens)
  • Oberlänge (Maß von der x-Linie bis zur H-Linie bzw. k-Linie)
  • Ohr (Strichansatz am rechten oberen Bogen der Minuskel g)
  • Punkt (Punkt über dem Grundkörper eines Buchstabens, z.B. bei der Minuskel i)
  • Punze geschlossen (Binnenraum geschlossen)
  • Punze offen (Binnenraum offen)
  • Querserife doppelseitig (Serife)
  • Querserife einseitig (Serife)
  • Querstrich (Querbalken (Strich)
  • r-Kopf (Strichansatz am Stammstrich rechts oben der Minuskel r)
  • Rundung links (Rundung)
  • Rundung rechts (Rundung)
  • Scheitel (Dachansatz der Majuskel A)
  • Schlinge (Schleife)
  • Schlaufe (Runde Linie, die eine Punze umschließt, z.B. bei der Minuskel g)
  • Schrägstrich (Diagonaler Strich)
  • Schulter (Runder Übergangsstrich ausgehend vom oberen Teil des Stammstrichs, z.B. bei den Minuskeln a und n)
  • Schweif (Ausschweifender Endstrich nach rechts oder links, z.B. bei der Majuskel Q oder den Minuskeln j und t)
  • Seitliches Verbindungsstück (Strich)
  • Senkrechter Aufstrich (Strich)
  • Serifenansatz (Serife)
  • Serifenhöhe (Serife)
  • Serifenlänge (Serife)
  • Serifenoberkante (Serife)
  • Serifenseitenkante (Serife)
  • Serifenunterkante (Serife)
  • Serifenübergang (Serife)
  • Spitze (V-Abschluß bei den Buchstaben W und V)
  • Sporn (Restansatz des Stammstrichs am Übergang zu einem Bogen, z.B. bei der Majuskel G oder der Minuskel q)
  • Standserife einseitig (Serife)
  • Standserife zweiseitig (Serife)
  • Steg (Verbindungsstrich zwischen oberen Bogen und Schlinge bei der Minuskel g)
  • Strichabschluß (Abschluß eines Striches)
  • Taille (Verjüngung zwischen oberen und unternen Bogen der Majuskel B)
  • Tropfen (Tropfenserife (Abschluß des Bogens bei den Minuskeln a, c, f und r)
  • Unterer Bogen (Bauch (Gerundeter Strich, der die Punze in der unteren Hälfte der Majuskel B begrenzt)
  • Unterkante (Unterer Scheitel eines Buchstabens)
  • Unterlänge (Maß von der Grundlinie bis zur p-Linie)
  • Verbindungsstrich (Strich)
  • Vorbreite (Rechnerischer Weißraum links vor einem Buchstaben)
  • Überhang (Rundung, die optisch vom rechnerischen Wert abweicht, z.B. bei der Majuskel O)

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1. Anmerkung: Die deutsche DIN 16518 aus dem Jahre 1964 ist ausschließlich für Bleisatz-Druckschriften bis in die 1970er Jahre anwendbar. Sie weicht stark von internationalen Standards und wissenschaftlichen Betrachtungsweisen ab. Sie ist als Klassifikationsmodell für die digitale Typographie nicht mehr geeignet.
2. Anmerkung: Philologische Schriftklassifikationen ordnen Antiquas auch nach anderen Anforderungen und Kriterien, beispielsweise nach sprachlicher Herkunft, Schreibrichtung, Stilepochen und Geographie.
3. Anmerkung: Streng genommen handelt es sich bei der Mehrheit aller Text- bzw. Werksatzschriften um Formvarianten. Beispielsweise entwickelte der italienische »Principe dei tipografi« Giambattista Bodoni (1740–1813) ab cirka 1770 aus der französischen »Réales« Fourniers seine Klassizistische Bodoni.
4. Anmerkung: Der korrekte Begriff für Barock Antiqua ist Vorklassizistische Antiqua.
5. Anmerkung: Verwirrende deutsche Begrifflichkeiten: In England gilt z.B. die Baskerville keineswegs als Barock Antiqua sondern als Präviktorianische Antiqua. In der englischen und französischen Terminologie gibt es den Begriff »Barock Antiqua« bzw. »Antiqua« nicht. In England bezeichnet man seit jeher die Antiqua als »roman« und ihre kursive Version als »italic«, die französische Typographie verwendet die Termini »romain« und »italique«.