Schriftnorm

Norm einer Antiqua Schrift mit und ohne Serifen, dessen Typometrie durch unterschiedliche Organisationen und Unternehmen, beispielsweise durch das Deutsche Institut für Normung (DIN), die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV), das Austrian Standards Institute (ASI) oder die International Organization for Standardization (ISO), standardisiert wurden bzw. dokumentiert werden. 

Eine Schriftnorm ist ein unter der Leitung eines Arbeitsausschusses erarbeiteter freiwilliger Standard, in dem die Typometrie der Buchstaben einer Schrift vereinheitlicht wurde. Schriftnormen entstehen auf Anregung und durch die Initiative interessierter Kreise, beispielsweise Font Foundries oder sonstige Wirtschaftsunternehmen, wobei ein Konsens unter allen Beteiligten hergestellt wird.

Grundsätzlich handelt es sich bei genormte Schriften um »private Regelwerke mit Empfehlungscharakter«, die wirtschaftlichen und/oder standespolitischen Interessen dienen und die somit als reine Empfehlung zu verstehen sind. 1 ) Schriftnormen spielen deshalb in der professionellen Typographie nahezu keine Rolle. 2 ) 

Schriftnormen werden von nationalen, europäischen und internationalen Normungsorganisationen erarbeitet. In Deutschland sind überwiegend folgende Schriftnormen gebräuchlich:

  • DIN-Schriften, dessen Typometrien durch das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) genormt wurden. 3 )
  • ISO-Schriften, dessen Typometrien durch die International Organization for Standardization (ISO) genormt wurden. 4 )

Genormte Schriften können bei dezentralen Schriftsatzarbeiten sinnvoll sein, die einem nationalen, europäischen oder internationalen Vereinheitlichungsstandard genügen müssen, 5 ) beispielsweise für einheitliche Gravuren und Beschriftungen technischer und industrieller Erzeugnisse (z.B. Autobahnschilder, Ortsschilder, PC-Tastaturen), technische Dokumentationen, optische Interfaces (z.B. Benutzeroberflächen) oder die Kontierung von Scheckformularen oder ID-Cards (z.B. Reisepässen).

DIN 1451

Das prominenteste Beispiel einer Schriftnorm in Deutschland ist die DIN 1451, eine serifenlose Schriftfamilie, die in der gleichnamigen Norm 6 ) definiert ist. Sie wurde 1931 als sogenannte Vornorm und 1936 in nahezu unveränderter Form als Norm veröffentlicht. Sie ist bis heute die Standardschrift bundesdeutscher Verkehrsschilder. Ursprünglich definiert waren die Schnitte Engschrift, Mittelschrift und Breitschrift – letztere wurde jedoch 1980 zurückgezogen.

Die DIN 1451 wird bereits seit 1936 in nahezu unveränderter Form als Norm veröffentlicht. Sie ist bis heute die Standardschrift bundesdeutscher Verkehrsschilder. Beispiel in der DIN 1451 Eng- und Mittelschrift, jeweils in Minuskeln und Majuskeln gesetzt. Infografik: www.typolexikon.de
Die DIN 1451 wird bereits seit 1936 in nahezu unveränderter Form als Norm veröffentlicht. Sie ist bis heute die Standardschrift bundesdeutscher Verkehrsschilder. Beispiel in der DIN 1451 Eng- und Mittelschrift, jeweils in Minuskeln und Majuskeln gesetzt.

Als Vorläufer der Engschrift gelten Schriftmusterzeichnungen der preußischen Eisenbahn. Für die Erarbeitung der Normblätter der DIN 1451 zeichnete Ludwig Goller als Obmann verantwortlich. 1980 wurden im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen die Engschrift und Mittelschrift der DIN 1451 in Hinblick auf ihrer Verwendung als Verkehrsschriften von Adolf Gropp überarbeitet.

Normschriften gibt es in unterschiedlichen Schrifttechnologien, beispielsweise als OpenType-Standard, sowohl kostenpflichtig als auch kostenfrei bei unterschiedlichen Font Foundries

Vertreter genormter Schriften
Norm Schriftbezeichnung
ANSI INCITS 17-1981
DIN 66008
ISO 1073-1
OCR-A und OCR-A Alternate
DIN 1451Serifenlose Engschrift
Engschrift Alternative
Mittelschrift
Mittelschrift Alternative
DIN 1451-2Serifenlose Verkehrsschrift
DIN 1451-3Akzidenz-Grotesk
Akzidenz-Grotesk-Buch
Helvetica
Edel-Grotesk
DIN 1451-4Serifenlose Schablonenschrift für Gravuren und andere Verfahren
DIN 3098
EN 3098
ISO 3098
Normschrift für Technische Produktdokumentationen
DIN 30640Neuzeit Grotesk Light
Neuzeit Grotesk Bold
Condensed
DIN 66009
ISO 1073-2
OCR-B und OCR-B Alternate
DIN 66225OCR-H
ISO 8859HTML- und ASCII-Zeichensätze

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Quelle: BGH Urteil vom 14. Juni 2007, Az. VII ZR 45/06, NJW 2007, 2983, RdNr. 37 m. w. Nachw.; BGH Urteil vom 24. Mai 2013, Az. V ZR 182/12, NJW 2013, 2271 (2272 f.).
2.Anmerkung: Normen im Segment der Typographie, z.B. in der Schriftklassifikation oder bei der Lesbarkeit von Schriften, hinken dem Stand der Technik, den Lese- und Betrachtungsgewohnheiten sowie dem typographischen Workflow um Jahrzehnte hinterher. Sie bilden den kulturellen und technologischen Status quo nicht ab und sind somit mehr als fragwürdig.
3.Weiterführende Informationen: www.din.de.
4.Anmerkung: In der International Organization for Standardization sind weltweit die führenden Normungsbehörden und Standardisierungsorganisationen zusammengeschlossen. Weiterführende Information unter www.iso.org.
5.Tipp: Da es unterschiedliche Normen und Zertifikate gibt, sollte unbedingt vor Beginn eines Gestaltungsauftrags die exakte Zertifizierung mit dem Auftraggeber evaluiert werden.
6.Anmerkung: Konkret formuliert in der »DIN 1451 Teil 2, Serifenlose Linear-Antiqua, Verkehrsschrift«.