Serife

Typographischer Terminus für den Endstrich einer Glyphe; quer liegender Anfangs-, Abschluss- oder Endstrich einer Majuskel, Minuskel, Indo-Arabischen Ziffer oder eines Sonderzeichens; umgangssprachlich »Füßchen«. Plural Serifen.

Eine lateinische Schrift mit Serifen wird in der Schriftklassifikation als »Serifenschrift« oder als »Antiqua« (engl. »Serif«), eine serifenlose Antiqua als »Grotesk« oder »Endstrichlose« (engl. »Sans Serif«) bezeichnet, wobei beide Hauptschriftgruppen wiederum zur Schriftgattung der Antiqua zählen. 1 )

Sehr populäre Beispiele einer Druckschrift, eines Screen Fonts bzw. eines Webfonts mit Serifen sind die »Times« bzw. die »Times New Roman« der englischen Typographen Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) oder die »Garamond« des französischen Schriftschneiders Claude Garamond (um 1498/99–1561) bzw. des französischen Typographen Jean Jannon (1580–1658).

Der Begriff wurde in Deutschland und Österreich mit dem sukzessiven Gebrauch der Antiqua aus der Englischen Typographie (engl. »Serif«) übernommen. Der etymologische Ursprung ist nicht hinreichend geklärt. In den etymologischen Wörterbüchern der deutschen Sprache, z.B. im Kluge von Walter de Gruyter, oder in der deutschen typographischen (Antiqua)Lehrliteratur, z.B. von Jan Tschichold (1902–1974), finden sich dazu keine Einträge. Möglicherweise rührt der Begriff vom altniederländischen »schreef« für »Strich« von »schrijven« für »schreiben«, was vermutlich aus dem lateinischen »scribere« für »schreiben« abgeleitet wurde.

Die Wahl einer Schrift mit (und ohne) Serifen gehört in den Bereich der Makrotypographie, die exakte Klassifikation und Evaluierung von Serifen in das Segment der Mikrotypographie

In der Schriftgattung der Antiqua werden Schriften mit Endstrichen als Serifenschriften (engl. Serif) klassifiziert. Das Pendant ist die endstrich- bzw. serifenlose Antiqua, die im deutschsprachigen Raum als Grotesk (engl. Sans Serif) bezeichnet wird. Beispiel gesetzt in der Baskerville von John Baskerville (1706–1775) und der Avenir von Adrian Frutiger (1928–2015).
In der Schriftgattung der Antiqua werden Schriften mit Endstrichen als Serifenschriften (engl. Serif) klassifiziert. Das Pendant ist die endstrich- bzw. serifenlose Antiqua, die im deutschsprachigen Raum als Grotesk (engl. Sans Serif) bezeichnet wird. Beispiel gesetzt in der Baskerville von John Baskerville (1706–1775) und der Avenir von Adrian Frutiger (1928–2015).

Ursprung und Historie

Die Letternarchitektur von lateinischen Buchstaben mit Serifen wurden von den Prototypographen zwischen 1450 bis 1500 aus der Kalligraphie übernommen, deren humanistische Formgebung primär durch die Majuskeln der Capitalis Quadrata und die Minuskeln der Humanistica Formata geprägt wurden (siehe Schriftgeschichte).

Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitals Rustica als die Buchschrift der Römer. Sie ist eine handschriftliche Ableitung der in Stein gemeißelten Capitalis Monumentalis. Sie wurde mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem bis ins 6. Jahrhundert geschrieben. Ab der Karolingischen Schreibreform wurde die Majuskelschreibweise in Büchern nur noch in der Titelei und in Rubriken verwendet. Infografik: www.typolexikon.de
Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitals Rustica als die Buchschrift der Römer. Sie ist eine handschriftliche Ableitung der in Stein gemeißelten Capitalis Monumentalis. Sie wurde mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem bis ins 6. Jahrhundert geschrieben. Ab der Karolingischen Schreibreform wurde die Majuskelschreibweise in Büchern nur noch in der Titelei und in Rubriken verwendet.

Thesen, wonach Serifen technisch bedingt von den breiten Meißelansätzen der in Stein gehauenen Capitalis Monumentalis herrühren, sind nicht belegt – insbesondere da die Epigraphik unzählige frühere Inschriften ohne Breitmeißelansätze kennt, u.a. aus der hellenistischen Epoche.

Das Trajanische Alphabet gilt als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Es handelt sich hierbei um eine eingemeißelte Capitalis Monumentalis auf einer Marmortafel, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der »Columna Traiana«, der »Trajanssäule« in Rom befindet. Infografik: www.typolexikon.de
Das Trajanische Alphabet gilt als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Es handelt sich hierbei um eine eingemeißelte Capitalis Monumentalis auf einer Marmortafel, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der »Columna Traiana«, der »Trajanssäule« in Rom befindet.

Serifen waren somit auch bei problematischen Naturwerkstein für römische Steinmetze keine technische Notwendigkeit (z.B. wg. Bruch- und Splittergefahr), sondern sie entsprachen vermutlich eher einer gestalterischen Auffassung, beispielsweise einer nachgeschlagenen Pinselführung, ästhetischen Aspekten zu Licht und Schatten oder sie waren Teil einer technischen Raffinesse, um die mit Farbpigmenten aufgefüllten Epigraphen gegen Abrieb zu schützen und haltbarer zu machen.

Der US-amerikanische Theologe, Steinschneider und Kalligraph Edward M. Catich (1906–1979) entwickelte Mitte der 1960er Jahre die letztere These, dass die Inschrift an der Trajan Säule in Rom nicht – wie heute – monochrom, sondern mit Farbpigmenten aufgefüllt war und die Serifen dabei die Funktion erfüllten, der Kolorierung einen zusätzlichen Halt und Schutz zu verschaffen. 2 )

Der Schweizer Schriftgestalter und Typograph Adrian Frutiger (1928–2015) spekulierte hingegen: 3 )

(…) So wurde beim Meißeln der römischen Kapitalschrift die Endung des Striches leicht überbetont, um die Wirkung von Licht und Schatten an dieser Stelle zu verstärken und um dem Zeichen einen besseren Halt auf der Fläche zu verleihen.

Die Begründungen der technischen Notwendigkeiten dürfte also auch weiterhin Hypothesen bleiben, wenn auch sehr überzeugende.

Die Numismatik (Münzkunde) dokumentiert Halbserifenansätze in Tropfenform bereits bei Münzprägungen in der griechischen Antike und der Römischen Republik, die allerdings technisch bedingt erscheinen. So beispielsweise auf dem Tetradrachme des Lysimachos (Rückseite mit Kopfportrait von Alexander dem Großen) ca. 297–281 v.Chr. oder dem römisch republikanischen Tryphon, Tetradrachme, Antiochia 138–141 v.Chr. 4 )

Typometrie 

Die Typometrie kennt unterschiedliche Serifenformen. Beispielsweise feine Haarserifen, Serifen mit gerundeten bzw. gewölbten oder geraden Serifenunterkanten mit eckigen oder abgerundeten Serifenübergängen, gekehlte oder betonte bzw. blockartige Serifen (Slab Serif), trapez- bzw. keilförmige Serifen (Glyphic), symmetrische oder asymmetrische Serifen. Die Variationen sind vielfältig. 5 ) 6 )

Typometrisch beginnt der Serifenansatz bei Balken, Querbalken oder Brücke eines Buchstabens und mündet über den Serifenübergang in die eigentliche Serife, welche sich aus Serifenhöhe, Serifenlänge sowie der Form der Serifenober-, Serifenunter- und Serifenseitenkante ergibt.

Die wichtigsten Parameter zur Beschreibung einer doppelseitigen Standserife: Serifenhöhe, Serifenlänge, Serifenansatz, Serifenübergang, Serifenkehle, Serifenseitenkante und Serifenunterkante. Beispiel: Standserife der Majuskel »I« der Corporate A im normalen Schriftschnitt, einer Französischen Renaissance Antiqua von Kurt Weidemann (1922–2011).
Die wichtigsten Parameter zur Beschreibung einer doppelseitigen Standserife: Serifenhöhe, Serifenlänge, Serifenansatz, Serifenübergang, Serifenkehle, Serifenseitenkante und Serifenunterkante. Beispiel: Standserife der Majuskel »I« der Corporate A im normalen Schriftschnitt, einer Französischen Renaissance Antiqua von Kurt Weidemann (1922–2011).
In der Typographie werden Serifen grob in Abschlussserifen, Dachserifen, Kopfserifen, Querserifen und Standserifen unterschieden. Einseitige Serifen werden auch als Halbserifen bezeichnet. In der Schriftgestaltung (Type Design) existieren im deutschsprachigen Raum mindestens 40 Termini, um eine Serife detailliert zu beschreiben.
In der Typographie werden Serifen grob in Abschlussserifen, Dachserifen, Kopfserifen, Querserifen und Standserifen unterschieden. Einseitige Serifen werden auch als Halbserifen bezeichnet. In der Mikrotypographie und der Schriftgestaltung (Type Design) existieren im deutschsprachigen Raum mindestens 40 Termini, um eine Serife detailliert zu beschreiben.
Kopfserifen von Majuskeln enden in der traditionellen Druckschriftgestaltung in der Regel bei der H-Linie (Majuskelhöhe), die Standserifen stehen auf der Grundlinie, die Abschlussserifen der Minuskelunterlängen stehen auf der p-Linie und die oberen Abschlussserifen bei Minuskeln enden bei der x-Höhe.
Kopfserifen von Majuskeln enden in der traditionellen Druckschriftgestaltung in der Regel bei der H-Linie (Majuskelhöhe), die Standserifen stehen auf der Grundlinie, die Abschlussserifen der Minuskelunterlängen stehen auf der p-Linie und die oberen Abschlussserifen bei Minuskeln enden bei der x-Höhe.

In der Makrotypographie unterscheidet man Serifen bei der Schriftwahl grob in:

  • Abschlussserifen
  • Dach(ansatz)serifen
  • Kopfserifen
  • Querserifen
  • Standserifen

In der Mikrotypographie detailliert in: 

  • Abschlußserife zweiseitig
  • Ausgleichsserife oben
  • Ausgleichsserife mitte
  • Ausgleichsserife unten
  • Außenserife
  • Betonte Serife
  • Dachserife
  • Endserife
  • Fußserife
  • Gekehlte Endserife
  • Gekehlte Serife
  • Gerundete Serife 
  • Gewölbte Serife 
  • Haarserife
  • Halbseitige Serife
  • Halbserife
  • Innenserife
  • Keilförmige Serife 
  • Kopfserife einseitig 
  • Kopfserife groß
  • Kopfserife zweiseitig
  • Querserife doppelseitig
  • Querserife einseitig 
  • Serifenansatz
  • Serifenhöhe
  • Serifenkehle
  • Serifenlänge
  • Serifenloser Strichabschluss
  • Serifenoberkante
  • Serifenseitenkante
  • Serifensporn
  • Serifenstummel
  • Serifenunterkante
  • Serifenübergang
  • Standserife einseitig
  • Standserife zweiseitig
  • Tropfenserife
  • Ungekehlte Endserife
  • Ungekehlte Serife
  • Verkürzte Serife
     

Klassifikation

Die Form einer Serife bestimmt im Wesentlichen die Charakteristik und Anmutung einer Antiqua. Serifenformen gehören deshalb zu den grundlegenden Merkmalen in der Schriftklassifikation. Je nach Schriftepoche weichen Serifenformen – für den flüchtigen Betrachter kaum sichtbar – voneinander ab.

In der chronologischen Aneinanderreihung wird ersichtlich, wie sich die Serifen von Antiquas seit der Inkunabelzeit verändert haben. Insbesondere die Serifenunterkanten entwickeln sich von stark gekehlt bis gerade auf der Grundlinie stehend. Im Beispiel von links: Stempel Schneidler von Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956), Amsterdamer Garamond von Morris Fuller Benton (1872–1948), Baskerville von John Baskerville (1706–1775), Linotype Didot und Glypha jeweils von Adrian Frutiger (1928–2015), alle im normalen Schriftschnitt.
In der chronologischen Aneinanderreihung wird ersichtlich, wie sich die Serifen von Antiquas seit der Inkunabelzeit verändert haben. Insbesondere die Serifenunterkanten entwickeln sich von stark gekehlt bis gerade auf der Grundlinie stehend. Im Beispiel von links: Stempel Schneidler von Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956), Amsterdamer Garamond von Morris Fuller Benton (1872–1948), Baskerville von John Baskerville (1706–1775), Linotype Didot und Glypha jeweils von Adrian Frutiger (1928–2015), alle im normalen Schriftschnitt.
Serifen in der Hauptschriftgruppe der Egyptiennes (Slab Serif). Im Beispiel von links: Glypha von Adrian Frutiger (1928–2015), Clarendon von Benjamin Fox (o.A.–1877), Excelsior von Chauncey H. Griffith (1879–1956), Blackoak von Joy Redick (o.A.) und Courier von Howard Kettler (1919–1999).
Serifen in der Hauptschriftgruppe der Egyptiennes (Slab Serif). Im Beispiel von links: Glypha von Adrian Frutiger (1928–2015), Clarendon von Benjamin Fox (o.A.–1877), Excelsior von Chauncey H. Griffith (1879–1956), Blackoak von Joy Redick und Courier von Howard Kettler (1919–1999).

Bei Druckschriften in der Hauptschriftgruppe Antiqua werden Serifen in folgende Schriftuntergruppen eingeteilt:

Antiquas (Serif)

  • Venezianische Renaissance Antiquas
    – Serifendachansatz: stark schräg bis zur k-Linie
    – Serifenübergang: konisch rund bis leicht gekrümmt
    – Serifenkehle: konisch bis bogenförmig
    – Serifenseitenkante: leicht bis stark abgerundet
    – Serifenunterkante: stark gekehlt
    – Serifenstärke: normal
  • Französische Renaissance Antiquas
    – Serifendachansatz: leicht schräg bis zur k-Linie
    – Serifenübergang: rund bis leicht gekrümmt
    – Serifenkehle: bogenförmig
    – Serifenseitenkante: leicht bis stark abgerundet
    – Serifenunterkante: leicht gekehlt
    – Serifenstärke: normal
  • Vorklassizistische Antiquas (Barock Antiquas)
    – Serifendachansatz: leicht schräg bis zur oder etwas über die H-Linie
    – Serifenübergang: rund
    – Serifenkehle: bogenförmig
    – Serifenseitenkante: gerade
    – Serifenunterkante: sehr leicht gekehlt bis gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: normal bis grobfein
  • Klassizistische Antiquas
    – Serifendachansatz: leicht schräg bis gerade bis zur H-Linie
    – Serifenübergang: eckig (und rund bei den Querserifen)
    – Serifenkehle: eckig
    – Serifenseitenkante: gerade
    – Serifenunterkante: gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: sehr fein

Egyptiennes (Slab Serif)

  • Egyptiennes
    – Serifendachansatz: gerade bis zur H-Linie
    – Serifenübergang: eckig
    – Serifenkehle: eckig
    – Serifenseitenkante: gerade
    – Serifenunterkante: gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: sehr stark betont
  • Clarendons 
    – Serifendachansatz: gerade bis zur H-Linie
    – Serifenübergang: rund
    – Serifenkehle: rund
    – Serifenseitenkante: gerade
    – Serifenunterkante: gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: sehr stark betont
  • Zeitungsegyptiennes 
    – Serifendachansatz: gerade bis zur oder etwas über die H-Linie
    – Serifenübergang: rund
    – Serifenkehle: rund
    – Serifenseitenkante: gerade
    – Serifenunterkante: gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: betont
  • Italiennes (Toscanienne, Serifenbetonte Zierschrift im Wild West Style)
    – Serifendachansatz: gerade bis zur H-Linie
    – Serifenübergang: eckig
    – Serifenkehle: eckig
    – Serifenseitenkante: gerade und oft mit runden Ecken
    – Serifenunterkante: gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: extrem betont
  • Schreibmaschinenschriften (Typewriters)
    – Serifendachansatz: gerade bis zur H-Linie oder bis zur k-Linie
    – Serifenübergang: eckig
    – Serifenkehle: eckig
    – Serifenseitenkante: gerade
    – Serifenunterkante: gerade auf der Grundlinie
    – Serifenstärke: normal

Des Weiteren existieren noch hybride Formen, sogenannte Antiqua Varianten und Egyptienne Varianten.

Darstellung an Monitoren und in Druckverfahren

Die Darstellung von Serifen bei Screen Fonts und Webfonts auf Monitoren unterscheidet sich gravierend zu gedruckten Serifen in gewerblichen Hauptdruckverfahren nach DIN 16500, z.B. im Offsetdruck.

Serifenschriften, die für den Druck bestimmt sind, sollten deshalb nicht an Monitoren, z.B. in einem Browser (Clients, z.B. Safari®, Google Chrome® oder Firefox® etc.), beurteilt werden, sondern bestenfalls anhand von Druckmustern bzw. Musterbüchern. Vice versa: Screen- und Webfonts sollten dagegen ausschließlich am Bildschirm bemustert und bewertet werden.

Die für einen Rezipienten erfaßbare Formgebung und der Grad der Lesbarkeit von Serifen ist schlußendlich immer eine Korrelation zwischen Letternarchitektur, Schriftträger, Trägermaterial, Farbe, Farbchemie, Licht und Reproduktionsverfahren. Schriften und Serifen können also nur im Rahmen der Parameter evaluiert werden, welche letztendlich der finalen Publikationsform entsprechen.

Lesbarkeit

In der Lesetypographie gilt die Erkenntnis, dass die Serifenformen einer Antiqua den Leseprozess spürbar beinflussen können und in der Regel schneller zu lesen sind. So gelten beispielsweise fette, blockartige Endstriche – wie sie bei Egyptienne-Schriften zu finden sind – oder sehr feine Endstriche – z.B. bei Klassizistischen Antiquas – im Werksatz als lesehemmend. Hingegen werden Serifenformen von Renaissance Antiquas, Vorklassizistischen Antiqua und Zeitungsegyptiennes im Werkdruck als lesefördernd eingestuft. Bei niedrig auflösenden Monitoren hingegen, kann genau das Gegenteil der Fall sein. 

Kognitive Kompensationsprozesse beim Lesen eines Textes: Trotz eines fehlerhaften Textes können die Wortbilder bereits an ihren oberen Mittellängen und Oberlängen als bekannte Wortbildmuster erkannt und sinngemäß interpretiert werden. Serifen bieten dabei zusätzliche Anhaltspunkte für eine schnelle Decodierung im Rahmen eines Mustererkennungsprozesses. Deshalb können Schriften mit Serifen in der Regel schneller gelesen werden, als Schriften ohne Serifen.
Kognitive Kompensationsprozesse beim Lesen eines Textes: Trotz eines fehlerhaften Textes können die Wortbilder bereits an ihren oberen Mittellängen und Oberlängen als bekannte Wortbildmuster erkannt und sinngemäß interpretiert werden. Serifen bieten dabei zusätzliche Anhaltspunkte für eine schnelle Decodierung im Rahmen eines Mustererkennungsprozesses. Deshalb können Schriften mit Serifen in der Regel schneller gelesen werden, als Schriften ohne Serifen.

Druckschriften mit Serifen werden im Verbreitungsraum lateinischer Schriften grundsätzlich – insbesondere im angelsächsischen Sprachraum – bis zu einem Fünftel schneller gelesen, als Druckschriften ohne Serifen. 

Thesen zur Lesbarkeit einer Schrift mit Serifen:

  • Druckschriften mit und ohne Serifen auf Papier und Screen Fonts auf selbststrahlenden Monitoren unterliegen gegenwärtig noch unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten. 7 )
  • Für den Mengensatz in gewerblichen Hauptdruckverfahren nach DIN 16500 8 ) und auf Monitoren mit hoher Auflösung sind generell Textschriften (Werksatzschriften) mit Serifen besser geeignet als serifenlose Schriften. Denn Serifen sind nicht nur ein wesentliches Klassifikationsmerkmal, sondern ein zusätzlicher Anhaltspunkt für die schnelle Decodierung von Wortbildern im Rahmen von Mustererkennungsprozessen (siehe Fixationen).
  • Druckschriften mit Serifen werden im Mengensatz grundsätzlich, je nach Land und Print-Lesbarkeitstest, bis zu einem Fünftel schneller gelesen, als Druckschriften ohne Serifen. 9 ) 10 ) 
  • Wir lesen Wortbilder an der oberen Kante einer Schriftzeile. Deshalb ist für den Leseprozess die Formgebung der Serifen der oberen Mittellängen und der Oberlängen wichtiger als die der Unterlängen (siehe Schriftlinien) eines Buchstabens. 11 )
  • Für Konsultationsgrößen sollten – wenn möglich – immer spezielle Konsultationsschriften (Caption, siehe auch Optische Größen) verwendet werden, da die angepaßte Serifenarchitektur die Lesbarkeit in kleinen Schriftgraden spürbar erhöht.
  • Fette, blockartige Serifen – wie sie bei Egyptiennes, z.B. der »City« von Georg Trump (1896–1985), zu finden sind – gelten im Segment der Lesetypographie als lesehemend. Andererseits gelten bestimmte Zeitungs-Egyptiennes, z.B. die »Exelsior« von Chauncey H. Griffith (1879–1956) auf ungestrichenen Zeitungsdruckpapieren als sehr gut lesbar.
  • Klassizistischen Antiquas mit sehr feinen Serifen, z.B. die »Bodoni« von Giambattista Bodoni (1740–1813), gelten im Segment der Lesetypographie als lesehemendt. 12 )
  • Dagegen werden Serifenformen von Französischen Renaissance Antiquas, z.B. die »Minion« von Robert Slimbach, und die von Vorklassizistischen Antiquas, z.B. die »Baskerville« von John Baskerville (1706–1775), als lesefördernd eingestuft.
  • Venezianische Renaissance Antiquas werden in heutigen Druckverfahren sowie für Monitore jeglicher Art generell als suboptimal eingestuft. 13 )
  • Auf niedrig auflösenden PC-Monitoren, TV-Geräten, eBook-Readern und Beamern gelten in Lesegrößen gegenwärtig jedoch serifenlose Screen Fonts, z.B. die »Verdana« von Matthew Carter oder die »Fira Sans« von Ralph Du Carrois, Anja Meiners, Botio Nikoltchev und Erik Spiekermann, als besser lesbar. 
  • Auf Monitoren mit hoher Auflösung wiederum sind Schriften mit Serifen, z.B. die Vorklassizistischen Fonts »Times« bzw. die »Times New Roman« von Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) oder die »Georgia« von Matthew Carter (*1937), vorteilhafter, insbesondere durch den Mehrwert der integralen und selektiven Schriftmischung, die bei serifenlosen Schriften nur in sehr eingeschränkten Umfang möglich ist.
  • Bei Orientierungs-, Informations- und Leitsystemen weichen die Kriterien bezüglich der Lesbarkeit stark von denen der Lesetypographie ab. So sind beispielsweise konstruierte, fette Groteskschriften mit großen Binnenräumen, z.B. die »Interstate« von Tobias Frere-Jones, auf Verkehrsschildern besser lesbar als Schriften mit Serifen.
     

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Verwirrende Begrifflichkeiten: In der deutschen Schriftklassifkation ist es üblich, dass Taxonomieebenen gleich bezeichnet werden. Beispielsweise gehören zu der »Schriftgattung Antiqua« sowohl Schriften mit als auch ohne Serifen. Der Name »Antiqua« wird allerdings auch für die untergeordnete »Hauptschriftgruppe Antiqua« verwendet, in der Schriften mit Serifen zugeordnet werden. In der »Hauptschriftgruppe Grotesk« werden dann wiederum Schriften ohne Serifen eingeordnet. Ähnlich verhält es sich auch mit der ein oder anderen Schriftbezeichnung, wie beispiesweise der »Clarendon«. Einerseits gibt es in der »Schriftgattung Antiqua« eine »Schriftuntergruppe Clarendon«, anderseits ist die »Clarendon« eine serifenbetonte Druckschrift aus dem Jahre 1845, die von Benjamin Fox für die Font Foundry Fann Street geschnitten wurde.
2.Quelle und Literaturempfehlung: Catich, Edward, M.: Origin of the Serif: Brush Writing & Roman Letters, St. Ambrose University, USA, 2 edition (June 1991), ISBN-10: 0962974005 und ISBN-13: 978-0962974007.
3.Quelle und Literaturempfehlung: Frutiger, Adrian: Der Mensch und seine Zeichen, 1978, Vourier Verlag, Seite 99, ISBN 3-925037-39-X.
4.Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Bode-Museum, Münzkabinett, Vitrine 32, Die antike Welt bis zum 3. Jahrhundert.
5.Literaturempfehlung: Cheng, Karen: Designing Type, Anatomie der Buchstaben, Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISBN 3-87439-689-4.
6.Literaturempfehlung: Karow, Dr. Peter: Schrifttechnologie, Methoden und Werkzeuge, ISBN Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, N.Y., 1992, ISBN-13 9783540549185, ISBN-10 3540549188. Auch als e-Book unter ISBN 978-3-642-77160-6.
7.Anmerkung: »Der Leseprozess an einem selbststrahlenden Monitor gilt als anstrengend. Verschiedene Studien legen den Schluss nahe, dass das Lesen am Bildschirm zwar nicht unbedingt langsamer vonstatten geht als von Papier, dabei aber flüchtiger und weniger detailfokussiert ist. Auch sind Schriftzeichen am Monitor in aller Regel erheblich gröber aufgelöst als auf Papierdrucken, was ihre Rezeption potenziell erschwert.« Quelle: Liebig, Martin: Browser-Typografie, Untersuchungen zur Lesbarkeit von Schrift im World Wide Web, Verlag Werner Hülsbusch, Boizenburg, 2008, ISBN: 978-3-940317-09-4.
8.Anmerkung: Zu den Hauptdruckverfahren nach DIN 16500 gehören Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck.
9.Literaturempfehlung: Wendt, Dirk: Lesbarkeit von Druckschriften, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, ISBN 978-3-540-54918-5.
10.Anmerkung: Bereits 1929 belegten Vergleichstests in England, z.B. der »Pyke, 1929, Monotype No. 2 Old Style ./. Stephenson & Blake No. 10 Lining Grotesque«, dass Schriften mit Serifen deutlich schneller gelesen werden, als serifenlose Schriften.
11.Literaturempfehlung: Lesen Erkennen, Beiträge zu einem Symposium der TGM von Dirk Wendt, Bernd Weidemann, Rüdiger Weingarten, Hartmut Günther, Gerd Kegel und Ernst Pappel. Herausgegeben von der Typographischen Gesellschaft München, 2000.
12, 13.Anmerkung: Diese Feststellung gilt nur für moderne Druckverfahren, z.B. den Offsetdruck. Für zeitgenössische Buchdruckverfahren trifft dies nicht zu. Beispielsweise beurteilte der Typograph Giambattista Bodoni (1740–1813) seine Schriften ausschließlich nach dem gedruckten Schriftbild. Er schnitt seine Schriften so, dass sie erst in Verbindung mit »seinen« speziellen Farben und auf »seinem« speziellen Papier zu ihren wahren Formen und Größen fanden. Die »dünnen« Serifen seiner klassizistischen Schriftschnitte verdickten sich nämlich, sobald sie auf dem Papier standen. Zum einen durch den Druckprozess selbst, also das Eindringen der Type in das Material, dann durch die Eigenschaften des Papiers und durch das Wegschlagverhalten der Farbe.