Spationieren

Typo­gra­phi­scher Ter­mi­nus für die Erwei­te­rung der Schrift­lauf­wei­te, bei­spiels­wei­se einer Druck­schrift oder eines Web­fonts, aus­ge­hend von der Nor­mal­schrift­wei­te (NSW). Im mate­ri­el­len Schrift­satz (z.B. Blei­satz) auch als »Spa­ti­ie­ren« oder als »Sper­ren« bezeich­net; engl. »Spa­c­ing«. Ety­mo­lo­gi­sch von »Spa­ti­um« für »Zwi­schen­raum« aus dem lat. »spa­ti­um« für »Raum«.  

Unter »Spa­tio­nie­ren« bzw. »Spa­tio­nie­rung« wird sowohl die sys­te­ma­ti­sche als auch die selek­ti­ve Erwei­te­rung des Abstands der Buch­sta­ben, Ara­bi­schen Zif­fern, Leer­raum­zei­chen bzw. der Satz­zei­chen zuein­an­der ver­stan­den. Die posi­ti­ve Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung (+LW) der natür­li­chen Lauf­wei­te (LW 0) bzw. der Nor­mal­schrift­wei­te (NSW) gehört in der Mikro­ty­po­gra­phie zum Opti­schen Schrift­wei­ten­aus­gleich

Viele Fachbegriffe im DTP Desktop Publishing stammen noch aus dem materiellen Schriftsatz. So auch der Terminus »Spationieren«, der früher auch als »Spatiieren« oder »Sperren« bezeichnet wurde. Etymologisch stammt der Terminus von »Spatium« für »Zwischenraum« aus dem lat. »spatium« für »Raum«. Im Bild: Ein Handsatzgebinde (Bleisatz) einer Empfehlungskarte vor der Drucklegung. Die oberen Majuskelzeilen sind im normalen Breitenlauf gesetzt, die untere Zeile wurde mit sogenannten »Spatien« – also kleinen Blättchen aus Metall – spationiert. Foto: Wolfgang Beinert, Berlin.
Vie­le Fach­be­grif­fe im DTP Desk­top Publis­hing stam­men noch aus dem mate­ri­el­len Schrift­satz. So auch der Ter­mi­nus »Spa­tio­nie­ren«, der frü­her auch als »Spa­ti­ie­ren« oder »Sper­ren« bezeich­net wur­de. Ety­mo­lo­gi­sch stammt der Ter­mi­nus von »Spa­ti­um« für »Zwi­schen­raum« aus dem lat. »spa­ti­um« für »Raum«. Im Bild: Ein Hand­satz­ge­bin­de (Blei­satz) einer Emp­feh­lungs­kar­te vor der Druck­le­gung. Die oberen Majus­kel­zei­len sind im nor­ma­len Brei­ten­lauf gesetzt, die unte­re Zei­le wur­de mit soge­nann­ten »Spa­ti­en« – also klei­nen Blätt­chen aus Metall – spa­tio­niert. Foto: Wolf­gang Bei­nert, Ber­lin.

Mit der Eta­blie­rung des opto­me­cha­ni­schen Licht­sat­zes (Foto­satz) seit Anfang der 1960er Jah­re hat der Ter­mi­nus »Spa­tio­nie­ren« den aus dem gewerb­li­chen Sprach­schatz deut­scher Hand­schrift­set­zer kom­men­den Begriff »Sper­ren« suk­zes­si­ve abge­löst bzw. die­sen in einen tech­ni­sch bedingt dif­fe­ren­zier­te­ren Kon­text gestellt:

  1. Wird die Nor­mal­schrift­wei­te (NSW) eines digi­ta­len Fonts durch eine posi­ti­ve Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung (+LW) erwei­tert, spricht man von »Spa­tio­nie­ren«.
  2. Wird die Nor­mal­schrift­wei­te (NSW) eines digi­ta­len Fonts durch Leer­raum­zei­chen erwei­tert, nennt man das »Sper­ren«.
  3. Wird die Nor­mal­schrift­wei­te (NSW) eines digi­ta­len Mono­s­pa­ced Fonts (Nicht­pro­por­tio­nal­schrif­ten bzw. Fest­brei­ten­schrif­ten) mit Leer­raum­zei­chen erwei­tert, bezeich­net man das als »Dick­ten­glei­ches Sper­ren«.

 

Motive für das Spationieren

Es gibt unter­schied­li­che Argu­men­te, die das Spa­tio­nie­ren der Nor­mal­schrift­wei­te (NSW)  recht­fer­ti­gen kön­nen:

  • Opti­mie­rung der Schrift­sat­z­äs­the­tik durch posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung, bei­spiels­wei­se bei Head­lines, Kolum­nen­ti­teln, Majus­keln, Kapi­täl­chen und Mediä­val­zif­fern
  • Posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­kor­rek­tur einer feh­ler­haf­ten, zu engen NSW, um die Les­bar­keit der Schrift zu erhö­hen
  • Posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung bei Text­schrif­ten in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen, um Tex­te in sehr klei­nen Schrift­gra­den bes­ser les­bar zu machen
  • Posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung bei invers gesetz­ten Text­schrif­ten in Lese- und Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen (z.B. hel­le Buch­sta­ben auf dunklem Grund), um den Simul­tan­kon­trast zu opti­mie­ren
  • Posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung im Sin­ne der Schrift­aus­zeich­nung, bei­spiels­wei­se als »Lei­se Aus­zeich­nung« in der Schrift­gat­tung der Gebro­che­nen Schrif­ten (sie­he Sperr­satz)
  • Selek­ti­ve posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung als mikro­ty­po­gra­phi­sche Ver­fah­rens­wei­se, um eine Zei­le, einen Tabel­len­satz oder eine Zah­len­kom­bi­na­ti­on aus­zu­trim­men
  • Selek­ti­ve posi­ti­ve (+LW) Lauf­wei­ten­ver­än­de­rung als Kor­rek­tur von zu klei­nen Wort­z­wi­schen­räu­men 
Kapitälchesatz im Vergleich: Obere Zeile in +140/1000 Geviert spationiert, mittlere Zeile Normalschriftweite (NSW, Laufweite 0) und untere Zeile in -100/1000 Geviert unterschnitten. Wie bei den meisten Majuskel mit Serifen läuft auch hier die NSW (LW 0) zu eng. Deshalb werden Kapitälchen und Majuskeln grundsätzlich – je nach Schriftart und Schriftgrad – immer etwas spationiert. Beispiel gesetzt in Photoshop® von Adobe® in den Kapitälchen der Mrs Eves Small Caps (1996) von Zuzana Licko. Vertrieb Emigre Fonts. Infografik: www.typolexikon.de
Kapi­täl­che­satz im Ver­gleich: Obere Zei­le in +140/1000 Geviert spa­tio­niert, mitt­le­re Zei­le Nor­mal­schrift­wei­te (NSW, Lauf­wei­te 0) und unte­re Zei­le in −100÷1000 Geviert unter­schnit­ten. Wie bei den meis­ten Majus­kel mit Seri­fen läuft auch hier die NSW (LW 0) zu eng. Des­halb wer­den Kapi­täl­chen und Majus­keln grund­sätz­li­ch – je nach Schrift­art und Schrift­grad – immer etwas spa­tio­niert. Bei­spiel gesetzt in Pho­to­shop® von Ado­be® in den Kapi­täl­chen der Mrs Eves Small Caps (1996) von Zuzana Licko. Ver­trieb Émi­gré Fonts.

Spationieren bei Druckschriften

Bleisatz

Sie­he Sper­ren.

Fotosatz und Desktop Publishing (DTP)

Im Opto­me­cha­ni­schen Schrift­satz (Foto­satz) und im Desk­top Publis­hing (DTP) wer­den Schrift­lauf­wei­ten stu­fen­los in der rela­ti­ven Mass­ein­heit Geviert gemes­sen und spa­tio­niert. Die Wer­te des Lauf­wei­ten­aus­gleichs von Desk­top Publis­hing Com­pu­ter­pro­gram­men, bei­spiels­wei­se InDe­si­gn® von Ado­be® oder Quar­kX­press®  von Quark®, wei­chen in der Regel von­ein­an­der ab. 1 )

Bei­spiels­wei­se wird in InDe­si­gn® die Schrift­lauf­wei­te sowie das manu­el­le Kerning in 1/1000 Geviert gemes­sen, einer Maß­ein­heit rela­tiv zum aktu­el­len Schrift­grad. Schrift­lauf­wei­te und manu­el­les Kerning ver­hal­ten sich also pro­por­tio­nal zum aktu­el­len Schrift­grad. Z.B. beträgt bei einem Schrift­grad von 8 DTP-Punk­ten ein Geviert 8 DTP-Punk­te, folg­li­ch beträgt bei einem Schrift­grad von 12 DTP-Punk­ten ein Geviert 12 DTP-Punk­te. 2 )

Spationieren bei Webfonts

Die Nor­mal­schrift­wei­te (nor­ma­ler Zei­chen­ab­stand) von Web­fonts kann stu­fen­los spa­tio­niert wer­den. Dies geschieht in der Regel durch die Sty­le­s­heet Eigen­schaft »let­ter-spa­c­ing« im CSS Cas­ca­ding Sty­le Sheets 3 ) einer Web­site.

Bei­spiel der Eigen­schaft »let­ter-spa­c­ing« in einem CSS:

<html> 
 <head> 
 <title>Beispiel für Zeichenabstand eines Webfonts</title>
 <style type="text/css"> 
 .spationieren {letter-spacing: 0.9em;}
 </style>

</head> 
 <body> 
 <p class="spationieren">Dies ist ein weiter Text.</p>
 </body>

</html>

Bei­spiel einer CSSSyn­tax:

/* <length> Werte */
letter-spacing: 0.3em;
letter-spacing: 3px;
letter-spacing: .3px;

/* Schlüsselwortwerte */
letter-spacing: normal;

/* Globale Werte */
letter-spacing: inherit;
letter-spacing: initial;
letter-spacing: unset;

Der Schlüs­sel­wort­wert »nor­mal« ent­spricht der Nor­mal­schrift­wei­te (NSW) eines Web­fonts. Für die Spa­tio­nie­rung ste­hen in der CSS-Typo­gra­phie die abso­lu­ten For­ma­tie­rungs­wer­te pt (Punkt), pc (Pica), in (Inch), mm (Mil­li­me­ter) und cm (Zen­ti­me­ter) sowie die rela­ti­ven Mass­an­ga­ben em (bezo­gen auf ele­men­tei­ge­ne Schrift­hö­he), ex (bezo­gen auf ele­men­tei­ge­ne Höhe der Minus­kel x), px für Pixel (rela­ti­ve Anga­be im Hin­bli­ck auf die unter­schied­li­chen Bild­schirm­auf­lö­sun­gen) und % (Pro­zent gegen­über Ele­ment­norm) zur Wahl.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

Share / Bei­trag tei­len:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: In Text­ver­ar­bei­tungs­soft­ware, z.B. Word® von Micro­soft® oder Pages® von App­le®, kann die Lauf­wei­te meist nur ein­fach erwei­tert oder ver­engt bzw. pro­zen­tual »ska­liert« wer­den. Der­ar­ti­ge Text­ver­ar­bei­tungs­soft­ware ist u.a. des­halb für das pro­fes­sio­nel­le DTP nicht geeig­net.
2.Quel­le: Ado­be® Com­mu­ni­ty Help, InDe­si­gn®, Kerning und Lauf­wei­te. Ver­füg­bar unter https://​hel​px​.ado​be​.com/​d​e​/​i​n​d​e​s​i​g​n​/​u​s​i​n​g​/​k​e​r​n​i​n​g​-​t​r​a​c​k​i​n​g​.​h​tml (11.12.2015).
3.Anmer­kung: CSS Cas­ca­ding Sty­le Sheets ist ein welt­wei­ter Stan­dard des W3C (World Wide Web Con­sor­ti­um). Infor­ma­tio­nen ver­füg­bar unter http://​www​.w3c​.de/​a​b​o​ut/ (12.12.2015).