Systemschriften

Bezeichnung für Screen Fonts (Bildschirmschriften), die ein Betriebssystem (OS Operating Systems, z.B. Microsoft Windows® oder Apple macOS®) eines Mikrocomputers (PC, Smartphone, Tablet, Watch etc.) sowie dessen Anwendersoftware (z.B. Textverarbeitungsprogramme, Web Browser oder E-Mail Clients) im Rahmen der visuell basierenden Benutzerkommunikation (z.B. über LCD-Monitore, Multi-Touch Displays oder sonstige optische Interfaces) benötigt. Auch als Systemschriftarten, System Fonts oder Interface Fonts bezeichnet.

Systemschriften werden in der Regel bei der Erstinstallation und bei Updates (Softwareaktualisierungen) des Betriebssystems durch den jeweiligen Hersteller (z.B. Apple®, Microsoft® oder Google®) auf dem Startvolumen oder einem Primärspeichermedium (z.B. eine Festplatte) installiert.

Primäre Systemschriften

Systemschriften lassen sich in Primär- und Sekundärsystemschriften abgrenzen, wobei die Primärsystemschriften als Mindestanforderung für ein Betriebssystem benötigt werden. Im Zuge der globalen Kommunikation zählen auch Nichtrömische Schriften und Zeichen zu den Systemschriften. Welche Screen Fonts zu den primären und sekundären Systemschriften zählen, hängt vom jeweiligen Betriebssystem und der jeweiligen OS-Version ab. 

Beispielsweise änderte Apple® seinen primären System Font »Lucida Grande« von Charles Bigelow und Kris Holmes über die »Helvetica« von Max Miedinger (1910-1980) hin zur »San Francisco«, einer selbst entwickelten Schriftart für alle Apple-Geräte, die insbesondere für die Lesbarkeit auf kleinen Bildschirmen (z.B. iPhones) bei kleinen Schriftgraden optimiert wurde. 1 ) Das Pendant zu Apples »San Francisco« ist die »Segoe UI« bei Microsoft®, 2 ) die den System Font »Tahoma« von Matthew Carter bzw. den Vorgänger, die »Arial« von Robin Nicholas und Patricia Saunders, abgelöst hat.

Präsentation der neuen Systemschrift »San Francisco« für iOS, OS X und watchOS. Veröffentlicht am 21.07.2015 von Apple Inc. über YouTube unter Standard-YouTube-Lizenz.

Primäre Systemfonts können oder sollten nicht gelöscht oder geändert werden, da sie oder Teile von ihnen von der gesamten Softwarearchitektur benötigt werden.

Sekundäre Systemschriften

Sekundäre Systemschriften sind im Wesentlichen eine Art »Dreingabe« des Herstellers, die eine unkomplizierte Textkommunikation mit einem Mikrocomputer ermöglichen soll. Sie dienen primär der visuellen Text- und Bürokommunikation über eine Anwendersoftware, z.B. für das Schreiben eines Briefes in Microsoft Word®, dem Betrachten einer Website in einem Internet-Browser (Clients, z.B. Safari®, Chrome® oder Firefox® etc.) oder für Präsentationen mittels Microsoft PowerPoint®.

Prominente Beispiele sekundärer Systemschriften sind die »Times« und »New Times« von Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) oder die »Georgia« und »Verdana« von Matthew Carter. 

Systemschriften in gewerblichen Hauptdruckverfahren

Systemschriften sind in der Regel TrueType Fonts (*.ttf) und eignen sich deshalb nicht für die professionelle Weiterverarbeitung im grafischen Gewerbe, da sie keine PostScript®-Informationen enthalten. Der Ausdruck von Systemschriften auf Bürodruckern ist möglich, jedoch ist die Qualität des Druckbildes vom korrespondierenden PostScript File des Druckers abhängig. Fehlt ein File für eine bestimmte Systemschrift, wird das Schriftbild simuliert. 

Für grafische Druckverfahren bzw. für die professionelle Weiterverarbeitung im grafischen Gewerbe, z.B. durch CTP-Druckplattenbelichter (Computer to Plate) in der Druckvorstufe, sowie für den typometrisch korrekten Ausdruck, z.B. auf einem postscriptfähigen Laserdrucker, sind ausschließlich nur OpenType PostScript®-flavoured Fonts (*.otf) 3 ) geeignet. 

Systemschriften als HTML- und Fallback Fonts

Gewisse Sekundärsystemschriften werden bevorzugt auch als HTML Fonts sowie Fallback Fonts zur Absicherung von Webfonts für Webanwendungen verwendet, da diese mehrheitlich auf den meisten Mikrocomputern installiert sind. 

Die Infografik veranschaulicht den Abruf eines Fonts beim Abruf einer Website mittels eines Internet Browsers (z.B. Safari®, Chrome® oder Firefox®). Links: Verwendung einer Systemschrift in einer Webanwendung. Die Schrift wird direkt vom PC des Users geladen. Mitte: Fremdhosting eines Webfonts, z.B. durch das Abonnieren eines Google Fonts. Der Font wird von einem fremden Server – z.B. einer Cloud in den USA – beim Aufruf der Website eingelesen. Rechts: Der Webfont wird auf dem eigenen Server als Font File hinterlegt und lädt zusammen mit der Website.
Die Infografik veranschaulicht den Abruf eines Fonts beim Abruf einer Website mittels eines Internet Browsers (z.B. Safari®, Chrome® oder Firefox®). Links: Verwendung einer Systemschrift in einer Webanwendung. Die Schrift wird direkt vom PC des Users geladen. Mitte: Fremdhosting eines Webfonts, z.B. durch das Abonnieren eines Google Fonts. Der Font wird von einem fremden Server – z.B. einer Cloud in den USA – beim Aufruf der Website eingelesen. Rechts: Der Webfont wird auf dem eigenen Server als Font File hinterlegt und lädt zusammen mit der Website.

Beispiel einer Fallback Font Anwendung in einem CSS: 4 ) 

p {
    font-family: "Times New Roman", Times, Georgia, serif;
}

Zu den websicheren HTML Fonts (Fallback Fonts) lateinischen Ursprungs zählten im Jahre 2016 beispielsweise folgende Schriftarten:

Antiqua (Serif):

  • Georgia
  • Palatino
  • Linotype
  • Times
  • Times New Roman

Grotesk (Sans Serif):

  • Arial
  • Geneva
  • Helvetica
  • Impact
  • Lucida Grande
  • Lucida Sans
  • Tahoma
  • Trebuchet MS
  • Verdana

Dicktengleiche Schriften (Monospaced):

  • Monaco
  • Lucida Console
  • Courier
  • New Courier
     

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle: San Francisco, The system font for macOS, iOS, watchOS, and tvOS, Apple® Inc., USA, online verfügbar unter https://developer.apple.com/fonts/ (21.4.2017).
2.Quelle: Segoe UI, Microsoft® Corporation, USA, online verfügbar unter https://www.microsoft.com/typography/fonts/family.aspx?FID=331 (21.4.2017).
3.Anmerkung: Das Suffix *.otf wird hauptsächlich für OpenType PostScript®-flavoured verwendet. Allerdings erlauben die OpenType-Spezifikationen, dass auch OpenType TrueType-flavoured diese Endung verwenden können. Also Vorsicht beim Kauf eines Fonts!
4.Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium). Informationen verfügbar unter http://www.w3c.de/about/ (21.4.2017).