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Theinhardt, Ferdinand
Typograph, Schriftgießer und Stempelschneider, Deutschland [1], 1820–1906

Deutscher
Typograph, Orientalist und »Königlich-Preußischer Schriftschneider«. Geboren am 3.5.1820 in Halle an der Saale. Inhaber der »Ferd. Theinhardt Schriftgiesserei Berlin«. Ferdinand Theinhardt entwarf um 1880 für die wissenschaftlichen Publikationen der »Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin« die »Royal-Grotesk« in vier Schriftschnitten. Er machte damit die Grotesk in der Berliner Gesellschaft salonfähig, die bis dahin als reine extratypographische Industrieschrift galt. 1885 verkaufte Ferdinand Theinhardt seine Schriftgießerei an die Schriftgieserei »Gebrüder Mosig und Oskar Mommen«, die 1908 von der von Hermann Berthold (1831–1904) gegründeten H. Berthold AG übernommen wurde. Nach dem Ende der Monarchie (1918) verkaufte die H. Berthold AG die »Royal Grotesk« dann unter der Schriftbezeichnung »Akzidenz-Grotesk (AG mager)«. Diese Akzidenz-Grotesk gilt bis heute als »die Grotesk« schlechthin.

Im Bereich der Orientalistik wurde Ferdinand Theinhardt dadurch bekannt, dass er im Auftrag des Berliner Ägyptologen, Sprachforschers und Bibliothekars Karl Richard Lepsius (1810–1884) altägyptische Hieroglyphen rekonstruierte und
schnitt. Ferdinand Theinhard starb 15.3.1906 in Berlin.

[1] Damals: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (962–1806).
[L] Yvonne Schwemmer-Scheddin: Interview mit
Günter Gerhard Lange: Schrift, die spröde Geliebte – ein mäanderndes Gespräch, Typografische Monatsblätter, 71. Jahrgang, 2.2003, Zürich.
[T] Eckehart Schumacher-Gebler stellt mit seinem lesenswerten Aufsatz »Ferdinand Theinhard, die Akzidenz-Grotesk und die sächsische Großmutter der Helvetica« die Argumentation von Günter Gerhard Lange in Frage.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 14.01.2013
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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