Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Trajanisches Alphabet
Inschrift der Trajansäule

Römisches Majuskelalphabet. Berühmtestes Beispiel für die Capitalis Monumentalis und formvollendete Vorlage für alle runden Schriften römischen Ursprungs bzw. Antiqua-Schriften. Das Trajanische Alphabet gilt als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Der Begriff »Trajanisches Alphabet« etablierte sich, weil dieses Majuskelalphabet (Großbuchstabenalphabet), mit Ausnahme von H, J, K, U, W, Y und Z, in Form einer Inschrift auf einer 115 cm hohen und 275 cm breiten Marmortafel eingemeißelt wurde, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der »Columna Traiana«, der »Trajanssäule« befindet.

Diese Trajanssäule wurde von »Apollodoros aus Damaskus« (Römischer Baumeister und Ingenieur aus Syrien) nach den persönlichen Anweisungen des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus (53–117) und unter der Mitarbeit erfahrener Bildhauer und Künstler auf dem Trajansforum in Rom zwischen den beiden – später von Konstantin zerstörten – kaiserlichen Bibliotheken und der Basilika Ulpia errichtet. In der kunstgeschichtlichen Literatur wird die Vollendung und Weihe der Säule auf den 18. Mai 113 datiert.

Die Trajansäule erinnert u.a. an die Entstehungsgeschichte der Trajansmärkte, an deren Stelle extra ein Berg abgetragen werden musste. Die Stele selbst schmückt eine spiralförmige Reliefdarstellung mit einer Länge von rund 200 Metern, welche zwei Feldzüge (Völkermorde) Trajans gegen die Daker darstellt. Seit 1588 krönt die Säule anstatt der Kaiserstatue eine Petrusstatue.

Die Inschrift des Sockels ist in lateinischer Sprache verfasst und besteht aus sechs Zeilen im Zweiliniensystem, deren
Versalhöhe sich von 11,5 cm (ersten zwei Zeilen) auf etwa 9,75 cm (letzte Zeile) verringert. Die Zeilenabstände verringern sich von 7,5 cm auf 7 cm. Die Worte, Römischen Zahlen und Abkürzungen sind durch dreieckige Satzzeichen voneinander getrennt, welche auf der Mittelhöhe der Majuskeln (heute Mittellänge) eingemeißelt wurden.

Die Inschrift lautet ...

SENATVS.POPVLVSQVE.ROMANVS
IMP.CAESARI.DIVI.NERVAE.F.NERVAE
TRAIANO.AUG.GERM.DACICO.PONTIF
MAXIMO.TRIB.POT.XVII.IMP.VI.COS.VI.P.P
ADDECLARANDVM.QVANTAE.ALTITVDINIS
MONSET.LOCUS.TANTIS.RVDERIBUS.SIT.EGESTVS

Deutsche Übersetzung nach Walter Ohlsen [1] ...

Der Senat und das Volk von Rom
dem Gebieter, Kaiser, des göttlichen Nerva Sohn
Nerva Trajanus Augustus, Germanicus, Dacier,
oberster römischer Priester, 17 Mal Tribun,
6 Mal Feldherr, 6 Mal Konsul, Vertreter des Vaterlandes,
um zu zeigen, von welcher Höhe der Berg
und die Steine waren, die für derartig Werke
genommen wurden.

Einige Schriftsachverständige gehen davon aus, dass sowohl der Sockel, die Säule als auch die Majuskeln nach dem Reihenfolgenprinzip des Archimedes »Kegel, Kugel, Zylinder« im Verhältnis 1:2:3 (Zylinder vom Radius r und der Höhe 2 r, einer Kugel vom Radius r und eines geraden Kegels vom Radius r und der Höhe 2 r) konstruiert wurden. Auf das Zweidimensionale bezogen entspricht das Quadrat, Kreis und Dreieck, den Grundformen unseres westeuropäischen Alphabets.

Das Trajanische Alphabet inspirierte Generationen von Schriftgelehrten und Typographen, insbesondere seit der italienischen Renaissance. So u.a. Fernando Ruano, Vespasiano Amphiareo, Wolfgang Fugger, Geoffroy Tory, Albrecht Dürer, Francesco Torniello, Luca Pacioli, Damiano da Moile, Leonardo da Vinci, Felice Feliciano, Claude Garamond,
Jan Tschichold (1902–1974) und Günter Gerhard Lange (1921–2008). Bis heute konnte allerdings nicht nachgewiesen werden, ob das Trajanische Alphabet mittels der Typometrie konstruiert wurde, oder ob es mittels eines »eingeübten Auges« entstand.

[1] Walter Ohlsen: Proportionsanalyse der Inschrift der Trajanssäule, Friedrich Wittig Verlag Hamburg, 1981. ISBN 3804842224
[T] 1989 wurde das Trajanische Alphabet von Carol Twombly als Font »Trajan« digitalisiert.
[L] Günter Gerhard Lange: Die römische Kapitalschrift, Jahresgabe der Typographischen Gesellschaft München, München 1983.
[L] Jan Tschichold, Meisterbuch der Schrift, Otto Maier Verlag, Ravensburg 1952, ISBN 3-473-61100-x.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.01.2010
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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