Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Tschichold, Jan [ Tzschichhold, Johannes ]
Typograph, Deutschland und Schweiz 1902–1974

Deutscher/Schweizer Typograph, Kalligraph, Lehrer, Autor und Grafikdesigner. Geboren am 2. April 1902 in Leipzig (Sachsen) als Sohn von Franz und Maria Tzschichhold [1]. Gestorben am 11. August 1974 in Locarno (Circolo di Locarno) im Kanton Tessin in der Schweiz. Tschichold zählt zu den populären Theoretikern der westeuropäischen Typographie des 20. Jahrhunderts; er gilt als Meister der traditionellen typographischen Praxis, insbesondere der Buch- und Lesetypographie. Tschicholds journalistische Tätigkeit machte weltweit die »Bauhaustypographie« (1923–1933) [30] bekannt; er beeinflusste damit unzählige Grafikdesigner und Typographen, so auch in den 1930er Jahren die »New York School« (siehe Grafikdesign) [31].

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Johannes Tzschichold in Leipzig und Umgebung, so auch in Grimma, einer kleinen Stadt zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden, wo er nach der Volksschule kurzweilig das »Königliche Lehrerseminar Grimma« [2] besuchte. 1919 Aufnahme in die Schriftklasse des Paläographen und Kalligraphen Hermann Delitsch an der Akademie für graphische Künste in Leipzig [3]. 1920–1921 Besuch der Kunstgewerbeschule Dresden. Ab 1921 Schüler in der Meisterklasse [4] »Buchgewerbe, Illustration, freie und angewandte Graphik« des Typographen und Grafikdesigners Dr. h.c. Walter Tiemann (1876–1951), der von 1921 bis 1941 Direktor der Leipziger Akademie war [5].

Ab den frühen 1920er Jahren freiberufliche Tätigkeiten als »Typographischer Entwerfer«, u.a. für den Leipziger Gebrauchsgraphiker Erich Gruner (1881–1966) [6], die Leipziger Buchdruckerei Fischer & Wittig und den Leipziger Insel-Verlag, der u.a. bei der Offizin Poeschel & Trepte in Leipzig [7] produzierte, wo Tschichold als Volontär in der Akzidenz- und Werksatzabteilung seine ersten praktischen Kenntnisse im Handschriftsatz sammelte. Um die Mitte der 1920er Jahren knüpfte Johannes Tzschichhold als Protegé seines renommierten Lehrers Tiemann Kontakte zur Offenbacher Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor (gegründet von Karl Klingspor, 1868–1950, infolge Stempel AG und Linotype), so u.a. auch zu dem damals sehr prominenten Offenbacher Typographen Rudolf Koch (1876–1934), einem Bekannten von Tiemann [8].

Ab Mitte der 1920er Jahre wurde Tzschichhold mit den avantgarden Betrachtungsweisen des Futurismus, Dadaismus und Konstruktivismus konfrontiert. Insbesondere faszinierten ihn die Zielsetzungen und Formensprachen des 1907 in München gegründeten Deutschen Werkbunds und des 1919 in Weimar gegründeten Bauhauses, der beiden Keimzellen der modernen »Visuellen Gestaltung« und der »Modernen Typographie« (siehe auch Schriftgeschichte, Typographie und Grotesk). 1923 besuchte er in Weimar eine Ausstellung des Bauhauses, wo er den ungarischen Bauhauslehrer Laszlo Moholy-Nagy (1895–1946), den späteren Gründungsdirektor der »School of Design« in Chicago (USA), und den russischen Maler, Grafikdesigner, Architekten, Typographen und Fotograf Lazar Markovitsch Lissitzky (1890–1941) kennenlernte. Um 1924/25 änderte Johannes Tzschichhold seinen Vor- und Familiennamen in »iwan tschichold«, »ivan tschichold« und dann ab 1926 in »jan tschichold«, eine modische Attitüde jener Jahre [9]. Ab diesen Jahren begann er den Stil der »Modernen Typographie« konsequent nachzuahmen [10], eine grafische Formensprache, die die junge Industriegesellschaft, den Fortschritt, die sozial orientierte proletarische Fraternisierung und den Internationalismus versinnbildlichte. Der deutsche Gestalter Otl Aicher, einer der Gründer der hochschule für gestaltung ulm, bezeichnete 1989 diese Zeitspanne als den Beginn eines »typographischen Kriegszustands (...) zwischen (Fraktur-), Grotesk- und Antiqua-Ideologen (...), der bis heute anhält (...)« [11]. Tschichold vertrat diesen grafischen Stil bis Ende 1930.

Im Oktober 1925 publizierte »ivan tschichold« als Co-Autor erstmals in zwei kurzen Aufsätzen im Sonderheft »elementare typographie«, einer Beilage der Zeitschrift »typographische mitteilungen« (Herausgeber: Bildungsverband der deutschen Buchdrucker, Leipzig), seine Betrachtungsweisen über »Die neue Gestaltung« und die »Elementare Typographie« [12]. Dieses zweifarbig – in schwarzer und roter Farbe – gedruckte Sonderheft löste bei zehntausenden – mehrheitlich traditionsbewussten – Verbandsmitgliedern eine leidenschaftliche und bis heute beispiellose Debatte über Typographie aus, die »ivan tschichold« über Nacht zu einem bekannten Protagonisten in der deutschsprachigen graphischen und typographischen Fachwelt machte. So schrieb El Lissitzky, einer der Co-Autoren, 1925 euphorisch an Tschichold: »(...) bravo, bravo, (...) es ist bei mir ein physischer Genuß, wenn ich so eine Qualitätsschrift in den Händen, Fingern, Augen halte. Meine Nervenantennen spannen sich, und der gesamte Motor verschnellert den Lauf. (...).« [13]. Die große Mehrheit der Kollegenschaft vertrat allerdings die Überzeugung, dass Tschicholds »typographische Mätzchen nur vordergründig etwas mit Typographie zu tun hätten und es sich dabei nur um eine politische Demonstration handle« [14].

Ende 1925 zieht Tschichold in die von politischen Unruhen und großer wirtschaftlicher Not geplagte Reichshauptstadt Berlin, die offiziell bereits 4.024.165 Einwohner zählt. Er heiratet am 31. März 1926 Edith Kramer [15] und arbeitet freiberuflich für den Insel Verlag und den Bücherkreis Berlin. Tschichold beginnt verstärkt – nach dem Vorbild vieler Protagonisten des Werkbunds und des Bauhauses – seine Betrachtungsweisen im deutschsprachigen Raum in »lichtbildervorträgen« zu verbreiten [16]. Im Juni 1926 zieht Tschichold mit seiner Ehefrau in die Hofmarckstraße 39 nach Planegg, einem Vorort von München, um in der bayerischen Landeshauptstadt eine Anstellung als Berufsschulfachlehrer für Kalligraphie und Typographie an der »Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker« [17] anzunehmen, die ihm der bekannte Typograph Paul Renner (1878–1956) in seiner Funktion als Gründungsdirektor der Meisterschule (1927–1933) angeboten hat [18]. Bedingt durch das neue Dienstverhältnis wurde der Künstlername »Jan Tschichold« behördlich festgehalten, den er zeitlebens benutzen wird.

Im Mai 1927 hält Tschichold in der »Graphischen Berufsschule« in der Pranckhstraße [19] in München seinen Lichtbildervortrag »die neue typographie«. Obwohl vorsorglich auf dem Veranstaltungsplakat der Hinweis »eine diskussion findet nicht statt« gedruckt steht, endet der Vortrag mit tumultartigen Debatten [20]. Am 10. Juni bekommt seine Frau Edith ein Kind, das bereits ein halbes Jahr später stirbt. Im gleichen Jahr bietet er über die Typographische Gesellschaft München mit Paul Renner, Fritz Sommer und Josef Lehnacker Abendkurse für rund 70 Kollegen an, die im Gebäude der Graphischen Berufsschule stattfinden. Herbert Kern bezeichnet diese Münchner Zeit Tschicholds in einem Essay mit »Tschichold und kein Ende« [21]. 1928 Umzug von Planegg »auf« die Schwanthaler Höfe (Schwanthaler Straße 77), eines der ersten innerstädtischen Arbeiterviertel der Landeshauptstadt München (heute Westend). Beteiligung Tschicholds an der Ausstellung »neue typographie« im Basler Gewerbemuseum. Im gleichen Jahr erscheint sein erstes Lehrbuch »Die neue Typographie« im Verlag des Bildungsverbandes der deutschen Buchdrucker in Berlin. Im Dezember ziehen die Tschicholds in eine neue Wohung in die Voitstraße 8 um, die zwischen Schwabing und Moosach (heute in der Nähe des Olympiaparks) liegt. Grund für den Umzug in eine neue Wohnung dürfte wohl auch der frühe Tod seines ersten Kindes sein. Am 4. Januar kommt sein zweites Kind, Sohn Peter, zur Welt. 1928/29 unterstützt Tschichold eine Rechtschreibreformbewegung, die die gemischte Schreibweise im deutschen Schriftsatz abschaffen will [21]. Entsprechend der Bauhaus-Doktrin und inspiriert vom konstruktivistischen Universal-Alphabet (1925) des Grafikdesigners und Typographen Herbert Bayer (1900–1985), konstruiert er ein eigenes phonetisches Minuskelalphabet, das die Interpunktion auf die x-Linie stellt. 1929 veröffentlicht Franz Roh (1890–1965) mit Jan Tschichold im Akademischen Verlag Dr. Fritz Wedekind & Co. in Stuttgart sein Buch »FOTO-AUGE – 75 fotos der zeit«, ein avantgardistisches Manifest der modernen Fotografie. 1932 gestaltet Tschichold die »Sonate in Urlauten« von Kurt Schwitters (1887–1948), die als 24. und letzte Ausgabe der MERZpublikationen in der Zeitschrift der Gruppe »Abstraction-Création« in Paris erscheint.

Um 1930 herschen in München wirtschaftliche Not und eine enorm hohe Arbeitslosigkeit (offiziell 46.457 erwerbslose Männer bei 729.000 Einwohnern). Zwischen 1930 und 1933 entwickelt Tschichold die Zierschriften Zeus (1931) für die Schriftguß KG, Saskia (1932) für Schelter & Giesecke und Transito (1931) für die Amsterdam Type Foundry – letztere infolge des unveröffentlichten Entwurfs der »Tschichold Stencil« von 1929 –, für die es allerdings keine erwähnenswerte Nachfragen gab.

1933 – das Jahr. in dem Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Stadt München ernannt wird – diffamierten nationalsozialistisch gesinnte Kollegen, insbesondere aus den Reihen des Bundes der Deutschen Gebrauchsgraphiker (heute BDG), Paul Renner als Kulturbolschewisten. Trotz seiner intensiven Bemühungen, den Sachverhalt richtigzustellen [22], wird Renner von den Münchner Behörden als Direktor entlassen und durch den politisch unauffälligen Typographen Georg Trump (1896–1985) ersetzt. Neid und Missgunst der weniger erfolgreichen und minder begabten Kollegen ist nun Tür und Tor geöffnet; Tschichold verliert nicht nur seinen einflussreichen Mentor, sondern auch sein Dienstverhältnis als Fachlehrer [23]. Nachdem er und seine Frau von der Polizei wegen seiner »bolschewistischen und entarteten Typographie« in Schutzhaft genommen und zeitgleich seine Wohnung in der Voitstraße 8 durchsucht wurde, emigriert Tschichold 1933 mit seiner Ehefrau Edith und seinem vierjährigen Sohn Peter aus der »Hauptstadt der Bewegung« – in der fortan die Druckmaschinen für »Mein Kampf« und den »Völkischen Beobachter« reserviert waren – in die neutrale Schweiz nach Riechen bei Basel. In seiner Münchner Zeit arbeitete Tschichold neben seiner Tätigkeit als Fachlehrer auch als freiberuflicher »Typographischer Entwerfer«. Beispielsweise entwarf und zeichnete er zwischen 1926–1928 im »Modernen Stil« mehrere Dutzend Filmplakate und Filmprogramme für den Phoebus Palast, ein Kino mit über 1000 Sitzplätzen im Zentrum von München in der Sonnenstraße 8 (Nähe Stachus), Plakate für das Graphische Kabinett in der Briennerstraße 10 sowie Bucheinbände für den sozialdemokratischen Verlag »Der Bücherkreis«, eine Arbeiterbuchgemeinschaft in der Weimarer Republik. Während seiner Dienstzeit an der Graphischen Berufsschule der Stadt München verfasste er diverse Aufsätze für die Hauszeitschrift »Graphische Berufsschule«, so u.a. über den »Geschäftsbrief nach DIN 676« oder »Die Rasterfolien, ein neues Hilfsmittel für Entwerfer«.

In Basel erhält er 1933 – durch die Kontakte seines Mentors Paul Renner zu Hermann Kienzle (AGS-Direktor 1916–1943), den er 1928 im Baseler Gewerbemuseum bei einer Ausstellung näher kennenlernte – eine befristete Aushilfslehrerstelle in der Lehrlingsausbildung der »Grafischen und kunstgewerblichen Berufe« an der Schule für Gestaltung an der Baseler Allgemeinen Gewerbeschule [24], die ihm und seiner Familie die Emigration in die Schweiz ermöglicht. Er und seine Familie beziehen eine Wohnung in der Steinenvorstadt 9. Neben dieser Tätigkeit als Fachlehrer arbeitet er auch als »Typographischer Gestalter« für den Benno Schwabe Verlag [25], der u.a. auch die Plakate für die Kunsthalle und das Gewerbemuseum in Basel fertigt. 1935 Aufenthalt von Kurt Schwitters bei Jan und Edith Tschichold sowie Veröffentlichung des Buches »Typographische Gestaltung«. Im September 1935 Vortragsreise durch Dänemark. Kurz danach, im November 1935, stellt Tschichold seine Arbeiten in der Druckerei (und Verlag) Lund Humphries in London (Großbritannien) aus, wodurch einige Auftragsarbeiten folgen, so auch 1937 der Auftrag zur Neugestaltung des »Penrose Annual 1938«, eines Jahrbuchs für Graphic Design. Nach einem Bericht über Tschichold im englischen Magazin »Typography« (Juli 1937) von Robert Harling (Herausgeber), lädt ihn der Couble Crown Club, eine Vereinigung englischer Typographen und Drucker, ein, seinen Vortrag »A New Approach to Typography« zu halten. Ab Ende der 1930er Jahre ändert Tschichold seine Betrachtungsweisen und zieht fortan die »Traditionelle Typographie« der »Modernen (Neuen) Typographie« vor. Ab diesem Zeitpunkt wandelt er sich zum leidenschaftlichen Vertreter einer klaren, klassischen Makro- und Mikrotypographie. Zu seinen letzten Arbeiten im »Modernen Stil« dürfte das Plakat für die Ausstellung »konstruktivisten« zählen, die vom 16.1. bis 14.2.1937 in der Basler Kunsthalle stattfand. Tschichold ist nun Ende 30; er ist auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen – und auch nach einer pekuniär erwähnenswerten Karriere.

Ab Anfang der 1940er Jahre beschäftigt sich Tschichold überwiegend nur noch mit der Antiqua geprägten Buch- und Lesetypographie im klassischen Stil von Aldus Manutius (1449/50–1515), Pierre Simon Fournier (1712–1768) und Firmin Didot (1767–1836); seine Leidenschaft gilt fortan der Englischen Typographie. Dem Vorbild großer Typographen folgend, setzt er sich mit Schriftgeschichte, Orientalistik und Paläographie auseinander und endeckt so auch sein Interesse für den chinesischen Farbendruck; es folgen sechs Bücher zu diesem Thema. 1941 Veröffentlichung seines Buchs »Geschichte der Schrift in Bildern«. 1941–1946 erhält Tschichold eine Festanstellung als Verlagshersteller im renommierten Birkhäuser Verlag in Basel, der 1879 als Druckerei von Emil Birkhäuser gegründet wurde und sich in den 1930er Jahren zu einem einflussreichen Wissenschaftsverlag entwickelte [26], wo zwischen 1938 und 1941 auch der 14 Jahre jüngere Max Caflisch (1916–2004) als erster Akzidenzsetzer arbeitete. Zeitgleich beantragt Tschichold mit Referenzen seines Arbeitgebers, Basler Freunden und Kollegen beim Kantonalen Bürgerrechtsdienst für sich und seine Familie das Basler Bürgerrecht. 1942 publiziert er im Holbein-Verlag in Basel sein Lehrbuch »Schriftkunde, Schreibübungen und Skizzieren für Setzer«. Im gleichen Jahr wird Tschicholds Einbürgerungsantrag stattgegeben, der auch eine uneingeschränkte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für die gesamte Schweiz umfasst; Tschichold und seine Familie besitzen nun die langerhoffte Schweizer Staatsbürgerschaft. 1943 initiiert Tschichold den Schweizer Wettbewerb »Die zehn schönsten Bücher des Jahres«. 1944 baut (kauft?) Tschichold sich und seiner Familie ein (Ferien-)Haus in Berzona im Tessin, das später der Altersruhesitz der Tschicholds werden wird.

1945 bietet ihm Allan Lane, der Verleger von Penguin Books London, eine interessante Aufgabe in seinem Verlag an. Lane wurde über den Buchdrucker Oliver Simon auf Tschichold aufmerksam, den er bei seiner Ausstellung in der Druckerei Lund Humphries in London kennenlernte. Daraufhin zieht Tschichold ein Jahr später von 1946 bis 1949 nach London, um dort das Corporate Design und die Corporate Typography von Penguin Books zu überarbeiten. 1949 ernennt ihn der Londoner Double Crown Club zum Ehrenmitglied. 1952 erscheint im Otto Maier-Verlag Ravensburg sein Lehrbuch »Meisterbuch der Schrift«. 1952 erscheint im Hausdruck der D. Stempel AG (gegründet von David Stempel, 1869–1927) die geschichtliche Studie Tschicholds »Formenwandlungen der Et-Zeichen«.

1955 zieht Tschichold wieder nach Basel und erhält aufgrund einer Referenz des Basler Dirigenten Paul Sacher (1906–1999) eine Anstellung beim Pharmakonzern Hoffmann-La Roche, für den er repräsentative Drucksachen, beispielsweise Einladungen und Prospekte, entwirft. 1954 erhält Tschichold die Goldmedaille des American Institute of Graphic Arts.

1960 wird er Ehrenmitglied der Société Typographique de France. 1962 veröffentlicht Tschichold sein wohl wirtschaftlich erfolgreichstes Buch »Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels«. 1964 erhält er zusammen mit Lajos Lengyel, Budapest, und dem VEB Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft, Dresden, den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig [27].

Mitte der 1960er Jahren beginnt Tschichold mit den Recherchen und seinen Entwürfen zu der Renaissance-Antiqua »Sabon Antiqua«, einer Druckschrift in der Tradition Claude Garamonds, die erstmalig eine Schriftsatzsystemkompatibilität als Handsatzschrift für die Stempel, als Zeilengussschrift für die Linotype und als Einzelbuchstabengussschrift für die Monotype aufweisen soll. Auftraggeber für die Neuinterpretation ist der Direktor der Schriftgießerei D. Stempel AG, Walter H. Cunz, der Sohn des ehemaligen Firmenmitinhabers Wilhelm Cunz (1869–1951). Tschichold verwendet auf dessen Wunsch für den normalen Schriftschnitt ein Druckmuster aus dem »Specimen characterum« von Conrad Berner (Konrad Berner), einer Paläo-Bibliographie der frühesten Abhandlungen über die Konstruktion von Buchstaben (Typometrie), die 1592 in Frankfurt am Main gedruckt wurde. Für den kursiven Schnitt der Sabon interpretierte Tschichold die berühmten »Cursiva ascendonica« des französischen Stempelschneiders und Verlegers Robert Granjon (1513–1589); die Schriftbezeichnung wiederum ist eine Reminiszenz an den Stempelschneider und Schriftgießer Jacques Sabon (um 1520–1590), einen Schüler Garamonds [28].

1965 wird Tschichold durch die Royal Society of Arts zum »Royal Designer for Industry« ernannt. Von 1966 bis 1974 ernennt ihn die Akademie der Künste, Berlin (Ost), Sektion Bildende Kunst, zum korrespondierenden Mitglied [29]. 1967 reist Tschichold zu einer Vortragsreise in die USA. Seine Französische Renaissance-Antiqua Sabon wird »identisch in drei Setzverfahren« in Düsseldorf auf der internationalen Fachmesse »drupa« bei der D. Stempel AG, bei Linotype und Monotype vorgestellt. Nach seiner Rückkehr aus den USA zieht er mit seiner Frau Edith von Basel in sein Haus nach Berzona im Tessin, wo er fortan privatisiert, Fachkollegen, Freunde und Bekannte empfängt und sichtlich seine hart erarbeitete internationale Reputation genießt.

Am 11. August 1974 stirbt Jan Tschichold als zweifacher Großvater in Locarno in der Schweiz.

LITERATUR VON JAN TSCHICHOLD (AUSWAHL):
Jan Tschichold: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typografie. Eine Fibel für jedermann, Maro-Verlag Augsburg 1988 ISBN 3-87512-403-0.
Jan Tschichold: Meisterbuch der Schrift, Otto Maier-Verlag Ravensburg 1952, ISBN 3-473-61100-x.
Jan Tschichold: Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie, Birkhäuser Verlag, Basel, ISBN 3-7643-1946-1.
Jan Tschichold: Die neue Typographie. Ein Handbuch für zeitgemäß Schaffende. Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Berlin 1928.
Jan Tschichold: Schönste, liebe mich, L. Schneider Verlag.
Jan Tschichold: Was jedermann vom Buchdruck wissen sollte, Birkhäuser Verlag.
Jan Tschichold: Zur Typographie der Gegenwart, Setzmaschinen-Fabrik Monotype Ges. m.b.H.
Jan Tschichold: Man Ray, Jan Tschichold, Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, 1963.
Jan Tschichold: Leben und Werk des Typographen Jan Tschichold, Werner Klemke Herausgeber, Saur K.G. Verlag GmbH, 1988.
Jan Tschichold: Schriftkunde, Schreibübungen und Skizzieren für Setzer, Holbein-Verlag, Basel 1942.
Jan Tschichold: Formenwandlungen der Et-Zeichen. Frankfurt am Main, 1953.
Jan Tschichold: Typografische Entwurfstechnik, Akademischer Verlag Dr. Fritz Wedekind & Co., Stuttgart 1932.
Jan Tschichold: Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie. Birkhäuser Verlag, Basel 1987, ISBN 3-7643-1946-1.
Jan Tschichold: Schatzkammer der Schreibkunst, Birkhäuser Verlag, Basel 1949.
Jan Tschichold: Geschichte der Schrift in Bildern. Hauswedell Verlag, Hamburg 1961.
Jan Tschichold: Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels, 1962
Günter Bose und Erich Brinkmann (Herausgeber): Jan Tschichold: Schriften 1925–1974, Brinkmann & Bose, Berlin 1991, Band 1 und 2 [*], ISBN 3-922660-35-5 und 3-922660-36-3.
[*] Im Band 2 befindet sich eine komplette Bibliographie von Jan Tschichold.

SCHRIFTEN VON JAN TSCHICHOLD:
Sabon-Antiqua, D. Stempel AG, Linotype, Monotype, 1967
Saskia, Schelter & Giesecke, 1932
Uhertype Grotesk, 1933/36
Tschichold Stencil, 1929
Transito, Amsterdam Type Foundry, 1931
Zeus, Schriftguß KG, 1931

[1] Tschicholds Vater arbeitete als Schriftenmaler in Leipzig. Dieser soll seine Leidenschaft zur Kalligraphie geweckt haben. Seine Mutter war eine geborene Zapff. Die Großeltern väterlicherseits stammten aus Pförden bei Forst in der Niederlausitz, einem Ort östlich der Neiße, heute Brody, Polen. (Quelle: Typographische Monatsblätter, Revue suisse de l’Imprimerie 4/1972, Aufsatz »Jan Tschichold: praeceptor typographiae, Zu seinem siebzigsten Geburtstag am 2. April 1972«). Diese Laudatio verfasste Tschichold unter einem Pseudonym selbst. Siehe diesbezüglich Anmerkung [4].
[2] Das »Königliche Lehrerseminar Grimma« wurde im Jahr 1838 gegründet. 1839 erfolgte die Übernahme der städtischen Armenschule, die als Übungsschule diente. Das 1842 gegründete Proseminar sollte den zukünftigen Volksschullehrern die nötigen Vorkenntnisse vermitteln. Infolge der Reformen nach der Novemberrevolution wurde das Lehrerseminar 1922 aufgelöst und in eine höhere Schule umgewandelt; mit dem Schuljahr 1922/23 nahm man eine Oberschulklasse in das Seminar auf. 1924 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Oberschule. (Quelle: Staatsarchiv Leipzig des Freistaates Sachsen, Abteilung Königreich und Freistaat Sachsen 1831–1945, Bildungseinrichtungen.)
[3] Die heutige HGB wurde am 6.2.1764 als »Zeichnungs-, Mahlerey und Architecturakademie« gegründet, 1876–1900 Königliche Kunstakademie und Kunstgewerbeschule, ab 1900 Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, ab 1919 Akademie für graphische Künste, ab 1947 Akademie für Graphik und Buchkunst – staatliche Kunsthochschule, ab 1950 Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Info unter www.hgb-leipzig.de.
[4] Tschichold behauptet in seinen Selbstdarstellungen, beispielsweise 1946 in seinem Aufsatz »Glaube und Wirklichkeit«, dass er »von 1920 bis 1925 Lehrer der Schrift an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig gewesen war«. Das ist natürlich nicht korrekt. Tschichold hatte im Auftrag Tiemanns vertretungsweise nur einige Abendkurse im Schriftschreiben betreut, da aufgrund der katastrophalen Auswirkungen des 1. Weltkriegs und der revolutionären Unruhen akuter Lehrermangel bestand. Er war dort Schüler, kein »Lehrer«. Die Bezeichnungen Tutor oder Assistent wären sicherlich für eine derartige »Lehrtätigkeit« angemessener. Da Tschichold natürlich auch ein Meister des schriftlichen Wortes und der Selbstinszenierung war, formulierte er die eine oder andere Realität geschickt zu seinen Gunsten; verschwieg oder betonte das eine oder andere. Beispielsweise schrieb Jan Tschichold 1972 ungeniert in den Typographischen Monatsblättern [1] unter dem Pseudonym »Reminiscor« seine eigene »Geburtstagslaudatio«; laut Max Caflisch möglicherweise auch deshalb, »(...) weil er der Auffassung war, niemand anders sei in der Lage, einen solchen Beitrag zu schreiben – und so gut zu schreiben«.
[5] In den 20er Jahren attackierte Tschichold im Zuge des Dogmas »neue typographie« seinen einstigen Mentor Tiemann vehement. Tiemann wurde zu dieser Zeit auch stark von den Nationalsozialisten diffamiert und »zum vorläufigen Ruhestand« gezwungen.
[6] Erich Gruner war zu jener Zeit einer der führenden Grafiker Leipzigs. Er entwarf beispielsweise 1917 das Doppel-M-Signet (MusterMesse) für die Leipziger Messe. Tschichold entwarf für ihn kalligraphisch geschriebene Inserate für die Leipziger Messe.
[7] Heute: Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht GmbH, Stuttgart. Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf.
[8] Ab 1909 veröffentlichte Walter Tiemann seine Druckschriften bei der Offenbacher Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor, für die auch Rudolf Koch arbeitete. Beispielsweise publizierte 1914 Koch die Schrift »Maximilian« und Tieman die Schrift »Peter Schlemihl«.
[9] Osteuropäisch, insbesondere russisch klingende Namen waren in den 20er Jahren in linksintellektuellen Künstlerkreisen sehr beliebt. Georg Ramseger schrieb 1988 in einem Beitrag in »Max Caflisch: Typographia practica«, dass Tschichold »(...) gerne mit seiner sorbischen Herkunft kokettierte«.
[10] Beispielsweise praktizierten den »Modernen Stil« H. N. Werkmann, Ardengo Soffici, Lucio Venna, Raoul Hausmann, Fernand Léger, Joost Schmidt, Walter Drexel, Kurt Schwitters, Karel Teige, John Heartfield, Lajos Kassák, Max Bill, Henryk Berlewi, Ladislav Sutnar, Herbert Bayer, El Lissitzky, Alexander Tairoff, Theo von Doesburg, Piet Zwart, Paul Schuitema, Laszlo Moholy-Nagy oder Alexander Rodschenko.
[11] Quelle: Otl Aicher und Josef Rommen: Typographie, Ernst & Sohn Verlag, ISBN 3-433-02090-6.
[12] Autoren dieses Sonderhefts, das zeitgleich mit dem Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau erschien, waren Natan Altman, Otto Baumberger, Herbert Bayer, Max Burchartz, El Lissitzky, Ladislaus Moholy-Nagy, Molnár F. Farkas, Johannes Molzahn, Kurt Schwitters, Mart Stam und Ivan Tschichold. Dieses Heft mit den beiden Artikeln von »ivan tschichold« ist im Verlag H. Schmidt, Mainz als Reprint erschienen. ISBN 3-87439-129-9.
[13] Essay »Die Leitsterne des Max Caflisch« von Georg Ramseger aus »Max Caflisch: Typographia practica«, Jahresgabe für die Maximilian-Gesellschaft Hamburg und die TU Darmstadt, 1988.
[14]
Aufsatz »Georg Trump« von Hermann Hans Schmidt, erschienen in »Hundert Jahre Typographie, Hundert Jahre Typographische Gesellschaft München. Eine Chronik«, TGM-Bibliothek, München, 1990.
[15] Über seine Ehefrau Edith ist wenig bekannt. Tschichold soll sie bereits um 1923 in Leipzig kennengelernt haben, als sie ein Volontariat in einem Verlag (?) oder eine Journalistenausbildung (?) absolvierte. Sie soll aus »einfachen Verhältnissen stammen, sie war branchenfremd, war sehr freundlich, sie nannte ihn immer Tschichold, er half ihr immer fleißig im Haushalt, sie war eine gute Zuhörerin und eine hervorragende Köchin und – sie war die wichtigste Person in Tschicholds Leben – sie war Tschicholds Beraterin«. (Quelle: Kurt Weidemann in einem Gespräch mit Wolfgang Beinert, Berlin 2007. Diese Eindrücke gewann Kurt Weidemann bei einem Besuch mit seiner ersten Ehefrau Jutta (1940–1972) bei den Tschicholds in Berzona (Tessin) in den 1960er Jahren.
[16] Zu jener Zeit war die grafische und typographische Szene beispielhaft organisiert. Es gab regelmäßig Vorträge in Schulen, Klubs, Gesellschaften, Vereinen etc., die sich mit Grafik, Typographie und Gestaltung im weiteren Sinne auseinandersetzten. »lichtbildervortäge« (Diavorträge) waren in den 1920er Jahren eine ungewöhnliche moderne Präsentationsform.
[17] Heute: Berufliches Schulzentrum Alois Senefelder, Pranckhstraße 2, München. Info unter www.senefelder.musin.de.
[18] Paul Renner protegierte Jan Tschichold zeitlebens, auch als er sich nach Hödingen am Bodensee ins »Exil« zurückzog; er übersah grundsätzlich seine oft kleinbürgerliche Arroganz gegenüber weniger begabten Kollegen.
[19] Tschichold konnte in seinen Vorträgen manchmal sehr verletzend wirken, inbesondere wenn er sein Manuskript verließ und frei sprach. Eine kurze Anekdote zur Veranschaulichung: Der junge Typograph Günter Gerhard Lange (1921–2008) lernte Tschichold in der Nachkriegszeit in Stuttgart bei einem Vortrag (vermutlich vor dem Graphischen Klub Stuttgart) nur deshalb persönlich kennen, weil er schlussendlich der einzige Zuhörer war. Alle anderen Zuhörer verließen peu à peu erbost den Saal. Der Grund – Tschichold hielt seinen Kollegen pedantisch vor, dass sie eigentlich von Typographie und Gestaltung nichts verstünden. Nachdem Tschichold bis auf Günter Gerhard Lange alle Zuhörer vergrault hatte, ging er mit GGL einfach in ein Lokal, um gemeinsam etwas zu trinken. (Quelle: Günter Gerhard Lange in einem Gespräch mit Wolfgang Beinert, München 2003). »Privat war Tschichold eher ein zurückhaltender und sensibler Mensch«. Beispielsweise lernte Kurt Weidemann ihn »als einen Menschen von hoher persönlicher Kultur, umfassender Bildung und – bei aller kritischen Schärfe – großer Liebenswürdigkeit kennen« (Quelle: Kurt Weidemann in einem Gespräch mit Wolfgang Beinert, München 2005 und nachzulesen in seinem Buch »Wo der Buchstabe das Wort führt«).
[20] Herbert Kern, Bühnenbildner und Grafiker, war Student bei Emil Preetorius an der Akademie für Angewandte Kunst in München. 1990 verfasste Kern einen Essay über Emil Preetorius (1883–1973) für die Typographische Gesellschaft München (100 Jahre TGM 1890–1990).
[21] Die Kleinschreibung in Groteskschriften entsprach dem Bauhaus-Dogma, dass eine Minuskelschreibweise rationeller und moderner sei. Tschichold unterstützte ab 1928/1929 auch eine Rechtschreibreformbewegung, die die gemischte Schreibweise in Deutschland abschaffen wollte. Während seines Engagements benutzte er beispielsweise auch einen Briefbogen (mit der Adresse in Planegg bei München), auf dem rechts unten gedruckt stand: »ich schreibe alles klein, denn ich spare damit zeit« (Quelle: Sammlung von Philipp Luidl, München). Inspiriert wurde Tschichold hier sicherlich vom Gesellenbrief des Bauhauses, den der Bauhausabsolvent und -lehrer Herbert Bayer (Typograph, Grafikdesigner, Fotograf und Maler, 1900–1985) entworfen hatte. Dort stand links unten in der Ecke: »um zeit zu sparen, schreiben wir alles in kleinbuchstaben, und nebenbei: warum zwei alfabete verwenden, wenn wir mit einem dasselbe machen können?« (...). (Quellen: Reginald R. Isaacs: Walter Gropius, Der Mensch und sein Werk, Band 1, Seite 460, Gebrüder Mann Verlag, Berlin, 1983, ISBN 3-7861-1372-6, und Bauhaus Archiv Berlin, Sammlungs-Katalog Berlin 1981, Seite 157, Nr. 301). Ab Mitte der 1930er Jahre distanzierte sich Tschichold vehement von dieser Betrachtungsweise.
[22] Ersichtlich aus der persönlichen Korrespondenz von Paul Renner, die 2003 in einem Nachlass von Horst Moser in Überlingen am Bodensee in einem Antiquariat gefunden wurde. Explizit in einem Brief vom 27.4.1933 an die Landesgruppe Bayern des Bundes der Deutschen Gebrauchsgraphiker (gegründet 1919, heute BDG, Bund Deutscher Grafik-Designer) in der Römerstraße, München (Quelle: »Paul Renner – Der Mann, der die Futura erfand«. Ein Vortrag von Horst Moser auf den Typotagen Leipzig am 8. Juli 2006 im Museum für Druckkunst, Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig. Die erwähnte Korrespondenz befindet sich in der Sammlung Horst Moser, München).
[23] 1949 wollte die Graphische Berufsschule der Lhst. München den prominenten Tschichold als Direktor gewinnen, um in eine Akademie umzufirmieren. Die Rahmenbedingungen waren allerdings so grotesk und dreist – er sollte beispielsweise seine Schweizer Staatsbürgerschaft ablegen, dass Tschichold die Offerte der Münchner dankend ablehnte (Quelle: Typographische Monatsblätter 4/1972, Aufsatz über Jan Tschichold zu seinem siebzigsten Geburtstag).
[24] Heute »Schule für Gestaltung Basel«. Info unter www.sfgbasel.ch
[25] Die Druckerei des Verlages Benno Schwabe (infolge) wurde bereits 1488 vom Prototypographen Johannes Petri gegründet. Der Verlag und die Druckerei firmieren heute als Schwabe AG in Basel. Als Tschichold zum Birkäuser Verlag wechselte, wurde bei Schwabe der ungarische Maler, Grafiker und Typograph Imre Reiner (1900–1987) sein Nachfolger. Auch Max Caflisch arbeitete zeitgleich als Akzidensetzer bei Schwabe und später beim Birkäuser Verlag.
[26] Der Birkhäuser Verlag (Birkhäuser Verlag AG, Basel, Boston, Berlin) gehört heute zur Springer Science+Business Media Deutschland GmbH, Heidelberg. Zu seinen Fachgebieten gehören heute u.a. auch Design, Architektur und Typographie. Beispielsweise zählen das Designmagazin »form« und seit 2005 der Designverlag »Lars Müller Publishers« zu dieser Verlagsgruppe.
[27] Quelle: Kulturamt Leipzig, Abteilung Kulturförderung, Neues Rathaus, 04092 Leipzig.
[28] Um 1555 begann die Blütezeit des Druckwesens in Frankfurt, initiiert durch Christian Egenolff und die von ihm gegründete Typengießerei, die nach seinem Tod vom aus Lyon stammenden Typenschneider Jacques Sabon höchst erfolgreich weitergeführt wurde. Ab 1572 arbeitete die Frankfurter Schriftgießerei als unabhängiger Betrieb, der erste seiner Art in Deutschland, der als Egenolff-Sabon-Berner-Lutherische Gießerei bis 1810 Bestand hatte.
[29] Quelle: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin Mitte.
[30] Das Bauhaus existierte von 1919–1933. Aber von »Bauhaustypographie« kann man erst ab 1923 sprechen. Quelle: Wolfgang Beinert: Die rEvolution entlässt ihre Typographen. Vortrag über den Mythos Bauhaus, seine typographischen Missverständnisse und die deutsche Mentalität, katholischer als der Papst zu sein. Vortag an der Bauhaus-Universität Weimar, 17.–20. September 2009, 24. Forum Typographie.
[31] Insbesondere der berühmte Aufsatz von Jan Tschichold über die neue elementare Typographie beinflusste viele US-amerikanische Grafiker, so u.a. Paul Rand. Der Artikel erschien in der Commercial Art im Juli 1930 unter dem Titel »New Life in Print«. Tschicholds Ideen wurden in einer Vielzahl amerikanischer Designhandbücher eingearbeitet, so u.a. in »Modern Typography and Layout« von Douglas Mc Murtrie oder »Technique of Advertisig Layout« von Frank Young. Quelle: Steven Heller: Paul Rand, Phaidon Press, 1999. In seiner zweiten Lebenshälfte ging Tschichold allerdings spürbar auf Distanz zu seinen früheren »jugendlichen« Betrachtungsweisen.
[L] Herbert Spencer: Pioneers of modern typography, Lund Humphries Publishers Ltd, London 1969, ISBN 0853314489.
[L] Werner Klemke: Leben und Werk des Typographen Jan Tschichold, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1977.
[L] Martijn F. LeCoultre und Alston W. Purvis: Jan Tschichold. Plakate der Avantgarde, Birkhäuser Verlag. Neuauflage 2007 in englischer Sprache im VK Projects, Laren, Netherlands, ISBN 978-90-5212-003-4.
[L] Thorsten Kirchhoff und Christian Ide: Happy birthday I(w)an!. Zum 100. Geburtstag von Jan Tschichold.
[L] Max Caflisch: Jan Tschichold, Revolutionär, Reformer oder Renegat?, Erinnerungen und Gedanken, Meran Offizin S., 2004.
[L] TGM, Philipp Luidl (Herausgeber): J. T. Johannes Tzschichhold. Iwan Tschichold. Jan Tschichold. Eine Jahresgabe der Typographischen Gesellschaft München, München, 1976.
[L] Richard Doubleday: Jan Tschichold, Designer: The Penguin Years, New Castle, Delaware Oak Knoll Press & Lund Humphries 2006.
[L] Ruari McLean: Jan Tschichold: Typographer, London 1975.
[T] Tschichold ist ein Paradebeispiel für Qualität, Fleiß und Zielstrebigkeit. Aus soziokulturell einfachen Verhältnissen stammend und aufgewachsen im Schatten zweier fürchterlicher Weltkriege, erarbeitete er sich eine internationale Reputation und ein nennenswertes Lebenswerk, die der Nachwelt – insbesondere durch seine Publikationen – in Erinnerung bleiben werden.
[T] Tschichold ärgerte sich zeitlebens, dass seine Fachkollegen – im Gegensatz zu ihm – immer nur aus alten Typographiebüchern abschreiben würden. Das ist auch leider heute noch so. Heute schreiben die meisten Autoren unreflektiert bei Tschichold ab. Selbst seine Fehler werden 1:1 übernommen. Manches ändert sich eben nie.
[T] Tschicholds Lehrbücher sind auch heute noch im Segment der Lesetypographie zeitgemäß, auch wenn sie durch seine dogmatischen und schulmeisterlichen Formulierungen etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen. Sie sind in der Regel besser, als die meisten »neuen« Bücher über Typographie. Siehe Grundlagenliteratur Typographie und Schrift.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.01.2010
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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