Tabellenziffern

Typographischer Terminus für nichtproportionale Indo-Arabische Ziffern. Auch auch als dicktengleiche Ziffern, Festbreitenziffern, tabellarische Ziffern, in der Englischen Typographie als »Tabular Figures« bezeichnet.

Tabellenziffern verfügen über eine exakt gleiche Dickte, also über einen systematischen gleichen Zeichenabstand. Die Vorbreiten und Nachbreiten sind nicht wie bei proportionalen Ziffern optisch, sondern primär rechnerisch zugerichtet. 

Tabellenziffern eignen sich – nomen est omen – insbesondere für den kaufmännischen Tabellensatz und den mathematischen Formelsatz, da die tabellierten bzw. aneinandergereihten Ziffern exakt untereinander bzw. im gleichen Zeichenbstand zueinander stehen. Sie suggerieren deshalb innerhalb von Zahlenreihen und Zahlenspalten ein ruhiges und harmonisches Zahlenschriftbild, wodurch die Lesbarkeit signifikant erhöht wird. 

Vergleich einer proportionalen Standardziffer mit einer nichtproportionalen Tabellenziffern (rechts). Der gleichmäßige Zeichenabstand von Tabellenziffern erhöht deutlich die Lesbarkeit eines mathematischen Formelsatzes bzw. eines Programmcodes. Ziffern gesetzt aus der »Fira Sans« von Ralph Du Carrois, Anja Meiners, Botio Nikoltchev und Erik Spiekermann.
Vergleich einer proportionalen Standardziffer mit einer nichtproportionalen Tabellenziffern (rechts). Der gleichmäßige Zeichenabstand von Tabellenziffern erhöht deutlich die Lesbarkeit eines mathematischen Formelsatzes bzw. eines Programmcodes. Ziffern gesetzt aus der »Fira Sans« von Ralph Du Carrois, Anja Meiners, Botio Nikoltchev und Erik Spiekermann.

Tabellenziffern sind als Standardziffern in nichtproportionalen OpenType Fonts, wie z.B. der »OCR B« von Adrian Frutiger (1928–2015), enthalten. Bei diesen sogenannten »Monospaced Fonts« sind nicht nur die Ziffern, sondern auch das Alphabet, die Operatoren, die Gliederungszeichen und das Leerraumzeichen, also der gesamte Zeichenvorrat dicktengleich. Dicktengleiche Schriften sind deshalb insbesondere für das Coding, z.B. für die grafische Darstellung eines »CSS Cascading Style Sheets« 1 ) vorteilhaft. 

Bei dicktengleichen Schriften (Monospaced Fonts) und Ziffern (Tabellenziffern) sind alle Buchstaben, Zeichen- bzw. Leerraumabstände systematisch vereinheitlicht. Beispiele gesetzt in der Prestige Elite von Clayton Smith für IBM (1953), der Orator von John Schepper für IBM (1962), der Courier von Howard Kettler (1919–1999) für IBM (1955) und der OCR A der US-Regierung (1968).
Bei dicktengleichen Schriften (Monospaced Fonts) und Ziffern (Tabellenziffern) sind alle Buchstaben, Zeichen- bzw. Leerraumabstände systematisch vereinheitlicht. Beispiele gesetzt in der Prestige Elite von Clayton Smith für IBM (1953), der Orator von John Schepper für IBM (1962), der Courier von Howard Kettler (1919–1999) für IBM (1955) und der OCR A der US-Regierung (1968).

Des Weiteren sind Tabellenziffern bei gut ausgebauten Proportionalschriften, z.B. der »Gill Sans Nova« von George Ryan (Monotype®), als zusätzliche Glypen im Zeichenvorrat eines Schriftschnitts enthalten, die mit professionellen Desktop Publishing Computerprogrammen, beispielsweise InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, mittels Unicode®-Codierung 2 ) über die OpenType-Features in den Schriftsatz eigearbeitet werden können. 3 ) Allerdings sind hier nur die Ziffern dicktengleich, nicht der generelle Zeichenvorrat, also auch nicht die mathematischen Rechenzeichen (Operatoren). Des Weiteren gibt es für OTF-Fonts vereinzelt auch separate Ziffernschnitte, die Tabellenziffern enthalten können. 4 ) 5 )

Tabellenziffern gibt es in unterschiedlich Schriftarten, Schriftstilen und Schriftschnitten, mit und ohne Serifen. In der Typographie unterscheidet man folgende Tabellenziffernarten:

Vergleich von nichtproportionalen Majuskelziffern (Versalziffern für Tabellen) im Zweiliniensystem mit nichtproportionalen Mediävalziffern (Minuskelziffern für Tabellen) im Vierliniensystem. Ziffern gesetzt aus der serifenlosen »Fira Sans« von Ralph Du Carrois, Anja Meiners, Botio Nikoltchev und Erik Spiekermann.
Vergleich von nichtproportionalen Majuskelziffern (Versalziffern für Tabellen) im Zweiliniensystem mit nichtproportionalen Mediävalziffern (Minuskelziffern für Tabellen) im Vierliniensystem. Ziffern gesetzt aus der serifenlosen »Fira Sans« von Ralph Du Carrois, Anja Meiners, Botio Nikoltchev und Erik Spiekermann.

In Bilanzen, GuV-Rechnungen sowie anderen Tabellen sind nichtproportionale Mediävalziffern im Vierliniensystem – abgesehen von den Zwischensummen – in der Regel ungeeignet, da sie durch ihre Oberlängen und Unterlängen zu unruhig laufen und für das Auge keine gerade Schriftlinie bilden. Sie sind deshalb innerhalb von Zahlenreihen und -spalten schlechter lesbar. Nichtproportionale Majuskelziffern im Zweiliniensystem sind hier eindeutig besser geeignet.

Im geschlossenen Schriftsatz – außer im Coding – sollten hingegen Proportionalziffern, insbesondere proportionale Mediävalziffern, zur besseren Lesbarkeit verwendet werden. 6 )

Beim Einbinden von Tabellenziffern in Webanwendungen (z.B. in HTML-Texte) sowie in Tabellenkalkulationssoftware (z.B. Microsoft Excel® oder Numbers® von Apple) sind nur dicktengleiche Standardziffern aus Monospace Fonts (Dicktengleiche Schriften) zu empfehlen, da es ansonsten zu Kompatibilitätsproblemen mit bestehenden Zeichenkodierungen kommen kann.

Vertreter von Monospace Fonts mit Tabellenziffern als Standardziffern:

SchriftSchriftgestalterFont FoundryJahr
Andale MonoMatteson, SteveMonotype1997
Base MonospaceLicko, ZuzanaEmigree1997
Courier Kettler, HowardIBM1955
Fira MonoDu Carrois, Ralph
Meiners, Anja
Nikoltchev, Botio
Spiekermann, Erik
Carrois Type Design2013
Interstate Mono Frere-Jones, TobiasFont Bureau1993
ITC Souvenir MonospacedBunnel, NedITC1983
Letter Gothic Roberson, RogerIBM1962
Lucida Sans TypewriterKris Holmes, Kris
Bigelow, Charles
Bigelow & Holmes1993
OCR AN.N.US Government1968
OCR BFrutiger, AdrianECMA1968
OCR FPool, Albert-JanFontFont1995
OratorScheppler, JohnIBM1962
PlateletMangat, ConorEmigree1993
Prestige EliteSmith, ClaytonIBM1953
Source Code ProHunt, Paul D.Adobe2012 (?)

Die ersten funktionierenden dicktengleichen Zeichensatzrepertoires wurden ab Anfang des 19. Jahrhunderts in Italien und Deutschland für den Einsatz in mechanischen Schreibmaschinen konstruiert. 7 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium). Informationen verfügbar unter http://www.w3c.de/about/ (17.4.2017).
2.Anmerkung: Unicode® ist ein internationaler Standard des Unicode Consortiums, in dem langfristig für jedes Sinn tragende Schriftzeichen oder Textelement aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme ein digitaler Code festgelegt wird. Online verfügbar unter http://www.unicode.org (5.4.2017).
3.Anmerkung: Das Kerning sollte in diesem Fall auf »metrisch« eingestellt sein, da ansonsten die DTP-Software, z.B. Adobe InDesign®, versuchen wird, die Tabellenziffern optisch proportional auszugleichen.
4.Tipp: Nicht überall wo »Tabellenziffern«, »Tabular Figures« oder »Monospaced Digits« draufsteht, sind auch Tabellenziffern drin. Ergo: Vor der Verwendung die Ziffern immer genau unter die Lupe nehmen!
5.Tipp: Schriftgestalter und Font Foundries passen die Dickten proportionaler Ziffern von Corporate Fonts (CD- und Unternehmensschriften) an. Eine Standardisierung der Ziffernbreiten kostete beispielsweise vor einiger Zeit zwischen 150,- und 200,- Euro. Von ästhetischen Aspekten abgesehen, amortisiert sich diese Dienstleistung sehr schnell, beispielsweise beim Schriftsatz von Geschäftsberichten, wissenschaftlicher Literatur oder Katalogen.
6.Tipp: In der professionellen Schriftsatztypographie werden – z.B. bei einem Geschäftsbericht – im geschlossenen Schriftsatz (Fließtext) bestenfalls proportionale Mediävalziffern verwendet und beim tabellierten Zahlenmaterial (z.B. Bilanz) die nichtproportionale Majuskelziffern (Tabellenziffern.)
7.Quelle: Von Eye, Werner: Kurz gefaßte Geschichte der Schreibmaschine und des Maschinenschreibens, Apitz Verlagsbuchhandlung, Berlin 1941.