Schlagwort-Archive: Schriftklassifikation

Schriftklassifikationsmodelle, Schriftgattungen, Schriftgruppen, Schriftarten, Schriftbezeichnungen, Schriftschnitte und Schriftstile.

Dicktengleich

Typographischer Terminus für Alphabete, Indo-Arabische Ziffern, Satzzeichen, Sonderzeichen und Leerraumzeichen, die durchgängig die gleiche Dickte besitzen. Dicktengleiche Schriften werden auch als Nichtproportionalschriften, Festbreitenschriften oder als Monospaced Fonts, dicktengleiche Ziffern als Tabellenziffern und das dicktengleiche Spationieren einer Schrift als »Sperren« bezeichnet. Dicktengleich weiterlesen

Schriftschnitt

Typographischer Terminus aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Offizinen und Schriftgießereien für eine Schriftstilvariante einer physischen Druckschrift innerhalb einer Schriftfamilie; Taxonomie bezugnehmend auf die Schriftbreite (Dickte der Glyphe), Schriftstärke (z.B. fett) und Schriftlage (z.B. kursiv) eines Alphabets im Sinne der Schriftklassifikation. Im Electronic Publishing auch als »Schriftstil«, international als »Font Style« bezeichnet.  Schriftschnitt weiterlesen

Kapitälchen

Großbuchstabenschrift; deutsches Diminutiv zu »Kapitale« in der Bedeutung von Majuskelschrift, analog zur lateinischen »Capitalis«; engl. »Caps«. Schriftstil, dessen Majuskelalphabet aus Großbuchstaben (Majuskeln) von der Grundlinie (Schriftlinie) zur H-Linie (Majuskelhöhe oder Versalhöhe) und dessen Minuskelalphabet aus kleineren Großbuchstaben (Kapitälchen) von der Grundlinie zur x-Linie besteht.  Kapitälchen weiterlesen

Fraktur

Die Frakturschrift ist eine Hauptschriftgruppe, die im Sinne der europäischen Schriftklassifikation mit römischer Alphabettradition zu der Schriftgattung der »Gebrochenen Schriften« zählt. Auch als »Deutsche Schrift«, im englischsprachigen Raum mehrdeutig auch als Gothic, Old English oder als Blackletter bezeichnet. Die Fraktur war über 400 Jahre im Wesentlichen die Buch- und Verkehrsschrift der Deutschen und bis 1941 die offizielle Amtsschrift im »Deutschen Reich«. Als Schöpfer der ersten reinen »fractura germanica« (1507) gilt der Augsburger Kalligraph und Benediktinerpater Leonhard Wagner. Fraktur weiterlesen

Display Schriften

1. Optische Größe »Display«

Typographischer Terminus für die »Optische Größe« (optical sizes) einer Schriftstilvariante einer klassischen Antiqua Schrift mit oder ohne Serifen, die in ihrer Typometrie speziell für große Schriftgrade 1 ) ausgelegt ist, beispielsweise für Headlines in Anzeigen, für Plakate oder für Orientierungs- und Leitsysteme.

Bei OpenType Fonts kennzeichnet »Display« die Schriftschnitte innerhalb einer Schriftfamilie einer Textschrift (Werksatzschrift), deren Typometrie – je nach Font Foundry – für Schriftgrade ab ca. 25 DTP-Punkt optimiert sind. Display Schriften weiterlesen

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Im Bleisatz ab 18,05 Millimeter bzw. ab 48 Didot-Punkte, bzw 4 Cicero bzw. 1 Konkordanz.

Renaissance Antiqua

Schriftart; Schriftuntergruppe, die im Sinne der typographischen Schriftklassifikation in der Schriftgattung der Antiqua-Schriften zur Hauptschriftgruppe der Antiquas zählt; rundbogige Druckschrift römischen Ursprungs mit Serifen. Renaissance Antiquas werden in »Venezianische Renaissance Antiquas« und »Französische Renaissance Antiquas« unterschieden. Die Archetypen der Venezianische Renaissance Antiqua von Conrad Sweynheym (o.A. Mitte 15. Jh.) und Arnold Pannartz (o.A.–1476) gelten als die ersten Antiqua-Drucktypen. Renaissance Antiqua weiterlesen

Vorklassizistische Antiqua

Schriftart; Nebenschriftgruppe, die im Sinne Schriftklassifikation zur Schriftgattung (Hauptschriftgruppe) der Antiqua-Schriften gehört; rundbogige Druckschrift römischen Ursprungs mit Serifen. In der deutschen typographischen Literatur auch als »Barock Antiqua«, »Übergangsantiqua« oder »Halbmediäval«, im englischsprachigen Raum (GB, USA etc.) als »Transitional« (British Standards, 1967), in Frankreich als »Réales« (Maximilien Vox, 1963) und in Italien als »Transizionali« (Novarese und Pellitteri, 1965) bezeichnet.

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Minuskel

Kleinbuchstabe. Wissenschaftlicher Terminus für den kleinen Buchstaben eines altgriechischen und römischen Alphabets karolingischen Ursprungs. In der Typographie, der Paläographie, der Paläotypie, der Epigraphik und in den Sprachwissenschaften seit dem 19. Jahrhundert als peripherer Begriff für »Kleinbuchstabe« gebräuchlich. Im gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker im Plural auch als »Gemeine« (im Sinne von klein, nieder) bezeichnet.  Minuskel weiterlesen

Versalien

Typographischer Terminus aus dem gewerbesprachlichen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes (z.B. Bleisatz) für Majuskeln; Versalbuchstaben (Plural); Großbuchstaben (Plural). Singular Versal; Nebenform »Versalie«. Semantisch von »Vers«; etymologisch vom lateinischen »versus« zu lateinisch »vertere« für »umkehren, wenden, drehen«. Das Pendant zu Versalien sind Gemeine, die Kleinbuchstaben bzw. Minuskeln eines Alphabets. Versalien weiterlesen

Schriftgattung

Terminus aus der typographischen Schriftklassifikation für die oberste taxonomische Ebene einer maschinell bzw. digital reproduzierbaren Schrift, beispielsweise einer Druckschrift oder ein Webfont. Etymologisch setzt sich der Fachbegriff aus »Schrift« im Sinne einer Buchstabenschrift (z.B. Alphabetschriften) bzw. Silbenschrift (z.B. Syllabographieschriften), also einem »Zeichensystem zur Sichtbarmachung von Sprache, Gedanken oder sonstigen kodierten Informationen« und »Gattung« – vom spätmittelhochdeutschen »gatunge« zu mittelniederländisch »gatten« als Abstraktum für »zusammenfügen«, »Zusammengefügtes« und »Zusammengehöriges« – zusammen.  Schriftgattung weiterlesen

Buchstabe

Lateinischer Buchstabe; Buchstabe römischen Ursprungs. Schriftzeichen für einen Sprachlaut; Zeichen zur visuellen Sprachfixierung von Vokalen und Konsonanten. Ein Buchstabe kodifiziert die auditive Wahrnehmung und wird demgemäß in der Linguistik als ein Graphem definiert, das einem Phonem entspricht. Das Zeichen »charakterisiert« den Laut – und umgekehrt – als Einheit, als eine untrennbare semantische Verknüpfung, die besonders in den romanischen Sprachen deutlich wird, beispielsweise im Französischen, wo das Wort »caractère« noch immer die Grundbedeutung von Buchstabe, Schriftzeichen, Letter und Type hat. Buchstabe weiterlesen

Bastardschriften

Terminus aus der Paläographie, der Paläotypie und der Typographie für Mischschriften; auch als »Bastarda« oder »Hypride« bzw. »Hypridschriften« bezeichnet. Schriften, die nicht eindeutig klassifizierbar sind bzw. die hypride Stilmerkmale im Sinne einer philologischen oder typographischen Schriftklassifikation aufweisen. 

In der typographischen Schriftklassifikation zählen mehrheitlich Bastardschriften der Schriftgattung Antiqua zu der Untergruppe der Antiqua Varianten. 

Die semantische Ausgangsbedeutung des Wortes »Bastard« rührt von »wilder Schößling«, d.h. »ein aus dem Wurzelstock wachsendes Wildreis eines veredelten Baumes« her. Etymologisch leitet sich der Begriff von »bast(h)art« für »als uneheliches Kind, Mischling« ab, dies wiederum vom frz. »bastard« entlehnt ist.

Der Begriff Bastardschriften wird mit Beginn der digitalen Typographie kaum oder nicht mehr verwendet. Stattdessen hat sich der Terminus Hypridschriften etabliert.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Schriftauszeichnung

Typographischer Terminus für eine Schriftmischung im »glatten Satz«, also innerhalb eines fortlaufenden Textes; Abkürzung »Auszeichnung«. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Inkunabelzeit der Jahre 1450 bis 1500. Denn Initialen, Rubriken, Lombarden, Illuminationen, Unterstreichungen und Auszeichnungsstriche konnten in der Prototypographie nur von Kalligraphen, Illuminatoren und Rubrikatoren händisch »ausgezeichnet« werden.  Schriftauszeichnung weiterlesen