Texteinzug

Typographischer Terminus für eine Zeileneinrückung; Einrücken des Textanfangs zu Beginn einer neuen Zeile; Abkürzung »Einzug«. 

Texteinzüge am linken Rand eines geschlossenen Schriftsatzes (z.B. eines Romans) werden im Segment der Lesetypographie – insbesondere im Blocksatz – als Absatzmethode verwendet, um Textpassagen sinngerecht in Absätze zu gliedern. 1 ) Eine genaue Vorgabe oder Regeln, 2 ) wie groß bzw. wie weit ein Einzug vom linken Rand entfernt sein muss, existieren nicht. Eine Evaluierung kann nur optisch erfolgen und ist abhängig von individuellen Faktoren, beispielsweise der verwendeten Schrift und anderen mikrotypographischen Parametern. Allerdings sollten alle Einzüge in einem Schriftsatz durchgängig gleich groß sein.

Texteinzüge in der ersten Zeile eines neuen Kapitels oder einer neuen Kolumne werden nicht gemacht, sie bleiben »stumpf«, also ohne Einzug. 3 ) 4 ) 

Ein Texteinzug in der letzten Zeile einer Seite oder Kolumne, der einen neuen Absatz kenntlich macht, ist unzulässig. Dieser gilt als Umbruchfehler und wird im gewerbespezifischen Sprachschatz als »Findelkind« bzw. wurde während des materiellen Schriftsatzes (z.B. Bleisatz) als »Schusterjunge« bezeichnet.

Bei einem »hängenden Einzug«, (Einzug über mehrere Zeilen oder Absätze) wird die erste Zeile (Anfangszeile) eines neuen Absatzes (Alinea) »stumpf«, also in voller Zeilenlänge gesetzt, während alle nachfolgenden Zeilenanfänge innerhalb eines Absatzes mit Einzug – also »eingerückt« – abgesetzt werden und somit in senkrechter Ausrichtung übereinstimmen.

Die Wahl der Absatzmethode und somit die Definition der Einzüge gehören in den Bereich der Mikrotypographie. Einzüge werden im Satzspiegel bzw. Gestaltungsraster dokumentiert und in Textverarbeitungsprogrammen (z.B. Microsoft Word®) oder Schriftsatzprogrammen (z.B. Adobe InDesign®) bzw. bei Websites in CSS Cascading Style Sheets 5 ) fixiert.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1. Anmerkung: Eine Gliederung durch eine Leerzeile stört den Leserhythmus. Eine Leerzeile wird hier nur für einen Themen- bzw. Szenenwechsel verwendet.
2. Anmerkung: Allerdings existiert eine alte Faustregel aus Zeiten des materiellen Schriftsatzes (Bleisatz), dass ein Einzug von mehr als zwei Geviert den Lesefluss hemmt.
3. Literaturempfehlung: Tschichold, Jan: Schriften 1925-1974, Band 1 und 2, Brinkmann und Bose, ISBN 3-922660-36-3.
4. Anmerkung: Inwieweit Texteinzüge zu Beginn eines neuen Absatzes nach der Gliederung durch einer Leerzeile bei einem Szenen- bzw. Themenwechsel innerhalb eines Kapitels sinnvoll ist, darüber gibt es unterschiedliche Betrachtungsweisen und somit keine Regel.
5. Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium).