Trajanisches Alphabet

Das »Trajanische Alphabet« ist eine antike Inschrift am Sockel der Trajanssäule (Columna Traiana) in Rom. Sie gilt als das berühmtestes Beispiel für die Capitalis Monumentalis und formvollendete Vorlage für alle runden Schriften römischen Ursprungs bzw. Antiqua-Schriften. Lapidarschrift; Epigraph.

Die Variante der Capitalis Monumentalis an der Columna Traiana in Rom gilt unter Schriftgelehrten als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Der Begriff Trajanisches Alphabet etablierte sich, weil dieses Majuskelalphabet (Großbuchstabenalphabet), mit Ausnahme von H, J, K, U, W, Y und Z, in Form einer Inschrift auf einer 115 cm hohen und 275 cm breiten Marmortafel eingemeißelt wurde, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der Trajanssäule befindet.

Das »Trajanische Alphabet« ist eine antike Inschrift (Epigraph) am Sockel der Trajanssäule (Columna Traiana) in Rom. Sie gilt als das berühmtestes Beispiel für die Capitalis Monumentalis und formvollendete Vorlage für alle runden Schriften römischen Ursprungs bzw. Antiqua-Schriften. Foto: Archiv.
Das »Trajanische Alphabet« ist eine antike Inschrift (Epigraph) am Sockel der Trajanssäule (Columna Traiana) in Rom. Sie gilt als das berühmtestes Beispiel für die Capitalis Monumentalis und formvollendete Vorlage für alle runden Schriften römischen Ursprungs bzw. Antiqua-Schriften. Foto: Archiv.

Die Trajanssäule wurde von »Apollodoros aus Damaskus« (Römischer Baumeister und Ingenieur aus Syrien, um 65–130) nach den persönlichen Anweisungen des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus (53–117) und unter der Mitarbeit erfahrener Bildhauer und Künstler auf dem Trajansforum 1 ) in Rom zwischen den beiden – später von römischen Kaiser Konstantin I. (Flavius Valerius Constantinus, um 270/288–337) zerstörten – kaiserlichen Bibliotheken und der Basilika Ulpia errichtet. In der kunstgeschichtlichen Literatur wird die Vollendung und Weihe der Säule auf den 18. Mai 113 datiert.

Die Trajanssäule erinnert u.a. an die Entstehungsgeschichte der Trajansmärkte, an deren Stelle extra ein Berg abgetragen werden musste. Die Stele selbst schmückt eine spiralförmige Reliefdarstellung mit einer Länge von rund 200 Metern, welche zwei Feldzüge Trajans gegen die Daker darstellt. Seit 1588 krönt die Säule anstatt der Kaiserstatue eine Petrusstatue.

Das Trajanische Alphabet gilt als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Es handelt sich hierbei um eine eingemeißelte Capitalis Monumentalis auf einer Marmortafel, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der »Columna Traiana«, der »Trajanssäule« in Rom befindet. Infografik: www.typolexikon.de
Das Trajanische Alphabet gilt als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Es handelt sich hierbei um eine eingemeißelte Capitalis Monumentalis auf einer Marmortafel, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der »Columna Traiana«, der »Trajanssäule« in Rom befindet.

Die Inschrift des Sockels ist in lateinischer Sprache verfasst und besteht aus sechs Zeilen im Zweiliniensystem, deren Majuskelhöhe (Versalhöhe) sich von 11,5 cm (ersten zwei Zeilen) auf etwa 9,75 cm (letzte Zeile) verringert. Die Zeilenabstände verringern sich von 7,5 cm auf 7 cm. Die Worte, Römischen Zahlen und Abkürzungen sind durch dreieckige Satzzeichen ohne Wortzwischenräume voneinander getrennt, welche auf der Mittelhöhe der Majuskeln eingemeißelt wurden.

Die Inschrift lautet …

SENATVS·POPVLVSQVE·ROMANVS
IMP·CAESARI·DIVI·NERVAE·F·NERVAE
TRAIANO·AUG·GERM·DACICO·PONTIF
MAXIMO·TRIB·POT·XVII·IMP·VI·COS·VI·P·P
ADDECLARANDVM·QVANTAE·ALTITVDINIS
MONSET·LOCUS·TANTIS·RVDERIBUS·SIT·EGESTVS

Deutsche Übersetzung nach Walter Ohlsen 2 ) … 

Der Senat und das Volk von Rom
dem Gebieter, Kaiser, des göttlichen Nerva Sohn
Nerva Trajanus Augustus, Germanicus, Dacier,
oberster römischer Priester, 17 Mal Tribun,
6 Mal Feldherr, 6 Mal Konsul, Vertreter des Vaterlandes,
um zu zeigen, von welcher Höhe der Berg
und die Steine waren, die für derartig Werke
genommen wurden.

Schriftsachverständige gehen davon aus, dass sowohl der Sockel, die Säule als auch die Majuskeln nach dem Reihenfolgenprinzip des Archimedes »Kegel, Kugel, Zylinder« im Verhältnis 1:2:3 (Zylinder vom Radius r und der Höhe 2 r, einer Kugel vom Radius r und eines geraden Kegels vom Radius r und der Höhe 2 r) konstruiert wurden. Auf das Zweidimensionale bezogen entspricht das Quadrat, Kreis und Dreieck, den Grundformen unseres westeuropäischen Alphabets.

In der typographischen Literatur kursiert immer noch der Mythos, dass das berühmteste und schönste Beispiel der Capitalis Monumentalis, das Trajanische Alphabet (113 n.Chr.), nach dem Goldenen Schnitt konstruiert wurde. Schriftsachverständige gehen aber davon aus, dass sowohl der Sockel der Trajansäule, die Säule selbst als auch die Majuskeln nach dem Reihenfolgenprinzip des Archimedes »Kegel, Kugel, Zylinder« im Verhältnis 1:2:3 (Zylinder vom Radius r und der Höhe 2 r, einer Kugel vom Radius r und eines geraden Kegels vom Radius r und der Höhe 2 r) konstruiert wurden. Auf das Zweidimensionale bezogen, entspricht das nicht dem Goldenen Schnitt, sondern Quadrat, Kreis und Dreieck, also den Grundformen unseres lateinischen Alphabets. Im Beispiel (links) wird das anhand der »Trajan Pro« von Adobe und dem Fibonacci-Gitter deutlich.
In der typographischen Literatur kursiert immer noch der Mythos, dass das Trajanische Alphabet (113 n.Chr.), nach dem Goldenen Schnitt konstruiert wurde. Schriftsachverständige gehen aber davon aus, dass sowohl der Sockel der Trajanssäule, die Säule selbst als auch die Majuskeln nach dem Reihenfolgenprinzip des Archimedes »Kegel, Kugel, Zylinder« im Verhältnis 1:2:3 (Zylinder vom Radius r und der Höhe 2 r, einer Kugel vom Radius r und eines geraden Kegels vom Radius r und der Höhe 2 r) konstruiert wurden. Auf das Zweidimensionale bezogen, entspricht das nicht dem Goldenen Schnitt, sondern Quadrat, Kreis und Dreieck, also den Grundformen unseres lateinischen Alphabets. Im Beispiel (links) wird das anhand der »Trajan Pro« von Adobe und dem Fibonacci-Gitter deutlich.

Das Trajanische Alphabet inspirierte Generationen von Schriftgelehrten und Typographen, insbesondere seit der italienischen Renaissance. So u.a. Vespasiano Amphiareo (Kalligraph und Buchgestalter, um 1490–1563), Wolfgang Fugger (Schreibmeister, um 1515–1568) , Geoffroy Tory (Buchdrucker des französischen Königs und Mentor von Claude Garamond, 1480–1533),  Albrecht Dürer (Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker, 1471–1528), Francesco Torniello (Typograph und Schriftsteller, um 1490–1589), Luca Pacioli (Kalligraph und Mathematiker, um 1445/1514 oder 1517), Damiano da Moile (Buchbinder, Kalligraph und Typograph, um 1450–1500/1510), Leonardo da Vinci (Künstler und Universalgelehrter, 1452–1519) , Felice Feliciano (Kalligraph und Schriftgelehrter, um 1433–1479), Claude Garamond (Schriftschneider, um 1498/99–1561), Jan Tschichold (Grafikdesigner und Typograph, 1902–1974) und Günter Gerhard Lange (Schriftgestalter und Typograph, 1921–2008). 3 )

Bis heute konnte allerdings nicht nachgewiesen werden, ob das Trajanische Alphabet mittels der Typometrie konstruiert wurde, oder ob es mittels eines »eingeübten Auges« entstand.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: Das Trajansforum (Forum Romanum) in Rom zählt zum UNESCO Weltkulturerbe.
2.Quelle: Ohlsen, Walter: Proportionsanalyse der Inschrift der Trajanssäule, Friedrich Wittig Verlag Hamburg, 1981. ISBN 3804842224.
3.Literaturempfehlung: Günter Gerhard Lange: Die römische Kapitalschrift, Jahresgabe der Typographischen Gesellschaft München, München 1983.