Tschichold, Jan

Deut­scher und Schwei­zer Gra­fik­de­si­gner, Typo­gra­ph, Schrift­ge­stal­ter, Kal­li­gra­ph, Leh­rer und Fach­buch­au­tor. Gebo­ren am 2. April 1902 in Leip­zig (Sach­sen) als Sohn von Franz und Maria Tzschich­hold. Geburts­na­me »Johan­nes Tzschich­hold«. Gestor­ben am 11. August 1974 in Locar­no (Cir­co­lo di Locar­no) im Kan­ton Tes­sin in der Schweiz.

Jan Tschi­chold zählt zu den popu­lä­ren Theo­re­ti­kern der latei­ni­sch gepräg­ten Typo­gra­phie des 20. Jahr­hun­derts; er gilt als Meis­ter der tra­di­tio­nel­len typo­gra­phi­schen Pra­xis, ins­be­son­de­re der Buch- und Lese­ty­po­gra­phie.

Jan Tschichold ist ein Paradebeispiel für Fleiß, Können und Zielstrebigkeit. Aufgewachsen im Schatten zweier fürchterlicher Weltkriege, erarbeitete er sich ein beachtliches Lebenswerk und eine internationale Reputation, die der Nachwelt sicherlich in Erinnerung bleiben wird. Seine Lehrbücher sind eine wahre Fundgrube typographischen Wissens und gelten auch heute noch als didaktischer Maßstab. Bildzitat: Jan Tschichold nach einer Fotografie von Thames & Hudson um 1926 bei einem Besuch in London. Foto: www.typolexikon.de
Jan Tschi­chold ist ein Para­de­bei­spiel für Fleiß, Kön­nen und Ziel­stre­big­keit. Auf­ge­wach­sen im Schat­ten zwei­er fürch­ter­li­cher Welt­krie­ge, erar­bei­te­te er sich ein beacht­li­ches Lebens­werk und eine inter­na­tio­na­le Repu­ta­ti­on, die der Nach­welt sicher­li­ch in Erin­ne­rung blei­ben wird. Sei­ne Lehr­bü­cher sind eine wah­re Fund­gru­be typo­gra­phi­schen Wis­sens und gel­ten auch heu­te noch als didak­ti­scher Maß­stab. Bild­zi­tat: Jan Tschi­chold nach einer Foto­gra­fie von Tha­mes & Hud­son um 1926 bei einem Besu­ch in Lon­don.

Jan Tschi­cholds jour­na­lis­ti­sche Tätig­keit mach­te ab 1923 die »Bau­haus­ty­po­gra­phie« des Staat­li­chen Bau­hau­ses, wel­ches 1919 von Wal­ter Gro­pi­us (1883–1969) in Wei­mar als Kunst­schu­le gegrün­det wur­de, welt­weit bekannt. Er beein­fluss­te damit unzäh­li­ge Gra­fik­de­si­gner und Typo­gra­phen, so auch in den 1930er Jah­ren die »New York School« (sie­he Gra­fik­de­si­gn). Ins­be­son­de­re sein Auf­satz über die neue ele­men­ta­re Typo­gra­phie, der in den USA in der »Com­mer­ci­al Art« im Juli 1930 unter dem Titel »New Life in Print« erschien, bein­fluss­te vie­le US-ame­ri­ka­ni­sche Gra­fi­ker, u.a. Paul Rand (1914–1996). Tschi­cholds Ide­en über eine »neue typo­gra­phie« wur­den in einer Viel­zahl ame­ri­ka­ni­scher Desi­gn­hand­bü­cher ein­ge­ar­bei­tet, so u.a. in »Modern Typo­gra­phy and Lay­out« von Dou­glas Mc Mur­trie oder »Tech­ni­que of Adver­ti­sig Lay­out« von Frank Young. 1 ) In sei­ner zwei­ten Lebens­hälf­te dis­tan­zier­te sich Jan Tschi­chold spür­bar von sei­nen frü­he­ren »jugend­li­chen« Betrach­tungs­wei­sen zur Typo­gra­phie.

Kindheit im Königreich Sachsen

Sei­ne Kind­heit und Jugend ver­brach­te Johan­nes Tzschi­chold in sehr beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen in Leip­zig und Umge­bung (König­reich Sach­sen), so auch in Grim­ma, einer klei­nen Stadt zwi­schen Leip­zig, Chem­nitz und Dres­den, wo er nach der Volks­schu­le kurz­wei­lig das »König­li­che Leh­rer­se­mi­n­ar Grim­ma« (ab 1924 umbe­nannt in »Deut­sche Ober­schu­le«) 2 ) besuch­te.

Tschi­cholds Vater Franz Tzschich­hold arbei­te­te zu die­ser Zeit als Schrif­ten­ma­ler in Leip­zig. Er soll sei­ne Lei­den­schaft zur Kal­li­gra­phie geweckt haben. 3 ) Sei­ne Mut­ter Maria war eine gebo­re­ne Zapff. Die Groß­el­tern väter­li­cher­seits stamm­ten aus Pför­den bei Forst in der Nie­der­lau­sitz, einem Ort öst­li­ch der Nei­ße, heu­te Bro­dy, Polen.

Jugend in der Weimarer Republik

Unmit­tel­bar nach dem Ende des Ers­ten Welt­kriegs (1914–1918), der Abschaf­fung der Mon­ar­chie (1918) und der Grün­dung der Wei­ma­rer Repu­blik (1918–1933) wird der 17. jäh­ri­ge Johan­nes Tzschi­chold 1919 in die Vor­klas­se des bekann­ten Paläo­gra­phen, Typo­gra­phen und Kal­li­gra­phen Her­mann Delit­sch (1869–1937) an der »Aka­de­mie für Gra­phi­sche Küns­te und Buch­ge­wer­be« in Leip­zig (ab 1950 »Hoch­schu­le für Gra­fik und Buch­kunst Leip­zig«) auf­ge­nom­men. Im Anschluss besuch­te er von 1920 bis 1921 die Kunst­ge­wer­be­schu­le in Dres­den. 1921 wech­selt Johan­nes Tzschi­chold dann wie­der nach Leip­zig als Schü­ler in die Meis­ter­klas­se »Buch­ge­wer­be, Illus­tra­ti­on, freie und ange­wand­te Gra­phik« des Buch­künst­lers, Typo­gra­phen und Gra­fik­de­si­gners Dr. h.c. Wal­ter Tie­mann (1876–1951), der von 1921 bis 1941 Direk­tor der König­li­chen Aka­de­mie für gra­phi­sche Küns­te und Buch­ge­wer­be in Leip­zig war. 

Tie­mann wur­de ab Mit­te der 1920er Jah­re sowohl von natio­nal­kon­ser­va­ti­ven Kol­le­gen als auch vom jun­gen revo­lu­tio­nä­ren »jan tschi­chold« im Zuge des Dog­mas »neue typo­gra­phie« vehe­ment atta­ckiert. 1940 wur­de Tie­mann von den Natio­nal­so­zia­lis­ten »zum vor­läu­fi­gen Ruhe­stand« gezwun­gen.

Tschi­chold schreibt spä­ter über sich selbst, bei­spiels­wei­se 1946 in sei­nem Auf­satz »Glau­be und Wirk­lich­keit«, dass er »von 1920 bis 1925 Leh­rer der Schrift an der Aka­de­mie für gra­phi­sche Küns­te und Buch­ge­wer­be in Leip­zig gewe­sen war«. Das ist natür­li­ch nicht kor­rekt. Tschi­chold hat­te im Auf­trag sei­nes eins­ti­gen Men­tors Tie­mann ver­tre­tungs­wei­se nur eini­ge Abend­kur­se im Schrift­schrei­ben betreut, da auf­grund der kata­stro­pha­len Aus­wir­kun­gen des 1. Welt­kriegs und der revo­lu­tio­nä­ren Unru­hen im neu­en »Frei­staat Sach­sen« aku­ter Leh­rer­man­gel bestand. Er war dort Schü­ler, kein »Leh­rer«. Die Bezeich­nun­gen Tutor oder Assis­tent wären sicher­li­ch für eine der­ar­ti­ge »Lehr­tä­tig­keit« ange­mes­se­ner. Die­ser Form der Selbst­in­sze­nie­rung wird Jan Tschi­chold aller­dings bis ins hohe Alter treu blei­ben. Im Lau­fe sei­nes Lebens wird er noch die eine oder ande­re Rea­li­tät geschickt zu sei­nen Guns­ten umfor­mu­lie­ren, ver­schwei­gen oder beto­nen. So schrieb bei­spiels­wei­se  Jan Tschi­chold 1972 unge­niert in den Typo­gra­phi­schen Monats­blät­tern 4 ) unter dem Pseud­onym »Remi­ni­s­cor« sei­ne eige­ne »Geburts­tags­lau­da­tio«; laut Max Caf­li­sch (1916–2004) mög­li­cher­wei­se auch des­halb, »(…) weil er der Auf­fas­sung war, nie­mand anders sei in der Lage, einen sol­chen Bei­trag zu schrei­ben – und so gut zu schrei­ben …«.

Ab den frü­hen 1920er Jah­ren ist Johan­nes Tzschi­chold neben sei­nem Stu­di­um auch als frei­be­ruf­li­che »Typo­gra­phi­scher Ent­wer­fer« tätig, u.a. für den Leip­zi­ger Gebrauchs­gra­phi­ker Erich Gru­n­er (1881–1966), der zu jener Zeit einer der füh­ren­den Gra­fi­ker Leip­zigs war. Gru­n­er ent­warf bei­spiels­wei­se 1917 das Dop­pel-M-Signet (Mus­ter­Mes­se) für die Leip­zi­ger Mes­se. Tzschi­chold ent­warf für Gru­n­er kal­li­gra­phi­sch geschrie­be­ne Inse­ra­te für die Leip­zi­ger Mes­se.

Des Wei­te­ren arbei­te­te er für die Leip­zi­ger Buch­dru­cke­rei Fischer & Wit­tig und den Leip­zi­ger Insel-Ver­lag, der u.a. bei der Offi­zin Poe­schel & Trep­te in Leip­zig pro­du­zier­te (heu­te Schäf­fer-Poe­schel Ver­lag für Wirt­schaft, Steu­ern, Recht GmbH, Stutt­gart. Ein Unter­neh­men der Ver­lags­grup­pe Han­dels­blatt, Düs­sel­dorf), wo Tzschi­chold als Volon­tär im Akzi­denz­satz und in der Werk­satz­ab­tei­lung sei­ne ers­ten prak­ti­schen Kennt­nis­se im Hand­schrift­satz sam­mel­te.

Anfang der 1920er Jah­re knüpft Johan­nes Tzschi­chold als Pro­te­gé sei­nes renom­mier­ten Leh­rers Wal­ter Tie­mann Kon­tak­te zur Offen­ba­cher Schrift­gie­ße­rei der Gebrü­der Kling­s­por (gegrün­det von Karl Kling­s­por, 1868–1950, infol­ge Stem­pel AG, infol­ge Lino­ty­pe®, infol­ge Mono­ty­pe®), so u.a. auch zu dem damals sehr pro­mi­nen­ten Offen­ba­cher Typo­gra­phen Rudolf Koch (1876–1934), einem Bekann­ten von Tie­mann. Wal­ter Tie­mann ver­öf­fent­lich­te ab 1909  sei­ne Druck­schrif­ten bei der Offen­ba­cher Schrift­gie­ße­rei der Gebrü­der Kling­s­por, für die auch Rudolf Koch arbei­te­te. Bei­spiels­wei­se publi­zier­te 1914 Koch dort die Schrift »Maxi­mi­li­an« und Tie­man die Schrift »Peter Schle­mihl«.

Unge­fähr im Alter von 20 Jah­ren wird Johan­nes Tzschich­hold mit den avant­gar­den Betrach­tungs­wei­sen des Futu­ris­mus, Dada­is­mus und Kon­struk­ti­vis­mus kon­fron­tiert. Ins­be­son­de­re fas­zi­nier­ten ihn die Ziel­set­zun­gen und For­men­spra­chen des 1907 in Mün­chen gegrün­de­ten Deut­schen Werk­bunds und des 1919 in Wei­mar gegrün­de­ten Bau­hau­ses, der bei­den Keim­zel­len der moder­nen »Visu­el­len Gestal­tung« und der »Moder­nen Typo­gra­phie« (sie­he auch Schrift­ge­schich­te, Typo­gra­phie und Gro­tesk).

1923 besuch­te er in Wei­mar eine Aus­stel­lung des Bau­hau­ses, wo er den unga­ri­schen Bau­h­aus­leh­rer Laszlo Moh­oly-Nagy (1895–1946), den spä­te­ren Grün­dungs­di­rek­tor der »School of Desi­gn« in Chi­ca­go (USA), und den rus­si­schen Maler, Gra­fik­de­si­gner, Archi­tek­ten, Typo­gra­phen und Foto­graf Lazar Mar­ko­vit­sch Lis­sitz­ky (1890–1941) ken­nen­lern­te.

Aus Johannes Tzschichhold wird Jan Tschichold

Um 1924/​25 änder­te Johan­nes Tzschich­hold sei­nen Vor- und Fami­li­en­na­men in »iwan tschi­chold«, »ivan tschi­chold« und dann ab 1926 in »jan tschi­chold«, eine modi­sche Atti­tü­de jener Jah­re. Denn ost­eu­ro­päi­sche, ins­be­son­de­re rus­si­sch klin­gen­de Namen, waren zu jener Zeit in links­in­tel­lek­tu­el­len deut­schen Künst­ler­krei­sen sehr beliebt. Der Jour­na­list und Autor Georg Ram­se­ger (1913–1996) schrieb 1988 in einem Bei­trag in »Max Caf­li­sch: Typo­gra­phia prac­tica«, dass Tschi­chold »(…) ger­ne mit sei­ner sor­bi­schen Her­kunft koket­tier­te«.

Ab die­sen Jah­ren beginnt Jan Tschi­chold den »Moder­nen Stil« alla Karel Tei­ge, John Heart­field, Lajos Kas­sák, Her­bert Bay­er, El Lis­sitz­ky, Alex­an­der Tairoff, Laszlo Moh­oly-Nagy oder Alex­an­der Rod­schen­ko kon­se­quent nach­zu­ah­men und in Form einer »moder­nen typo­gra­phie« zu visua­li­sie­ren, einer gra­fi­sche For­men­spra­che, die die jun­ge Indus­trie­ge­sell­schaft, den Fort­schritt, die sozi­al ori­en­tier­te pro­le­ta­ri­sche Fra­ter­ni­sie­rung und den Inter­na­tio­na­lis­mus ver­sinn­bild­lich­te. Jan Tschi­chold ver­trat die­sen gra­fi­schen Stil bis Ende 1930.

Der deut­sche Gestal­ter Otl Aicher (1922–1991), einer der Grün­der der »hoch­schu­le für gestal­tung ulm«, bezeich­ne­te 1989 die­se Zeit­span­ne als den Beginn eines »typo­gra­phi­schen Kriegs­zu­stands (…) zwi­schen (Frak­tur-), Gro­tesk- und Anti­qua-Ideo­lo­gen (…), der bis heu­te anhält (…)« 5 ).

Elementare Typographie

Im Okto­ber 1925 publi­zier­te »ivan tschi­chold« als Co-Autor erst­mals in zwei kur­zen Auf­sät­zen im Son­der­heft »ele­men­ta­re typo­gra­phie«, einer Bei­la­ge der Zeit­schrift »typo­gra­phi­sche mit­tei­lun­gen« (Her­aus­ge­ber: Bil­dungs­ver­band der deut­schen Buch­dru­cker, Leip­zig), sei­ne Betrach­tungs­wei­sen über »die neue gestal­tung« und die »ele­men­ta­re typo­gra­phie«. Auto­ren die­ses Son­der­hefts, das zeit­gleich mit dem Umzug des Bau­hau­ses von Wei­mar nach Des­sau erschien, waren Natan Alt­man, Otto Baum­ber­ger, Her­bert Bay­er, Max Burch­artz, El Lis­sitz­ky, Ladis­laus Moh­oly-Nagy, Molnár F. Far­kas, Johan­nes Mol­zahn, Kurt Schwit­ters, Mart Stam und Ivan Tschi­chold. 6 )

Der Beginn einer internationalen Karriere: Im Oktober 1925 publizierte »ivan tschichold« als Co-Autor erstmals in zwei kurzen Aufsätzen im Sonderheft »elementare typographie«, einer Beilage der Zeitschrift »typographische mitteilungen« (Herausgeber: Bildungsverband der deutschen Buchdrucker, Leipzig), seine Betrachtungsweisen über »die neue gestaltung« und die »elementare typographie«. Quelle: Archiv von Wolfgang Beinert, Berlin.
Der Beginn einer inter­na­tio­na­len Kar­rie­re: Im Okto­ber 1925 publi­zier­te »ivan tschi­chold« als Co-Autor erst­mals in zwei kur­zen Auf­sät­zen im Son­der­heft »ele­men­ta­re typo­gra­phie«, einer Bei­la­ge der Zeit­schrift »typo­gra­phi­sche mit­tei­lun­gen« (Her­aus­ge­ber: Bil­dungs­ver­band der deut­schen Buch­dru­cker, Leip­zig), sei­ne Betrach­tungs­wei­sen über »die neue gestal­tung« und die »ele­men­ta­re typo­gra­phie«.

Die­ses zwei­far­big – in schwar­zer und roter Far­be – gedruck­te Son­der­heft lös­te bei zehn­tau­sen­den – mehr­heit­li­ch tra­di­ti­ons­be­wuss­ten – Ver­bands­mit­glie­dern eine lei­den­schaft­li­che und bis heu­te bei­spiel­lo­se Debat­te über Typo­gra­phie aus, die »ivan tschi­chold« über Nacht zu einem bekann­ten Prot­ago­nis­ten in der deutsch­spra­chi­gen gra­fi­schen und typo­gra­phi­schen Fach­welt mach­te. So schrieb El Lis­sitz­ky, einer der Co-Auto­ren, 1925 eupho­ri­sch an Tschi­chold: »(…) bra­vo, bra­vo, (…) es ist bei mir ein phy­si­scher Genuß, wenn ich so eine Qua­li­täts­schrift in den Hän­den, Fin­gern, Augen hal­te. Mei­ne Ner­ven­an­ten­nen span­nen sich, und der gesam­te Motor ver­schnel­lert den Lauf. (…)« 7 )

Die gro­ße Mehr­heit der Kol­le­gen­schaft ver­trat aller­dings die Über­zeu­gung, dass Tschi­cholds »typo­gra­phi­sche Mätz­chen nur vor­der­grün­dig etwas mit Typo­gra­phie zu tun hät­ten und es sich dabei nur um eine poli­ti­sche Demons­tra­ti­on hand­le«. 8 )

Stippvisite in Berlin

Im Alter von 24. Jah­ren zieht Jan Tschi­chold Ende 1925 in die von poli­ti­schen Unru­hen und gro­ßer wirt­schaft­li­cher Not geplag­te Reichs­haupt­stadt Ber­lin, die offi­zi­ell bereits 4.024.165 Ein­woh­ner zählt. Er hei­ra­tet am 31. März 1926 Edith Kramer  und arbei­tet frei­be­ruf­li­ch für den Insel Ver­lag und den Bücher­kreis Ber­lin.

Über sei­ne Ehe­frau Edith ist in der Öffent­lich­keit wenig bekannt. Tschi­chold soll sie bereits um 1923 in Leip­zig ken­nen­ge­lernt haben, als sie ein Volon­ta­ri­at – ver­mut­li­ch in einem Ver­lag – absol­vier­te. Sie soll aus »ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen stam­men (…) sie war bran­chen­fremd (…) war sehr freund­li­ch (…) sie nann­te ihn immer Tschi­chold (…) er half ihr immer flei­ßig im Haus­halt (…) sie war eine gute Zuhö­re­rin (…) sie war eine her­vor­ra­gen­de Köchin (…) sie war die wich­tigs­te Per­son in Tschi­cholds Leben (…) sie war Tschi­cholds Bera­te­rin«. Die­se Ein­drü­cke gewann der Gra­fik­de­si­gner und Typo­graf Kurt Wei­de­mann (1922–2011) bei einem Besu­ch mit sei­ner ers­ten Ehe­frau Jut­ta (1940–1972) bei den Tschi­cholds in Ber­zo­na (Tes­sin) in den 1960er Jah­ren. 9 ) 

Jan Tschi­chold beginnt ver­stärkt – nach dem Vor­bild vie­ler Prot­ago­nis­ten des Werk­bunds und des Bau­hau­ses – sei­ne Betrach­tungs­wei­sen im deutsch­spra­chi­gen Raum in »licht­bil­der­vor­trä­gen« zu ver­brei­ten. Zu jener Zeit war die gra­fi­sche und typo­gra­phi­sche Sze­ne bei­spiel­haft orga­ni­siert. Es gab regel­mä­ßig Vor­trä­ge in Schu­len, Klubs, Gesell­schaf­ten, Ver­ei­nen etc., die sich mit Gra­fik, Typo­gra­phie und Gestal­tung im wei­te­ren Sin­ne aus­ein­an­der­setz­ten. »licht­bil­der­vor­tä­ge« (Dia­vor­trä­ge) gal­ten in den 1920er Jah­ren als eine unge­wöhn­li­che moder­ne Prä­sen­ta­ti­ons­form.

»München leuchtet«

Im Juni 1926 zieht Jan Tschi­chold mit sei­ner Ehe­frau Edith in die Hof­marck­stra­ße 39 nach Pla­negg, einem Vor­ort von Mün­chen, um in der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt eine Anstel­lung als Berufs­schul­fach­leh­rer für Kal­li­gra­phie und Typo­gra­phie an der »Meis­ter­schu­le für Deutsch­lands Buch­dru­cker« (heu­te »Beruf­li­ches Schul­zen­trum Alois Sene­fel­der«) anzu­neh­men, die ihm der bekann­te Typo­gra­ph und Schrift­ge­stal­ter Paul Ren­ner (1878–1956) in sei­ner Funk­ti­on als Grün­dungs­di­rek­tor der Meis­ter­schu­le (1927–1933) ange­bo­ten hat. 

Paul Ren­ner wird ab die­sem Zeit­punkt Jan Tschi­chold zeit­le­bens pro­te­gie­ren, auch als er sich nach Hödin­gen am Boden­see ins »Exil« zurück­zog. Der Typo­gra­ph und Schrift­ge­stal­ter Gün­ter Ger­hard Lan­ge (1921–2008) bemerk­te über Ren­ners Bezie­hung zu Tchi­chold: »Ren­ner über­sah grund­sätz­li­ch Tschi­cholds klein­bür­ger­li­che und uner­träg­li­che Arro­ganz gegen­über weni­ger begab­ten Kol­le­gen (…) Ren­ner selbst war sehr groß­bür­ger­li­ch«. 10 )

Gün­ter Ger­hard Lan­ge wei­ter: »Tschi­chold konn­te in sei­nen Vor­trä­gen oft sehr ver­let­zend sein, inbe­son­de­re wenn er sein Manu­skript ver­ließ und frei sprach (…) ich lern­te Tschi­chold nach dem Krieg in Stutt­gart bei einem Vor­trag (Anmer­kung: ver­mut­li­ch meint GGL den Gra­phi­schen Klub Stutt­gart) nur des­halb per­sön­li­ch ken­nen, weil ich schluss­end­li­ch der ein­zi­ge Zuhö­rer war. Alle ande­ren ver­lie­ßen peu à peu erbost den Saal. Die Ursa­che: Tschi­chold hielt den Kol­le­gen pedan­ti­sch vor, dass sie eigent­li­ch von Typo­gra­phie und Gestal­tung nichts ver­stün­den (…) Nach­dem Tschi­chold bis auf mich alle ver­grault hat­te, ging er mit mir in ein Lokal, um etwas zu trin­ken (…)«. 11 )

»Pri­vat war Tschi­chold eher ein zurück­hal­ten­der und sen­si­bler Men­sch«. So lern­te Kurt Wei­de­mann ihn »(…) als einen Men­schen von hoher per­sön­li­cher Kul­tur, umfas­sen­der Bil­dung und – bei aller kri­ti­schen Schär­fe – gro­ßer Lie­bens­wür­dig­keit ken­nen«. 12 )

Bedingt durch das neue Dienst­ver­hält­nis wur­de der Künst­ler­na­me »Jan Tschi­chold« behörd­li­ch fest­ge­hal­ten, den er zeit­le­bens benut­zen wird.

Im Mai 1927 hält Tschi­chold in der »Gra­phi­schen Berufs­schu­le« in der Pranckh­stra­ße in Mün­chen sei­nen Licht­bil­der­vor­trag »die neue typo­gra­phie«. Obwohl vor­sorg­li­ch auf dem Ver­an­stal­tungs­pla­kat der Hin­weis »eine dis­kus­si­on fin­det nicht statt« gedruckt steht, endet der Vor­trag mit tumult­ar­ti­gen Debat­ten. 13 )

Am 10. Juni bekommt sei­ne Frau Edith ein Kind, das bereits ein hal­bes Jahr spä­ter stirbt. Im glei­chen Jahr bie­tet er über die Typo­gra­phi­sche Gesell­schaft Mün­chen mit Paul Ren­ner, Fritz Som­mer und Josef Leh­nacker Abend­kur­se für rund 70 Kol­le­gen an, die im Gebäu­de der Gra­phi­schen Berufs­schu­le statt­fin­den. Her­bert Kern bezeich­net die­se Münch­ner Zeit Tschi­cholds in einem Essay als »Tschi­chold und kein Ende«.

1928 zieht Tschi­chold und Ehe­frau Edith von Pla­negg »auf« die Schwantha­ler Höhe (Schwantha­ler Stra­ße 77), eines der ers­ten inner­städ­ti­schen Arbei­ter­vier­tel der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen (heu­te Wes­tend).

Betei­li­gung Tschi­cholds an der Aus­stel­lung »neue typo­gra­phie« im Bas­ler Gewer­be­mu­se­um. Im glei­chen Jahr erscheint sein ers­tes Lehr­buch »Die neue Typo­gra­phie« im Ver­lag des Bil­dungs­ver­ban­des der deut­schen Buch­dru­cker in Ber­lin.

Im Dezem­ber 1928 zie­hen die Tschi­cholds in eine neue Wohung in die Voit­stra­ße 8, die zwi­schen Schwa­bing und Moo­sach (heu­te in der Nähe des Olym­pia­parks) liegt. Grund für den Umzug in eine neue Woh­nung dürf­te wohl auch der frü­he Tod sei­nes ers­ten Kin­des sein. Am 4. Janu­ar 1929 kommt sein zwei­tes Kind, Sohn Peter, zur Welt.

1928/​29 unter­stützt Tschi­chold eine Recht­schreib­re­form­be­we­gung, die die gemisch­te Schreib­wei­se im deut­schen Schrift­satz abschaf­fen will. Die Klein­schrei­bung in Gro­teskschrif­ten ent­sprach auch dem Bau­haus-Dog­ma, dass eine Minus­kel­schreib­wei­se ratio­nel­ler und moder­ner sei. Ent­spre­chend die­ser Dok­trin und inspi­riert vom kon­struk­ti­vis­ti­schen Uni­ver­sal–Alpha­bet (1925) des Gra­fik­de­si­gners und Typo­gra­phen Her­bert Bay­er (1900–1985), kon­stru­iert Tschi­chold ein eige­nes pho­ne­ti­sches Minus­kel­al­pha­bet, das die Inter­punk­ti­on auf die x-Linie stellt.

Wäh­rend die­ses Enga­ge­ments benutz­te Tschi­chold bei­spiels­wei­se auch einen Brief­bo­gen – mit der Adres­se in Pla­negg bei Mün­chen –, auf dem rechts unten gedruckt stand: »ich schrei­be alles klein, denn ich spa­re damit zeit« 14 ). Inspi­riert wur­de Tschi­chold hier sicher­li­ch vom Gesel­len­brief des Bau­hau­ses, den der Bau­haus­ab­sol­vent und –leh­rer Her­bert Bay­er (1900–1985, Typo­gra­ph, Gra­fik­de­si­gner, Foto­graf und Maler) ent­wor­fen hat­te. Dort stand links unten in der Ecke: »um zeit zu spa­ren, schrei­ben wir alles in klein­buch­sta­ben, und neben­bei: war­um zwei alfa­be­te ver­wen­den, wenn wir mit einem das­sel­be machen kön­nen?«. 15 )

1929 ver­öf­fent­licht Franz Roh (1890–1965) mit Jan Tschi­chold im Aka­de­mi­schen Ver­lag Dr. Fritz Wede­kind & Co. in Stutt­gart sein Buch »FOTO-AUGE – 75 fotos der zeit«, ein avant­gar­dis­ti­sches Mani­fest der moder­nen Foto­gra­fie.

1930 herrscht in Mün­chen wirt­schaft­li­che Not und eine enorm hohe Arbeits­lo­sig­keit (offi­zi­ell 46.457 erwerbs­lo­se Män­ner bei 729.000 Ein­woh­nern). Zwi­schen 1930 und 1933 ent­wi­ckelt Tschi­chold die Zier­s­chrif­ten »Zeus« (1931) für die Schrift­guß KG, »Sas­kia« (1932) für Schel­ter & Gies­ecke und »Tran­si­to« (1931) für die Ams­ter­dam Type Found­ry – letz­te­re infol­ge des unver­öf­fent­lich­ten Ent­wurfs der »Tschi­chold Sten­cil« von 1929 –, für die es aller­dings kei­ne erwäh­nens­wer­te Nach­fra­gen gab.

1932 gestal­tet Tschi­chold im Alter von 30 Jah­ren die »Sona­te in Urlau­ten« von Kurt Schwit­ters (1887–1948), die als 24. und letz­te Aus­ga­be der MERZ­pu­bli­ka­tio­nen in der Zeit­schrift der Grup­pe »Abs­trac­tion-Créa­ti­on« in Paris erscheint.

1933 – das Jahr  in dem Adolf Hit­ler zum Ehren­bür­ger der Stadt Mün­chen ernannt wird – dif­fa­mier­ten natio­nal­so­zia­lis­ti­sch gesinn­te Kol­le­gen, ins­be­son­de­re aus den Rei­hen des Bun­des der Deut­schen Gebrauchs­gra­phi­ker (heu­te BDG), Paul Ren­ner als Kul­tur­bol­sche­wis­ten. Trotz sei­ner inten­si­ven Bemü­hun­gen, den Sach­ver­halt rich­tig­zu­stel­len, 16 ) wird Ren­ner von den Münch­ner Behör­den als Direk­tor ent­las­sen und durch den poli­ti­sch unauf­fäl­li­gen Typo­gra­phen Georg Trump (1896–1985) ersetzt.

Neid und Miss­gunst der weni­ger erfolg­rei­chen und min­der begab­ten Kol­le­gen ist nun Tür und Tor geöff­net; Tschi­chold ver­liert nicht nur sei­nen ein­fluss­rei­chen Men­tor, son­dern auch sein Dienst­ver­hält­nis als Fach­leh­rer. 

In sei­ner Münch­ner Zeit arbei­te­te Tschi­chold neben sei­ner Tätig­keit als Fach­leh­rer auch als frei­be­ruf­li­cher »Typo­gra­phi­scher Ent­wer­fer«. Bei­spiels­wei­se ent­warf und zeich­ne­te er zwi­schen 1926–1928 im »Moder­nen Stil« meh­re­re Dut­zend Film­pla­ka­te und Film­pro­gram­me für den Phoe­bus Palast, ein Kino mit über 1000 Sitz­plät­zen im Zen­trum von Mün­chen in der Son­nen­stra­ße 8 (Nähe Sta­chus), Pla­ka­te für das Gra­phi­sche Kabi­nett in der Bri­en­ner­stra­ße 10 sowie Buch­ein­bän­de für den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Ver­lag »Der Bücher­kreis«, eine Arbei­ter­buch­ge­mein­schaft in der Wei­ma­rer Repu­blik.

Wäh­rend sei­ner Dienst­zeit an der Gra­phi­schen Berufs­schu­le der Stadt Mün­chen ver­fass­te er diver­se Auf­sät­ze für die Haus­zeit­schrift »Gra­phi­sche Berufs­schu­le«, so u.a. über den »Geschäfts­brief nach DIN 676« oder »Die Rast­er­fo­li­en, ein neu­es Hilfs­mit­tel für Ent­wer­fer«.

Flucht nach Basel

Nach­dem er und sei­ne Frau von der Poli­zei wegen sei­ner »bol­sche­wis­ti­schen und ent­ar­te­ten Typo­gra­phie« in Schutz­haft genom­men und zeit­gleich sei­ne Woh­nung in der Voit­stra­ße 8 in Mün­chen durch­sucht wur­de, emi­griert Tschi­chold 1933 mit sei­ner Ehe­frau Edith und sei­nem vier­jäh­ri­gen Sohn Peter aus der »Haupt­stadt der Bewe­gung« – in der fort­an die Druck­ma­schi­nen für »Mein Kampf« und den »Völ­ki­schen Beob­ach­ter« reser­viert waren – in die neu­tra­le Schweiz nach Rie­chen bei Basel.

In Basel erhält er 1933 – durch die Kon­tak­te sei­nes Men­tors Paul Ren­ner zu Her­mann Kienz­le (AGS-Direk­tor 1916–1943), den er 1928 im Base­ler Gewer­be­mu­se­um bei einer Aus­stel­lung näher ken­nen­lern­te – eine befris­te­te Aus­hilfs­leh­rer­stel­le in der Lehr­lings­aus­bil­dung der »Gra­fi­schen und kunst­ge­werb­li­chen Beru­fe« an der Schu­le für Gestal­tung an der »Base­ler All­ge­mei­nen Gewer­be­schu­le« (heu­te: Heu­te »Schu­le für Gestal­tung Basel«), die ihm und sei­ner Fami­lie die Emi­gra­ti­on in die Schweiz ermög­licht.

Er und sei­ne Fami­lie bezie­hen eine Woh­nung in der Stei­nen­vor­stadt 9. Neben die­ser Tätig­keit als Fach­leh­rer arbei­tet er auch als »Typo­gra­phi­scher Gestal­ter« für den Ben­no Schwa­be Ver­lag, der u.a. auch die Pla­ka­te für die Kunst­hal­le und das Gewer­be­mu­se­um in Basel fer­tigt (Die Dru­cke­rei des Ver­la­ges Ben­no Schwa­be infol­ge wur­de bereits 1488 vom Pro­to­ty­po­gra­phen Johan­nes Petri gegrün­det. Der Ver­lag und die Dru­cke­rei fir­mie­ren heu­te als Schwa­be AG in Basel. Als Tschi­chold spä­ter zum Bir­käu­ser Ver­lag wech­sel­te, wur­de bei Schwa­be der unga­ri­sche Maler, Gra­fi­ker und Typo­gra­ph Imre Rei­ner (1900–1987) sein Nach­fol­ger. Auch Max Caf­li­sch arbei­te­te zeit­gleich als Akzi­den­set­zer bei Schwa­be und spä­ter beim Bir­käu­ser Ver­lag).

1935 Auf­ent­halt von Kurt Schwit­ters bei Jan und Edith Tschi­chold sowie Ver­öf­fent­li­chung des Buches »Typo­gra­phi­sche Gestal­tung«. Im Sep­tem­ber 1935 Vor­trags­rei­se durch Däne­mark. Kurz dana­ch, im Novem­ber 1935, stellt Tschi­chold sei­ne Arbei­ten in der Dru­cke­rei (und Ver­lag) Lund Hum­phries in Lon­don (Groß­bri­tan­ni­en) aus, wodurch eini­ge Auf­trags­ar­bei­ten fol­gen, so auch 1937 der Auf­trag zur Neu­ge­stal­tung des »Pen­ro­se Annu­al 1938«, eines Jahr­buchs für Gra­phic Desi­gn. Nach einem Bericht über Tschi­chold im eng­li­schen Maga­zin »Typo­gra­phy« (Juli 1937) von Robert Har­ling (Her­aus­ge­ber), lädt ihn der Cou­ble Crown Club, eine Ver­ei­ni­gung eng­li­scher Typo­gra­phen und Dru­cker, ein, sei­nen Vor­trag »A New Approach to Typo­gra­phy« zu hal­ten.

Englische Typographie

Ab Ende der 1930er Jah­re ändert der nun 40jäh­ri­ge Jan Tschi­chold sei­ne Betrach­tungs­wei­sen und zieht fort­an die »Tra­di­tio­nel­le Typo­gra­phie« der »Moder­nen (Neu­en) Typo­gra­phie« vor. Ab die­sem Zeit­punkt wan­delt er sich zum lei­den­schaft­li­chen Ver­tre­ter einer kla­ren, klas­si­schen Makro­ty­po­gra­phie und Mikro­ty­po­gra­phie. Zu sei­nen letz­ten Arbei­ten im »Moder­nen Stil« dürf­te das Pla­kat für die Aus­stel­lung »kon­struk­ti­vis­ten« zäh­len, die vom 16.1. bis 14.2.1937 in der Bas­ler Kunst­hal­le statt­fand. Tschi­chold ist nun Ende 30; er ist auf der Suche nach neu­en Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen – und auch nach einer peku­niär erwäh­nens­wer­ten Kar­rie­re.

Ab Anfang der 1940er Jah­re beschäf­tigt sich Tschi­chold über­wie­gend nur noch mit der Anti­qua gepräg­ten Buch- und Lese­ty­po­gra­phie im klas­si­schen Stil von Aldus Manu­ti­us (1449/50–1515), Pier­re Simon Four­nier (1712–1768) und Fir­min Didot (1767–1836); sei­ne Lei­den­schaft gilt fort­an der Eng­li­schen Typo­gra­phie.

Dem Vor­bild gro­ßer Typo­gra­phen fol­gend, setzt er sich mit Schrift­ge­schich­te, Ori­en­ta­lis­tik und Paläo­gra­phie aus­ein­an­der und endeckt so auch sein Inter­es­se für den chi­ne­si­schen Far­ben­druck; es fol­gen sechs Bücher zu die­sem The­ma. 1941 Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Buchs »Geschich­te der Schrift in Bil­dern«.

1941–1946 erhält Tschi­chold eine Fest­an­stel­lung als Ver­lags­her­stel­ler im renom­mier­ten Birk­häu­ser Ver­lag in Basel, der 1879 als Dru­cke­rei von Emil Birk­häu­ser gegrün­det wur­de und sich in den 1930er Jah­ren zu einem ein­fluss­rei­chen Wis­sen­schafts­ver­lag ent­wi­ckel­te, wo zwi­schen 1938 und 1941 auch der 14 Jah­re jün­ge­re Max Caf­li­sch (1916–2004) als ers­ter Akzi­denz­set­zer arbei­te­te (die Birk­häu­ser Ver­lag AG, Basel, Bos­ton, Ber­lin gehört heu­te zur Sprin­ger Science+Business Media Deutsch­land GmbH, Hei­del­berg). 

Schweizer Bürgerrecht

Zeit­gleich bean­tragt Tschi­chold mit Refe­ren­zen sei­nes Arbeit­ge­bers, Bas­ler Freun­den und Kol­le­gen beim Kan­to­na­len Bür­ger­rechts­dienst für sich und sei­ne Fami­lie das Bas­ler Bür­ger­recht.

1942 publi­ziert er im Hol­bein-Ver­lag in Basel sein Lehr­buch »Schrift­kun­de, Schrei­b­übun­gen und Skiz­zie­ren für Set­zer«. Im glei­chen Jahr wird Tschi­cholds Ein­bür­ge­rungs­an­trag statt­ge­ge­ben, der auch eine unein­ge­schränk­te Arbeits- und Auf­ent­halts­er­laub­nis für die gesam­te Schweiz umfasst; Tschi­chold und sei­ne Fami­lie besit­zen nun das lan­ger­hoff­te Schwei­zer Bür­ger­recht.

1943 initi­iert Tschi­chold den Schwei­zer Wett­be­werb »Die zehn schöns­ten Bücher des Jah­res«.

1944 baut (kauft?) Tschi­chold sich und sei­ner Fami­lie ein (Ferien-)Haus in Ber­zo­na im Tes­sin, das spä­ter der Alters­ru­he­sitz der Tschi­cholds wer­den wird.

1945 bie­tet ihm Allan Lane, der Ver­le­ger von Pen­guin Books Lon­don, eine inter­es­san­te Auf­ga­be in sei­nem Ver­lag an. Lane wur­de über den Buch­dru­cker Oli­ver Simon auf Tschi­chold auf­merk­sam, den er bei sei­ner Aus­stel­lung in der Dru­cke­rei Lund Hum­phries in Lon­don ken­nen­lern­te.

London

Dar­auf­hin zieht Tschi­chold ein Jahr spä­ter von 1946 bis 1949 nach Lon­don, um dort das Cor­po­ra­te Desi­gn und die Cor­po­ra­te Typo­gra­phy von Pen­guin Books zu über­ar­bei­ten. 1949 ernennt ihn der Lon­do­ner Dou­ble Crown Club zum Ehren­mit­glied.

Zurück in der Schweiz

Um 1950 zieht Tschi­chold wie­der nach Basel. 1952 erscheint im Otto Mai­er-Ver­lag Ravens­burg sein Lehr­buch »Meis­ter­buch der Schrift« und im Haus­druck der D. Stem­pel AG (gegrün­det von David Stem­pel, 1869–1927) die geschicht­li­che Stu­die Tschi­cholds »For­men­wand­lun­gen der Et-Zei­chen«.

1949 will die Lan­des­haupt­stadt Mün­chen den bereits inter­na­tio­nal reno­mier­ten Tschi­chold als Direk­tor für ihre »Gra­phi­sche Berufs­schu­le« gewin­nen. Die Rah­men­be­din­gun­gen sind aller­dings so gro­tesk und dreist – Tschi­chold soll­te u.a. sein Schwei­zer Bür­ger­recht able­gen – dass er die Offer­te aus Mün­chen ablehnt. 17 )

1954 erhält Tschi­chold die Gold­me­dail­le des Ame­ri­can Insti­tu­te of Gra­phic Arts.

1955 erhält Jan Tschi­chold auf­grund einer Refe­renz des Bas­ler Diri­gen­ten Paul Sacher (1906–1999) eine Anstel­lung beim Phar­ma­kon­zern Hoff­mann-La Roche, für den er reprä­sen­ta­ti­ve Druck­sa­chen, bei­spiels­wei­se Ein­la­dun­gen und Pro­spek­te, ent­wirft. 

1960 wird er Ehren­mit­glied der Socié­té Typo­gra­phi­que de Fran­ce. 1962 ver­öf­fent­licht Tschi­chold sein wohl wirt­schaft­li­ch erfolg­reichs­tes Buch »Will­kürfreie Maß­ver­hält­nis­se der Buch­sei­te und des Satz­spie­gels«.

1964 erhält er zusam­men mit Lajos Len­gy­el, Buda­pest, und dem VEB Gra­fi­scher Groß­be­trieb Völ­ker­freund­schaft, Dres­den, den Guten­berg–Preis der Stadt Leip­zig. 18 )

Sabon Antiqua

Mit­te der 1960er Jah­ren beginnt Tschi­chold mit den Recher­chen und sei­nen Ent­wür­fen zu sei­ner Renais­sance Anti­qua »Sabon Anti­qua«, einer Druck­schrift in der Tra­di­ti­on Clau­de Gara­monds, die erst­ma­lig eine Schrift­satz­sys­tem­kom­pa­ti­bi­li­tät als Hand­satz­schrift für die Stem­pel, als Zei­len­guss­schrift für die Lino­ty­pe und als Ein­zel­buch­sta­ben­guss­schrift für die Mono­ty­pe® auf­wei­sen soll.

Die »Sabon Antiqua« von Jan Tschichold ist eine Renaissance Antiqua in der Tradition von Claude Garamond. Beispiel gesetzt in der Sabon roman, italic und bold von Linotype®. Infografik: www.typolexikon.de
Die »Sabon Anti­qua« von Jan Tschi­chold ist eine Renais­sance Anti­qua in der Tra­di­ti­on von Clau­de Gara­mond. Bei­spiel gesetzt in der Sabon roman, ita­lic und bold von Lino­ty­pe®.

Auf­trag­ge­ber für die Neu­in­ter­pre­ta­ti­on ist der Direk­tor der Schrift­gie­ße­rei D. Stem­pel AG, Wal­ter H. Cunz, der Sohn des ehe­ma­li­gen Fir­men­mit­in­ha­bers Wil­helm Cunz (1869–1951). Tschi­chold ver­wen­det auf des­sen Wunsch für den nor­ma­len Schrift­schnitt ein Druck­mus­ter aus dem »Spe­ci­men cha­rac­ter­um« von Con­rad Ber­ner (Kon­rad Ber­ner), einer Paläo-Biblio­gra­phie der frü­hes­ten Abhand­lun­gen über die Kon­struk­ti­on von Buch­sta­ben (Typo­me­trie), die 1592 in Frank­furt am Main gedruckt wur­de.

Für den kur­si­ven Schnitt der Sabon inter­pre­tier­te Tschi­chold die berühm­ten »Cur­si­va ascen­do­ni­ca« des fran­zö­si­schen Stem­pel­schnei­ders und Ver­le­gers Robert Gran­jon (1513–1589); die Schrift­be­zeich­nung wie­der­um ist eine Remi­nis­zenz an den Stem­pel­schnei­der und Schrift­gie­ßer Jac­ques Sabon (um 1520–1590), einen Schü­ler Gara­monds (um 1555 begann die Blü­te­zeit des Druck­we­sens in Frank­furt, initi­iert durch Chris­ti­an Ege­nolff und die von ihm gegrün­de­te Typen­gie­ße­rei, die nach sei­nem Tod vom aus Lyon stam­men­den Typen­schnei­der Jac­ques Sabon höchst erfolg­reich wei­ter­ge­führt wur­de).

1965 wird Tschi­chold durch die Royal Socie­ty of Arts zum »Royal Desi­gner for Indus­try« ernannt.

Von 1966 bis 1974 ernennt ihn die Aka­de­mie der Küns­te, Ber­lin (Ost), Sek­ti­on Bil­den­de Kunst, zum kor­re­spon­die­ren­den Mit­glied. 19 )

Die letzten Jahre in Tessin

1967 reist Tschi­chold zu einer Vor­trags­rei­se in die USA. Sei­ne Fran­zö­si­sche Renais­sance Anti­qua »Sabon« wird »iden­ti­sch in drei Setz­ver­fah­ren« in Düs­sel­dorf auf der inter­na­tio­na­len Fach­mes­se »dru­pa« bei der D. Stem­pel AG, bei Lino­ty­pe® und Mono­ty­pe® vor­ge­stellt. Nach sei­ner Rück­kehr aus den USA zieht er mit sei­ner Frau Edith von Basel in sein Haus nach Ber­zo­na im Tes­sin, wo er fort­an pri­va­ti­siert, Fach­kol­le­gen, Freun­de und Bekann­te emp­fängt und sicht­li­ch sei­ne hart erar­bei­te­te inter­na­tio­na­le Repu­ta­ti­on genießt.

Am 11. August 1974 stirbt Jan Tschi­chold als zwei­fa­cher Groß­va­ter in Locar­no in der Schweiz.

Literatur von Jan Tschichold (Auswahl):

  • Tschi­chold, Jan: Erfreu­li­che Druck­sa­chen durch gute Typo­gra­fie. Eine Fibel für jeder­mann, Maro-Ver­lag Augs­burg 1988 ISBN 3−87512−403−0.
  • Tschi­chold, Jan: Meis­ter­buch der Schrift, Otto Mai­er-Ver­lag Ravens­burg 1952, ISBN 3–473-61100-x.
  • Tschi­chold, Jan: Aus­ge­wähl­te Auf­sät­ze über Fra­gen der Gestalt des Buches und der Typo­gra­phie, Birk­häu­ser Ver­lag, Basel, ISBN 3−7643−1946−1.
  • Tschi­chold, Jan: Die neue Typo­gra­phie. Ein Hand­buch für zeit­ge­mäß Schaf­fen­de. Ver­lag des Bil­dungs­ver­ban­des der Deut­schen Buch­dru­cker, Ber­lin 1928.
  • Tschi­chold, Jan: Schöns­te, lie­be mich, L. Schnei­der Ver­lag.
  • Tschi­chold, Jan: Was jeder­mann vom Buch­druck wis­sen soll­te, Birk­häu­ser Ver­lag.
  • Tschi­chold, Jan: Zur Typo­gra­phie der Gegen­wart, Setz­ma­schi­nen-Fabrik Mono­ty­pe Ges. m.b.H.
  • Tschi­chold, Jan: Man Ray, Jan Tschi­chold, Lan­des­ge­wer­be­amt Baden-Würt­tem­berg, 1963.
  • Tschi­chold, Jan: Leben und Werk des Typo­gra­phen Jan Tschi­chold, Wer­ner Klem­ke Her­aus­ge­ber, Saur K.G. Ver­lag GmbH, 1988.
  • Tschi­chold, Jan: Schrift­kun­de, Schrei­b­übun­gen und Skiz­zie­ren für Set­zer, Hol­bein-Ver­lag, Basel 1942.
  • Tschi­chold, Jan: For­men­wand­lun­gen der Et-Zei­chen. Frank­furt am Main, 1953.
  • Tschi­chold, Jan: Typo­gra­fi­sche Ent­wurfs­tech­nik, Aka­de­mi­scher Ver­lag Dr. Fritz Wede­kind & Co., Stutt­gart 1932.
  • Tschi­chold, Jan: Aus­ge­wähl­te Auf­sät­ze über Fra­gen der Gestalt des Buches und der Typo­gra­phie. Birk­häu­ser Ver­lag, Basel 1987, ISBN 3−7643−1946−1.
  • Tschi­chold, Jan: Schatz­kam­mer der Schreib­kunst, Birk­häu­ser Ver­lag, Basel 1949.
  • Tschi­chold, Jan: Geschich­te der Schrift in Bil­dern. Haus­we­dell Ver­lag, Ham­burg 1961.
  • Tschi­chold, Jan: Will­kürfreie Maß­ver­hält­nis­se der Buch­sei­te und des Satz­spie­gels, 1962
  • Bose, Gün­ter und Erich Brink­mann (Her­aus­ge­ber): Jan Tschi­chold: Schrif­ten 1925–1974, Brink­mann & Bose, Ber­lin 1991, Band 1 und 2, ISBN 3−922660−35−5 und 3−922660−36−3. Im Band 2 befin­det sich eine kom­plet­te Biblio­gra­phie von Jan Tschi­chold.

Schriften von Jan Tschichold:

  • Sabon-Anti­qua, D. Stem­pel AG, Lino­ty­pe®, Mono­ty­pe®, 1967
  • Sas­kia, Schel­ter & Gies­ecke, 1932
  • Uher­ty­pe Gro­tesk, 1933/​36
  • Tschi­chold Sten­cil, 1929
  • Tran­si­to, Ams­ter­dam Type Found­ry, 1931
  • Zeus, Schrift­guß KG, 1931

Literatur über Jan Tschichold (Auswahl):

  • Spen­cer, Her­bert: Pioneers of modern typo­gra­phy, Lund Hum­phries Publis­hers Ltd, Lon­don 1969, ISBN 0853314489.
  • Klem­ke, Wer­ner: Leben und Werk des Typo­gra­phen Jan Tschi­chold, VEB Ver­lag der Kunst, Dres­den 1977.
  • LeCoult­re, Mar­ti­jn F.  und Als­ton W. Pur­vis: Jan Tschi­chold. Pla­ka­te der Avant­gar­de, Birk­häu­ser Ver­lag. Neu­auf­la­ge 2007 in eng­li­scher Spra­che im VK Pro­jects, Laren, Nether­lands, ISBN 978−90−5212−003−4.
  • Kirch­hoff, Thors­ten und Chris­ti­an Ide: Hap­py bir­th­day I(w)an!. Zum 100. Geburts­tag von Jan Tschi­chold.
  • Caf­li­sch, Max: Jan Tschi­chold, Revo­lu­tio­när, Refor­mer oder Rene­gat?, Erin­ne­run­gen und Gedan­ken, Mer­an Offi­zin S., 2004.
  • Luidl, Phil­ipp (Her­aus­ge­ber): J. T. Johan­nes Tzschich­hold. Iwan Tschi­chold. Jan Tschi­chold. Eine Jah­res­ga­be der Typo­gra­phi­schen Gesell­schaft Mün­chen, Mün­chen, 1976.
  • Dou­ble­day, Richard: Jan Tschi­chold, Desi­gner: The Pen­guin Years, New Cast­le, Dela­ware Oak Knoll Press & Lund Hum­phries 2006.
  • McLean, Ruari: Jan Tschi­chold: Typo­gra­pher, Lon­don 1975. 

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Quel­le: Ste­ven Hel­ler: Paul Rand, Phai­don Press, 1999.
2.Quel­le: Staats­ar­chiv Leip­zig des Frei­staa­tes Sach­sen, Abtei­lung König­reich und Frei­staat Sach­sen 1831–1945, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen.
3, 4.Quel­le: Typo­gra­phi­sche Monats­blät­ter, Revue suis­se de l’Imprimerie 4/​1972, Auf­satz »Jan Tschi­chold: praecep­tor typo­gra­phiae, Zu sei­nem sieb­zigs­ten Geburts­tag am 2. April 1972«. Die­se Lau­da­tio ver­fass­te Tschi­chold unter einem Pseud­onym selbst.
5.Quel­le: Otl Aicher und Josef Rom­men: Typo­gra­phie, Ern­st & Sohn Ver­lag, ISBN 3–433-02090–6
6.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Son­der­heft »ele­men­ta­re typo­gra­phie«, einer Bei­la­ge der Zeit­schrift »typo­gra­phi­sche mit­tei­lun­gen«, Reprint auf Initia­ti­ve des TDC NY, 1986, erschie­nen im Ver­lag H. Schmidt, Mainz. ISBN 3–87439-129–9.
7.Quel­le: Essay »Die Leit­ster­ne des Max Caf­li­sch« von Georg Ram­se­ger aus »copy«>Max Caf­li­sch: Typo­gra­phia prac­tica«, Jah­res­ga­be für die Maxi­mi­li­an-Gesell­schaft Ham­burg und die TU Darm­stadt, 1988.
8.Quel­le: Auf­satz »Georg Trump« von Her­mann Hans Schmidt, erschie­nen in »Hun­dert Jah­re Typo­gra­phie, Hun­dert Jah­re Typo­gra­phi­sche Gesell­schaft Mün­chen. Eine Chro­nik«, TGM-Biblio­thek, Mün­chen, 1990.
9.Quel­le: Kurt Wei­de­mann in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert, Ber­lin 2007.
10, 11.Quel­le: Gün­ter Ger­hard Lan­ge in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert, Mün­chen 2003.
12.Quel­le: Kurt Wei­de­mann in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert, Ber­lin 2007.
13.Quel­le: Her­bert Kern, Büh­nen­bild­ner und Gra­fi­ker, war Stu­dent bei Emil Pree­to­ri­us an der Aka­de­mie für Ange­wand­te Kunst in Mün­chen. 1990 ver­fass­te Kern einen Essay über Emil Pree­to­ri­us (1883–1973) für die Typo­gra­phi­sche Gesell­schaft Mün­chen (100 Jah­re TGM 1890–1990).
14.Quel­le: Samm­lung von Phil­ipp Luidl, Mün­chen
15.Quel­len: Isaccs, Regi­nald, R.: Wal­ter Gro­pi­us, Der Men­sch und sein Werk, Band 1, Sei­te 460, Gebrü­der Mann Ver­lag, Ber­lin, 1983, ISBN 3−7861−1372−6, und Bau­haus Archiv Ber­lin, Samm­lungs-Kata­log Ber­lin 1981, Sei­te 157, Nr. 301).
16.Anmer­kung: Ersicht­li­ch aus der per­sön­li­chen Kor­re­spon­denz von Paul Ren­ner, die 2003 in einem Nach­lass von Hor­st Moser in Über­lin­gen am Boden­see in einem Anti­qua­ri­at gefun­den wur­de. Expli­zit in einem Brief vom 27.4.1933 an die Lan­des­grup­pe Bay­ern des Bun­des der Deut­schen Gebrauchs­gra­phi­ker (gegrün­det 1919, heu­te BDG, Bund Deut­scher Gra­fik-Desi­gner) in der Römer­stra­ße, Mün­chen. Quel­le: »Paul Ren­ner. Ein Vor­trag von Hor­st Moser im Ate­lier Bei­nert in Ber­lin am 29.4.2010, www​.bei​nert​.net/​h​o​r​s​t​-​m​o​s​e​r​-​p​a​u​l​-​r​e​n​n​er/.
17.Quel­le: Typo­gra­phi­sche Monats­blät­ter 4/​1972, Auf­satz über Jan Tschi­chold zu sei­nem sieb­zigs­ten Geburts­tag.
18.Quel­le: Kul­tur­amt Leip­zig, Abtei­lung Kul­tur­för­de­rung, Neu­es Rat­haus, 04092 Leip­zig.
19.Quel­le: Aka­de­mie der Küns­te, Pari­ser Platz 4, 10117 Ber­lin Mit­te.