Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Unterschneiden
Unterschneidung

Typographischer Terminus für die individuelle Verringerung der Laufweite eines Textes, eines Wortes oder einer Buchstabenkombination (Optischer Schriftweitenausgleich); Minimierung der Normalschriftweite. Das Unterschneiden gehört in den Bereich der Mikrotypographie.

Der Begriff »Unterschneiden« stammt aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes (Bleisatz). Semantisch rührt er von »unten schneiden« zu »unten abschneiden«. Gemeint war hier das buchstäbliche Abschneiden des
Fleisches »unterhalb« des erhabenen Buchstabenbildes bis maximal zur Dicktenlinie (Dickte) eines Kegels, um dann die Buchstaben näher aneinander setzen zu können [1].

Automatische Unterschneidungen, z.B. beim
Optischen Randausgleich, werden in der Regel durch Kerningtabellen (Autorenkerning) vorgegeben. Manuelles Unterschneiden erfolgt mittels Minimierung der Vor- und Nachbreiten in Geviertschritten im Schriftsatzprogamm (z.B. Adobe InDesign ®) durch den Typographen. Unterschneidung ist – wie auch das Spationieren – eine Methode, um harmonische Schriftlaufweiten ohne hässliche Lücken oder Komprimierungen zu erzielen, den Wortzwischenraum bzw. Ausschluß zu optimieren und um kritischen Buchstabenkombinationen auszugleichen.

[1] Unterschneidungen wurden damals nur sehr ungern ausgeführt, weil sie sehr zeitaufwändig und materialintensiv waren. Sie wurden von der Mehrzahl der
Offizinen wohl als »Luxus« empfunden und symbolisierten deshalb einen hohen typographischen Qualitätsanspruch.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 23.08.2006
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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