Versalien

Typo­gra­phi­scher Ter­mi­nus aus dem gewer­be­sprach­li­chen Sprach­schatz deut­scher Schrift­set­zer aus der Peri­ode des mate­ri­el­len Hand­schrift­sat­zes (z.B. Blei­satz) für Majus­keln; Ver­sal­buch­sta­ben (Plu­ral); Groß­buch­sta­ben (Plu­ral). Sin­gu­lar Ver­sal; Neben­form »Ver­sa­lie«. Seman­ti­sch von »Vers«; ety­mo­lo­gi­sch vom latei­ni­schen »ver­sus« zu latei­ni­sch »ver­te­re« für »umkeh­ren, wen­den, dre­hen«. Das Pen­dant zu Ver­sa­li­en sind Gemei­ne, die Klein­buch­sta­ben bzw. Minus­keln eines Alpha­bets.

In der Paläo­gra­phie und in der Schrift­lin­gu­is­tik kenn­zeich­net ein Ver­sal (Sin­gu­lar) aller­dings einen Groß­buch­sta­ben an den Anfän­gen von Vers­zei­len. Ver­se haben ihren Ursprung im 9. Jahr­hun­dert, wel­che zu die­ser Zeit in Minus­keln geschrie­ben wur­den (sie­he Schrift­ge­schich­te). Die Bedeu­tung »Vers(zeile)« ist hier in meta­pho­ri­scher Anleh­nung an die Linie einer Acker­furche zu ver­ste­hen, die durch das Umwen­den des Pflu­ges been­det wird. Aus die­ser Schreib­wei­se haben sich auch die Kapi­täl­chen ent­wi­ckelt.

Die Bezeich­nung »Ver­sa­li­en« ist also streng genom­men nur im Plu­ral bedeu­tungs­ge­n­au. Im Sin­ne der Begriffs­ab­gren­zung ist des­halb in der Typo­gra­phie die kor­rek­te Bezeich­nung für einen Groß­buch­sta­ben Majus­kel (Sin­gu­lar) bzw. Majus­keln (Plu­ral). 1 )

Das deut­sche Alpha­bet führt 26 Ver­sa­li­en bzw. 26 Majus­keln: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y und Z.

Die Typometrie der römischen Majuskeln im Zweiliniensystem bestehen aus Geraden und Rundungen, bzw. den Grundformen Quadrat, Dreieck und Kreis. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Beispiel gesetzt aus der Trajan von Linotype. Infografik: www.typolexikon.de
Die Typo­me­trie der römi­schen Majus­keln im Zwei­li­ni­en­sys­tem bestehen aus Gera­den und Run­dun­gen, bzw. den Grund­for­men Qua­drat, Drei­eck und Kreis. Dar­an hat sich bis heu­te nichts geän­dert. Bei­spiel gesetzt aus der Tra­jan von Lino­ty­pe.

Besteht ein Alpha­bet, bei­spiels­wei­se das Tra­ja­ni­sche Alpha­bet, nur aus Groß­buch­sta­ben, wird die­ses Alpha­bet als Majus­kel­al­pha­bet bezeich­net. 

Beispiel eines Majuskelalphabets: Das Trajanische Alphabet gilt als das schönste Beispiel römischer Schriftkunst. Es handelt sich hierbei um eine eingemeißelte Capitalis Monumentalis, auf einer Marmortafel, die sich auf dem würfelförmigen Sockel der »Columna Traiana«, der »Trajanssäule« in Rom befindet.
Bei­spiel eines Majus­kel­al­pha­bets: Das Tra­ja­ni­sche Alpha­bet gilt als das schöns­te Bei­spiel römi­scher Schrift­kunst. Es han­delt sich hier­bei um eine ein­ge­mei­ßel­te Capi­ta­lis Monu­men­ta­lis, auf einer Mar­mor­ta­fel, die sich auf dem wür­fel­för­mi­gen Sockel der »Colum­na Trai­a­na«, der »Tra­jans­säu­le« in Rom befin­det.

Ver­sa­li­en (Majus­keln) wer­den von der Grund­li­nie (Schrift­li­nie) zur Ver­sal­hö­he bzw. Majus­kel­hö­he (H-Linie) im Zwei­li­ni­en­sys­tem (Schrift­li­ni­en) geschrie­ben. Klein­buch­sta­ben wer­den als Minus­keln bezeich­net. 

Hauptschriftlinien der Antiqua von oben: Á-Linie (Akzentlinie), k-Line (Minuskeloberkante bei Renaissance Antiquas), H-Linie (Majuskelhöhe), x-Linie (Minuskelhöhe), Grundlinie (Schriftline) und p-Linie (Unterlänge). Infografik: www.typolexikon.de
Haupt­schrift­li­ni­en der Anti­qua von oben: Á-Linie (Akzent­li­nie), k-Line (Minus­ke­lober­kan­te bei Renais­sance Anti­quas), H-Linie (Ver­sal- bzw. Majus­kel­hö­he), x-Linie (Minus­kel­hö­he), Grund­li­nie (Schrift­li­ne) und p-Linie (Unter­län­ge).

In der Mikro­ty­po­gra­phie wird Majus­kel­satz (Ver­sal­satz) – je nach Schrift­art – leicht gesperrt bzw. spa­tio­niert und hän­di­sch aus­ge­gli­chen.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Im typo­gra­phi­schen Sprach­ge­brauch ist nur der Plu­ral »Ver­sa­li­en« gebräuch­li­ch. Wobei jedoch ange­merkt sei, dass auch in der Typo­gra­phie »Majuskel(n)« der kor­rek­te Begriff ist, ins­be­son­de­re um ter­mi­no­lo­gi­sche Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen, u.a. aus Sicht der Paläo­gra­phie, einer Hilfs­wis­sen­schaft zur Erfor­schung des Schreib­we­sens und der Schrift­ge­schich­te sowie der Lin­gu­is­tik bzw. Schrift­lin­gu­is­tik aus­zu­schlie­ßen.