Vorklassizistische Antiqua

Schriftart; Nebenschriftgruppe, die im Sinne Schriftklassifikation zur Schriftgattung (Hauptschriftgruppe) der Antiqua-Schriften gehört; rundbogige Druckschrift römischen Ursprungs mit Serifen. In der deutschen typographischen Literatur auch als »Barock Antiqua«, »Übergangsantiqua« oder »Halbmediäval«, im englischsprachigen Raum (GB, USA etc.) als »Transitional« (British Standards, 1967), in Frankreich als »Réales« (Maximilien Vox, 1963) und in Italien als »Transizionali« (Novarese und Pellitteri, 1965) bezeichnet.

Unter »vorklassizistisch« wird in der Typographie der Zeitraum zwischen den Schriftepochen Renaissance Antiqua und Klassizistische Antiqua verstanden, eine kunstgeschichtliche Epoche, die in römisch katholisch geprägten Kulturkreisen Europas als Barockzeit bezeichnet wird.

Der irreführende Begriff »Barock Antiqua«

Die Bezeichnung »Barock Antiqua« etablierte sich mit der DIN 16518 (Bleisatz-DIN) zwischen 1964 und 1975 im gewerbespezifischen Sprachschatz von Schriftsetzern in Westdeutschland, Österreich und in der deutschsprachigen Schweiz. 

In der Englischen Typographie, in Frankreich und Italien existiert der Begriff »Barock Antiqua« nicht, auch nicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor 1964, wo diese Nebenschriftgruppe korrekt als Vorklassizistische Antiqua, Halbmediäval oder Übergangsantiqua bezeichnet wurde. 1 ) 2 )

Haupttitel (Titelei) des Buches »Publii Virgilii Maronis Bucolica, Georgica, et Æneis« (1757). In den »Fern- und Schaugrößen« wird deutlich, wie konsequent, systematisch und streng John Baskerville (1706–1775) seine Klassizistische Antiquas konstruiert hat. Quelle: Beinecke Rare Book and Manuscript Library, General Collection, Yale University, New Haven, Connecticut, USA.
Haupttitel (Titelei) des Buches »Publii Virgilii Maronis Bucolica, Georgica, et Æneis« (1757). In den »Fern- und Schaugrößen« wird deutlich, wie konsequent, systematisch und streng John Baskerville (1706–1775) seine Klassizistische Antiquas konstruiert hat. Quelle: Beinecke Rare Book and Manuscript Library, General Collection, Yale University, New Haven, Connecticut, USA.

In der deutschen Paläographie wurde und wird diese Nomenklatur hingegen konkret verwendet. »Barock« bezeichnet zwar den historischen Zeitraum der Entstehung einer Vorklassizistischen Antiqua, nicht aber deren Klassifikationsmerkmale. Beispielsweise hat eine »Baskerville« des englischen Typographen John Baskerville (1706–1775) oder eine »Times« bzw. »Times New Roman« der englischen Typographen Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) keinesfalls eine »übertriebenen, bizarre, geschmacklose oder dekatente«, also eine »barocke« Anmutung im Sinne Jean-Jacques Rousseaus (1712–1778). Im Gegenteil, diese »präviktorianischen« Antiquas könnten sogar als »antibarock« bezeichnet werden.

Grund für die unglückliche Wahl dieses irreführenden Terminus »Barock Antiqua« dürfte – abgesehen von der fehlenden Antiqua-Tradition Deutschlands (siehe Schriftgeschichte und Fraktur) – in der Zusammensetzung des DIN 16518-Arbeitsausschusses gelegen haben, der sich mehrheitlich aus akademisch ungebildeten Lobbyisten und Vertretern klassischer Schriftgießereien (Bleisatz) rekrutierte, die Mitte der 1960er Jahre durch diese DIN-Norm insbesondere die technische Entwicklung des optomechanischen Schriftsatzes (Fotosatz) bremsen wollten. 3 ) 

Begriffsabgrenzung

Unter Barock wird – aus Sicht der Moderne – ein westeuropäischer Kunststil vom Anfang des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts (ca. 1600–1750) verstanden, der auf die Renaissance und den Manierismus folgte. Die Barockzeit wurde insbesondere durch die Gegenreformation der römisch-katholische Kirche, den Jesuitismus, die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges (1618–1648), den politischen Absolutismus und durch die Traditionen der Antike geprägt. Etymologisch leitet sich der Begriff aus dem franz. »baroque« für »wunderlich, eigenartig, verschnörkelt« ab, dieser wiederum vom portugiesischen »barroco« für »schiefrund, in Form einer unregelmäßigen Perle«.

Als Bezeichnung für einen Kunststil erscheint das Wort offiziell zuerst in Denis Diderots (1713–1784) »Encyclopédie« (1751 und Folgejahre), 4 ) wo in einem von Jean-Jacques Rousseau verfaßten Artikel »barock« als pejoratives Adjektiv für die Charakterisierung der Architektur Borrominis angewendet und abwertend mit dem Übertriebenen, Bizarren, Geschmacklosen und Dekadenten gleichgesetzt wird. Die Franzosen verwendeten also im 18. Jahrhundert den Begriff »baroque« abwertend für die Kunstformen, die ihrem klassizistisch geprägten Geschmack nicht entsprachen.

Im Deutschen hat erstmals Jacob Christoph Burckhardt (1818–1897) 1855 im »Cicerone« das Wort zur Beschreibung der auf die Renaissance folgenden Kunstepoche angewandt. 5 ) Als positiv besetzter Stilbegriff und Bezeichnung für eine kunstgeschichtliche Periode mit eigenständigen Höchstleistungen manifestierte sich diese Terminologie erst langsam ab 1880 durch die kunsttheoretischen Schriften des Schweizer Kunsthistorikers Heinrich Wölfflin (1864–1945). 6 )

Die Bezeichnung »Antiqua« geht etymologisch auf die lateinische weibliche Form von »antiquus« zurück, für »vorig, alt«, eine Nebenform von »anticus« für »der vordere« vom lateinischen »ante« für »vor«. Mit »Antiqua« ist somit die »alte Schrift« gemeint. Die Antiqua ist heute die führende Verkehrsschrift der westlichen Welt.

Die Vorklassizistische Antiqua in der Schriftklassifikation

Die Vorklassizistische Antiqua gilt als die erste Schriftart, deren Buchstaben konsequent und systematisch mittels der Typometrie streng konstruiert wurden. 7 )

Die horizontalen Stand- und Kopfserifen der Majuskeln sind absolut symmetrisch, konsequent geradlinig und haben – im Gegensatz zur Renaissance Antiqua – keine oder nur sehr geringe Kehlungen. Sie stehen optisch sehr stabil auf der Grundline bzw. schließen gerade bei der H-Linie (Versalhöhe) ab; die Übergänge (Kehlen) von den Serifen zu den Grund- und Haarstrichen sind im Vergleich zur Renaissance Antiqua kaum bis weniger weich ausgerundet, was auch für die vertikalen Abschlußserifen bzw. einseitigen Standserifen gilt

Die unterschiedliche Strichstärke zwischen den vertikalen und horizontalen Schriftlinien ist stärker ausgeprägt, Haar- und Grundstriche sind unterschiedlich breit. Die Anstriche (Dachansätze) der Minuskeln sind noch leicht schräg und keilförmig, zeigen aber bereits die Tendenz, immer gerader – wie bei der Klassiszistischen Antiqua – zu werden.

Die Schriftachse bei den Rundformen ist meist vertikal oder nur ganz leicht nach links geneigt. Die Mittellänge (Grundlinie bis x-Linie) ist deutlich länger als die Oberlänge (x-Linie bis H-Linie bzw. Versalhöhe). Die Abstriche, besonders charakteristisch beim r, enden in Tropfenform (Auslaufpunkt). Insgesamt wirken die Punzen (Binnenräume) aller Buchstaben des Alphabets harmonisch bzw. gleichmäßig aufeinander abgestimmt. 8 )

Die präviktorianische »Times« bzw. die »Times New Roman« der englischen Typographen Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) zählen zu den prominentesten Vertretern der Vorklassizistischen Antiqua. Aufgrund ihrer optimalen Lesbarkeit wird diese Schriftart gerne als Zeitungsschrift verwendet.
Die präviktorianische »Times« bzw. die »Times New Roman« der englischen Typographen Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) zählen zu den prominentesten Vertretern der Vorklassizistischen Antiqua. Aufgrund ihrer optimalen Lesbarkeit wird diese Schriftart gerne als Zeitungsschrift verwendet.
Primäre Klassifikationsmerkmale
  • Dachansätze der Minuskeln: Schräg
  • Minuskeloberlängen: Enden bei der H-Linie, allerdings oft Dachansatz zur »Großen Überhangslinie«
  • Achse der Minuskel e: Waagrechter Innenbalken
  • Optische Achse der Rundformen: Leicht nach links oder rechts geneigt oder gerade
  • Serifenübergänge: Rund
  • Serifenseitenkante: Gerade
  • Serifenunterkante: Leicht gekehlt bis gerade auf der Grundlinie
  • Stichstärkenkontrast Balken/Querbalken: Stark

In der philologischen Schriftklassifikation können vorklassizistische Antiqua-Schriften beispielsweise noch in französische, englische, holländische und italienische oder beispielsweise in Spätbarock- und Rokoko-Varianten gegliedert werden.

Entwicklung der Vorklassizistischen Antiqua

Die Vorklassizistische Antiqua entstand sukzessive in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus der Renaissance Antiqua. Als Modell diente dafür vermutlich die legendäre Antiqua des Claude Garamond (1480/1500–1561), die um 1622 in einem leicht modifizierten Neuschnitt des Schweizer Französischen Schriftgestalters (und protestantischen Druckers) Jean Jannon (1589–1658) die europäischen Offizinen eroberte.

Repräsentativ für die Typographie der Barockzeit sind in den Niederlanden die Drucker-Dynastie der Elzevier, die zwischen 1620 und 1712 an die 5.000 Publikationen der damals bedeutendsten Autoren verlegte; weiters die Offizin des Amsterdamer Kartographen und Verlegers Willem Janszoon Blaeu (1571–1638) und die Offizin Enschedé in Haarlem, für die der aus Nürnberg stammende Stempelschneider Johann Michael Fleischmann (1701-1768) um 1732 eine Reihe von Antiqua-Schriftschnitten anfertigte.

In Deutschland der Leipziger Drucker Timotheus Ritzsch (1614–1678), die Familie Merian und die Nürnberger Druckerei Endter; in Wien der aus Polen stammende Universitäts- und Hofdrucker Stanislaus Matthäus Cosmerovius (1606–1674) und Johann van Ghelen (um 1645–1721), der vor allem fremdsprachige Texte in der Antiqua druckte, unter anderem die immer sehr begehrten Opernlibretti; in Frankreich vor allem die 1640 von Konig Ludwig XIII. (1601–1643) auf Anregung von Armand-Jean du Plessis, Premier Duc de Richelieu (1585 –1642), kurz Kardinal Richelieu, gegründete »Imprimerie Royale« unter ihrem ersten Direktor Sébastien Cramoisy (1584–1669) und dem Schriftschneider Philippe Grandjean de Fouchy (1707–1788), der eine Antiqua entwarf, die unter dem Namen »Romain du roi Louis XIV« europaweit bekannt wurde.

In Italien schließlich die von Papst Urban VIII. (1568–1644) gegründete »Tipografia poliglotta della Sacra Congregazione de Propaganda Fide«, die zentrale Druckerei des Vatikans und der hauptsächlich von den Jesuiten getragenen katholischen Mission in der Neuen Welt.

Neuinterpretationen der Vorklassizistischen Antiqua Baskerville von John Baskerville (1706–1775). Oben: ITC New Baskerville von John Quaranda (1978). Unten: Die deutlich verspieltere Mrs Eaves von Zuzana Licko (1996).
Neuinterpretationen der Vorklassizistischen Antiqua Baskerville von John Baskerville (1706–1775). Oben: ITC New Baskerville von John Quaranda (1978). Unten: Die deutlich verspieltere Mrs Eaves von Zuzana Licko (1996).

In England veröffentlichte 1722 der Typograph William Caslon (1692–1766) die »Caslon Old Face Roman and Italic«, die er vermutlich nach holländischem Vorbild Christoffel van Dijcks (um 1605–1669) schuf und die zu dieser Zeit als britische Nationaltype galt. 1750 entwarf der englische Typograph John Baskerville (1706–1775) seine puristisch elegante Transitional, die Baskerville, die in der angelsächsischen Typographiegeschichte als »Präviktorianik « klassifiziert wird. Gemeinsam mit dem kursiven Schriftschnitt – im Französischen wird diese Schriftart als »romain italique« bezeichnet – des Pariser Typographen Pierre Simon Fournier (1712–1768) von 1734 und dessen Antiqua Cicéro von 1742 bildet die Baskerville-Transitional bereits den Übergang zur Klassizistischen Antiqua des späten 18. Jahrhunderts.

Um die Jahrhundertwende entwickelte der italienische Typograph Giambattista Bodoni (1740–1813) aus der französischen Vorklassizistischen Antiqua Fourniers die Klassizistische Antiqua.

VERTRETER DIESER SCHRIFTART
SchriftSchriftgestalter/inFont FoundryJahr
ApolloFrutiger, AdrianMonotype1962
BaskervilleBaskerville, JohnFry Foundry1768
Baskerville New ITCQuaranda, JohnITC1978
Bookman ITCBenguiat, EdwardITC1975
Caslon 224 ITCBenguiat, EdwardITC1982
Caslon 540Caslon, WiliamATF
Barnhart & Spindler
1725
1902/1915
Century Old StyleBenton, Morris FullerATF1906
Clearface ITCCaruso, VictorITC1978
CochinPeignot, GeorgesLa Gazette
du Bon Ton
1914
ConcordeLange, Günther GerhardBerthold1969
Concorde NovaLange, Günther GerhardBerthold1975
CoronaGriffith, Chauncey H.Linotype1941
CushingPacella, VincentITC1982
ErhardtMonotype1937
FournierFournier, Pierre Simono.A.1742
Gamma ITCVeljovic, JovicaITC1986
GazetteShaar, Edwin W.D. Stempel1977
Goudy ModernGoudy, Frederic W.Monotype1918
ImpressumBauer, Konrad F.
Baum, Walter
Bauersche Gießerei1963
Janson TextKisz, Miklós
Linotype Design Studio
o.A.
Linotype
um 1685/1690
1919
JoannaGill, EricJoanna Press
by Hague and Gill
um 1930/1931
LifeSimoncini, FrancescoSimoncini1965
MaximusTracy, WalterLinotype1967
MeridienFrutiger, AdrianDeberny & Peignot1954–1957
Mrs EavesLicko, ZuzanaEmigre1996
OctavianCarter, Will
Kindersley, David
Monotype1961
Old Style No. 7o.A.Miller und Richard1902
OlympianCarter, MatthewLinotype1970
PerpetuaGill, EricMonotype1928
PhotinaAlmeida, y, José MendozaMonotype1972
Poppl-PontifexPopplBerthold1974
RotationRitzel, ArhurLinotype1971
Rotis Semiserif und SerifAicher, OtlAgfa Compugraphic1988
Slimbach ITCSlimbach, RobertITC1987
TimesMorrison, StanleyMonotype
Linotype
1932
Times EuropaTracy, WalterLinotype1974
Times New RomanLardent, Victor
Morrison, Stanley
Monotype1932
Times TenMorrison, StanleyMonotype1931
UtopiaSlimbach, RobertAdobe1989
VeljovicVeljovic, JovicaElsner+Flake1984
VersaillesFrutiger, AdrianLinotype1984
WilkeWilke, MartinLinotype1988
Zapf International ITCZapf, HermannITC1976

Die deutsche Typographie blickt leider auf keine nennenswerte vorklassizistische Antiqua-Tradition, da während der Barockzeit im deutschsprachigen Raum überwiegend in Gebrochenen Schriften bzw. in der Fraktur gesetzt wurde.

Renaissance Antiquas und Vorklassizistische Antiquas gelten in Segment der Lesetypographie auch heute noch als die best lesbarsten Textschriften. Sie wurden und werden deshalb gerne auch als Zeitungsschriften verwendet.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Tschichold, Jan: Meisterbuch der Schrift, Otto Maier-Verlag Ravensburg 1952, ISBN 3-473-61100-x.
2.Literaturempfehlung: Bose, Günter und Erich Brinkmann (Herausgeber): Jan Tschichold: Schriften 1925–1974, Brinkmann & Bose, Berlin 1991, Band 1 und 2, ISBN 3-922660-35-5 und 3-922660-36-3. Im Band 2 befindet sich eine komplette Bibliographie von Jan Tschichold.
3.Anmerkung: Die erste Fotosetzmaschine, eine Monophoto Filmsetter, wurde in Deutschland im Jahr 1959 eingeführt. Sie wurde Mitte der 1950er Jahre aus der Monotype-Gießanlage für den maschinellen Bleisatz entwickelt. Ab 1965 gab es bereits die ersten digitalen Fotosatzgeräte mit Kathodenstrahlröhren, bei denen die Schriftzeichen nicht mehr mit negativen Schriftschablonen auf Film übertragen wurden.
4.Literaturempfehlung: Diderot, Denis  et Jean Le Rond d’Alembert, Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, par une Société de Gens de lettres. Edition de Paris, éditée entre 1751 et 1772.
5.Literaturempfehlung: Burckhardt, Jacob: Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens, Erstausgabe Basel 1855, neue kritische Gesamtausgabe im C. H. Beck Verlag, München 2001, ISBN 978-3-406-47156-8.
6.Literaturempfehlung: Wölfflin, Heinrich: Renaissance und Barock: Eine Untersuchung über Wesen und Entstehung des Barockstils in Italien, u.a. im Schwabe Verlag Basel, 2009, ISBN: 9783796526091.
7.Anmerkung: In manchen deutschen Typo-Lehrbüchern geistern immer noch die Behauptung umher, dass »Barock Antiquas« von der Breitbandfeder beeinflusst wurden. Das ist philologisch betrachtet absoluter Nonsens. Die Vorklassizistische Antiqua war die erste Antiqua, deren Buchstaben eigenständig und konsequent im koordinalen Schriftliniensystem konstruiert wurden, ohne sich an kalligraphischen Schreibtechniken zu orientieren. Aus diesem Grund wählte auch der französische Typograph Maximilien Vox (1894–1974) für seine Formenklassifikation 1963 den Begriff »Réales«, um damit die unübertroffene Klarheit der Vorklassizistischen Antiquas zu betonen.
8.Literaturempfehlung: Brekle, Herbert: Die Antiqualinie von ca. -1500 bis ca. +1500, Nodus Publikationen Münster, 1994, ISBN 3-89323-259-1.