Vorklassizistische Antiqua

Schrift­art; Neben­schrift­grup­pe, die im Sin­ne Schrift­klas­si­fi­ka­ti­on zur Schrift­gat­tung (Haupt­schrift­grup­pe) der Anti­qua-Schrif­ten gehört; rund­bo­gi­ge Druck­schrift römi­schen Ursprungs mit Seri­fen. In der deut­schen typo­gra­phi­schen Lite­ra­tur auch als »Baro­ck Anti­qua«, »Über­gangs­an­ti­qua« oder »Halb­me­diä­val«, im eng­lisch­spra­chi­gen Raum (GB, USA etc.) als »Tran­si­tio­nal« (Bri­tish Stan­dards, 1967), in Frank­reich als »Réa­les« (Maxi­mi­li­en Vox, 1963) und in Ita­li­en als »Tran­si­zio­na­li« (Nova­re­se und Pel­lit­te­ri, 1965) bezeich­net.

Unter »vor­klas­si­zis­ti­sch« wird in der Typo­gra­phie der Zeit­raum zwi­schen den Schrif­t­epo­chen Renais­sance Anti­qua und Klas­si­zis­ti­sche Anti­qua ver­stan­den, eine kunst­ge­schicht­li­che Epo­che, die in römi­sch katho­li­sch gepräg­ten Kul­tur­krei­sen Euro­pas als Barock­zeit bezeich­net wird.

Der irreführende Begriff »Barock Antiqua«

Die Bezeich­nung »Baro­ck Anti­qua« eta­blier­te sich mit der DIN 16518 (Blei­satz-DIN) zwi­schen 1964 und 1975 im gewer­be­spe­zi­fi­schen Sprach­schatz von Schrift­set­zern in West­deutsch­land, Öster­reich und in der deutsch­spra­chi­gen Schweiz. 

In der Eng­li­schen Typo­gra­phie, in Frank­reich und Ita­li­en exis­tiert der Begriff »Baro­ck Anti­qua« nicht, auch nicht in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz vor 1964, wo die­se Neben­schrift­grup­pe kor­rekt als Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua, Halb­me­diä­val oder Über­gangs­an­ti­qua bezeich­net wur­de. 1 ) 2 )

Haupttitel (Titelei) des Buches »Publii Virgilii Maronis Bucolica, Georgica, et Æneis« (1757). In den »Fern- und Schaugrößen« wird deutlich, wie konsequent, systematisch und streng John Baskerville (1706–1775) seine Klassizistische Antiquas konstruiert hat. Quelle: Beinecke Rare Book and Manuscript Library, General Collection, Yale University, New Haven, Connecticut, USA.
Haupt­ti­tel (Tite­lei) des Buches »Publii Vir­gi­lii Maro­nis Buco­li­ca, Geor­gi­ca, et Æneis« (1757). In den »Fern- und Schau­grö­ßen« wird deut­li­ch, wie kon­se­quent, sys­te­ma­ti­sch und streng John Bas­ker­vil­le (1706–1775) sei­ne Klas­si­zis­ti­sche Anti­quas kon­stru­iert hat. Quel­le: Beine­cke Rare Book and Manu­script Libra­ry, Gene­ral Collec­tion, Yale Uni­ver­si­ty, New Haven, Con­nec­ti­cut, USA.

In der deut­schen Paläo­gra­phie wur­de und wird die­se Nomen­kla­tur hin­ge­gen kon­kret ver­wen­det. »Baro­ck« bezeich­net zwar den his­to­ri­schen Zeit­raum der Ent­ste­hung einer Vor­klas­si­zis­ti­schen Anti­qua, nicht aber deren Klas­si­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le. Bei­spiels­wei­se hat eine »Bas­ker­vil­le« des eng­li­schen Typo­gra­phen John Bas­ker­vil­le (1706–1775) oder eine »Times« bzw. »Times New Roman« der eng­li­schen Typo­gra­phen Stan­ley Mori­son (1889–1967) und Vic­tor Lar­dent (1905–1968) kei­nes­falls eine »über­trie­be­nen, bizar­re, geschmack­lo­se oder deka­ten­te«, also eine »baro­cke« Anmu­tung im Sin­ne Jean-Jac­ques Rous­se­aus (1712–1778). Im Gegen­teil, die­se »prä­vik­to­ria­ni­schen« Anti­quas könn­ten sogar als »anti­ba­ro­ck« bezeich­net wer­den.

Grund für die unglück­li­che Wahl die­ses irre­füh­ren­den Ter­mi­nus »Baro­ck Anti­qua« dürf­te – abge­se­hen von der feh­len­den Anti­qua-Tra­di­ti­on Deutsch­lands (sie­he Schrift­ge­schich­te und Frak­tur) – in der Zusam­men­set­zung des DIN 16518-Arbeits­aus­schus­ses gele­gen haben, der sich mehr­heit­li­ch aus aka­de­mi­sch unge­bil­de­ten Lob­by­is­ten und Ver­tre­tern klas­si­scher Schrift­gie­ße­rei­en (Blei­satz) rekru­tier­te, die Mit­te der 1960er Jah­re durch die­se DIN-Norm ins­be­son­de­re die tech­ni­sche Ent­wick­lung des opto­me­cha­ni­schen Schrift­sat­zes (Foto­satz) brem­sen woll­ten. 3 ) 

Begriffsabgrenzung

Unter Baro­ck wird – aus Sicht der Moder­ne – ein west­eu­ro­päi­scher Kunst­stil vom Anfang des 17. bis zur Mit­te des 18. Jahr­hun­derts (ca. 1600–1750) ver­stan­den, der auf die Renais­sance und den Manie­ris­mus folg­te. Die Barock­zeit wur­de ins­be­son­de­re durch die Gegen­re­for­ma­ti­on der römi­sch-katho­li­sche Kir­che, den Jesui­tis­mus, die Aus­wir­kun­gen des 30-jäh­ri­gen Krie­ges (1618–1648), den poli­ti­schen Abso­lu­tis­mus und durch die Tra­di­tio­nen der Anti­ke geprägt. Ety­mo­lo­gi­sch lei­tet sich der Begriff aus dem franz. »baro­que« für »wun­der­li­ch, eigen­ar­tig, ver­schnör­kelt« ab, die­ser wie­der­um vom por­tu­gie­si­schen »bar­ro­co« für »schie­f­rund, in Form einer unre­gel­mä­ßi­gen Per­le«.

Als Bezeich­nung für einen Kunst­stil erscheint das Wort offi­zi­ell zuer­st in Denis Dide­rots (1713–1784) »Ency­clo­pé­die« (1751 und Fol­ge­jah­re), 4 ) wo in einem von Jean-Jac­ques Rous­se­au ver­faß­ten Arti­kel »baro­ck« als pejo­ra­ti­ves Adjek­tiv für die Cha­rak­te­ri­sie­rung der Archi­tek­tur Bor­ro­mi­nis ange­wen­det und abwer­tend mit dem Über­trie­be­nen, Bizar­ren, Geschmack­lo­sen und Deka­den­ten gleich­ge­setzt wird. Die Fran­zo­sen ver­wen­de­ten also im 18. Jahr­hun­dert den Begriff »baro­que« abwer­tend für die Kunst­for­men, die ihrem klas­si­zis­ti­sch gepräg­ten Geschmack nicht ent­spra­chen.

Im Deut­schen hat erst­mals Jacob Chris­to­ph Burck­hardt (1818–1897) 1855 im »Cice­ro­ne« das Wort zur Beschrei­bung der auf die Renais­sance fol­gen­den Kunst­epo­che ange­wandt. 5 ) Als posi­tiv besetz­ter Stil­be­griff und Bezeich­nung für eine kunst­ge­schicht­li­che Peri­ode mit eigen­stän­di­gen Höchst­leis­tun­gen mani­fes­tier­te sich die­se Ter­mi­no­lo­gie erst lang­sam ab 1880 durch die kunst­theo­re­ti­schen Schrif­ten des Schwei­zer Kunst­his­to­ri­kers Hein­rich Wölf­f­lin (1864–1945). 6 )

Die Bezeich­nung »Anti­qua« geht ety­mo­lo­gi­sch auf die latei­ni­sche weib­li­che Form von »anti­quus« zurück, für »vorig, alt«, eine Neben­form von »anti­cus« für »der vor­de­re« vom latei­ni­schen »ante« für »vor«. Mit »Anti­qua« ist somit die »alte Schrift« gemeint. Die Anti­qua ist heu­te die füh­ren­de Ver­kehrs­schrift der west­li­chen Welt.

Die Vorklassizistische Antiqua in der Schriftklassifikation

Die Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua gilt als die ers­te Schrift­art, deren Buch­sta­ben kon­se­quent und sys­te­ma­ti­sch mit­tels der Typo­me­trie streng kon­stru­iert wur­den. 7 )

Die hori­zon­ta­len Stand- und Kopf­se­ri­fen der Majus­keln sind abso­lut sym­me­tri­sch, kon­se­quent gerad­li­nig und haben – im Gegen­satz zur Renais­sance Anti­qua – kei­ne oder nur sehr gerin­ge Keh­lun­gen. Sie ste­hen opti­sch sehr sta­bil auf der Grund­li­ne bzw. schlie­ßen gera­de bei der H-Linie (Ver­sal­hö­he) ab; die Über­gän­ge (Keh­len) von den Seri­fen zu den Grund- und Haar­stri­chen sind im Ver­gleich zur Renais­sance Anti­qua kaum bis weni­ger weich aus­ge­run­det, was auch für die ver­ti­ka­len Abschluß­se­ri­fen bzw. ein­sei­ti­gen Stand­se­ri­fen gilt

Die unter­schied­li­che Strich­stär­ke zwi­schen den ver­ti­ka­len und hori­zon­ta­len Schrift­li­ni­en ist stär­ker aus­ge­prägt, Haar- und Grund­stri­che sind unter­schied­li­ch breit. Die Anstri­che (Dach­an­sät­ze) der Minus­keln sind noch leicht schräg und keil­för­mig, zei­gen aber bereits die Ten­denz, immer gera­der – wie bei der Klas­siszis­ti­schen Anti­qua – zu wer­den.

Die Schrift­ach­se bei den Rund­for­men ist meist ver­ti­kal oder nur ganz leicht nach links geneigt. Die Mit­tel­län­ge (Grund­li­nie bis x-Linie) ist deut­li­ch län­ger als die Ober­län­ge (x-Linie bis H-Linie bzw. Ver­sal­hö­he). Die Abstri­che, beson­ders cha­rak­te­ris­ti­sch beim r, enden in Trop­fen­form (Aus­lauf­punkt). Ins­ge­samt wir­ken die Pun­zen (Bin­nen­räu­me) aller Buch­sta­ben des Alpha­bets har­mo­ni­sch bzw. gleich­mä­ßig auf­ein­an­der abge­stimmt. 8 )

Die präviktorianische »Times« bzw. die »Times New Roman« der englischen Typographen Stanley Morison (1889–1967) und Victor Lardent (1905–1968) zählen zu den prominentesten Vertretern der Vorklassizistischen Antiqua. Aufgrund ihrer optimalen Lesbarkeit wird diese Schriftart gerne als Zeitungsschrift verwendet.
Die prä­vik­to­ria­ni­sche »Times« bzw. die »Times New Roman« der eng­li­schen Typo­gra­phen Stan­ley Mori­son (1889–1967) und Vic­tor Lar­dent (1905–1968) zäh­len zu den pro­mi­nen­tes­ten Ver­tre­tern der Vor­klas­si­zis­ti­schen Anti­qua. Auf­grund ihrer opti­ma­len Les­bar­keit wird die­se Schrift­art ger­ne als Zei­tungs­schrift ver­wen­det.
Primäre Klassifikationsmerkmale
  • Dach­an­sät­ze der Minus­keln: Schräg
  • Minus­ke­lober­län­gen: Enden bei der H-Linie, aller­dings oft Dach­an­satz zur »Gro­ßen Über­hangs­li­nie«
  • Ach­se der Minus­kel e: Waag­rech­ter Innen­bal­ken
  • Opti­sche Ach­se der Rund­for­men: Leicht nach links oder rechts geneigt oder gera­de
  • Seri­fen­über­gän­ge: Rund
  • Seri­fen­sei­ten­kan­te: Gera­de
  • Seri­fen­un­ter­kan­te: Leicht gekehlt bis gera­de auf der Grund­li­nie
  • Stich­stär­ken­kon­trast Balken/Querbalken: Stark

In der phi­lo­lo­gi­schen Schrift­klas­si­fi­ka­ti­on kön­nen vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua-Schrif­ten bei­spiels­wei­se noch in fran­zö­si­sche, eng­li­sche, hol­län­di­sche und ita­lie­ni­sche oder bei­spiels­wei­se in Spät­ba­ro­ck- und Roko­ko-Vari­an­ten geglie­dert wer­den.

Entwicklung der Vorklassizistischen Antiqua

Die Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua ent­stand suk­zes­si­ve in der ers­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts aus der Renais­sance Anti­qua. Als Modell dien­te dafür ver­mut­li­ch die legen­dä­re Anti­qua des Clau­de Gara­mond (1480/1500–1561), die um 1622 in einem leicht modi­fi­zier­ten Neu­schnitt des Schwei­zer Fran­zö­si­schen Schrift­ge­stal­ters (und pro­tes­tan­ti­schen Dru­ckers) Jean Jan­non (1580–1658) die euro­päi­schen Offi­zi­nen erober­te.

Reprä­sen­ta­tiv für die Typo­gra­phie der Barock­zeit sind in den Nie­der­lan­den die Dru­cker-Dynas­tie der Elze­vier, die zwi­schen 1620 und 1712 an die 5.000 Publi­ka­tio­nen der damals bedeu­tends­ten Auto­ren ver­leg­te; wei­ters die Offi­zin des Ams­ter­da­mer Kar­to­gra­phen und Ver­le­gers Wil­lem Jan­szoon Bla­eu (1571–1638) und die Offi­zin Ensche­dé in Haar­lem, für die der aus Nürn­berg stam­men­de Stem­pel­schnei­der Johann Micha­el Fleisch­mann (1701−1768) um 1732 eine Rei­he von Anti­qua–Schrift­schnit­ten anfer­tig­te.

In Deutsch­land der Leip­zi­ger Dru­cker Timo­theus Ritz­sch (1614–1678), die Fami­lie Meri­an und die Nürn­ber­ger Dru­cke­rei End­ter; in Wien der aus Polen stam­men­de Uni­ver­si­täts- und Hof­dru­cker Sta­nis­laus Mat­thäus Cos­mero­vi­us (1606–1674) und Johann van Ghe­len (um 1645–1721), der vor allem fremd­spra­chi­ge Tex­te in der Anti­qua druck­te, unter ande­rem die immer sehr begehr­ten Opern­li­bret­ti; in Frank­reich vor allem die 1640 von Konig Lud­wig XIII. (1601–1643) auf Anre­gung von Armand-Jean du Ples­sis, Pre­mier Duc de Riche­lieu (1585 –1642), kurz Kar­di­nal Riche­lieu, gegrün­de­te »Impri­me­rie Roya­le« unter ihrem ers­ten Direk­tor Sébas­ti­en Cra­moi­sy (1584–1669) und dem Schrift­schnei­der Phil­ip­pe Grand­jean de Fou­chy (1707–1788), der eine Anti­qua ent­warf, die unter dem Namen »Romain du roi Louis XIV« euro­pa­weit bekannt wur­de.

In Ita­li­en schließ­li­ch die von Papst Urban VIII. (1568–1644) gegrün­de­te »Tipo­gra­fia poliglot­ta del­la Sacra Con­gre­ga­zio­ne de Pro­pa­gan­da Fide«, die zen­tra­le Dru­cke­rei des Vati­kans und der haupt­säch­li­ch von den Jesui­ten getra­ge­nen katho­li­schen Mis­si­on in der Neu­en Welt.

Neuinterpretationen der Vorklassizistischen Antiqua Baskerville von John Baskerville (1706–1775). Oben: ITC New Baskerville von John Quaranda (1978). Unten: Die deutlich verspieltere Mrs Eaves von Zuzana Licko (1996).
Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen der Vor­klas­si­zis­ti­schen Anti­qua Bas­ker­vil­le von John Bas­ker­vil­le (1706–1775). Oben: ITC New Bas­ker­vil­le von John Qua­ran­da (1978). Unten: Die deut­li­ch ver­spiel­te­re Mrs Eaves von Zuzana Licko (1996).

In Eng­land ver­öf­fent­lich­te 1722 der Typo­gra­ph Wil­liam Cas­lon (1692–1766) die »Cas­lon Old Face Roman and Ita­lic«, die er ver­mut­li­ch nach hol­län­di­schem Vor­bild Christof­fel van Dijcks (um 1605–1669) schuf und die zu die­ser Zeit als bri­ti­sche Natio­nal­ty­pe galt. 1750 ent­warf der eng­li­sche Typo­gra­ph John Bas­ker­vil­le (1706–1775) sei­ne puris­ti­sch ele­gan­te Tran­si­tio­nal, die Bas­ker­vil­le, die in der angel­säch­si­schen Typo­gra­phie­ge­schich­te als »Prä­vik­to­ria­nik « klas­si­fi­ziert wird. Gemein­sam mit dem kur­si­ven Schrift­schnitt – im Fran­zö­si­schen wird die­se Schrift­art als »romain ita­li­que« bezeich­net – des Pari­ser Typo­gra­phen Pier­re Simon Four­nier (1712–1768) von 1734 und des­sen Anti­qua Cicé­ro von 1742 bil­det die Bas­ker­vil­le-Tran­si­tio­nal bereits den Über­gang zur Klas­si­zis­ti­schen Anti­qua des spä­ten 18. Jahr­hun­derts.

Um die Jahr­hun­dert­wen­de ent­wi­ckel­te der ita­lie­ni­sche Typo­gra­ph Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni (1740–1813) aus der fran­zö­si­schen Vor­klas­si­zis­ti­schen Anti­qua Four­niers die Klas­si­zis­ti­sche Anti­qua.

VERTRETER DIESER SCHRIFTART
SchriftSchriftgestalter/inFont Found­ryJahr
Apol­loFru­ti­ger, Adri­anMono­ty­pe1962
Bas­ker­vil­leBas­ker­vil­le, JohnFry Found­ry1768
Bas­ker­vil­le New ITCQua­ran­da, JohnITC1978
Book­man ITCBen­guiat, Edward ITC1975
Cas­lon 224 ITCBen­guiat, EdwardITC1982
Cas­lon 540Cas­lon, WiliamATF
Bar­n­hart & Spind­ler
1725
1902/1915
Cen­tu­ry Old Sty­leBen­ton, Mor­ris Ful­lerATF1906
Clear­face ITCCaru­so, Vic­torITC1978
CochinPei­gnot, Geor­gesLa Gazet­te
du Bon Ton
1914
Con­cor­deLan­ge, Gün­ther Ger­hardBert­hold1969
Con­cor­de NovaLan­ge, Gün­ther Ger­hardBert­hold1975
Coro­naGrif­fith, Chaun­cey H.Lino­ty­pe1941
Cus­hingPacel­la, Vin­centITC1982
ErhardtMono­ty­pe1937
Four­nierFour­nier, Pier­re Simon o.A.1742
Gam­ma ITC Vel­jo­vic, JovicaITC1986
Gazet­teShaar, Edwin W.D. Stem­pel1977
Gou­dy ModernGou­dy, Fre­de­ric W. Mono­ty­pe1918
Impres­sumBau­er, Kon­rad F. 
Baum, Wal­ter
Bau­ersche Gie­ße­rei1963
Jan­son TextKisz, Mik­lós
Lino­ty­pe Desi­gn Stu­dio
o.A.
Lino­ty­pe
um 1685/1690
1919
Joan­naGill, EricJoan­na Press 
by Hague and Gill
um 1930/1931
LifeSimon­ci­ni, Fran­ces­coSimon­ci­ni1965
Maxi­musTra­cy, Wal­terLino­ty­pe1967
Meri­dienFru­ti­ger, Adri­anDeber­ny & Pei­gnot1954–1957
Mrs EavesLicko, ZuzanaÉmi­gré1996
Octa­vi­anCar­ter, Will
Kin­ders­ley, David
Mono­ty­pe1961
Old Sty­le No. 7 o.A.Mil­ler und Richard1902
Olym­pianCar­ter, Mat­t­hewLino­ty­pe1970
Per­pe­tuaGill, EricMono­ty­pe1928
Pho­ti­naAlmeida, y, José Men­do­zaMono­ty­pe1972
Poppl-Pon­ti­f­exPopplBert­hold1974
Rota­ti­onRit­zel, Arhur Lino­ty­pe1971
Rotis Semi­se­rif und SerifAicher, OtlAgfa Com­pu­gra­phic1988
Slim­bach ITCSlim­bach, RobertITC1987
TimesMor­ri­son, Stan­leyMono­ty­pe
Lino­ty­pe
1932
Times Euro­paTra­cy, Wal­terLino­ty­pe1974
Times New RomanLar­dent, Vic­tor
Mor­ri­son, Stan­ley
Mono­ty­pe1932
Times TenMor­ri­son, Stan­leyMono­ty­pe1931
Uto­piaSlim­bach, RobertAdo­be1989
Vel­jo­vicVel­jo­vic, Jovica Elsner+Flake1984
Ver­saillesFru­ti­ger, Adri­anLino­ty­pe1984
Wil­keWil­ke, Mar­tinLino­ty­pe1988
Zapf Inter­na­tio­nal ITCZapf, Her­mannITC1976

Die deut­sche Typo­gra­phie blickt lei­der auf kei­ne nen­nens­wer­te vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua-Tra­di­ti­on, da wäh­rend der Barock­zeit im deutsch­spra­chi­gen Raum über­wie­gend in Gebro­che­nen Schrif­ten bzw. in der Frak­tur gesetzt wur­de.

Renais­sance Anti­quas und Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­quas gel­ten in Seg­ment der Lese­ty­po­gra­phie auch heu­te noch als die best les­bars­ten Text­schrif­ten. Sie wur­den und wer­den des­halb ger­ne auch als Zei­tungs­schrif­ten ver­wen­det.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Tschi­chold, Jan: Meis­ter­buch der Schrift, Otto Mai­er-Ver­lag Ravens­burg 1952, ISBN 3–473-61100-x.
2.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Bose, Gün­ter und Erich Brink­mann (Her­aus­ge­ber): Jan Tschi­chold: Schrif­ten 1925–1974, Brink­mann & Bose, Ber­lin 1991, Band 1 und 2, ISBN 3−922660−35−5 und 3−922660−36−3. Im Band 2 befin­det sich eine kom­plet­te Biblio­gra­phie von Jan Tschi­chold.
3.Anmer­kung: Die ers­te Foto­setz­ma­schine, eine Mono­pho­to Film­set­ter, wur­de in Deutsch­land im Jahr 1959 ein­ge­führt. Sie wur­de Mit­te der 1950er Jah­re aus der Mono­ty­pe-Gieß­an­la­ge für den maschi­nel­len Blei­satz ent­wi­ckelt. Ab 1965 gab es bereits die ers­ten digi­ta­len Foto­satz­ge­rä­te mit Katho­den­strahl­röh­ren, bei denen die Schrift­zei­chen nicht mehr mit nega­ti­ven Schrift­scha­blo­nen auf Film über­tra­gen wur­den.
4.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Dide­rot, Denis  et Jean Le Rond d’Alembert, Ency­clo­pé­die ou Dic­tion­nai­re rai­son­né des sci­en­ces, des arts et des métiers, par une Socié­té de Gens de lett­res. Edi­ti­on de Paris, éditée ent­re 1751 et 1772.
5.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Burck­hardt, Jacob: Der Cice­ro­ne. Eine Anlei­tung zum Genuss der Kunst­wer­ke Ita­li­ens, Erst­aus­ga­be Basel 1855, neue kri­ti­sche Gesamt­aus­ga­be im C. H. Beck Ver­lag, Mün­chen 2001, ISBN 978–3-406–47156-8.
6.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Wölf­f­lin, Hein­rich: Renais­sance und Baro­ck: Eine Unter­su­chung über Wesen und Ent­ste­hung des Barock­stils in Ita­li­en, u.a. im Schwa­be Ver­lag Basel, 2009, ISBN: 9783796526091.
7.Anmer­kung: In man­chen deut­schen Typo-Lehr­bü­chern geis­tern immer noch die Behaup­tung umher, dass »Baro­ck Anti­quas« von der Breit­band­fe­der beein­flusst wur­den. Das ist phi­lo­lo­gi­sch betrach­tet abso­lu­ter Non­sens. Die Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua war die ers­te Anti­qua, deren Buch­sta­ben eigen­stän­dig und kon­se­quent im koor­di­na­len Schrift­li­ni­en­sys­tem kon­stru­iert wur­den, ohne sich an kal­li­gra­phi­schen Schreib­tech­ni­ken zu ori­en­tie­ren. Aus die­sem Grund wähl­te auch der fran­zö­si­sche Typo­gra­ph Maxi­mi­li­en Vox (1894–1974) für sei­ne For­men­klas­si­fi­ka­ti­on 1963 den Begriff »Réa­les«, um damit die unüber­trof­fe­ne Klar­heit der Vor­klas­si­zis­ti­schen Anti­quas zu beto­nen.
8.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Bre­kle, Her­bert: Die Anti­qua­li­nie von ca. –1500 bis ca. +1500, Nodus Publi­ka­tio­nen Müns­ter, 1994, ISBN 3–89323-259–1.