Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Web Fonts

Webfonts


Bezeichnung für auf Hyper Text Markup Language (HTML/XHTML) basierende Fonts, deren typometrische Klassifikationsmerkmale von Webbrowsern (Softwareprogramme zur Darstellung von Webseiten, z.B. Safari ® oder Firefox ®) – unabhängig vom verwendeten Betriebssystem – mehr oder weniger schriftstilnah interpretiert werden können [1]. Etymologisch aus dem Englischen »Web« als Abkürzung für »World Wide Web« für »Weltweites Netz« also »Netz« und engl. »Font« für »Schrift, Zeichensatz«; Netzschriften.

Webfonts sind primär für den Einsatz in (X)HTML-Webseiten vorgesehen; sie werden in der Regel beim Aufruf einer Webseite nicht aus der lokalen Schriftdatenbank (Schriftensammlung) eines Computers (z.B. PC, Tablet, Smartphone), sondern von einem externen Webserver in den Browser (Client) eingeladen [6].

Das Einbinden eines Webfonts in eine Webseite geschieht in der Regel über CSS (Cascading Style Sheets) [2][8]. Webfonts werden von Font Foundries in unterschiedlichen Formaten angeboten, beispielsweise als WOFF (Web Open Font Format von Erik van Blokland, Tal Leming und Jonathan Kew) [3], EOT (Embedded Open Type für den Internet Explorer ® von Microsoft ®), SVG (Scalable Vector Graphics) für iPhone, iPad, Mobile Safari oder das Raw TrueType-Format. Einige Browserversionen können mittlerweile auch über die Regel »@font-face« original OpenType Fonts (.otf) oder TrueType Fonts (ttf.) direkt einladen und darstellen [4][5][6][7].

[1] Die Darstellung eines Webfonts auf unterschiedlichen PCs und unterschiedlichen Ausgabegeräten weicht in der Regel grundlegend je nach verwendeter Hardware, Betriebssystem, Browser, Browserversion, Grundeinstellungen des Browsers, Bildschirmqualität, Bildschirmauflösung, Anti-Aliasing, Grafikkarte, etc. spürbar voneinander ab. Von einer einheitlichen Darstellung im Sinne der Mikrotypographie kann zurzeit noch nicht gesprochen werden.
[2] Die Technik, Webfonts durch CSS Version 2 (CSS2) in Webseiten einzubetten zu können, wurde bereits 1989 vom World Wide Web Consortium (W3C) empfohlen – jedoch leider erfolglos. 2002 griff die W3C die Technik wieder in CSS Version 3 (CSS3) auf. Die ersten Browser, die diese Technik implementieren konnten, kamen ab 2008 auf den Markt.
[3] Mit der Empfehlung des Web Open Font Format (WOFF) hat das World Wide Web Consortium (W3C) den Standardisierungsprozess der Webschriften am 13. Dezember 2012 abgeschlossen. WOFF ist ein »Container« für die in TrueType- und OpenType-Schriften verwendete SFNT-Struktur, die ursprünglich für Apples QuickDraw entwickelt worden war.
[4] Eine plattformübergreifende typographisch korrekte und verbindliche Darstellung von Webfonts ist aufgrund systemimmanenter Technologiedefizite, unterschiedlicher strategischer und wirtschaftlicher Interessen (z.B. kein einheitlicher Codec) generell noch nicht absehbar.
[5] Welcher Browser welche Fonttechnologien richtig interpretieren kann, ist nach wie vor ein Stochern im Nebel. Verkaufsinformationen à la »erstmals weisen HTML-Texte durch Webfonts für alle Besucher die gleiche, individuelle Typografie auf«, ist wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedankens. Alleine die Tatsache, das abermillionen von Windows-PCs nicht einmal über eine Anti-Aliasing-Darstellung verfügen, macht dieses »Verkaufsargument« zur reinen Farse.
[6] Da moderne Browser den offenen Standard der OpenType-Initiative von Adobe ® und Microsoft ® unterstützen, dürften die unterschiedlichen Web-Formate à la WOFF & Co. überflüssig werden.
[7] Webfonts werden von Browsern (Clients) nicht eingelesen, sobald eine Schrift mit gleichem Schriftnamen bereits auf dem PC installiert und aktiviert ist. In der Regel wird dann eine Schrift aufgrund unterschiedlicher Schrifttechnologien falsch dargestellt und auch nicht durch eine andere Schrift ersetzt (der CSS-Befehl für einen alternativen Font, z.B. »font-family: Minion, Times, Garamont, sans-serif;«, funktioniert hier nicht). Konkretes Beispiel: Die Website eines Verlages verwendete die Minion als Webfont in allen gängigen Web-Formaten, welche aus einem OpenType-Format generiert wurden. Diese Website wurde dann mit dem Client Safari ® auf einem Mac neuester Bauart aufgerufen. Auf diesem Mac war allerdings bereits eine komplette Minion-Schriftfamilie in einer Mac TrueType-Schrifttechnologie installiert und in der Schriftensammlung aktiviert. Das Ergebnis: Am Bildschirm erscheinen die Minion aus der Schriftensammlung, allerding in einem x-beliebiger Buchstaben- und Zeichensalat. Der Text war aufgrund unterschiedlicher Tastaturbelegungen nicht lesbar. Erst als der Font in der Schriftensammlung deaktiviert und die Seite neu geladen wurde, konnte der Browser den Text korrekt darstellen.
[8] Das Einbinden von Webfonts über CSS erfolgt beispielsweise wie folgt:
@font-face {
font-family: 'musterschrift_regular';
src: url('musterschrift-xy.eot');
src: url('musterschrift-xy.eot?#iefix')
format('embedded-opentype'),
url('musterschrift-xy.woff')
format('woff'),
url('musterschrift-xy.ttf')
format('truetype');
font-weight: normal;
font-style: normal;
}
[T] Bezugsquellen für Webfonts sind Schriftgestalter und Font Foundries. Sie werden per Download über das Internet lizenzgebunden oder kosten- und lizenzfrei distribuiert.
[T] Mehrheitlich werden sogenannte »Webfonts« zur Nutzung angeboten, die leider nichts anderes als Druckschriften und eben keine im Sinne der Lesetypographie für den Bildschirm entwickelten Screen Fonts sind. Viele Font Foundries versuchen so, ihren digital vorhandenen Druckschriftenbestand bestenfalls als »optimierte« Webfonts zu verkaufen. Dies ist nicht nur im typographischen, sondern auch im nutzungsrechtlichen Sinne fragwürdig.
[T] Responsive Webdesign: Im mobilen Kontext führen Webfonts zu langen Wartezeiten beim Laden einer Seite.
[T] Im Internet gibt es viele lizenzfreie Angebote, beispielsweise Google Fonts (http://www.google.com/webfonts) mit derzeit ca. 600 Webfonts. Diese sind gestalterisch nicht unbedingt schlechter oder besser als lizenzgebundene Schriften. Anders formuliert: Die Darstellung von Schriften auf digitalen Benutzeroberflächen lässt so oder so sehr zu wünschen übrig.
[T] Der Zeichenvorrat eines Webfonts korrespondiert oft nicht mit dem der/einer gleichnamigen Druckschrift.
[T] Bei fast allen Webfontformaten entstehen Probleme beim Druck. So beantwortet beispielsweise am 19.11.2011 auf dem Webfontday der Typographischen Gesellschaft München Jürgen Siebert (CEO der FontShop AG) die Frage, ob Webfonts gedruckt werden können: »Nein, WOFF-Fonts kann man auf keinen Fall drucken«. Dan Rhatigan (Senior Type Designer der Monotype Imaging Inc.) dagegen: »Ja klar, kann man drucken.« Und Adam Twardoch (Produkt- und Marketing-Manager bei Fontlab Ltd.): »Das hängt vom Browser ab«. (Quelle: »Das war der Webfontday«, Artikel von Anne Dohrmann, www.page-online.de, besucht am 21.11.2011.)
[T] Vor dem »Kauf« eines Fonts sollte der »Schriftlizenzvertrag« genau studiert werden. Im Zweifelsfall ablehnen, im gegenseitigen Einvernehmen abändern oder die Schrift einfach woanders kaufen, wenn möglich beim Schriftgestalter selbst. Denn die Folgekosten können teuer zu Buche stehen, insbesondere für Webfonts, die sich die Font Foundries nach Page Views gerne vergolden lassen wollen.
[K]
Eine kritische Anmerkung: Urheberrecht für Schriften und Mythos »Schriftsoftware«


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 12.08.2013
von

Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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