Wortzwischenraum

Typographischer Terminus für den nichtgedruckten Teil bzw. Leerraum zwischen zwei Wörtern; auch als Wortabstand, im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) als »Ausschluss« (Ausschluß), in der IT und im Webdesign als »word-spacing« bezeichnet; fachspezifische Abkürzung »WZ«. 1 ) Die Ausmaße und der Rhythmus von Wortzwischenräumen nehmen unmittelbar Einfluss auf den Grauwert eines Schriftsatzes. Ein idealer, möglichst harmonischer Wortzwischenraum fördert die Lesbarkeit

Die Evaluierung von Wortzwischenräumen gehört in das Segment der Schriftgestaltung (Type Design) und der Mikrotypographie.

Die Bemaßung von Wortzwischenräumen in der Normalschriftweite (NSW) entsteht im Electronic Publishing einerseits durch das vorgegebene Wortabstandskerning der genutzten Fonts, andererseits durch individuelle Einstellungen und Eingaben in den Schriftsatzprogrammen, beispielsweise in InDesign® von Adobe® oder in QuarkXpress® von Quark®. 

Wortzwischenräume werden im DTP Desktop Publishing in der Regel in der relativen Maßeinheit »Geviert« bemessen. Im Web Publishing wird das Abstandsverhalten zwischen Tags und Wörtern mit der Stylesheet Eigenschaft (CSS3) 2 ) »word-spacing« in unterschiedlichen Maßeinheiten (z.B. px, em, %) beschrieben, wobei die Browser-Kompatibilität zurzeit noch nicht konsistent ist, d.h., die Wortzwischenräume fallen in jedem Browser (z.B. Safari® von Apple® oder Google Chrome® von Google®) unterschiedlich groß aus.

Dieser karikierte Vergleich macht erst bewusst, wie wichtig korrekte Wortzwischenräume für die kognitiven Kompensationsprozesse beim Lesen eines Textes sind. Erster Absatz: Die fehlenden Wortzwischenräumen machen den Fixationsprozess nahezu unmöglich. Mittlerer Absatz: Durch den Schriftgestalter in der Normalschriftweite (NSW) vorgegebene Wortzwischenräume. Dritter Absatz: Zu große Wortabstände erschweren – wie zu kleine – den Leseprozess. Darüber hinaus bilden sich noch zusätzlich »Gießbäche«, durch die das Auge nach unten fällt.
Dieser karikierte Vergleich macht erst bewusst, wie wichtig korrekte Wortzwischenräume für die kognitiven Kompensationsprozesse beim Lesen eines Textes sind. Erster Absatz: Die fehlenden Wortzwischenräumen machen den Fixationsprozess nahezu unmöglich. Mittlerer Absatz: Durch den Schriftgestalter in der Normalschriftweite (NSW) vorgegebene Wortzwischenräume. Dritter Absatz: Zu große Wortabstände erschweren – wie zu kleine – den Leseprozess. Darüber hinaus bilden sich noch zusätzlich »Gießbäche«, durch die das Auge nach unten fällt.

Sowohl das Zeichenabstands- als auch das Wortabstandskerning hat sich im Laufe der letzten Jahre und insbesondere Jahrzehnte aufgrund neuer Schriftsatzsysteme, Herstellungsweisen und modischer Ambitionen stark verändert. Das relative Kerning unterscheiden sich deshalb je nach Schrift, Schriftsatzsystem, Schriftgestalter/in, Font Foundry und Erscheinungsjahr. 3 ) 

Wortzwischenräume sollten deshalb grundsätzlich bei jeder Schrift und bei jeder Schriftsatzarbeit individuell beurteilt werden. Automatische Vorgaben durch Fonts und Software sind in der Regel nicht ausreichend, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Standardeinstellungen, beispielsweise bei Adobe InDesign® CC 2017 unter »Voreinstellungen → Absatzformatoptionen → Abstände → Wortabstand (Minimal bis Maximal)« sollten grundsätzlich immer auf die jeweilige Schrift, den Satzspiegel bzw. den Gestaltungsraster abgestimmt werden. 

Wortzwischenräume im Blocksatz

Ein »tadelloser Ausschluss« 4 ) – also ein durchgehend annähernd gleichmäßiger Wortzwischenraum – vermeidet Gießbäche und zählt zu den Qualitätsmerkmalen eines Blocksatzes. 5 ) 

Mit der Einführung der Englischen Typographie (Antiqua-Schriften) in den 1940er Jahren in Deutschland und Österreich gilt im Blocksatz bei Lesegrößen als Standardmaß für einen Wortzwischenraum »ein Drittel des Schriftgrads« oder die »offene Punze der Minuskel ›n‹«, unabhängig davon, ob es sich dabei um eine Schrift mit oder ohne Serifen handelt.
Mit der Einführung der Englischen Typographie (Antiqua-Schriften) in den 1940er Jahren in Deutschland und Österreich gilt im Blocksatz bei Lesegrößen als Standardmaß für einen Wortzwischenraum »ein Drittel des Schriftgrads« oder die »offene Punze der Minuskel ›n‹«, unabhängig davon, ob es sich dabei um eine Schrift mit oder ohne Serifen handelt.

Mit der Einführung der Englischen Typographie (Antiqua-Schriften) in den 1940er Jahren in Deutschland und Österreich, gilt im Segment der Lesetypographie im Blocksatz bei Lesegrößen als Standardmaß für einen Wortzwischenraum »ein Drittel des Schriftgrads« oder die »Punze (Binnenraum) der Minuskel ›n‹«, unabhängig davon, ob eine Schrift Serifen hat oder nicht.

Um beim Blocksatz die Zeilenlängen zu erhalten, müssen Wortabstände vergrößert oder verkleinert werden. Diese sollten aber oben genannte Werte niemals um mehr als die Hälfte unterschreiten und um nicht mehr als das Doppelte überschreiten, da sich dies auf die Schriftsatzästhetik und den Leseprozess (siehe auch Fixationen) negativ auswirkt und darüber hinaus lesehemmende Gießbäche entstehen.

Wortzwischenräume im Flattersatz

Da Flattersatzarten keine einheitlichen Zeilenlängen besitzen, entfällt die Notwendigkeit, die Wortzwischenräume zu vergrößern oder zu verkleinern. Hier gilt als feste Wortabstandsgröße der Binnenraum der Minuskel »n«.

Wortzwischenräume im Majuskelsatz

Majuskeln und Kapitälchen werden in der gepflegten Typographie im Versalsatz grundsätzlich immer etwas – ausgehend von der Normalschriftweite – spationiert. Das bedeutet in der Regel, dass auch die Wortzwischenräume proportional erweitert werden, was widerum bedeutet, dass diese dann oftmals zu groß wirken. In diesem Falle sollten die Wortzwischenräume dann im Sinne des Optischen Schriftweitenausgleichs unterschnitten bzw. ausgeglichen werden. Gleiches gilt für den Sperrsatz

Wortzwischenraum und Schriftgrad

Wie bei Schriftlaufweiten, empfiehlt es sich, die Wortzwischenräume auf die gewählten Schriftgrade abzustimmen. Generell gilt die Faustregel »je größer ein Schriftgrad, desto geringer der Wortzwischenraum«. Oder anders formuliert: Konsultationsgrößen, Lesegrößen, Ferngrößen und Schaugrößen benötigen unterschiedlich große Wortabstände.

Wortzwischenraum und Schriftweite

Generell gilt, dass schmale Schriften kleinere Wortzwischenräume und breite Schriften größere WZ als normalbreite Schriften benötigen. Mittellängenhohe Schriften erfordern größere WZ als Schriften mit niedrigere x-Höhe. 6 )

Wortzwischenraum und Zeilenabstand

Wortzwischenraum und Zeilenabstand (ZAB) werden in der angewandten Typographie immer aufeinander abgestimmt. Der WZ darf niemals gleich groß oder gar größer als der ZAB sein, ansonsten verdichtet sich der Grauwert und der Schriftsatz wird dadurch unleserlich (siehe auch Zeilendurchschuss). 7 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Share / Beitrag teilen:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: Im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) gehört der Wortzwischenraum zum sogenannten nichtdruckenden, nicht schrifthohen Blindmaterial, das je nach Verwendungszweck und Größe als Ausschluss, Quadrat(e), Stückduchschuss, Durchschuss oder Stege bezeichnet wird. Ausschluss wird für WZ verwendet, Quadrate zum Auffüllen von Ausgangszeilen oder als Leerraum zwischen den Linien bei Schrifttabellen, Durchschuss für den Zeilenabstand, Stückdruchschuss als Ergänzung zur Erreichung bestimmter Druchschusslängen und Stege zum Ausfüllen größerer Leerflächen.
2.Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium). Informationen verfügbar unter http://www.w3c.de/about/ (21.12.2016).
3.Tipp: Im Zeitalter der babylonischen Schriftvielfalt (aberhundertausende Fonts) und der Demokratisierung der Produktionsmittel (jeder darf mal) verfügt der Großteil aller Fonts über ein fehlerhaftes Zeichen- und Wortabstandskerning. Ein Kontrolle des WZ gehört deshalb heute zu den Standardroutinen eines Typographen/in.
4.Anmerkung: Bis in die 1970er Jahre wurde in der typographischen Literatur, z.B. in der von Jan Tschichold (1902–1974), die Formulierung »tadelloser Ausschluß« verwendet. Heute könnte man diese Begrifflichkeit als »idealer, gleichmäßiger Wortzwischenraum« bezeichnen.
5.Tipp: Der Wortzwischenraum innerhalb eines Blocksatzes muss grundsätzlich handkorrigiert werden. Blocksatz, der nur automatisch generiert wurde, weist in der Regel zu große und zu unregelmäßige Wortzwischenräume auf, die sogenannte »Gießbäche« bilden. Ausschließlich automatisch generierter Blocksatz gilt als unästhetisch und ist schlecht lesbar.
6.Quelle: Berthold Types, 268 Schriften aus der Berthold-Schriftenbibliothek, H. Berthold AG, Berlin, 1988, A–B, Vol. 1, Redaktion: Günter Gerhard Lange, Bernd Möllenstädt, Gerd Gruhl, Wolfgang Schulze, Armin Wernitz und Wolfgang Marlow, Seite 15.
7.Literaturempfehlung: Willberg, Hans Peter und Friedrich Forssman: Lesetypografie, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, ISBN 978-3-87439-800-8.