Zeilendurchschuss

1. In der gegen­wär­ti­gen Ter­mi­no­lo­gie der Typo­gra­phie: Dis­tanz zwi­schen zwei oder meh­re­ren unter­ein­an­der fol­gen­den Zei­len; Abkür­zung »Durch­schuss«. Im Gegen­satz zum Zei­len­ab­stand (ZAB) bezieht sich der Zeilen­durch­schuss jeweils von der Unter­kan­te der p-Linie (Unte­rer Schei­tel der Unter­län­ge) zur Ober­kan­te der H- bzw. k-Linie (Oberer Schei­tel der Ober­län­ge) eines Buch­sta­bens in der nächst­fol­gen­den Zei­le (sie­he auch Schrift­li­ni­en). 

Der Zeilen­durch­schuss beein­flusst maß­geb­li­ch den Grau­wert und somit die Les­bar­keit eines Schrift­sat­zes. Die Wahl des geeig­ne­ten Zeilen­durch­schus­ses gehört in das Seg­ment der Mikro­ty­po­gra­phie

Zeilendurchschuss und Zeilenabstand (ZAB) sind unterschiedliche Parameter. Aufgrund der unterschiedlichen Typometrien von Schriften müssen sie immer – je nach verwendeter Schrift – individuell evaluiert werden. Beispiel gesetzt in der MetaPlus von Erik Spiekermann. Infografik: www.typolexikon.de
Zeilen­durch­schuss und Zei­len­ab­stand (ZAB) sind unter­schied­li­che Para­me­ter. Auf­grund der unter­schied­li­chen Typo­me­tri­en von Schrif­ten müs­sen sie immer – je nach ver­wen­de­ter Schrift – indi­vi­du­ell eva­lu­iert wer­den. Bei­spiel gesetzt in der MetaP­lus von Erik Spie­ker­mann.

Ein indi­vi­du­ell gewähl­ter Zeilen­durch­schuss für einen Schrift­satz wird vor Beginn der Schrift­satz­ar­beit in einen rech­ne­ri­schen Zei­len­ab­stand trans­po­niert und im Satz­spie­gelGestal­tungs­ras­ter bzw. im Grund­li­ni­en­ras­ter der benut­zen Anwen­dungs­soft­ware fixiert. 1 ) 2 ) Durch­schuss und Zei­len­ab­stand kön­nen heu­te stu­fen­los in abso­lu­ten (z.B. Mil­li­me­ter) oder rela­ti­ven (z.B. Geviert) Maß­ein­hei­ten ange­passt wer­den.

2. In der Ter­mi­no­lo­gie des mate­ri­el­len Schrift­sat­zes (z.B. Blei­satz): Nicht­ge­druck­ter Zwi­schen­raum zwi­schen zwei Zei­len; Abkür­zung Durch­schuss (Durch­schuß). Der Durch­schuß wird in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz metri­sch oder in »Typo­gra­phi­schen Punk­ten« berech­net.

Der nor­ma­le Durch­schuß ergibt sich aus der jewei­li­gen Kegel­hö­he einer phy­si­schen Druck­ty­pe. Über die Kegel­hö­he (Nor­mal­hö­he) hin­aus wird der Durch­schuß mit­tels Raglet­ten erwei­tert. Raglet­ten gehö­ren zum Blind­ma­te­ri­al, die es in unter­schied­li­chen Maßen gibt, im klas­si­schen Werk­satz bei­spiels­wei­se von 1 bis 20 Didot-Punk­ten mit den Län­gen 8, 12, 16, 18, 20, 22 oder 24 Cice­ro3 )

Nor­ma­ler Durch­schuß wird als »Durch­schos­sen«, enger Durch­schuß als »Kom­preß« und erwei­ter­ter Durch­schuß als »Sple­ndid« bezeich­net. 

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de 

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Tipp: Einen ein­heit­li­ch opti­ma­len Durch­schuss gibt es nicht. Jede Schrift benö­tigt auf­grund ihrer eige­nen Typo­me­trie, z.B. auf­grund ihrer unter­schied­li­chen Ober- und Unter­län­gen, einen indi­vi­du­el­len Durch­schuß.
2.Tipp: Zeilen­durch­schuss und Zei­len­ab­stand bezie­hen sich auf unter­schied­li­che Para­me­ter und bewir­ken somit unter­schied­li­che Ergeb­nis­se. Des­halb immer zuer­st den Durch­schuss eva­lu­ie­ren und erst dann den Zei­len­ab­stand fixie­ren.
3.Anmer­kung: Bei umfang­rei­chen Schrift­satz­ar­bei­ten, z.B. bei Zei­tun­gen, wur­den die unter­schied­li­chen Zei­len­ab­stän­de einer Aus­ga­be mit­tels fixer Durch­schuß­ta­bel­len stan­dar­di­siert.