Schlagwort-Archive: Grundlagenwissen

Das wichtigste Grundlagenwissen zu Schrift, Typografie und Grafikdesign.

Urheberrecht für Schriften und Mythos Schriftsoftware

Eine kritische Anmerkung von Wolfgang Beinert zum vermeintlichen Urheberrecht und der Nutzung von Schriften.

Ausgangssituation

Seit längerer Zeit versuchen Font Foundries und Schriftenhändler durch massive PR- und Lobbyarbeit den Eindruck zu erwecken, dass Schrift kraft Gesetz durch Urheberrechte oder sonstige Persönlichkeits- oder Leistungsschutzrechte, ähnlich wie Musik oder bildende Kunst, geschützt und geregelt wären.

Des Weiteren behaupten Font Foundries und deren Lobbyisten, dass es sich bei Fonts um »Software« handeln würde. In guter alter GEZ-Manier versuchen sie, Designer, Agenturen, Webentwickler und ihre Auftraggeber – ja selbst Studenten – systematisch mit ihren Betrachtungsweisen zu indoktrinieren und schlussendlich zu verunsichern. Unlautere Stereotypen scheinen heute zur PR- und Marketingstrategie zu gehören.  Urheberrecht für Schriften und Mythos Schriftsoftware weiterlesen

Font

In der Informationstechnik (IT) Abkürzung für »Computer Font«; dt. »Computerschrift«; digitaler Zeichensatz, beispielsweise in Form einer Alphabetschrift, der auf einem Computer sowie dessen Peripheriegeräten als grafisches Zeichensystem zur Visualisierung von Informationen dient. In der Typografie wird der Anglizismus »Font« als digitaler Pendant zu einer physischen Drucktype verstanden, als eine digital reproduzierbare Bildschirmschrift (Screen Font) bzw. Druckschrift (Werksatzschrift).

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Pica und Pica Point

Pica ist ein typografisches Maßsystem aus den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), mit dem der Schriftgrad einer Werksatzschrift oder Akzidenzschrift  bzw. auch Längen und Größen von Flächen sowie Abstände, z.B. Zeilenabstände, gemessen werden können.

»Pica« ist einerseits ein übergeordnetes »Mittel« aus Zeiten des materiellen Schriftsatzes (z.B. Bleisatz), also der Name eines bestimmten Schriftgrades mit einer Kegelgröße von 4,2 mm (gerundet), der »Pica Point« hingegen eine typografische Maßeinheit, wobei 1 Pica genau 12 Pica Points entspricht. Pica und Pica Point weiterlesen

Fraktur

Die Frakturschrift ist eine Hauptschriftgruppe, die im Sinne der Schriftklassifikation mit römischer Alphabettradition zu der Schriftgattung der »Gebrochenen Schriften« zählt. Auch als »Deutsche Schrift«, im englischsprachigen Raum mehrdeutig auch als »Gothic«, »Old English» oder als »Blackletter« bezeichnet.

Die Fraktur war über 400 Jahre im Wesentlichen die Buch- und Verkehrsschrift der Deutschen und bis 1941 die offizielle Amtsschrift im »Deutschen Reich«. Als Schöpfer der ersten reinen »fractura germanica« (1507) gilt der Augsburger Kalligraph und Benediktinerpater Leonhard Wagner (1453–1522). Fraktur weiterlesen

Font Foundry

Anglizismus für »Schriftenhaus«; Synonym »Type Foundry« ggf. auch »Type Library«; Plural »Font Foundries«. Handelsunternehmen, das eigene und/oder Fonts (Schriften) anderer Schriftenhersteller bzw. Type Designer (Schriftgestalter) vertreibt; Etymologisch entlehnt aus dem Englischen »Font« für »Schrift, Zeichensatz« und »Foundry« für »Gießerei«; zu Deutsch »Schriftgießerei«, was wiederum eine gewerbespezifische Bezeichnung aus der Periode des materiellen Schriftsatzes für ein Unternehmen ist, das physische Druckschriften, z.B. Buchstaben aus einer Blei-Zinn-Antimon-Legierung oder Zierrat aus Kupferlegierungen (Messinglinien, Alineas etc.), herstellte und bis Ende der 1970er Jahre in der Regel pro Kilo und als Meterware an Offizinen verkaufte. Font Foundry weiterlesen

Lesbarkeit

Unter »Lesbarkeit« – oft auch als »Leserlichkeit« bezeichnet – wird im Segment der Lesetypografie die optimale makrotypografische und mikrotypografische Aufbereitung eines Schriftsatzes verstanden, den ein Rezipient (Leser) auch beim Erfassen längerer Textpassagen, beispielsweise in einem Buch, einer Zeitung, einem Geschäftsbericht oder auf einer Website, als angenehm, richtig und als nicht störend empfindet.  Lesbarkeit weiterlesen

Webfonts

Bezeichnung für einen auf Hyper Text Markup Language (HTML/XHTML) basierenden Font, dessen typometrische Klassifikationsmerkmale von Webbrowsern (Softwareprogramme zur Darstellung von Webseiten, z.B. Internet Explorer®, Safari®, Google Chrome® oder Firefox®) – unabhängig vom verwendeten Betriebssystem – mehr oder weniger schriftstilnah interpretiert werden kann. Webfonts weiterlesen

Maßsysteme und Maßeinheiten

In der Typografie und im Grafikdesign werden unterschiedliche Maßsysteme bzw. deren Maßeinheiten verwendet, um die einzelnen Bestandteile eines Layouts, beispielsweise bedruckte und unbedruckte Flächen, Abstände, Elemente, Schriftgrade, Dickten oder Schriftlaufweiten zu bemessen, zu gliedern und zu ordnen. Ein Maßsystem ist folglich eine nach einem bestimmten Prinzip gegliederte, geordnete Zusammenstellung bzw. Zusammenfassung von physikalisch oder virtuell genutzten Maßeinheiten. Maßsysteme und Maßeinheiten weiterlesen

Typograf/in

Der Terminus Typograf bzw. Typografin wird heute überwiegend als periphere Bezeichnung für eine Person verwendet, die sich professionell mit dem materiellen oder digital reproduzierbaren Schriftbild als solchem beschäftigt, beziehungsweise sich mit der theoretischen oder angewandten Typografie handwerklich, gestalterisch, technisch oder philologisch befasst.  Typograf/in weiterlesen

Typografie

Kulturhistorisch betrachtet umfasst dieser Begriff im ursprünglichen Sinne der Renaissance sämtliche Bereiche der »Buchdruckerkunst«, in der Frührenaissance auch »Deutsche Kunst« oder »Schwarze Kunst« genannt, vom konkreten Druckschriftentwurf (Typometrie) über den Letternguß und die verschiedenen Methoden zur drucktechnischen Schriftvervielfältigung bis hin zur formalen Gestaltung von Druckwerken. Typografie weiterlesen

Egyptienne

Hauptschriftgruppe und Schriftuntergruppe (Schriftart), die im Sinne der typografischen Schriftklassifikation zur Schriftgattung der Antiqua-Schriften gehört. Rundbogige Screen- und Druckschrift römischen Ursprungs mit betonten, teils blockartigen Serifen; auch als »Serifenbetonte Antiqua« bzw. reine Egyptiennes als »Serifenbetonte Linear Antiqua«, im englischsprachigen Raum als »Slab Serif«  bezeichnet. Egyptienne weiterlesen

Arabische Ziffern

Die »Arabischen Ziffern« (typografische Bezeichnung) bzw. die »Indo-Arabischen Ziffern« (mathematische Bezeichnung) 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 0 lösten mit Beginn des 13. Jahrhunderts in Westeuropa die Römischen Zahlen sukzessive ab und ermöglichten durch ihre wesentlich einfachere und übersichtlichere Schreibweise – und natürlich der Null – die Weiterentwicklung der komplexen Mathematik und der Naturwissenschaften. Arabische Ziffern weiterlesen

Grafikdesign

Begriff für die grafische Gestaltung von materiellen oder virtuellen (computergenerierten) zweidimensionalen Flächen, visuellen Publikationsmedien und Informationsträgern mittels Typografie, Bild, Farbe und Material. Grafikdesign ist ein Medium, Sprache und Gedanken visuell darzustellen sowie theoretische Zusammenhänge sichtbar, lesbar und augenscheinlich vermittelbar zu machen. Allograph »Graphikdesign«. Nomen agentis »Grafikdesigner/in, Grafiker/in«. Grafikdesign weiterlesen

Gestaltungsraster

Ordnungssystem; Konstruktionssystem. Im gewerbespezifischen Sprachschatz auch als »Layoutraster« oder kurz als »Raster« bezeichnet. Schema für ein durchgängiges Design von Schriften (siehe auch Typometrie), Druckwerken, Benutzeroberflächen und dreidimensionalen Objekten, welches vereinfacht formuliert, auf einem horizontalen und vertikalen Koordinatensystem basiert – mit der Zielsetzung, Schrift, Bild, Farbe, Fläche und Raum systematisch und zweckgerichtet zu strukturieren. Gestaltungsraster weiterlesen

Schriftwahl

Die Wahl einer geeigneten Schrift bzw. eines Fonts ist in allen Teildisziplinen der Typografie von hoher Bedeutung. Sie beeinflusst nicht nur massgeblich die Lesbarkeit und die Ästhetik eines Kommunikationsmediums, sie verursacht auch nachhaltige Konklusionen bei der Implementierung.

Die Wahl der Schriftgattung (z.B. Antiqua-Schrift), der Schriftart (z.B. Klassizistische Antiqua), der Nebengruppe (z.B. Bodoni-Variante), des Schriftstils/Schriftschnitts (z.B. Roman) und der Font-Technologie (z.B. PostScript® Fonts oder TrueType Fonts) gehört in den Bereich der Makrotypografie. Für die Einordnung von Schriften existieren unterschiedliche Schriftklassifikationsmodelle, beispielsweise die Typeface Design Grouping according to AFI oder die Matrix Beinert.  Schriftwahl weiterlesen

Typografischer Punkt

Typografisches Maßsystem, welches ursprünglich als »Point typografique« bezeichnet wurde; im gewerbespezifischen Sprachschatz deutschsprachiger Typografen/innen auch als »Punkt« abgekürzt. Gegenwärtig existieren unterschiedliche materielle und digitale typografische Punkt-Systeme, beispielsweise der Fournier-Punkt (Point typografique), der Didot-Punkt, der Pica Point oder der PostScript® Point (DTP-Punkt). Typografischer Punkt weiterlesen

Variable Fonts

Variable Fonts sind linear interpolierbare OpenType Fonts, die auf Initiative der US-amerikanischer IT-Unternehmen Apple® Inc., Adobe® Systems Inc., Google® LLC und Microsoft® Corp. für Betriebssysteme (OS Operating Systems) und Anwendungssoftware (Application Software) nutzbar gemacht werden sollen. Auch als »OpenType Variable Fonts«, »Variable Schriftarten« oder »Variable Schriften« bezeichnet. Variable Fonts weiterlesen

Proportionalschrift

Typografischer Terminus für eine Druckschrift (z.B. Werksatzschrift) bzw. einen Screen Font (z.B. Webfont) mit dicktenindividuellen Buchstaben bzw. mit dicktenindividuellen Indo-Arabischen Ziffern und Sonderzeichen; Schriftschnitt, dessen Zeichenvorrat (Figurenverzeichnis) unterschiedliche Dickten, also unterschiedliche Zeichenbreiten aufweist. Auch als dicktenindividuelle Schrift, dicktenungleiche Schrift oder eng. Proportional Typeface bezeichnet. Proportionalschrift weiterlesen

Sonderzeichen

Sonderzeichen sind grafische Zeichen bzw. Satzzeichen und Symbole, die weder zu den Buchstaben eines Alphabets noch zu den Indo-Arabischen Ziffern gezählt werden. Aus der Sicht der Typografie und der digitalen Informations- und Datenverarbeitung (IT) gehören sowohl die orthographische Satzzeichen (Interpunktionszeichen), die diakritische Zeichen (Diakritika) als auch die typografischen Satzzeichen (Zeichen und Symbole) zu den Sonderzeichen. Sonderzeichen weiterlesen

Leseabstand

Abstand zwischen einem Schriftträger bzw. Schriftmedium und den Augen eines Rezipienten beim Lesen einer (Wort)Sprache; Leseentfernung. Im Nahbereich (Nahabstand) wird der Leseabstand durch Körpergröße (z.B. Armlänge), Schriftmedium (z.B. computerbasierte Lesesysteme), Lebensgewohnheiten (z.B. Lesen im Liegen), abiotische Umweltfaktoren (z.B. Licht) und der Leistungsfähigkeit der Augen (z.B. Akkommodationsfähigkeit) bestimmt. Leseabstand weiterlesen

Eszett : Scharfes s | ẞ : ß

Schriftzeichen; Schriftsatzzeichen; Buchstabe. Das heute nur noch in Deutschland und Österreich geschriebene »ß« wird als »Eszett« (»SZ«) oder »Scharfes s« bezeichnet. Es gilt als eine Eigenart der deutschen Schriftsprache. 

In der deutschen Orthographie ist das »ß« ein Buchstabe, der in Regel nach einem Vokal oder Diphthong (Doppellaut) zur phonetischen Wiedergabe eines stimmlosen »s-Lautes« dient. Er kommt in Deutschland und Österreich häufig in Familiennamen (z.B. Großmann) und Ortsnamen (z.B. Roßhaupten) vor, was im internationalen Kontext häufig zu Irritationen führt. Eszett : Scharfes s | ẞ : ß weiterlesen

Fixationen

Eine von drei Aktivitäten der Augenbewegungsmuster (Okulomotorik) beim Lesen einer Wortsprache; Ruhen des Auges während des Lesens einer Wortsprache auf einem Punkt. Etymologisch vom lateinischen »fixare« für »festmachen« zu »Festigung» und»Fixierung«. Weitere Augenbewegungsmuster beim Lesen sind die Sakkaden und die Regressionen, auch Regressionssakkaden genannt. Fixationen weiterlesen

Sakkaden

Eine von drei Aktivitäten der Augenbewegungsmuster beim Lesen einer Wortsprache; Vorwärtssprünge des Auges während des Lesens einer Wortsprache zu einem folgenden Textabschnitt. Etymologisch aus dem französischen »saccade« für »Ruck« zu »saccader« für »heftig ziehen«. Weitere Augenbewegungsmuster beim Lesen sind die Fixationen und die Regressionen, auch Regressionssakkaden genannt. Sakkaden weiterlesen

Regressionen

Eine von drei Aktivitäten der Augenbewegungsmuster beim Lesen einer Wortsprache; Rückwärtssprünge des Auges während des Lesens einer Wortsprache zu einem vorangegangenen Textabschnitt; auch Regressionssakkaden genannt. Etymologisch von vom lateinischen »regressio« zu »regredi« für »umkehren«, »zurückgehen«. Weitere wichtige Augenbewegungsmuster (Okulomotorik) beim Lesen einer Wortsprache sind die Fixationen und die Sakkaden.

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