Schlagwort-Archive: Makrotypografie

Segment der angewandten Typografie. Die Makrotypografie beschreibt den optischen Gesamtkomplex einer gestalterischen Schriftsatzarbeit bzw. Zwischenlayouts., z.B. Farbe, Format, Gestaltungsraster und Schriftwahl.

Linien

In der Typografie wird der Begriff »Linie« in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Primär wird im Schriftsatz und in der Typometrie darunter eine gerade oder gekrümmte Verbindung zwischen zwei Punkten verstanden. Darüber hinaus werden im Schriftsatz auch illustrative Zier- und Schmucklinien zu den Linien gezählt, die auf den ersten Blick wenig mit einer geodätischen Linie gemein haben.  Linien weiterlesen

Webfonts

Bezeichnung für einen auf Hyper Text Markup Language (HTML/XHTML) basierenden Font, dessen typometrische Klassifikationsmerkmale von Webbrowsern (Softwareprogramme zur Darstellung von Webseiten, z.B. Internet Explorer®, Safari®, Google Chrome® oder Firefox®) – unabhängig vom verwendeten Betriebssystem – mehr oder weniger schriftstilnah interpretiert werden kann. Webfonts weiterlesen

Bundsteg

Typografischer Terminus aus der Buchgestaltung für den inneren, also den rechten Innenrand der Versoseite bzw. den linken Innenrand der Rectoseite eines Buches oder einer buchähnlichen Produktion; unbedruckter Raum zwischen Kolumne bzw. Satzspiegel und der Symmetrieachse des Buches.  Bundsteg weiterlesen

Kopfsteg

Typografischer Terminus aus der Buchgestaltung für den oberen Rand einer Buchseite oder einer buchähnlichen Produktion, also dem unbedruckten Raum zwischen Kolumne bzw. Satzspiegel und dem oberen Beschnitt (Papierrand). Kopfstege werden im Buchsatzspiegel bzw. Gestaltungsraster dokumentiert.  Kopfsteg weiterlesen

Fußsteg

Typografischer Terminus aus der Buchgestaltung für den unteren Rand einer Buchseite oder einer buchähnlichen Produktion, also dem unbedruckten Raum zwischen Kolumne bzw. Satzspiegel und dem unteren Beschnitt (Papierrand). Fußstege werden im Buchsatzspiegel bzw. Gestaltungsraster dokumentiert.  Fußsteg weiterlesen

Außensteg

Typografischer Terminus aus der Buchgestaltung für den äußeren, also den linken Außenrand der Versoseite bzw. den rechten Außenrand der Rectoseite eines Buches oder einer buchähnlichen Produktion; unbedruckter Raum zwischen Kolumne bzw. Satzspiegel und dem äußeren Beschnitt (Papierrand). Auch als Seitensteg bezeichnet. Außenstege werden im Buchsatzspiegel bzw. Gestaltungsraster dokumentiert. Außensteg weiterlesen

Konsultationsgrößen

Typografische Typifikation für Schriftgrade von Textschriften mit oder ohne Serifen, die in gewerblichen Druckverfahren (z.B. Hauptdruckverfahren nach DIN 16500) beispielsweise für Fußnoten, Marginalien, Legenden, Allgemeine Geschäftsbedingungen oder im Allgemeinen für »Kleingedrucktes« verwendet werden; Schriftgradzuordnung von Druckschriften für Leseabstände im Nahbereich.

Die Zuordnung von Schriftgraden in »Konsultationsgrößen« stammt aus der traditionellen Buch- und Zeitungstypografie und ist systemimmanent (siehe Schriftgrad). Empfohlene Konsultationsgrößen besitzen nur für spezifizierte Schriftbildträger (z.B. Tischbücher) eine Aussagekraft, die auf andere Medien nicht übertragbar ist. Für Screen Fonts, z.B. Systemschriften oder Webfonts, ist eine derartige Schriftgradzuordnung ungeeignet.

Etymologisch rührt der Begriff »Konsultation« aus dem lat. »consultatio« für »Beratschlagung, Befragung« zu »consultare« für »beratschlagen, befragen«.

Die Evaluierung von Schriftgraden gehört sowohl in die Makrotypografie als auch in die Mikrotypografie. Im professionellen Schriftsatz werden im bestmöglichen Falle für Konsultationsgrößen spezielle Optische Größen, sogenannte »Konsultationsschriften« bzw. »Caption-Schnitte« verwendet.

1. Konsultationsgrößen in der Buchtypografie

In der Buchtypografie wird ein Schriftgrad einer Textschrift mit oder ohne Serifen als »Konsultationsgröße« bezeichnet, wenn dieser in einem festen Verhältnis zu seiner übergeordneten Lesegröße (Fließtext) deutlich kleiner gesetzt wird. Konsultationsgrößen werden – im Werksatz beispielsweise – für »Konsultationstexte« genutzt, die nur kurze, ergänzende Informationen zu einer Passage im Fließtext bereitstellen, beispielsweise Fußnoten, Marginalien oder Legenden. 

Eine Passage im Fließtext wird in der Regel mit einer »Konsultation« durch ein »Konsultationszeichen« verbunden, beispielsweise mit einem Schriftzeichen (z.B. *), einer Arabischen Ziffer (z.B. 2), einem römischen Zählzeichen (z.B. III) oder einem Buchstaben (z.B. d). In der Buchtypografie sind Konsultationsgrößen eine Typifikation für Schriftgrade, die kleiner als Lesegrößen sind. 

2. Konsultationsgrößen im Grafikdesign und DTP

In der Akzidenztypografie, im Grafikdesign und im DTP Desktop Publishing wird der Terminus Konsultationsgröße pauschal für charakteristisch kleine Schriftgrade ohne korrespondierenden Lesegrößen verwendet, wie sie beispielsweise früher in Telefonbüchern und Wörterbüchern üblich waren und heute auf Lebensmitteletiketten, Verpackungen oder Packungsbeilagen zu finden sind. Der Terminus wird hier als Synonym für Schriftgrade unter 3 mm (hp-Vertikalhöhe) verstanden.

Nonpareille – der Ursprung aller Konsultationsgrößen

Bereits in der Prototypografie des 15. Jahrhunderts waren Marginalien und Legenden außerhalb des Satzspiegels zuerst durch händische Auszeichnungen und später in kleineren Schriftgraden mit einer Drucktype üblich. Möglicherweise ist die erste gedruckte Konsultationsgröße für Anmerkungen in rund 3 mm in einem »Neuen Testament« (Erst- und Nachauflagen um 1502–1511) des Verlegers Johann Froben (um 1460–1527) zu finden, der zusammen mit den Prototypografen Johannes von Amerbach (um 1440–1513) und Johannes Petri (Petrus Petri de Colonia, um 1441–1511) – alle aus der berühmten fränkische »Druckersippe der drei Johannes« (Amerbach-Petri-Froben) – eine Offizin in Basel betrieb. 1 )

Ab dem späten 18. Jahrhundert – nach der Erfindung des »Point typografique« durch Pierre Simon Fournier (1712–1768), François Ambroise Didot (1730–1804) und seinen Sohn Firmin Didot (1764–1836) – bekamen im Hand- und Maschinenschriftsatz alle gängigen »Kegelgrößen« Eigennamen, sogenannten »Mittelnamen«, die sowohl für Gebrochene Schriften (z.B. Fraktur) als auch für Antiqua-Schriften, Zierschriften und für Zierrat galten. 

Der Begriff »Nonpareille« bürgerte sich in Frankreich und Deutschland als Mittelname für eine Drucktype mit einer 6 Didot-Punkt großen »Kegelgröße« ein. Sie galt im Bleisatz fortan als die kleinste noch lesbare Schrift für größere Textpassagen, wobei dafür nur Schriften mit einer bestimmten Typometrie (Letternarchitektur) benutzt wurden, sogenannte Konsultationsschriften.

Etymologisch stammt der Begriff »Nonpareille« von franz. »nonpareille« für »das Kleinste« zu »nonpareil« für »unvergleichlich« im Sinne von »nicht Gleiches«.

Im Zuge der Industrialisierung und insbesondere nach der sukzessiven Einführung der Schulpflicht, welche die Nachfrage nach Büchern und Zeitungen stark forcierte, wurden im prosperierenden Werksatz im Zuge der Produktionsoptimierung diese »Mittel« in Konsultationsgrößen, Lesegrößen und Schaugrößen unterteilt. Neben Nonpareille zählten in Deutschland nun auch Brillant, Diamant, Perl, Kolonel, Petit und Borgis zu den Konsultationsgrößen.

In der Akzidenztypografie und im Holzletterndruck wurde diese Klassifikation noch zusätzlich durch Plakatgrößen und Ferngrößen (siehe auch Displaygrößen) ergänzt.

Konsultationsgrößen im Hand- und Maschinenschriftsatz

Mitte des 20. Jahrhunderts wurden diese »Mittel« von führenden deutschen Schriftgießereien und Druckereien in einer »Mitteltabelle« dokumentiert, einer Umrechnungstabelle mit Schriftgraden in Didot-Punkten, basierend auf dem deutschen Konkordanzsystem. 

In dieser Mitteltabelle galten ab Mitte/Ende der 1940er Jahre mit der Umstellung der Verkehrsschrift von der Fraktur auf die Antiqua fortan bei Werksatzschriften folgende »Kegelgrößen« als verbindliche Konsultationsgrößen:

3 Didot-Punkt = (Mittelname: Brillant)
4 Didot-Punkt = (Mittelname: Diamant)
5 Didot-Punkt = (Mittelname: Perl)
6 Didot-Punkt = (Mittelname: Nonpareille)
7 Didot-Punkt = (Mittelname: Kolonel, Colonel)
8 Didot-Punkt = (Mittelname: Petit)
9 Didot-Punkt = (Mittelname: Borgis, Bourgeois)

Lesegrößen im Optomechanischen Schriftsatz

Mit der Etablierung des optomechanischen Schriftsatzes (Fotosatz) verlor die Mitteltabelle an Verbindlichkeit, da Schriftgrade nun stufenlos skalierbar waren und sich die Produktionsbedingungen in der Druckvorstufe und im Druck vollständig verändert hatten. In Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz wurde die Aufteilung in Konsultationsgrößen fortan in

6 Didot-Punkt = 2,26 mm 2 )
7 Didot-Punkt = 2,63 mm
8 Didot-Punkt = 3,01 mm 

sowie Lesegrößen (fortan 10–12 Didot-Punkte) und Schaugrößen (fortan 14–48 Didot-Punkte) in etwas reduzierter Abstufung übernommen. 3 )

Schriftbildgrößenvergleich Bleisatz vs. Fotosatz

Schriftgrößen gedruckter Schriftbilder weichen im Hoch-, Tief- und Flachdruckverfahren und von Papiersorte zu Papiersorte mehr oder weniger stark voneinander ab. Beispielsweise fällt das gedruckte Schriftbild einer 6 Didot-Punkt Drucktype im Hochdruck größer aus, als das gedruckte Schriftbild einer 6 Didot-Punkt Fotosatztype im Offsetdruck. Denn eine Drucktype, z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Legierung, wird buchstäblich in das Papier »gepresst«. Silhouette (Quetschränder) und Farbwegschlagverhalten sind deshalb deutlich ausgeprägter, als dies im Offsetdruck möglich wäre.

6 Didot-Punkt Drucktype ≅ 7–8 Didot-Punkt Fotosatztype

Die Konsultationsgröße einer 6 Didot-Punkt großen Drucktype auf ungestrichenen Papieren entspricht in ihrem gedruckten Schriftbild also der Konsultationsgröße einer gedruckten 7 bis 8 Didot-Punkt großen Fotosatztype. 4 )

Konsultationsschriften 

Bleisatz

Im Bleisatz lagen gängige Werksatzschriften auch als spezielle »Konsultationsschriften« vor. Das waren die Schriftschnitte aus einer Schriftfamilie, deren Letternarchitektur speziell auf kleine Schriftgrade abgestimmt waren. Sie verfügten beispielsweise über veränderte Strichstärken, Punzen, Dickten oder Breitenläufe. Konsultationsschriften entfalten ihre optischen Stärken buchstäblich erst im Kleingedruckten.

Fotosatz und DTP Desktop Publishing

Im optomechanischen und digitalen Schriftsatz ging diese jahrhundertealte mikrotypografische Praxis weitgehend verloren, da ein Schriftzeichen – verkürzt formuliert – mehrheitlich nur noch in einer Formvariante im Schriftsatzsystem hinterlegt wird und diese nur proportional vergrößert, verkleinert und modifiziert werden kann. 

Die Mehrheit aller optischen Fotosatzschriften sowie aller digitaler Fonts ist deshalb nur für Lese- und Schaugrößen optimiert. Vordergründig eine Arbeitserleichterung, in der Praxis jedoch eine Nivellierung, die einem hohen Qualitätsanspruch in der angewandten Typografie nicht gerade förderlich ist.

Optische Größen »Caption« bei OpenType Fonts

Auf Initiative einiger weniger Font Foundries und Schriftgestalter (Type Designer) lebt die Tradition der größenspezifischen Typometrie von Konsultationsschriften bei OpenType Fonts – zumindest bei umfangreich ausgebauten Textschriften – sukzessive wieder auf. 5 )

Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.
Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.
Im Vergleich die Majuskel A der »Minion Pro regular« von Robert Slimbach für Adobe®. Links im Caption-Schnitt, z.B. als Konsultationsschrift für Kleingedrucktes und rechts als Display-Schnitt, z.B. als Displayschrift für eine Headline. Die Typometrie beider Optischen Größen (Designgrößen) unterscheidet sich signifikant.
Im Vergleich die Majuskel A der »Minion Pro regular« von Robert Slimbach für Adobe®. Links im Caption-Schnitt, z.B. als Konsultationsschrift für Kleingedrucktes und rechts als Display-Schnitt, z.B. als Displayschrift für eine Headline. Die Typometrie beider Optischen Größen (Designgrößen) unterscheidet sich signifikant.

So wurde die Typometrie von Schriftschnitten, z.B. bei Expertensätzen, in Größenbereiche – in sogenannte »Optische Größen« (optical sizes) abgestuft. Beispielsweise sind bei der »Minion Pro« von Adobe® die »Caption-Schnitte« Konsultationsschriften, die auf einen Schriftgrad von 6 bis 8,4 Adobe DTP-Punkt abgestimmt sind und sich somit optimal für Kleingedrucktes eignen. 

Konsultationsschrift = Caption ≅ 6–8,4 DTP-Punkt (Adobe®)

Die Klassifikation in Optische Größen ist primär für den Druck gedacht und kann von Schrift zu Schrift unterschiedlich ausfallen. Sie eignen sich aufgrund der Browser-Inkompatibilität und ungleicher Anti-Aliasing- bzw. Rendering-Technologien (noch) nicht für eine differenzierte Ansicht auf Monitoren.

Schriftgrade sind relativ

Grundsätzlich ist festzustellen, dass im Sinne der Metrologie und Typometrie heute keine verbindlichen und einheitlichen Bemessungsgrundlagen für die Bemaßung von Druckschriften und Screen Fonts existieren (siehe Schriftgrad).

Heute existieren in der digitalen Typografie im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen mehr. Schriftgrade sind deshalb heute relativ. Ein Typometer ist nutzlos – das Auge und die Erfahrung eines Typografen/in ist um so wichtiger geworden. Vergleich einer Baskerville, Curier, DIN 30640 und Zapfino. Alle Schriften wurden in Adobe Photoshop® im Originalmaßstab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schriftlinien erkennbar ist, weichen sowohl die Majuskelhöhen als auch sämtliche Ober-, Mittel- und Unterlängen voneinander ab.
Heute existieren in der digitalen Typografie im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen mehr. Schriftgrade sind deshalb heute relativ. Ein Typometer ist nutzlos – das Auge und die Erfahrung eines Typografen/in ist um so wichtiger geworden. Vergleich einer Baskerville, Curier, DIN 30640 und Zapfino. Alle Schriften wurden in Adobe Photoshop® im Originalmaßstab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schriftlinien erkennbar ist, weichen sowohl die Majuskelhöhen als auch sämtliche Ober-, Mittel- und Unterlängen voneinander ab.

Das Messen von Konsultationsgrößen

Unabhängig davon, dass Schriftgrade relativ sind, gilt insbesondere die Bemaßung von Konsultationsgrößen als sehr unzuverlässig. 

Erste Zeile: Heute empfiehlt es sich, Schriftgrade von Druckschriften und Screen Fonts im gemischten Schriftsatz anhand der »hp-Vertikalhöhe« inklusive ihrer optischen Überhänge und Ausschweifungen (z.B. inklusive schräger Dachansätze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu messen. Diese Methode funktioniert bei den meisten Schriften, auch bei Zierschriften. Zweite Zeile: Im reinen Majuskelsatz wird der Schriftgrad zwischen der Grundlinie und der H-Linie ohne ihre optischen Überhänge, Unterlängen und Ausschweifungen gemessen. Dritte Zeile: Bei Minuskel- oder Konsultationssatz kann die x-Höhe eines Buchstabens zwischen der Grundlinie und der x-Linie als Bemessungsgrundlage sinnvoll sein, insbesondere bei sehr kleinen Schriften, z.B. auf Lebensmitteletiketten.
Erste Zeile: Heute empfiehlt es sich, Schriftgrade von Druckschriften und Screen Fonts im gemischten Schriftsatz anhand der »hp-Vertikalhöhe« inklusive ihrer optischen Überhänge und Ausschweifungen (z.B. inklusive schräger Dachansätze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu messen. Diese Methode funktioniert bei den meisten Schriften, auch bei Zierschriften. Zweite Zeile: Im reinen Majuskelsatz wird der Schriftgrad zwischen der Grundlinie und der H-Linie ohne ihre optischen Überhänge, Unterlängen und Ausschweifungen gemessen. Dritte Zeile: Bei Minuskel- oder Konsultationssatz kann die x-Höhe eines Buchstabens zwischen der Grundlinie und der x-Linie als Bemessungsgrundlage sinnvoll sein, insbesondere bei sehr kleinen Schriften, z.B. auf Lebensmitteletiketten.

Im »Konsultationssatz« (Indexsatz), beispielsweise bei Vertragsbedingungen oder Lebensmitteletiketten, ist es deshalb durchaus sinnvoll, die x-Höhe (Grundlinie bis zur x-Linie) als Bemessungsgrundlage für einen Schriftgrad zu wählen, so wie es beispiesweise die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) zur Kennzeichnung von Lebensmitteln vorschreibt. 6 )

Fazit

Die traditionelle Abstufung von Schriftgraden in Konsultationsgrößen, Lesegrößen, Schaugrößen und Ferngrößen, egal ob am Bildschirm oder auf Papier, muss heute prinzipiell hinterfragt werden, da sie aufgrund der babylonischen Schriftvielfalt, unterschiedlicher Schriftträger und Leseabstände sowie verschiedenartiger Betrachtungs- und Lesegewohnheiten ihre Allgemeingültigkeit verloren hat.

Heute muss jede Schrift, jede Schriftstilvariante und jeder Schriftschnitt auf jedem Schriftträger individuell hinsichtlich seiner Konsultationsgrößen beurteilt werden, wobei Konsultationsschriften (Caption) dafür besser geeignet sind, als andere »Optische Größen«. Alles umfassende Regeln, wie sie noch bis zum Ende des Fotosatzes gebräuchlich waren, sind nicht mehr up to date. Das Auge und der Erfahrungsschatz eines Typografen/in ist deshalb heute wichtiger denn je.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quellen mit Literaturnachweisen: Pfister, Arnold: Froben, Johann, Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 638-640. Online-Version steht unter https://www.deutsche-biographie.de/gnd118955179.html#ndbcontent zur Verfügung (27.12.2016).
2.Anmerkung: Bemessungsgrundlage: 1 Didot-Punkt = 0,376 mm
3.Quelle und Literaturempfehlung: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3-85584-010-5, Seite 145 und 146.
4.Anmerkung: Ein Problem in der gegenwärtigen Interpretation alter Schriften ist, dass Schriftgestalter/innen zwar sich an alten Schriftstempeln aus den Museen orientieren, jedoch nicht berücksichtigen, dass die Typometrie dieser Stempel auf das damalige Papier und die Drucktechnik abgestimmt wurde. Beispielsweise beurteilte der Typograf Giambattista Bodoni (1740–1813) seine Schriften ausschließlich nach dem gedruckten Schriftbild. Er schnitt seine Schriften so, dass sie erst in Verbindung mit »seinen« speziellen Farben und auf »seinem« speziellen (blauen) Papier zu ihren wahren Formen und Größen fanden. Die »dünnen« Serifen seiner klassizistischen Schriftschnitte verdickten sich nämlich, sobald sie auf dem Papier standen. Zum einen durch den Druckprozess selbst, also das Eindringen der Type in das Material, dann durch die Eigenschaften des Papiers und durch das Wegschlagverhalten der Farbe. Deshalb sieht auch eine gedruckte Venezianische Renaissance-Antiqua heute völlig anders aus, als dies im 16. Jahrhundert der Fall war.
5.Literaturempfehlung: Ahrens, Tim und Shoko Mugikura: Size-specific adjustments to type designs – An investigation of the principles guiding the design of optical sizes, erschienen bei Just Another Foundry, ISBN: 978-3-00-045937-5.
6.Anmerkung: Unbeschadet spezieller Unionsvorschriften, die auf be­stimmte Lebensmittel anwendbar sind, sind die verpflichtenden Angaben gemäß Artikel 9 Absatz 1, wenn sie auf der Packung oder dem daran befestigten Etikett gemacht werden, auf die Verpackung oder das Etikett in einer Schriftgröße mit einer x- Höhe gemäß Anhang IV von mindestens 1,2 mm so aufzudru­cken, dass eine gute Lesbarkeit sichergestellt ist. Quelle online verfügbar unter http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:304:0018:0063:de:PDF (28.12.2017).

Lesegrößen


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Typografische Typifikation für Schriftgrade von Textschriften mit oder ohne Serifen, die bei ausreichender Leseschärfe (Minimum legibile) 1 ) beim Erfassen längerer Textpassagen im Nahbereich erfahrungsgemäß als sinnvoll erachtet werden, um damit die Lesbarkeit eines Schriftsatzes bestmöglich zu gestalten; Schriftgradzuordnung von Druckschriften für Leseabstände im Nahbereich. Lesegrößen weiterlesen

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Die »Leseschärfe« wird in der Augenmedizin und in der Augenoptik als »Minimum legibile« bezeichnet. Sie unterscheidet sich von anderen Sehschärfen (z.B. Minimum separabile) durch Miteinbeziehens konditionierter Formen von Optotypen als Wortbilder (siehe Fixationen). Daher ist ihr Wert in der Regel auch höher als der Wert anderer Sehschärfenarten. Denn hier werden Wortbilder nicht nur erkannt, sondern auch im Rahmen von kognitiven Kompensationsprozessen eingeordnet. Ob ein Rezipient über eine ausreichende Leseschärfe – egal ob mit oder ohne Brille – verfügt, kann mittels unterschiedlicher Untersuchung und Methoden (z.B. Sehtest) bestimmt werden.

Schreibschriften

In der Typografie sind »Schreibschriften« ein Sammelbegriff für dekorative Druckschriften und Screen Fonts, die in ihrer Formgebung (Typometrie) auf einer kalligraphischen Schönschrift (siehe Kalligraphie) oder Handschrift beruhen bzw. um Schriften, die per Hand (Handcrafted) gezeichnet und so belassen als TrueType Font digitalisiert wurden. Im angelsächsischen Sprachraum als »Script Fonts«, abgekürzt als »Script« bezeichnet.
Schreibschriften weiterlesen

Systemschriften

Bezeichnung für Screen Fonts (Bildschirmschriften), die ein Betriebssystem (OS Operating Systems, z.B. Microsoft Windows® oder Apple macOS®) eines Mikrocomputers (PC, Smartphone, Tablet, Watch etc.) sowie dessen Anwendersoftware (z.B. Textverarbeitungsprogramme, Web Browser oder E-Mail Clients) im Rahmen der visuell basierenden Benutzerkommunikation (z.B. über LCD-Monitore, Multi-Touch Displays oder sonstige optische Interfaces) benötigt. Auch als Systemschriftarten, System Fonts oder Interface Fonts bezeichnet. Systemschriften weiterlesen

Lesbarkeit

Unter »Lesbarkeit« – oft auch als »Leserlichkeit« bezeichnet – wird im Segment der Lesetypografie die optimale makrotypografische und mikrotypografische Aufbereitung eines Schriftsatzes verstanden, den ein Rezipient (Leser) auch beim Erfassen längerer Textpassagen, beispielsweise in einem Buch, einer Zeitung, einem Geschäftsbericht oder auf einer Website, als angenehm, richtig und als nicht störend empfindet.  Lesbarkeit weiterlesen

Gestaltungsraster

Ordnungssystem; Konstruktionssystem. Im gewerbespezifischen Sprachschatz auch als »Layoutraster« oder kurz als »Raster« bezeichnet. Schema für ein durchgängiges Design von Schriften (siehe auch Typometrie), Druckwerken, Benutzeroberflächen und dreidimensionalen Objekten, welches vereinfacht formuliert, auf einem horizontalen und vertikalen Koordinatensystem basiert – mit der Zielsetzung, Schrift, Bild, Farbe, Fläche und Raum systematisch und zweckgerichtet zu strukturieren. Gestaltungsraster weiterlesen

Kolumne

Der Begriff Kolumne ist in der Typografie mehrdeutig belegt. Er wird sowohl für die Satzseite eines Buches, für die Satzspalte eines Buches, einer Zeitung oder einer Website, als auch für eine journalistische Darstellungsform verwendet. 

Etymologisch leitet sich »Kolumne« aus dem mlat. »columna« für »Spalte«, eigentlich »Säule« ab. Im Kontext zu verstehen sind die Begrifflichkeiten Kolumnenbreite, Kolumnenabstand, Kolumnenhöhe, Kolumnensatz, Kolumnenraster, Kolumnentitel, Kolumnenziffer, Kolumnenzwischenräume und Hauptkolumne und Marginalkolumne (siehe Marginalie). Kolumne weiterlesen

Grundschrift

1. Grundschrift bei Druckschriften und Screen Fonts

In der Typografie ist die »Grundschrift« der Schriftschnitt einer Schriftfamilie oder Schriftsippe, der innerhalb eines geschlossenen Schriftsatzes, beispielsweise einem Buch, einem Geschäftsbericht, einer Website, einer Anzeige oder eines Prospekts, als Primärschrift (Basisschrift) verwendet wird. Vereinzelt auch als »Fließtextschrift« oder »Lauftextschrift« und im gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker von Offizinen aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes (Bleisatz) als »Brotschrift« bezeichnet. Grundschrift weiterlesen

Schriftwahl

Die Wahl einer geeigneten Schrift bzw. eines Fonts ist in allen Teildisziplinen der Typografie von hoher Bedeutung. Sie beeinflusst nicht nur massgeblich die Lesbarkeit und die Ästhetik eines Kommunikationsmediums, sie verursacht auch nachhaltige Konklusionen bei der Implementierung.

Die Wahl der Schriftgattung (z.B. Antiqua-Schrift), der Schriftart (z.B. Klassizistische Antiqua), der Nebengruppe (z.B. Bodoni-Variante), des Schriftstils/Schriftschnitts (z.B. Roman) und der Font-Technologie (z.B. OpenType, TrueType) gehört in den Bereich der Makrotypografie. Für die Einordnung von Schriften existieren unterschiedliche Schriftklassifikationsmodelle, beispielsweise die Typeface Design Grouping according to AFI oder die Matrix Beinert.  Schriftwahl weiterlesen

Mittelnamen für Kegelgrößen

Mittelname; Abkürzung »Mittel«. Fachbezeichnungen bzw. Eigennamen aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker von Offizinen aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes (z.B. Bleisatz) für bestimmte Kegelgrößen, also für die Schriftgrade einer physischen Druckschrift bzw. eines Schriftkegels sowie für die Strichstärken (Liniendicken) von physischen Stück- und Setzlinien, beispielsweise Englische Linien.  Mittelnamen für Kegelgrößen weiterlesen

Typografischer Punkt

Typografisches Maßsystem, welches ursprünglich als »Point typografique« bezeichnet wurde; im gewerbespezifischen Sprachschatz deutschsprachiger Typografen/innen auch als »Punkt« abgekürzt. Gegenwärtig existieren unterschiedliche materielle und digitale typografische Punkt-Systeme, beispielsweise der Fournier-Punkt (Point typografique), der Didot-Punkt, der Pica Point oder der PostScript® Point (DTP-Punkt). Typografischer Punkt weiterlesen

Französische Anführungszeichen

Interpunktionszeichen; Satzausdruckzeichen. Französisch « Guillemets français »; Kurzform Guillemet oder Guillemets, phonetisch im Plural auch als »-gij’mee« ausgesprochen. Französische Anführungszeichen und Abführungszeichen in Form zweier spitzer Klammern oder zweier Halbkreise, bzw. bei »Halben Anführungszeichen« einer spitzen Klammer oder eines Halbkreises. Französische Anführungszeichen weiterlesen

Linksbündig

1. Linksbündige Ausrichtung von Satzzeichen, Wörtern, Zeilen, Flächen, Bildern und grafischen Elementen in einem Layout, einem Gestaltungsraster, einem Satzspiegel oder einer Satzspalte bzw. Kolumne.

2. Typografischer Terminus für eine Satzausrichtung, bei dem alle Zeilenanfänge linksbündig, in senkrechter Ausrichtung untereinander stehen und die Zeilenenden in der Regel rechts frei auslaufen (siehe Flattersatz). 

Das Pendant zu »linksbündig« ist »rechtsbündig«. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Rechtsbündig

1. Rechtsbündige Ausrichtung von Satzzeichen, Wörtern, Zeilen, Flächen, Bildern und grafischen Elementen in einem Layout, einem Gestaltungsraster, einem Satzspiegel oder einer Satzspalte bzw. Kolumne.

2. Typografischer Terminus für eine Satzausrichtung, bei dem alle Zeilenenden rechtsbündig, in senkrechter Ausrichtung untereinander stehen und die Zeilenanfänge in der Regel links frei auslaufen (siehe Flattersatz). 1 )

Das Pendant zu »rechtsbündig« ist »linksbündig«. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Rechtsbündig ist nicht mit der Schreibrichtung von rechts nach links zu verwechseln, wie sie beispielsweise im Hebräischen oder im Arabischen üblich ist. Denn diese Sprachen lassen sich – beispielsweise mit Microsoft Word® – auch linksbündig  formatieren.

Minuskel

Kleinbuchstabe. Wissenschaftlicher Terminus für den kleinen Buchstaben eines altgriechischen und römischen Alphabets karolingischen Ursprungs. In der Typografie, der Paläographie, der Paläotypie, der Epigraphik und in den Sprachwissenschaften seit dem 19. Jahrhundert als peripherer Begriff für »Kleinbuchstabe« gebräuchlich. Im gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker im Plural auch als »Gemeine« (im Sinne von klein, nieder) bezeichnet.  Minuskel weiterlesen

Satzausrichtung

Typografischer Terminus für die Schriftsatzausrichtung eines Textes mittels eines Schriftsatz- oder Textverarbeitungsprogramms; Textausrichtung; Textlaufrichtung; Abkürzungen »Ausrichtung« oder »Laufrichtung«.

In der Regel sind Texte linksbündig, rechtsbündig oder axial (Axialsatz) ausgerichtet (siehe Schriftsatzarten).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Proportionalschrift

Typografischer Terminus für eine Druckschrift (z.B. Werksatzschrift) bzw. einen Screen Font (z.B. Webfont) mit dicktenindividuellen Buchstaben bzw. mit dicktenindividuellen Indo-Arabischen Ziffern und Sonderzeichen; Schriftschnitt, dessen Zeichenvorrat (Figurenverzeichnis) unterschiedliche Dickten, also unterschiedliche Zeichenbreiten aufweist. Auch als dicktenindividuelle Schrift, dicktenungleiche Schrift oder eng. Proportional Typeface bezeichnet. Proportionalschrift weiterlesen

Sonderzeichen

Sonderzeichen sind grafische Zeichen bzw. Satzzeichen und Symbole, die weder zu den Buchstaben eines Alphabets noch zu den Indo-Arabischen Ziffern gezählt werden. Aus der Sicht der Typografie und der digitalen Informations- und Datenverarbeitung (IT) gehören sowohl die orthographische Satzzeichen (Interpunktionszeichen), die diakritische Zeichen (Diakritika) als auch die typografischen Satzzeichen (Zeichen und Symbole) zu den Sonderzeichen. Sonderzeichen weiterlesen

Titelei

Terminus aus der Buchtypografie für die Gesamtheit der Seiten mit den Titelangaben eines Werkes (Druckwerk) vor dessen eigentlichen Inhalt; Anfangsseiten eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation (z.B. Geschäftsbericht) bis hin zum eigentlichen Inhalt. Auch als »Seiten vor dem Inhalt« oder »Titeleiseiten« bezeichnet.  Titelei weiterlesen

Pagina

Typografischer Terminus für die Seitenzahl einer Buchseite bzw. Blattseite, ggf. auch für die einer Loseblattsammlung. In der Buchgestaltung wird eine solitär stehende Pagina als »toter Kolumnentitel« oder als »Kolumnenziffer«, eine Pagina mit beigefügten Text, der sich auf den nachfolgenden Seiten ändern kann, als »lebender Kolumnentitel« bezeichnet. Kolumnentitel bzw. Paginas dienen dem Gliedern und dem Ordnen bzw. dem Auffinden einer bestimmten Stelle innerhalb einer Publikation.  Pagina weiterlesen

Satzbreite

Die Satzbreite beschreibt in der Typografie die Zeilenlänge einer, jedoch meist mehrerer untereinander gesetzter Textzeilen; Satzspaltenbreite (Spaltenbreite); Textspaltenbreite; maximale Zeilenlänge innerhalb einer Kolumne (Kolumnenbreite). Satzbreiten werden in unterschiedlichen Maßeinheiten (z.B. metrisches Maßsystem), in Wörtern oder in Anschlägen – also anhand der Anzahl der einzelnen Zeichen inklusive Leerraumzeichen einer Zeile – gemessen.  Satzbreite weiterlesen

Leseabstand

Abstand zwischen einem Schriftträger bzw. Schriftmedium und den Augen eines Rezipienten beim Lesen einer (Wort)Sprache; Leseentfernung. Im Nahbereich (Nahabstand) wird der Leseabstand durch Körpergröße (z.B. Armlänge), Schriftmedium (z.B. computerbasierte Lesesysteme), Lebensgewohnheiten (z.B. Lesen im Liegen), abiotische Umweltfaktoren (z.B. Licht) und der Leistungsfähigkeit der Augen (z.B. Akkommodationsfähigkeit) bestimmt. Leseabstand weiterlesen

Auszeichnen

1. Auszeichnen eines Manuskripts bzw. Typoskripts

In der Typografie versteht man unter »Auszeichnen« die makro- und mikrotypografischen Satzangaben für ein Manuskript (handschriftlicher Beitrag eines Autors, der als Vorlage zur Vervielfältigung dient) bzw. für ein Typoskript (maschinell verfasster Text, der als Vorlage zur Vervielfältigung dient), das einem Schriftsetzer/in vorgibt, mit welchen charakterisierenden Eigenschaften der Schriftsatz typografisch (um)gesetzt werden soll.

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Eszett : Scharfes s | ẞ : ß

Schriftzeichen; Schriftsatzzeichen; Buchstabe. Das heute nur noch in Deutschland und Österreich geschriebene »ß« wird als »Eszett« (»SZ«) oder »Scharfes s« bezeichnet. Es gilt als eine Eigenart der deutschen Schriftsprache. 

In der deutschen Orthographie ist das »ß« ein Buchstabe, der in Regel nach einem Vokal oder Diphthong (Doppellaut) zur phonetischen Wiedergabe eines stimmlosen »s-Lautes« dient. Er kommt in Deutschland und Österreich häufig in Familiennamen (z.B. Großmann) und Ortsnamen (z.B. Roßhaupten) vor, was im internationalen Kontext häufig zu Irritationen führt. Eszett : Scharfes s | ẞ : ß weiterlesen

Impressum (Definition)

Herkunftsangabe bzw. Anbieterkennzeichnung einer Publikation; Erscheinungsvermerk. Bis in die 1990er Jahre wurde der Terminus »Impressum« ausschließlich für den »Druckvermerk« eines Buches, einer Zeitung oder einer Zeitschrift mit den Herkunftsangaben zu Autor, Herausgeber, Verlag und Offizin verwendet. 

Heute wird der Begriff »Impressum« medienübergreifend genutzt, u.a. auch für die Anbieterkennzeichnung digitaler Publikationen und Dienste, z.B. für Websites. Ein Impressum gibt Auskunft darüber, wer der Anbieter einer materiellen (z.B. Tageszeitung) oder digitalen Publikation (z.B. E-Book) ist. 
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Faksimile

1. Händisches Schriftsatzlayout

Typografischer Terminus aus der Periode des materiellen Schriftsatzes (z.B. Bleisatz) für ein händisches Schriftsatzlayout;  Faksimiletext; makrotypografisches Layout. Etymologisch »Faksimile« für »Nachbildung« von lt. »fac simile« für »mach ähnlich« zu »facere« für »machen, tun »und »similis« für »ähnlich«. Faksimile weiterlesen

Schusterjunge

Fehler im Umbruch eines typografischen Schriftsatzes. Erste Zeile (oder Headline) eines neuen Absatzes oder Kapitels, welche irrtümlich als einzelne Zeile (oder als verbundlose Headline) am Ende der vorausgehenden Kolumne bzw. Seite steht. Auch als »Findelkind« oder »Waisenkind« bezeichnet. Ein Schusterjunge stört den Lesefluss und gilt als unvorteilhaft für die Ästhetik eines Schriftsatzes. Schusterjunge weiterlesen

Hurenkind

Begriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer aus der Periode des materiellen Schriftsatzes (z.B. Bleisatz) im 19. und 20. Jahrhundert für einen Fehler im Umbruch eines typografischen Schriftsatzes. Auch als »Hurensohn« oder »Hundesohn«, heute vorzugsweise als »Witwe« bezeichnet. 

Letzte Zeile eines Absatzes, die fehlerhaft alleine am Anfang einer neuen Kolumne, also am Anfang einer neuen Seite steht. Hurenkinder stören den Lesefluss und gelten als unvorteilhaft für die Ästhetik eines Schriftsatzes.  Hurenkind weiterlesen

Witwe

Fehler im Umbruch eines typografischen Schriftsatzes. Letzte Zeile eines Absatzes, die fehlerhaft alleine am Anfang einer neuen Kolumne, also am Anfang einer neuen Seite steht. Witwen stören den Lesefluss und gelten als unvorteilhaft für die Ästhetik eines Schriftsatzes. Ehemals auch als »Hurenkind« bezeichnet. 1 ) Witwe weiterlesen

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Der Begriff »Hurenkind« (Kind einer Prostituierten) sollte heute besser vermieden werden, da er sicherlich nicht mehr zeitgemäß und politisch inkorrekt ist. Er spiegelt heute eine unreflektierte Geisteshaltung gegenüber Frauen und Kindern wieder.

Schriftschnitt

Typografischer Terminus aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Offizinen und Schriftgießereien für eine Schriftstilvariante einer physischen Druckschrift innerhalb einer Schriftfamilie; Taxonomie bezugnehmend auf die Schriftbreite (Dickte der Glyphe), Schriftstärke (z.B. fett) und Schriftlage (z.B. kursiv) eines Alphabets im Sinne der Schriftklassifikation. Im Electronic Publishing auch als »Schriftstil«, international als »Font Style« bezeichnet.  Schriftschnitt weiterlesen

Abstand

Räumliche Distanz zwischen einzelnen Komponenten eines Layouts. Darunter fallen beispielsweise die Abstände zwischen Satzspiegel, Kopfsteg, Außensteg, Bundsteg und Fußsteg, Containerabstände sowie Zeichenabstände, Wortzwischenräume, Zeilenabstände und Spaltenabstände. Abstände beeinflussen u.a. den Grauwert und die räumliche Ästhetik einer gestalterischen Arbeit sowie die Lesbarkeit eines Schriftsatzes. Abstand weiterlesen

Goldener Schnitt

Bezeichnung für ein mathematisches Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderer Größen, dessen Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil (Major) dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil (Minor) entspricht; irrationale Proportion von Breite zu Höhe im Verhältnis 1:1,618 (gerundet). Etymologisch von lt. »sectio aurea« für »Goldener Schnitt«; Synonym »Goldenes Verhältnis«; bis zum Ende des 19. Jahrhundert auch als »Göttliche Proportion« (lt. proportio divina) bezeichnet.  Goldener Schnitt weiterlesen

Schriftsippe

Typografischer Terminus für eine Gruppe zusammengehöriger Hauptschriftgruppen, Schriftuntergruppen und Schriftschnitte (Schriftstilvarianten), die typometrisch aus einem Grundkörper entwickelt wurden und deren Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen in der Regel die gleichen Grundformen und Proportionen besitzen, jedoch unterschiedliche Klassifikationsmerkmale aufweisen; auch als »Schriftgroßfamilie« bezeichnet. Schriftsippe weiterlesen

Flattersatz

Schriftsatzart. Unterschieden wird grundsätzlich zwischen Flattersatz mit freier Zeilenanordnung und Axialsatz. In der klassisischen Buchtypografie wird der Flattersatz mit freier Zeilenanordnung auch als »Anaxialer Schriftsatz« (»an« für »wider« oder »nicht« und altgriechisch »axis« für »Achse«), in der Paläographie und der Typografie auch als »Asymmetrischer Schriftsatz« (altgriechisch »a« für »nicht« und »symmetria« für »Ebenmaß« zu »symmetros« für »gleichmäßig«), also als ungleichmäßiger Schriftsatz, bezeichnet. Der Axialsatz wird hingegen auch als »Symmetirscher Flattersatz« bezeichnet.  Flattersatz weiterlesen

Villardscher Teilungskanon

Typografischer Terminus aus der Buchtypografie bzw. Buchgestaltung für einen Teilungskanon (Buchkanon), mit welchem man ohne jeden Maßstab in jedem Rechteck eine Strecke präzise in beliebig viele gleiche Teile teilen kann. Auch als »Villardscher Buchkanon« oder »Geheimer Kanon« bezeichnet; alternative Schreibweise: »Villard´scher Teilungskanon«. Konstruktionsprinzip, um einen Buchsatzspiegel bzw. Gestaltungsraster in einen gleichmäßigen, z.B. in einen neun-, zehn- oder zwölfgeteilten Flächenraster zu gliedern. Der Entwurf eines Satzspiegels bzw. Gestaltungsrasters gehört in das Segment der Makrotypografie. Villardscher Teilungskanon weiterlesen

Layout

Werbesprachlicher Terminus für den grafischen Entwurf eines visuellen Kommunikationsmediums; Visualisierung eines Gedankens im Sinne eines grafischen Entwurfs; skizzenhafte Darstellung einer Idee; grafische Anordnung einzelner Text- und Bildelemente. Der Begriff »Layout« wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.  Layout weiterlesen

Texteinzug

Typografischer Terminus für eine Zeileneinrückung; Einrücken des Textanfangs zu Beginn einer neuen Zeile; Abkürzung »Einzug«. 

Texteinzüge am linken Rand eines geschlossenen Schriftsatzes (z.B. eines Romans) werden im Segment der Lesetypografie – insbesondere im Blocksatz – als Absatzmethode verwendet, um Textpassagen sinngerecht in Absätze zu gliedern. Texteinzug weiterlesen

Axialsatz

Typografischer Terminus für einen symmetrischen Flattersatz, eine gleichmäßige und spiegelbildliche Schriftsatzart, dessen Zeilenmitte exakt an der Mittelachse einer Seite bzw. einer Kolumne ausgerichtet ist; auch als »Mittelachssatz«, »Zentrierter Satz«, »Gemittelter Satz« oder »Symmetrischer Flattersatz« Axialsatz weiterlesen

Schriftauszeichnung

Typografischer Terminus für eine Schriftmischung im »glatten Satz«, also innerhalb eines fortlaufenden Textes; Abkürzung »Auszeichnung«. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Inkunabelzeit der Jahre 1450 bis 1500. Denn Initialen, Rubriken, Lombarden, Illuminationen, Unterstreichungen und Auszeichnungsstriche konnten in der Prototypografie nur von Kalligraphen, Illuminatoren und Rubrikatoren händisch »ausgezeichnet« werden.  Schriftauszeichnung weiterlesen