Grammatur

»Grammatur« ist ein Fachbegriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz dspr. Papierhersteller, dem polygrafischen Gewerbe (Druckwesen) und der Druckweiterverarbeitung (z.B. Buchbinderische Verarbeitung) für das Flächengewicht eines Papiers, eines Kartons oder einer Pappe in Gramm (g) pro Quadratmeter (m² bzw. qm); Massebelegung des Verhältnisses von Papiermasse zur Papierfläche; Flächengewicht von Papier pro Quadratmeter; Papiergewicht pro Quadratmeter.

Wird beispielsweise ein Druckpapier ugs. als ein »90-Gramm-Papier« bezeichnet, bedeutet das, dass ein Quadratmeter dieses Papiers 90 Gramm (90 g) wiegt, was dann als »90 g/m²« bzw. »90 g/qm« geschrieben wird. Zu beachten ist allerdings, dass sich Papierhersteller produktionsbedingt oft eine Toleranz bis zu +/- 10 % Gewichtsabweichung vorbehalten.

Etymologisch rührt die Wortschöpfung »Grammatur« vom frz. »gramme« aus lat. »gramma« aus altgr. »grámma« für »Gewicht (von 1/24 Unze)« und der lat. Endung »tur«.

Die Grammatur eines Papiers 1) hat Einfluss auf den Druckprozess, die Druckweiterverarbeitung, den Versand und auf die Haptik einer Drucksache. Insbesondere bei Büchern oder buchähnlichen Publikationen sollten die Eigenschaften des Papiers, also auch die Grammatur, bereits im Vorfeld einer Produktion mit der Druckerei und insbesondere mit der Buchbinderei erörtert werden.

Durch die Grammaturangabe wird das Flächengewicht unterschiedlicher Papiere, insbesondere innerhalb einer Art, Sorte oder Kollektion, mehr oder weniger vergleichbar, wobei das Papiergewicht nicht mit der Papierstärke zu verwechseln ist.

Viele Papiersorten, -arten und -kollektionen, z.B. das Feinstpapier Conqueror®, werden in unterschiedlichen Grammaturen angeboten. Insbesondere bei Papieren für Geschäftsdrucksachen existiert hier eine große Bandbreite, die im Grafikdesign und im Corporate Design gerne genutzt wird. So werden beispielsweise oft Papiere von 80 g/m² bis 120 g/m² für Briefpapiere und Pappen von 250 g/m² bis 400 g/m² für Visitenkarten verwendet.

Bei Grammaturen bis zu 225 g/m² spricht man nach der DIN 6730 DIN
2) von Papier, ab 250 g/m² von Pappe. Der Begriff »Karton« ist ein ugs. Begriff, der Pappen von ca. 250 g/m² bis ca. 600 g/m² beschreibt. Der Begriff »Karton« ist nicht einheitlich definiert und somit ungenau.

Der Unterschied zwischen verschiedenen Grammaturen innerhalb einer Papiersorte, -art bzw. -kollektion ist meist schon anhand der Haptik unterscheidbar. Geübtes Fachpersonal kann deshalb bereits beim Anlangen einer vertrauten Papiersorte die Grammatur »erfühlen«.

Grundsätzlich gilt, dass die Grammatur kein Indiz für die Qualität und die Hochwertigkeit einer Papiersorte ist. Hierfür sind völlig andere Kriterien bei der Papierherstellung ausschlaggebend. Der Vergleich eines Flächengewichts in Bezug auf Qualität und Preis hat also nur wenig bis keine Aussagekraft. Diese Feststellung ist auch beim Vergleich von Angeboten für einen Druckauftrag relevant. Beispielsweise können Dünndruckpapiere zwischen 25 g/m² und 60 g/m² eine deutlich bessere Opazität besitzen und deutlich teurer sein, als handelsübliche 120 g/m² Papiere.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1Anmerkung: Der Terminus Grammatur wird nicht nur für Papier, sonder auch für die Masse pro Flächeneinheit bei Stoffen und Folien verwendet.
2Anmerkung: Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) ist eine deutsche Normungsorganisation mit Sitz in Berlin. Weiterführende Informationen online verfügbar unter www.din.de (25.6.2020).