Andruck

Unter »Andruck« wird in der Typografie und im Druckwesen bzw. im Polygrafischen Gewerbe ein Probedruck für gewerblichen Druckverfahren, z.B. für Hauptdruckverfahren nach DIN 16500, 1)  verstanden, um die Qualität und das Zusammenspiel der Druckvorlagen 2)  im Verhältnis 1:1 mit den Bedruckstoffen bzw. Druckträgern (z.B. Papier, Pappe, Forex oder Klebefolie), Druckfarben (z.B. Vollton- oder Prozessfarben) und der Druckmaschine (z.B. Offsetdruckmaschine oder Zylinderdruckpresse) beurteilen zu können.

Probedrucke werden im grafischen Gewerbe »Andrucke« genannt. Eine Druckerei, die sich auf Andrucke spezialisiert hat, wird als »Andruckerei« bezeichnet.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Der Grafikdesigner Wolfgang Beinert und sein Drucker bei der Druckabnahme des »Ersten Andrucks« an einer Originaldruckmaschine, in diesem Beispiel an einer Heidelberger Speedmaster.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Der Grafikdesigner Wolfgang Beinert und sein Drucker bei der Druckabnahme des »Ersten Andrucks« an einer Originaldruckmaschine, in diesem Beispiel an einer Heidelberger Speedmaster.

Grundsätzlich wird zwischen dem Andruck auf der Originaldruckmaschine (z.B. einer Heidelberger Speedmaster XL 106) und einem Andruck auf einer speziellen Andruckpresse (z.B. Grafix GX 2 EM) bzw. einer Andruck- und Montagemaschine (z.B. AV Optimount 3000 von Anderson & Vreeland) unterschieden.

Die qualitativ hochwertige Lösung verkörpert grundsätzlich immer der Andruck auf der Originaldruckmaschine, da die Parameter hier zum späteren Auflagendruck (nahezu) 3) identisch sind.

Da sehr komplexe Druckaufträge, beispielsweise ein Offsetdruck mit hellen Farbflächen auf kolorierten, beschichteten und/oder texturierten Natur-, Feinst- und Künstlerpapieren (Designerpapiere), 4)  oft mehrere Andrucke erfordern – und dies auf der Orginaldruckmaschine sehr kostenintensiv wäre, erfolgen in der Regel vor dem »Ersten Andruck« auf der Originaldruckmaschine Probeandrucke auf einer speziellen Andruckpresse (Abziehpresse) bzw. in anderen Druckverfahren auf einer Andruck- und Montagemaschine, die den späteren Auflagendruck bis zu einem hohen Grad vorwegnimmt. 5)

Im Segment des »Schnell- und Billigdrucks« wird der Andruck zunehmend von digitalen Proofverfahren – in der Regel durch Tintenstrahldrucke – ersetzt, da diese kostengünstiger und schneller herzustellen sind. Allerdings sind diese keinesfalls mit Andrucken gleichzusetzen, da Proofs, insbesondere auf ungestrichenen Papieren, niemals farbverbindlich, texturverbindlich und rechtsverbindlich sein können. Proofs können Druckergebnisse nur annähernd simulieren. 6)

Andrucke auf einer Andruck- bzw. der Originaldruckmaschine bieten höchstmögliche Qualitätssicherung und Prozesssicherheit. Sie dienen auch als Korrekturabzüge, die einem Auftraggeber zur verbindlichen Druckabnahme vorgelegt werden können.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Zu den Hauptdruckverfahren nach DIN 16500 gehören Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck.
2 Anmerkung: Zu den Druckvorlagen zählen beispielsweise analoge Lithofilme oder digitale Bild- und PDF-Dateien, die zur Herstellung der Druckformen notwendig sind.
3 Anmerkung: Erfolgt der Auflagendruck unmittelbar nach dem »Ersten Andruck«, ist das Ergebnis identisch. Wird die Druckmaschine für den Auflagendruck erneut eingerichtet, sind die Parameter fast identisch. Die Evaluierung wird deshalb am »Zweiten Andruck« an der Originaldruckmaschine vorgenommen.
4 Literaturempfehlung: Beinert, Wolfgang: Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere im Offsetdruck, Tipps zur Herstellung, online unter https://www.beinert.net/natur-feinst-und-kuenstlerpapiere-im-offsetdruck/ (20.9.2021).
5 Anmerkung: Die Ergebnisse einer Originaldruckmaschine und einer Andruckpresse können sich, insbesondere bei komplexen Papieren, signifikant voneinander unterscheiden (z.B. Anpressdruck, Punktzuwachs).
6 Anmerkung: Im qualitativ hochwertigen Offsetdruck gehören digitale Proofs in die Druckvorstufe und werden dort ausschließlich als Layoutproofs und Standproofs verwendet.