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Glyphe

28. August 2026

In der Typografie bezeichnet »Glyphe« die grafische Darstellung eines Silbenzeichens, segmentalen, symbolischen, ikonischen oder indexikalischen Schriftzeichens in Form eines Buchstabens, Satzzeichens, Sonderzeichens, einer Indo-Arabischen Ziffer oder einer Ligatur, also eine konkrete grafische bzw. typometrische Darstellung eines Zeichens bzw. Schriftzeichens innerhalb eines Schriftsystems oder eines Schriftschnitts.

Etymologisch stammt der Begriff vom altgriechischen »glyphein« für »eingraben, einschneiden« und bezeichnet ursprünglich eine »Vertiefung« bzw. ein mit dem Meißel oder Stichel in Stein eingegrabenes Zeichen; vgl. altgriechisch »glyphḗ« für »Eingeritztes«.

Glyphenvarianten der Minuskel »a«. Beispiele, gesetzt in Zapfino One, Two und Three, einer digitalisierten Schreibschrift (Zierschrift) von Hermann Zapf (1918–2015) aus der Linotype-Schriftbibliothek.
Glyphenvarianten der Minuskel »a«. Beispiele, gesetzt in Zapfino One, Two und Three, einer digitalisierten Schreibschrift (Zierschrift) von Hermann Zapf (1918–2015) aus der Linotype-Schriftbibliothek.

Verschiedene Gestaltungsvarianten eines Buchstabens, Satzzeichens, Sonderzeichens, einer Ziffer oder Ligatur innerhalb eines Schriftstils bzw. Schriftschnitts werden als Glyphenvarianten bezeichnet. 1)

In der lateinischen Schriftkultur sind Glyphenvarianten überwiegend eine gestalterische bzw. ästhetische Komponente. Im arabischen und asiatischen Kulturraum sind sie hingegen häufig notwendig, da sich dort das Aussehen eines Buchstabens abhängig von seiner Position innerhalb eines Wortes oder Satzes verändern kann.

In Textverarbeitungssoftware, z.B. Word® von Microsoft® oder Pages® von Apple®, sowie in Desktop Publishing Software (DTP), z.B. Affinity Publisher® by Canva®, InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, können alternative Glyphenvarianten (OpenType-Features) bei OpenType-Fonts meist nur über virtuelle Glyphentastaturen bzw. Glyphenpaletten ausgewählt werden.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Ursprünglich wurden in der deutschen Typografie bis etwa Ende der 1970er Jahre unter dem Begriff »Glyphe« ausschließlich bedeutungsgleiche Buchstaben innerhalb eines Schriftschnitts mit gleicher Kegelhöhe verstanden.

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