Biegefestigkeit von Papier

Die »Biegefestigkeit« von Papieren, Pappen und Kartons bzw. Kartonagen ist ein Fachbegriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz dspr. Papierhersteller, dem polygrafischen Gewerbe (Druckwesen) und der Druckweiterverarbeitung (z.B. Buchbinderische Verarbeitung) für den Widerstand, den eine Papierart oder -sorte bei der Verformung im elastischen Bereich entgegensetzt; Steifigkeit von Papierarten und -sorten in der Längs- und Querrichtung; Biegesteifigkeit.

Die Biegesteifigkeit von Papieren, Pappen und Kartons bzw. Kartonagen 1) hat Einfluss auf die Materialfestigkeit 2) und die Laufeigenschaften beim Bedrucken, 3)  Konfektionieren und in der Weiterverarbeitung – beispielsweise von Etiketten, Beuteln oder Faltschachteln – bzw. bei der industriellen Weiterverarbeitung, u.a. durch automatische Abpackanlagen, Sammelpackmaschinen oder Lagenpalettierer.

Im Grafikdesign und in der Buchgestaltung ist die Biegefestigkeit von Papier auch entscheidend für die Haptik der Seiten beim Aufschlagen und Umblättern. Die Biegesteifigkeit bestimmt auch, ob sich die Seiten beim Lesen angenehm wölben, zu steif sind oder gar lasch herunterhängen. Bei über 3000 unterschiedlichen Papiersorten und -arten sicherlich keine leichte Wahl. Foto: typolexikon.de
Im Grafikdesign und in der Buchgestaltung ist die Biegefestigkeit von Papier auch entscheidend für die Haptik der Seiten beim Aufschlagen und Umblättern. Die Biegesteifigkeit bestimmt auch, ob sich die Seiten beim Lesen angenehm wölben, zu steif sind oder gar lasch herunterhängen. Bei über 3000 unterschiedlichen Papiersorten und -arten sicherlich keine leichte Wahl. Foto: typolexikon.de

Die Biegefestigkeit bzw. Steifigkeit wird hauptsächlich bestimmt durch die Grammatur und die Dichte bzw. Papierdicke 4) , aber auch durch die Wahl der organischen Rohstoffe, die Mahlung des Faserstoffs sowie dem Feuchtegehalt.

Die Längssteifigkeit bei Papieren in Faserrichtung ist produktionsbedingt anhand der Faserausrichtung höher als die Quersteifigkeit. Anorganische Asche kann im Gegensatz zu organischen Fasern keine Festigkeit bzw. Biegefestigkeit bilden.

In der DIN 53121 5) ist die Bestimmung der Biegesteifigkeit nach der Balkenmethode zur Prüfung von Papier, Karton und Pappe normiert.

Für das Messen der Biegefestigkeit gibt es spezielle manuelle oder elektronische Prüfgeräte, die das Material u.a. nach mit unterschiedlichen Methoden, z.B. nach »Tappi T 489«, testen können.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1Anmerkung: Es gibt in Deutschland tausende von Papiersorten und -arten, die nach unterschiedlichen Gesichtspunkten in Gruppen zusammengefasst werden können. Orientierung zur Klassifikation geben in der Regel Papiergroßhändler, z.B. die Papyrus Deutschland GmbH & Co. KG oder die Papier Union GmbH, bzw. Fachverbände, z.B. der Bundesverband des Deutschen Papiergroßhandels e.V.
2Anmerkung: Die Festigkeit von Papier ermittelt man durch Messung von Zug-, Reiß-, Berst-, Biege- und Oberflächenfestigkeit.
3Anmerkung: Auch in der Bürokommunikation ist die Biegefestigkeit beim Bedrucken von Büropapieren, Kuverts und Etiketten durch Laserdrucker wichtig. Wie verhält sich das Papier während und nach dem Druck? Führt es bei bestimmten Druckern zu einem Papierstau, rollt es sich nach dem Bedrucken ein? Lösen sich die Etiketten ab? Oder wickeln sie sich gar um die Walze des Laserdruckers?
4Anmerkung: Papierdicke (µm) = spezifisches Volumen (cm³/g) × Flächengewicht (g/m2).
5Anmerkung: Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) ist eine deutsche Normungsorganisation mit Sitz in Berlin. Weiterführende Informationen online verfügbar unter www.din.de (24.6.2020).