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ISNI | International Standard Name Identifier

29. Mai 2026

»ISNI« ist die Abkürzung für »International Standard Name Identifier« (Internationale Standardkennung für Namen), eine weltweit eindeutige Identifikationsnummer zur Identifikation von Personen und Organisationen, die an kreativen, wissenschaftlichen oder verlegerischen Werken beteiligt sind – als Urheber:innen, Mitwirkende oder Rechteinhaber:innen, etwa Autor:innen, Gestalter:innen, Fotograf:innen, Verlage, Musiklabels oder Forschungseinrichtungen.

Die ISNI wird von Bibliotheken, Verwertungsgesellschaften, Verlagen, Datenbanken und digitalen Plattformen genutzt, um Werke eindeutig ihren Beteiligten zuzuordnen – unabhängig von Namensvarianten, Pseudonymen, unterschiedlichen Schreibweisen oder Sprachversionen.

Ursprung

Die ISNI wurde im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und internationalen Vernetzung kultureller und wissenschaftlicher Inhalte entwickelt. Der Standard wurde 2012 als ISO-Norm 27729 der International Organization for Standardization (ISO) 1) eingeführt. Ziel war die eindeutige Identifikation von Personen und Körperschaften über verschiedene Datenbanken und Systeme hinweg, insbesondere zur Vermeidung von Verwechslungen bei häufigen Namen oder komplexen Urheberstrukturen.

Systematik

Die ISNI ist als globaler Identifikator für Identitäten konzipiert und eng mit anderen Identifikationssystemen verknüpft, etwa der VIAF (Virtual International Authority File) oder ORCID (Open Researcher and Contributor ID).

Im Gegensatz zur ISBN oder ISSN enthält die ISNI keine sprechenden oder interpretierbaren Segmente. Sie ist eine rein numerische Kennung ohne eingebettete Informationen zu Herkunft, Nationalität oder Tätigkeitsbereich der identifizierten Person oder Organisation.

Die ISNI besitzt einen eindeutig definierten formalen Aufbau. Sie umfasst insgesamt 16 Zeichen, wobei die letzte Stelle als Prüfziffer dient und neben numerischen Werten auch den Buchstaben »X« enthalten kann. In der typischen Schreibweise wird die Nummer zur besseren Lesbarkeit in vier Gruppen zu jeweils vier Zeichen gegliedert.
Die ISNI besitzt einen eindeutig definierten formalen Aufbau. Sie umfasst insgesamt 16 Zeichen, wobei die letzte Stelle als Prüfziffer dient und neben numerischen Werten auch den Buchstaben »X« enthalten kann. In der typischen Schreibweise wird die Nummer zur besseren Lesbarkeit in vier Gruppen zu jeweils vier Zeichen gegliedert.

Gliederung

Die ISNI ist formal klar strukturiert. Sie besteht aus 16 Ziffern, wobei die letzte Stelle eine Prüfziffer ist, die auch den Buchstaben »X« annehmen kann. Üblicherweise werden die 16 Zeichen in vier Vierergruppen gegliedert.

Schreibweise:

ISNI 0000 0001 2345 6780

Gliederung:

                  ↓ Prüfziffer
0000 0001 2345 6780
    ↑    ↑    ↑ Leerraumzeichen

Ziffernfolge
Die ersten 15 Stellen bilden die fortlaufende Identifikationsnummer ohne inhaltliche Bedeutung.

Prüfziffer
Die 16. Stelle ist die Prüfziffer und dient der Fehlererkennung. Sie wird nach dem Modulo-11-2-Verfahren berechnet. Dabei kann als Ergebnis neben den Ziffern 0–9 auch der Buchstabe »X« auftreten, der konventionsgemäß den Wert 10 repräsentiert — als einstelliges Zeichen, das die Gesamtlänge von 16 Stellen wahrt.

Verwandte Identifikatoren

Die ISNI steht in enger Beziehung zu weiteren Identifikationssystemen:

    • ORCID (Open Researcher and Contributor ID)
      Ein speziell für wissenschaftliche Autor:innen entwickelter Identifikator, der technisch mit der ISNI kompatibel ist (beide Systeme können ineinander überführt werden).
    • VIAF (Virtual International Authority File)
      Eine virtuelle Normdatei, die Personendaten aus verschiedenen Bibliothekssystemen zusammenführt und häufig als Datenbasis für ISNI-Vergaben dient.
    • IPI (Interested Parties Information)
      Ein Identifikationssystem der Musikverwertungsgesellschaften (z.B. GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte), das teilweise in ISNI-Datensätze integriert wird.

Wer benötigt eine ISNI?

Eine ISNI ist relevant für alle schöpferisch tätigen Personen und Organisationen, die Werke schaffen, verbreiten oder verwalten, insbesondere:

    • Autor:innen und Schriftsteller:innen
    • Designer:innen und Fotograf:innen
    • Musiker:innen, Komponist:innen und Interpret:innen
    • Wissenschaftler:innen und Forschende
    • Verlage, Agenturen und kulturelle Institutionen

Sie ist vor allem für Bibliotheken, Archive, Verwertungsgesellschaften, Plattformbetreiber und Datenbankanbieter von zentraler Bedeutung, da sie eine eindeutige Zuordnung von Urheberschaften ermöglicht und Namenskonflikte vermeidet.

Gültigkeit einer ISNI

Eine ISNI ist dauerhaft gültig und eindeutig einer Identität zugeordnet. Sie bleibt auch bei Namensänderungen, unterschiedlichen Schreibweisen oder der Nutzung von Pseudonymen bestehen. Eine Person oder Organisation erhält in der Regel nur eine ISNI, unter der alle bekannten Namensvarianten zusammengeführt werden.

Vergabe und Verwaltung einer ISNI

Das ISNI-System wird international durch die ISNI International Agency (ISNI-IA) 2) koordiniert. Die Vergabe erfolgt nicht direkt durch Einzelpersonen, sondern über autorisierte Registrierungsstellen sowie durch Integration bestehender Datenbanken (z.B. Bibliothekskataloge oder Verwertungsgesellschaften).

Eine direkte Beantragung ist möglich, erfolgt jedoch meist indirekt durch:

    • Bibliotheken und Nationalbibliografien
    • Verlage 3) und Datenbankanbieter
    • Rechteverwertungsgesellschaften
    • Plattformen und Content-Aggregatoren

Die Vergabe kann je nach Weg kostenfrei oder kostenpflichtig sein. In vielen Fällen wird eine ISNI automatisch erzeugt, wenn entsprechende Metadaten in große internationale Datenbestände eingespeist werden.

In Deutschland, Österreich 4) und der Schweiz erfolgt eine Vergabe über:

MVB GmbH
Braubachstrasse 16
60311 Frankfurt am Main
Website: https://mvb-online.de (28.5.2026)
Registrierung: https://mvb-online.de/marken-und-produkte/isni (28.5.2026)

Jeder – auch die betroffene Person selbst – kann über die offizielle ISNI-Datenbank 5) eine Korrektur oder Ergänzung zu einem bestehenden Datensatz vorschlagen. Diese Vorschläge werden von Datenredakteur:innen (meistens bei der British Library oder der Bibliothèque nationale de France) geprüft.

ISNI in Metadaten und Publikationen

Die ISNI wird in der Regel nicht prominent im Werk selbst dargestellt, sondern primär in Metadaten geführt. Typische Einsatzorte sind:

    • Bibliothekskataloge und Normdateien
    • Verlags- und Distributionssysteme
    • wissenschaftliche Datenbanken
    • Musik- und Medienplattformen
    • Rechtemanagement-Systeme

In professionellen Publikationskontexten kann die ISNI ergänzend im Impressum oder in den Metadaten digitaler Veröffentlichungen angegeben werden, insbesondere zur eindeutigen Identifikation von Urheber:innen bei internationalen Distributionsprozessen.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1 Anmerkung: Die International Organization for Standardization (ISO) ist eine internationale Normungsorganisation mit Sitz in Vernier bei Genf. Weiterführende Informationen sind online verfügbar unter https://www.iso.org (28.5.2026).
2 Anmerkung: Die ISNI-IA wurde von einem Konsortium aus sechs Gründungsorganisationen gegründet, um den ISO-Standard 27729 umzusetzen: der Confédération Internationale des Sociétés d’Auteurs et Compositeurs (CISAC), der International Federation of Reproduction Rights Organisations (IFRRO), der International Performers Database Association (IPDA), ProQuest, dem Online Computer Library Center (OCLC) sowie der Conference of European National Librarians (CENL), vertreten durch die British Library und die Bibliothèque nationale de France (BnF). Die ISNI-IA hat ihren Hauptsitz in Großbritannien: The ISNI International Agency (ISNI-IA) Limited c/o EDItEUR Limited, United House, North Road, London, N7 9DP, UK.
3 Anmerkung: Da Gestaltungsleistungen in Verlagsmetadaten häufig unvollständig erfasst werden, empfiehlt sich für Buchgestalter:innen, Kommunikationsdesigner:innen und Fotograf:innen eine aktive Eigenregistrierung über die MVB GmbH oder direkt über https://www.isni.org (28.5.2026).
4 Anmerkung: Einträge in der Gemeinsamen Normdatei (GND), an der auch die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) mitwirkt, werden im Hintergrund automatisch mit einer ISNI verknüpft.
5 Anmerkung: Eine Korrektur erfolgt in der Regel auf der ISNI-Website über ein Formular in der ISNI-Datenbank neben dem Eintrag der betreffenden Person, online verfügbar unter https://isni.org/page/search-database (28.5.2026).

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