Werk
»Werk« ist eine Bezeichnung aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz dspr. Schriftsetzer, Schriftgießer und Drucker aus der frühesten Periode des materiellen Schriftsatzes mit physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) für »Buch«; Pl. »Werke«. Werk ist die Kurzform von »Druckwerk«, womit bis zum Beginn der Zeitungstypografie 1) im 17. Jahrhundert ausschließlich das (ungebundene) Buch gemeint war.
Verwendet wurde der Begriff bereits von den Prototypografen des 15. Jahrhunderts, beispielsweise von Johannes Gutenberg (um 1400–1468), Peter Schöffer (um 1425/1430–1502/1503) oder Erhard Ratdolt (1447–1527/1528), die damit ihr »Tagwerk« – respektive ihr »Druckwerk«, also das Herstellen von Büchern in einer Offizin meinten.

Semantisch rührt »Werk« aus dem 8. Jahrhundert vom mhd. »werc(h)« [ahd. »wer(a)h«] für »werc« zu »Werk« bzw. »Tagwerk« für »Arbeit«. Der Begriff Werk wurde und wird auch in anderen Branchen und in unterschiedlichen Bedeutungen (z.B. Kunstwerk, schöpferische Leistung im Sinne des Urhebergesetzes, Teil einer Orgel, Fabrik etc.) verwendet.
In der Typografie sind in diesem Kontext auch die Bezeichnungen »Werkdruck«, »Werksatz« und »Werkschriften« bzw. »Werksatzschriften« zu verstehen, 2) die im Zuge der Industrialisierung als Abgrenzungsbegriffe zur Akzidenzdruckerei und den Akzidenzen entstanden.
Der Begriff »Werk« ist bis heute noch in der Buchgestaltung, insbesondere bei Buchliebhabern (Bibliophilie) gebräuchlich.
© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de
Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:[+]
| ↑1 | Anmerkung: Die erste regelmäßige Tageszeitung der Welt – die »Einkommenden Zeitungen« des Typografen, Buchdruckers und Buchhändlers Timotheus Ritzsch (1614–1678) – kam am 1. Juli 1650 in Leipzig (Sachsen) heraus. |
|---|---|
| ↑2 | Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3–980-0257–4-8. |
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