Akzidenzdruckerei

Gewerbespezifischer Terminus aus der Epoche der Offizinen bzw. der Buch-, Verlags- und Zeitungsdruckereien des 19. und 20. Jahrhunderts für eine Abteilung oder Betriebssparte, die sich auf die Herstellung von Akzidenzdrucksachen, also auf Geschäfts- oder Privatdrucksachen spezialisiert hat. 

Semantisch rührt der erste Teil des Kompositums von »Akzidenzen«. Etymologisch von »Accidenz« zu »Akzidenz« für »etwas Zufälliges, nicht zum Wesen Gehörendes«; entlehnt aus dem lat. »accidentia« für »Zufall«.

Mit der Zunahme der Geschäftsdrucksachen, der technischen Entwicklung sowie der damit korrespondierenden Spezialisierung trennte sich ab ungefähr den 1980er Jahren die Sparte Akzidenzdruck vom klassischen Kerngeschäft des Buchdrucks und des Zeitungsdrucks. In der Regel verfügte jede Akzidenzdruckerei über einen gesonderten Akzidenzsatz bzw. über besonders geschulte Akzidenzschriftsetzer.

Während der Lehre zum Buchdrucker durchliefen die Lehrlinge (Auszubildende) meist auch die Akzidenzdruckerei. Insbesondere in den ersten beiden Lehrjahren wurden sie dort an kleinen ein- und zweifarbigen Druckmaschinen ausgebildet. Drucker, die in einer Akzidenzdruckerei arbeiteten, wurden als »Akzidenzdrucker« bezeichnet.

Bis ungefähr in die 1980 Jahre wurde im Druckgewerbe zwischen Druckereien und Abteilungen für Buch-, Zeitungs-, Kunst- und Akzidenzdruck unterschieden. Akzidenzdruckereien waren primär auf die Produktion von Geschäfts- oder Privatdrucksachen spezialisiert. Abbildung: Beilage der Buch- und Akzidenzdruckerei Gustaf Knoth in Leipzig zum »Archiv für Buchgewerbe« im Jahr 1912. Gesetzt in der Faecker-Fraktur mit dem Druckerzeichen der Offizin und dem Credo »Gott grüsst die Kunst«.
Bis ungefähr in die 1980 Jahre wurde im Druckgewerbe zwischen Druckereien und Abteilungen für Buch-, Zeitungs-, Kunst- und Akzidenzdruck unterschieden. Akzidenzdruckereien waren primär auf die Produktion von Geschäfts- oder Privatdrucksachen spezialisiert. Abbildung: Beilage der Buch- und Akzidenzdruckerei Gustaf Knoth in Leipzig zum »Archiv für Buchgewerbe« im Jahr 1912. Gesetzt in der Faecker-Fraktur mit dem Druckerzeichen der Offizin und dem Credo »Gott grüsst die Kunst«.

Nahezu alle Buch- und Zeitungsdruckereien haben sich inzwischen von ihren Akzidenzdruckereien getrennt. Heute hat mehrheitlich die eigenständige Offsetdruckerei die Aufgaben der Akzidenzdruckerei übernommen. Die Begriff »Akzidenzdruckerei« wird in der Regel nur noch in einigen wenigen Großdruckereien bzw. Offizinen verwendet, die über alle klassischen Drucksparten verfügen. 1 ) 2 ) 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8.
2.Museumsempfehlung: Museum für Druckkunst Leipzig, Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig, online unter www.druckkunst-museum.de (23.1.2019).