Akzidenzdrucksachen

Gewerbespezifischer Terminus aus der Epoche der Offizinen bzw. Buch- und Zeitungsdruckereien des frühen 19. Jahrhunderts für einen »Gelegenheitsauftrag« bzw. für eine »Nebeneinnahme«; dann ab Mitte des 19. Jahrhunderts Begrifflichkeit für Geschäfts- oder Privatdrucksachen, beispielsweise Briefpapiere, Visitenkarten, Plakate oder Prospekte, die nicht im Werkdruck bzw. im Buch-, Zeitungs- oder Zeitschriftendruck produziert wurden; auch als »Akzidenzen« bezeichnet.

Zu den Akzidenzen zählen allerdings auch wirkungsvoll gestaltete Teile eines Buches oder einer Zeitung, beispielsweise Zeitungsköpfe (Titelkopf), Werbeanzeigen oder ein aufwendig gestalteter Buchtitel, ein Frontispiz oder der Haupttitel eines Buches. Die Pendants sind »Werkdrucksachen« bzw. »Werkdrucke«.

Semantisch rührt der erste Teil des Kompositums von »Akzidenzen«. Etymologisch von »Accidenz« zu »Akzidenz« für »etwas Zufälliges, nicht zum Wesen Gehörendes«; entlehnt aus dem lat. »accidentia« für »Zufall«.

Akzidenzdrucksachen waren ursprünglich neben dem Werkdrucksachen (z.B. Periodika, Bücher und Zeitungen) nur eine zusätzliche Erwerbsquelle für Buch- und Zeitungsdruckereien. Mit der Zunahme der Geschäftsdrucksachen, der technischen Entwicklung sowie der damit korrespondierenden Spezialisierung trennte sich ungefähr ab den 1970er Jahren die Sparte Akzidenzdruck vom klassischen Kerngeschäft des Werkdrucks bzw. Buch- und Zeitungsdrucks.

Neben Geschäfts- oder Privatdrucksachen zählen auch wirkungsvoll gestaltete Teile eines Buches oder Zeitung zu den Akzidenzen, beispielsweise Zeitungsköpfe oder der Frontispiz und Haupttitel eines Buches. Abbildung: Der Zeitungskopf (Titelkopf) des US-amerikanisches Nachrichtenmagazin »Harper’s Weekly« aus dem Jahre 1857 wurde im Akzidenzsatz hergestellt, die Copy im Werksatz. Quelle: Harper & Brothers, New York City.
Neben Geschäfts- oder Privatdrucksachen zählen auch wirkungsvoll gestaltete Teile eines Buches oder Zeitung zu den Akzidenzen, beispielsweise Zeitungsköpfe oder der Frontispiz und Haupttitel eines Buches. Abbildung: Der Zeitungskopf (Titelkopf) des US-amerikanisches Nachrichtenmagazin »Harper’s Weekly« aus dem Jahre 1857 wurde im Akzidenzsatz hergestellt, die Copy im Werksatz. Quelle: Harper & Brothers, New York City.

Akzidenzen wurden im Zeitalter des materiellen Schriftsatzes überwiegend von besonders geschulten Akzidenzschriftsetzern mit sogenannten Akzidenzschriften und Affichen- bzw. Plakatschriften gestaltet, gesetzt und in der Akzidenzdruckerei gedruckt.

Die überwiegende Mehrheit der Zeitungen und Verlage stellen heute keine Akzidenzdrucksachen mehr her. Akzidenzen werden heute u.a. von Mediengestalter*/innen, Grafik- und Kommunikationsdesignern*innen sowie Kommunikations- und Werbeagenturen gestaltet und überwiegend im Offsetdruck oder Digitaldruck produziert.  1) 2)

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8.
2.Museumsempfehlung: Museum für Druckkunst Leipzig, Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig, online unter www.druckkunst-museum.de (23.1.2019).