Plakat

Großformatiger Aushang im öffentlichen Raum; Bekanntmachung – meist werblicher Natur – an Wänden, Plakattafeln und Litfaßsäulen. Auch als »Poster« bezeichnet.

Frühformen des Plakats sind bereist seit der griechischen und römischen Antike bekannt. Etymologisch rührt das deu. Substantiv »Plakat« von ndl. »plakkaat« her. Dieser Begriff taucht erstmals in Europa Mitte des 16. Jahrhundert in den Niederlanden auf, wo während des Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) Flugblätter der ndl. Unabhängigkeitsbewegung mit Klebstoff an die Häuserwände und Mauern »geplackt« wurden. Derartige Anschläge hießen »plakatten» (neu-ndl. »plakkaat«). In Deutschland wurde das Lehnwort »Plakat« dann ab Ende des 16. Jahrhunderts für eine öffentliche Bekanntmachung verwendet, die an öffentlichen Plätzen angebracht wurde.

Das Bildplakat entwickelte sich in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Ländern und Kulturen – erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus den behördlichen »Textanschlägen« und insbesondere erst mit der Prosperität der Lithografie, welche 1796 von Alois Senefelder (1771–1834) in München erfunden wurde. 1 ) 2 )

Plakat des Typografen Joost Schmidt (1893–1948) für eine Ausstellung des Bauhauses in Weimar, Akzidenzauflage mit nachträglicher Korrektur, 1923. Quelle des Bildzitats: Sammlung Wolfgang Beinert.
Plakat des Typografen Joost Schmidt (1893–1948) für eine Ausstellung des Bauhauses in Weimar, Akzidenzauflage mit nachträglicher Korrektur, 1923. Quelle des Bildzitats: Sammlung Wolfgang Beinert.

Als Trägermaterialien dienen in der Regel spezielle licht- und wetterfeste Papiere, z.B. Outdoor-Papiere, 3 ) Affichen-Papiere für Nassklebeverfahren nach DIN 6730 4 ) oder Kunststoffplanen, welche in unterschiedlichen gewerblichen Druckverfahren bzw. Planendruckverfahren in unterschiedlichen Formaten bedruckt werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden in gewerblichen Hauptdruckverfahren nach DIN 16500 insbesondere Plakatformate nach der DIN 683 bedruckt. 

In der Typografie werden für Plakate vorzugsweise Schriftgrade in Ferngrößen verwendet, die im materiellen Schriftsatz auch als Plakatgrößen bzw. im DTP Desktop Publishing als Displaygrößen bezeichnet werden. Speziell für den Satz von Plakaten eignen sich insbesondere Fonts, die über die Optische Größe »Display« verfügen.

Im materiellen Schriftsatz werden über das Mittel »8 Cicero« (siehe Mittelnamen) in der Regel keine Werksatzschriften verwendet, sondern Akzidenzschriften und spezielle Plakatschriften aus Holz und Kunststoff.

Plakate werden professionell von Werbeagenturen, Designbüros, Grafikdesignern/innen, Illustratoren/innen oder bildenden Künstlern/innen entworfen. 5 ) 6 ) 7 ) Zu den prominenten Plakatgestaltern im Segment Grafikdesign zählen in Deutschland beispielsweise Pierre Mendell (1929–2008) und Uwe Loesch (*1943).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Müller-Brockmann, Josef und Shizuko Muller-Brockmann: Geschichte des Plakates: Histoire de l’affiche. History of the poster, Academy Editions Ltd (a division of John Wiley & Sons Ltd.); First Edition edition (January 1971), ISBN-10: 0856701939 und ISBN-13: 978-0856701931.
2.Literaturempfehlung: Kamps, Johannes: Plakat, Grundlagen der Medienkommunikation, Band 5 (1999), De Gruyter Verlag, Berlin, Reprint 2012, ISBN-10: 3484371056 und ISBN-13: 978-3484371057.
3.Anmerkung: Outdoor-Papiere sind robuste, imprägnierte Spezialpapiere für den Außenbereich. Sie sind deutlich widerstandsfähiger als normale Druckpapiere.
4.Anmerkung: Ein Affichen-Papier nach der DIN 6730 ist ein weißes Druckpapier mit optimierten Verarbeitungseigenschaften für die Außenplakatierung, einseitig mattgestrichen, holzfrei, nassfest mit blaugrauer Rückseite und in der Regel mit einer Grammatur von 115 g/m².
5.Museumsempfehlung: Deutsches Plakat Museum im Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, weitere Informationen online unter https://www.museum-folkwang.de/de/ueber-uns/sammlung/deutsches-plakat-museum.html (27.6.2018).
6.Museumsempfehlung: Sammlung Reklamekunst im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München, weiterführende Informationen online unter https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/reklamekunst.html (27.6.2018).
7.Museumsempfehlung: Plakatsammlung des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, weitere Informationen unter https://www.dhm.de/sammlung-forschung/sammlungen00/bild/plakate.html (27.6.2018).