Akzidenzschrift

Typographischer Terminus aus der Periode des materiellen Schriftsatzes für eine Handsatzschrift, in der Regel aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung oder Messing), Holz (z.B. aus Birnenholz) oder Kunststoff (z.B. aus Kunstharz), die nicht als Werksatzschrift bzw. Brotschrift bestimmt war. Semantisch von Akzidenzen. Etymologisch von »Accidenz« zu »Akzidenz« für »etwas Zufälliges, nicht zum Wesen Gehörendes«; entlehnt aus dem lateinischen »accidentia« für »Zufall«. 

Akzidenzschriften wurden insbesondere für Akzidenzen, also wirkungsvoll gestaltete Drucke, wie beispielsweise für Zeitungsköpfe, Werbeanzeigen, Geschäfts- oder Privatdrucksachen benutzt. Akzidenzdrucksachen wurden in der Regel von speziell geschulten Akzidenzschriftsetzern gestaltet.

Eine Akzidenzschrift (Zierschrift) aus dem Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885.
Eine Akzidenzschrift (Zierschrift) aus dem Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885.

Akzidenzschriften wurden überwiegend von Schriftgiessereien entworfen, geschnitten, gegoßen und verkauft. Eine Klassifikation von Akzidenzschriften existierte nicht. Oftmals wurden auch Polytypen, Vignetten oder Silhouetten-Initialen als Akzidenzschriften bzw. Einfassungen, Asseré- und- Accidenz-Linien in Schriftzugbahnen oder Schmuckrat, z.B. Alineas, als »Acczidenz-Zierat« vertrieben.

Akzidenzschriften wurden nach Stückzahl, Meterware und, wie auch Brotschriften, nach Gewicht verkauft. Sie wurden in den Buch- und Zeitungsdruckereien aufgrund ihres monetären Mehrwertes grundsätzlich von den Werksatzschriften getrennt im Akzidenzsatz aufbewahrt und von den Akzidenzschriftsetzern besonders gepflegt.

Das Pendant zur Akzidenzschrift ist die Werksatzschrift.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de