Brotschrift

Umgangssprachlicher Begriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Handschriftsetzer und Drucker von Offizinen aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes (z.B. Bleisatz) für die Grundschrift eines Schriftsatzes; Werksatzschrift.

Als Brotschriften wurden speziell Werksatzschriften in den Lesegrößen der Mittel Korpus bzw. Garamond (10 Didot Punkt), Rheinländer (11 Didot Punkt) und Cicero (12 Didot Punkt) bezeichnet.  

Handschriftsetzer in einer größeren Offizin, vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in London oder Leipzig. Fotograf und Aufnahmeort unbekannt.
Handschriftsetzer in einer größeren Offizin, vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in London oder Leipzig. Fotograf und Aufnahmeort unbekannt.

Semantisch rührt die Bezeichnung daher, dass Handschriftsetzer im Zuge der Industrialisierung im Akkord entlohnt wurden. Aus der Menge des erstellten Schriftsatzes ergab sich der zu erwartende Lohn. Ein Schriftsetzer verdiente folglich sein »Brot« mit der Schrift. 1) Als Berechnungsgrundlage für die Entlohnung diente die Anzahl der gesetzten Zeilen.

Der Begriff »Brotschrift« wird auch heute noch als Synonym für die Grundschrift bzw. die Schrift des Fließtextes verwendet.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Da für den Lohn eines Schriftsetzers die Menge der gesetzten Zeilen ausschlaggebend waren, lag es natürlich in seinem Interesse, schnell und viel zu setzen. Dies ist einer der Hauptursachen für den oft schlechten, weit spationierten und löchrigen Blocksatz dieser Epoche.