Auszeichnungsschriften

Typografischer Terminus für familiäre und extrafamiliäre Schriftschnitte, die für Schriftauszeichnungen innerhalb eines geschlossenen Schriftsatzes im »glatten Satz« neben der Grundschrift verwendet werden.

Etymologisch rührt der Begriff »Auszeichnung« aus der Inkunabelzeit der Jahre 1450 bis 1500. Denn Initialen, Rubriken, Lombarden, Illuminationen, Unterstreichungen, Auszeichnungsstriche sowie farbiger Schriftwechsel konnten in der Prototypografie technisch bedingt nur von Kalligraphen, Illuminatoren und Rubrikatoren händisch »ausgezeichnet« werden. 

Auszeichnungsschriften werden – immer ausgehend von der Grundschrift – in leise und laute Auszeichnungsschriftschnitte unterteilt. Zu den leisen Auszeichnungsschriftschnitten zählen strichgleiche Schriftstile, also beispielsweise der kursive Schriftschnitt oder die Kapitälchen innerhalb einer Schriftfamilie, zu den lauten Auszeichnungsschriftschnitten familiäre oder extrafamiliäre fettere Schriftstile, beispielsweise halbfette oder fette Schriftschnitte.

Leise und laute familiäre und extrafamiliäre Schriftauszeichnungen. Beispiele gesetzt in der Compatil Text und Fakt von Linotype Design Studio und Olaf Leu (*1936).
Leise und laute familiäre und extrafamiliäre Schriftauszeichnungen. Beispiele gesetzt in der Compatil Text und Fakt von Linotype Design Studio und Olaf Leu (*1936).

Auszeichnungen und Auszeichnungsschriften werden aufgrund einer semantisch-typografischen Auszeichnungsmatrix (siehe Schriftmischung) fixiert. Die semantische Gliederung gehört in den Bereich Text/Redaktion, die Verknüpfung der Semantik mit einer Schriftstilvariante gehört in den Bereich der Makrotypografie und die Wahl einer bestimmten Schriftart in das Segment der Mikrotypografie.

Im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) wird traditionell – ausgehend vom normalen Schriftschnitt – der kursive, halbfette und fette Schriftschnitt sowie die Kapitälchen innerhalb einer Schriftfamilie als »Auszeichnungsschnitte« bezeichnet. 

Ein Schriftschnitt ist eine Schriftstilvariante innerhalb einer Schriftfamilie. Dazu zählen beispielsweise der normale, kursive, halblfette und fette Schriftstil sowie die Kapitälchen. Beispiel gesetzt in der Französische Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach (*1956) aus der Linotype Schriftbibliothek. Infografik: www.typolexikon.de
Ein Schriftschnitt ist eine Schriftstilvariante innerhalb einer Schriftfamilie. Dazu zählen beispielsweise der normale, kursive, halblfette und fette Schriftstil sowie die Kapitälchen. Beispiel gesetzt in der Französische Renaissance-Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach (*1956) aus der Linotype Schriftbibliothek.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de