Schriftlage

»Schriftlage« ist ein typografischer Terminus für eine gerade oder schräge Ausrichtung einer Schrift römischen Ursprungs – bemessen am vertikalen Stamm (Hauptstrich, Grundstrich, Standstrich, eng. Stem) der Buchstaben und Schriftzeichen. Unterschieden werden geradestehende (stehende) und schrägstehende (schräge) Schriftlagen, beispielsweise die von Majuskeln, Minuskeln und Indo-Arabischen Ziffern.

Eine geradestehende Schriftlage wird bei Textschriften bzw. Werksatzschriften als »normal« bzw. als »Normalschriftlage« oder »Basisschriftlage«, eine schrägstehende Schriftlage als »kursiv« oder »schräg« bezeichnet.

Die Schriftlage eines Buchstabens oder Schriftzeichens orientiert sich an der Ausrichtung des vertikalen Stamms (eng. Stem), also dem Hauptstrich bzw. Standstrich eines Buchstabens. Links der geradestehende Stamm, rechts ein schrägstehender Stamm der Minuskel B. Beispiel: Normaler und kursiver Schriftschnitt der Baskerville, einer Vorklassizistischen Antiqua des englischen Typografen John Baskerville (1706–1775).
Die Schriftlage eines Buchstabens oder Schriftzeichens orientiert sich an der Ausrichtung des vertikalen Stamms (eng. Stem), also dem Hauptstrich bzw. Standstrich eines Buchstabens. Links der geradestehende Stamm, rechts ein schrägstehender Stamm der Minuskel B. Beispiel: Normaler und kursiver Schriftschnitt der Baskerville, einer Vorklassizistischen Antiqua des englischen Typografen John Baskerville (1706–1775).

Lesbarkeit

In der Lesetypografie gilt die Lehrmeinung, dass schrägstehende Schriften bzw. Fonts deutlich langsamer und/oder schlechter lesbar sind, als geradestehende Schriftlagen. Sie werden deshalb nicht als Grundschrift, sondern primär für leise Auszeichnungen und als Zierschriften verwendet. 

Des Weiteren sind kursive oder schräge Schriften ohne Serifen (Grotesk, Sans Serif) in der Regel immer schlechter und/oder langsamer lesbar als kursive Schriften mit Serifen (Antiqua, Serif).

Kursiv und schräg 

Als »kursiv« bezeichnet man seit der Einführung des Fotosatzes in den 1960er Jahren in der Regel einen originalen, meist nach rechts geneigten Schriftschnitt, der von einem Schriftgestalter/in speziell entworfen und zugerichtet wurde. 

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Als »schräg« wird hingegen eine Schriftlage bezeichnet, wenn sie optomechanisch (z.B. Fotosatz) oder digital (z.B. DTP) generiert, also die Normalschriftlage einfach rechnerisch nach rechts »umgelegt« wurde. Bei physischen Drucktypen aus Metall (z.B. aus einer Blei-Zinn-Antimon-Kupfer-Legierung) existieren deshalb im Normalfall nur kursive und extra kursive Schnitte. 1)

Abgesehen von einer suboptimalen Ästhetik und Zurichtung, sind generierte schräge Schriften immer schlechter lesbar, als originale kursive Schriftschnitte, die ein Schriftgestalter/in entworfen und zugerichtet hat. Dies gilt insbesondere für Schriften mit Serifen (Antiqua, Serif). 

Eine »echte« kursive Schriftstilvariante ist deshalb ein Qualitätsmerkmal einer Schriftfamilie und rechtfertigt einen höheren Verkaufspreis. 2)

Mit einem Personal Computer (PC) generierte Schriftstilvatianten, beispielsweise generierte Kapitälchen, kursive oder fette Schriftschnitte, gelten in der Typografie als Fauxpas, denn sie entstehen nicht nach optischen – also durch das Auge und die Erfahrung eines Schriftgestalters/in – sondern nach rein numerischen Gesetzmäßigkeiten. Sie gelten deshalb in ihrer Letternarchitektur als unvollkommen und in der Regel als schlechter lesbar. Der Einsatz von Variable Fonts wird dieses Problem zukünftig potenzieren. Beispiel oben: Der vom PC mit dem Button »i« (italic) oder »k« (kursiv) generierte kursive Schriftschnitt der Corporate A von Kurt Weidemann (1922–2011). Beispiel unten: Der originale kursive Schriftschnitt der Corporate A. Der eklatante Unterschied zwischen dem generierten Fake und dem Original ist offensichtlich.
Mit einem Personal Computer (PC) generierte Schriftstilvatianten, beispielsweise generierte Kapitälchen, kursive oder fette Schriftschnitte, gelten in der Typografie als Fauxpas, denn sie entstehen nicht nach optischen – also durch das Auge und die Erfahrung eines Schriftgestalters/in – sondern nach rein numerischen Gesetzmäßigkeiten. Sie gelten deshalb in ihrer Letternarchitektur als unvollkommen und in der Regel als schlechter lesbar. Der Einsatz von Variable Fonts wird dieses Problem zukünftig potenzieren. Beispiel oben: Der vom PC mit dem Button »i« (italic) oder »k« (kursiv) generierte kursive Schriftschnitt der Corporate A von Kurt Weidemann (1922–2011). Beispiel unten: Der originale kursive Schriftschnitt der Corporate A. Der eklatante Unterschied zwischen dem generierten Fake und dem Original ist offensichtlich.

Schriftlagen in Verbindung mit unterschiedlichen Schriftbreiten (z.B. schmal oder breit) und Schriftstärken (z.B. mager oder fett) können viele und teils exotisch klingende Kombinationen, z.B. »Kapitälchen schmalmager kursiv«, ergeben. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Tipps:
1Anmerkung: In der Übergangszeit vom materiellen auf den optomechanischen Schriftsatz wurden auch schräge Schnitte für den Bleisatz gefertigt, damit auf allen Satzsystemen die gleiche Letternarchitektur verfügbar war. Ein prominentes Beispiel hierfür war die »Univers« von Adrian Frutiger (1928–2015), die zeitgleich sowohl für den Blei- als auch den Fotosatz angeboten wurde.
2Anmerkung: Viele Fonts, insbesondere serifenlose Schriften, werden heute nur per PC schräg gestellt und als kursiv angeboten. Deshalb empfiehlt es sich immer, den kursiven Schnitt mit dem Normalschnitt zu vergleichen.