Kursiv

Typografischer Terminus für eine nach rechts geneigte Schriftstilvariante; nach rechts geneigte Schriftlage; Klassifikationsmerkmal einer Druckschrift bzw. eines Screen Fonts. In anderen europäischen Sprachen als »italic«, »italique«, »cursiva« oder »corsivo« bezeichnet.

Semantisch ist der Begriff von der lat. Kursivschrift »Cursiva« abgleitet, einer römischen Verkehrsschrift, die mit einem Griffel in Wachstafeln oder mit einer sehr schmalen Rohrfeder auf Papyrus geschrieben wurde.

1495 wurden die ersten kursiven griechischen Drucktypen vom italienischen Typografen Aldus Manutius d.Ä. (1449–1515) und seinem bologneser Schriftgießer und Stempelschneider Francesco Griffo (Francesco da Bologna, 1450–1518) nach Vorlagen skriptografischer Verkehrsschriften für die Typografie adaptiert. 

1495 wurde der erste kursive Schriftschnitt einer griechischen Drucktype in der Officina »Aldina« für die Druckschrift »Aristotelis Opera« gedruckt, die von Francesco Griffo (1450–1518) geschnitten wurde. Abbildung: Privatbesitz, Aristotelis Opera graece. 5 Voll. fol. 11 Duc.
1495 wurde der erste kursive Schriftschnitt einer griechischen Drucktype in der Officina »Aldina« für die Druckschrift »Aristotelis Opera« gedruckt, die von Francesco Griffo (1450–1518) geschnitten wurde. Abbildung: Privatbesitz, Aristotelis Opera graece. 5 Voll. fol. 11 Duc.

Der kursive Schriftstil gehört zu den Auszeichnungsschriften einer Schriftfamilie, die primär für leise Auszeichnungen verwendet werden.

Beispiel einer leisen Auszeichnung. Grundschrift des Rohsatzes in der Corporate A Regular von Kurt Weidemann (1922–2011). Auszeichnung in Corporate A Regular Italic.
Beispiel einer leisen Auszeichnung. Grundschrift des Rohsatzes in der Corporate A Regular von Kurt Weidemann (1922–2011). Auszeichnung in Corporate A Regular Italic.

Bei kursiven Schriftschnitten handelt es sich grundsätzlich um eigenständig gestaltete Schriftstilvarianten. Computergenerierte Varianten hingegen, also rechnerisch erzeugte Versionen, gelten in der Typografie als minderwertig, da sie von der Typometrie des originalen Kursivschnitts erheblich abweichen und in der Regel auch schlechter lesbar sind. 

Mit einem Personal Computer (PC) generierte Schriftstilvatianten, beispielsweise generierte Kapitälchen, kursive oder fette Schriftschnitte, gelten in der Typografie als Fauxpas, denn sie entstehen nicht nach optischen – also durch das Auge und die Erfahrung eines Schriftgestalters/in – sondern nach rein numerischen Gesetzmäßigkeiten. Sie gelten deshalb in ihrer Letternarchitektur als unvollkommen und in der Regel als schlechter lesbar. Der Einsatz von Variable Fonts wird dieses Problem zukünftig potenzieren. Beispiel oben: Der vom PC mit dem Button »i« (italic) oder »k« (kursiv) generierte kursive Schriftschnitt der Corporate A von Kurt Weidemann (1922–2011). Beispiel unten: Der originale kursive Schriftschnitt der Corporate A. Der eklatante Unterschied zwischen dem generierten Fake und dem Original ist offensichtlich.
Mit einem Personal Computer (PC) generierte Schriftstilvatianten, beispielsweise generierte Kapitälchen, kursive oder fette Schriftschnitte, gelten in der Typografie als Fauxpas, denn sie entstehen nicht nach optischen – also durch das Auge und die Erfahrung eines Schriftgestalters/in – sondern nach rein numerischen Gesetzmäßigkeiten. Sie gelten deshalb in ihrer Letternarchitektur als unvollkommen und in der Regel als schlechter lesbar. Der Einsatz von Variable Fonts wird dieses Problem zukünftig potenzieren. Beispiel oben: Der vom PC mit dem Button »i« (italic) oder »k« (kursiv) generierte kursive Schriftschnitt der Corporate A von Kurt Weidemann (1922–2011). Beispiel unten: Der originale kursive Schriftschnitt der Corporate A. Der eklatante Unterschied zwischen dem generierten Fake und dem Original ist offensichtlich.

Schriftfamilien und Schriftsippen können über unterschiedliche kursive Schriftstilvarianten verfügen, die es in verschiedenen Strichstärken, Schriftbreiten und Schriftlagen gibt, z.B.:

  • Buch kursiv
  • Kapitälchen kursiv
  • Kapitälchen kursiv fett
  • Kapitälchen kursiv halbfett
  • kursiv fett
  • kursiv halbfett
  • kursiv extra
  • kursiv mager
  • kursiv schmal
  • kursiv schmalhalbfett
  • kursiv ultra leicht
  • schräg fett
  • schräg halbfett
  • schräg normal

Beispielsweise versteht man unter »kursiv halbfett« eine Schrift mit normaler Schriftbreite, halbfetter Strichstärke und kursiver Schriftlage. Unter »Buch kursiv« versteht man eine Schriftstilvariante, die insbesondere für das Lesen längerer kursiver Texte optimiert wurde.

Längere Textpassagen in einem kursiven Schriftstil sind – im Vergleich zum normalen Schriftschnitt – schwerer bzw. deutlich langsamer lesbar. Diese Erkenntnis aus der Leseforschung kann allerdings als dramaturgisches Stilmittel (gezielt langsameres Lesen einer Textpassage) bei der Gestaltung eines Schriftsatzes implementiert werden (siehe Schriftmischung). 

Kursive Schriftstilvarianten aus den Hauptschriftgruppen Grotesk (Sans Serif) und Egyptienne (Slab Serif) sind erfahrungsgemäß schlechter lesbar, als aus der Hauptschriftgruppe Antiqua (Serif).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de