Rohrfeder

Pflanzliches Schreibwerkzeug, welches u.a. aus dem Stängel des Papyrus (Cyperus papyrus), Schilfrohr (Phragmites australis), Bambus (Bambusoideae) oder Kalmus (Acorus calamus) hergestellt wird. Auch als »Kalamos« (von altgr. »Kalamoi«), »Calmus« (von lat. »calamus«) oder »Qalam« (von arb. »qalam«) bezeichnet.

Die Rohrfeder ist ein Schreibgerät, das bereits seit der griechischen Antike in der Kalligraphie benutzt wird und bis heute den Duktus von Druckschriften und Screen Fonts mit Wechselschwung beeinflusst. 

Beispiel einer handelsüblichen Bambusfeder aus dem Fachhandel. Rohrfedern gibt es in unterschiedlichen Materialien, Längen, Durchmessern und Schnitten. Anleitungen zum Schneiden findet man in kalligraphischen Fachbüchern sowie im Internet. Foto: Wolfgang Beinert, Berlin.
Beispiel einer handelsüblichen Bambusfeder aus dem Fachhandel. Rohrfedern gibt es in unterschiedlichen Materialien, Längen, Durchmessern und Schnitten. Anleitungen zum Schneiden findet man in kalligraphischen Fachbüchern sowie im Internet. Foto: Wolfgang Beinert, Berlin.
Im islamischen Kulturraum gehört die Rohrfeder bis heute zum alltäglichen Schreibwerkzeug von professionellen Kalligraphen. Beispiel: Ein mit der Rohrfeder geschriebener Namenszug (Tuğra) des osmanischen Sultans Mahmud II. (1785–1839). Nachbildung von Wolfgang Beinert, Berlin.
Im islamischen Kulturraum gehört die Rohrfeder bis heute zum alltäglichen Schreibwerkzeug von professionellen Kalligraphen. Beispiel: Ein mit der Rohrfeder geschriebener Namenszug (Tuğra) des osmanischen Sultans Mahmud II. (1785–1839). Nachbildung von Wolfgang Beinert, Berlin.

Eine Rohrfeder wird schräg mit einem scharfen Messer an- und nachgeschnitten, der Innenteil ausgeschabt, die Spitze mit einem feinen Einschnitt gespalten und ggf. gepunktet sowie rechtwinklig zur Rohrfeder abgeschnitten, wobei es unterschiedliche Schnittformen gibt, die von »spitzgeschnitten« über »schmalgeschnitten« bis hin zu »breitgeschnitten« reichen. 1 ) Geschrieben wird mit Tinten auf Beschreibstoffen, z.B. aus Papyrus, Pergament oder Papier.

Zu den ältesten lateinischen Verkehrsschriften, die mit der Rohrfeder geschrieben wurden, zählen beispielsweise die Capitalis Quadrata, die Capitalis Rustica und die Scriptura Cursiva.

Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitals Rustica als die Buchschrift der Römer. Sie ist eine handschriftliche Ableitung der in Stein gemeißelten Capitalis Monumentalis. Sie wurde mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem bis ins 6. Jahrhundert geschrieben. Ab der Karolingischen Schreibreform wurde die Majuskelschreibweise in Büchern nur noch in der Titelei und in Rubriken verwendet. Infografik: www.typolexikon.de
Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitals Rustica als die Buchschrift der Römer. Sie ist eine handschriftliche Ableitung der in Stein gemeißelten Capitalis Monumentalis. Sie wurde mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem bis ins 6. Jahrhundert geschrieben. Ab der Karolingischen Schreibreform wurde die Majuskelschreibweise in Büchern nur noch in der Titelei und in Rubriken verwendet.
Die Capitalis Rustica gilt neben der Capitals Quadrata als die klassische Buchschrift der Römer. Sie wurde mit einer breiten Rohrfeder auf Pergament geschrieben. Abbildung: Kopie (Ausschnitt) einer Pergamenthandschrift aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. Quelle: Bibliothèque nationale de France, Paris.
Die Capitalis Rustica gilt neben der Capitals Quadrata als die klassische Buchschrift der Römer. Sie wurde mit einer breiten Rohrfeder auf Pergament geschrieben. Abbildung: Kopie (Ausschnitt) einer Pergamenthandschrift aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. Quelle: Bibliothèque nationale de France, Paris.

Dekorative OpenType Fonts, die vom Schreiben mit der Rohrfeder herrühren, zählen in der Schriftklassifikation zu den Schreibschriften (Script Fonts), die wiederum zu den Zierschriften gehören.  

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Pott, Gottfried: Schreiben mit Hand und Herz, Kalligrafische Erfahrungen, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, ISBN 978-3-87439-886-2.