Capitalis Quadrata

Die »Capitalis quadrata« ist eine kalligraphische Schreibvariante der »Capitalis rustica« und der in Stein gemeißelten »Capitalis monumentalis«; lateinische Handschrift für Pergamenthandschriften; römische Quadratschrift; Schreib- und Buchschrift der Römer.

Etymologisch aus lat. »capitalis« für »Haupt, Kopf« aus »den Kopf, das Leben betreffend; in seiner Art vorzüglich« und »quadrata« aus »quadratus« für »viereckig« zu lat. »quadare« für »viereckig machen«. 

Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitalis Rustica als die klassische Buchschrift der Römer. Sie ist eine Schreibschrift, die ausschließlich Majuskeln aufweist und deren Typometrie sich deutlich an Quadrat, Kreis und Dreieck orientiert. Wie die Capitalis Monumentalis, die als das Vorbild aller Antiquaschriften gilt, verfügt die Capitalis Quadrata über Serifen. In der Paläografie wird die römische Schrift generell als »Scriptura capitalis« bezeichnet. 1) 

Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitals Rustica als die Buchschrift der Römer. Sie ist eine handschriftliche Ableitung der in Stein gemeißelten Capitalis Monumentalis. Sie wurde mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem bis ins 6. Jahrhundert geschrieben. Ab der Karolingischen Schreibreform wurde die Majuskelschreibweise in Büchern nur noch in der Titelei und in Rubriken verwendet. Infografik: www.typolexikon.de
Die Capitalis Quadrata gilt neben der Capitals Rustica als die Buchschrift der Römer. Sie ist eine handschriftliche Ableitung der in Stein gemeißelten Capitalis Monumentalis. Sie wurde mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem bis ins 6. Jahrhundert geschrieben. Ab der Karolingischen Schreibreform wurde die Majuskelschreibweise in Büchern nur noch in der Titelei und in Rubriken verwendet.

Das älteste Beispiel einer Capitalis Quadrata ist ein Papyrusfragment aus Herculaneum, einer antiken Stadt am Golf von Neapel (heute Ercolano, Italien) mit einem Gedicht auf die Schlacht von Actium (2. September 31 v. Chr.), das zwischen 31 und 79 vor dem Ausbruch des Vesuvs geschrieben worden sein muss. 2)

Als Buchschrift für Pergamentkodizes ist die Capitalis Quadrata, die mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem geschrieben wurde, bis ins 6. Jahrhundert in Gebrauch geblieben. Bis in die karolingische Zeit wurde die Capitalis Quadrata sogar für Prachthandschriften verwendet.

Aus der Capitalis Quadrata entwickelte sich unmittelbar die »Cursiva«, eine römische Kursivschrift, welche in ihrem Frühstadium mehr oder weniger eine seitlich geneigte Vulgärform der Capitalis Quadrata war.

Im vierten Jahrhundert entsteht mit dem Wechsel vom faserigen Papyrus zum glatteren Pergament und vom pflanzlichen, leicht splitternden Rohr zum kompakten Federkiel als Schreibwerkzeug aus der Capitalis Quadrata und der Capitalis Rustica die »Uncialis« (Unziale), die erste Schrift mit runden Formen.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Eine umfassende Systematik der lateinischen Paläografie erarbeiteten bis 1765 die französischen Benediktiner Charles Francois Toustain und René Prosper Tassin; in ihrem »Nouveau Traité« wurde die römische Majuskelschrift erstmals nach Capitalis und Uncialis unterschieden und zu Minuskel und Cursiva als besondere Schriftart eine »Semiuncialis« (Halbunziale) eingeführt, aus der sich im Verlauf der karolingischen Schriftreform die mittelalterliche Minuskel entwickelte.
2.Quelle: Steffens, Franz: Lateinische Paläographie, 2. Auflage, 1929, Schrifttafel 3, Verlag De Gruyter, Berlin und Leipzig).