Duktus

Das Singularetantum »Duktus« beschreibt in der Kalligraphie und Typografie die Charaktereigenschaft einer Schrift, insbesondere die Strichstärke, Strichneigung und Strichführung eines Schriftzeichens. Etymologisch leitet sich das Wort »Duktus« vom lat. »ductus« für »Zug, Führung« zu »ducere« für »führen« ab.

In der Kaligraphie skizziert der Duktus die Art der Stift- bzw. Federführung, also das Führen sowie das Be-und Entlasten des Schreibgeräts, beispielsweise eines Kreidestifts, einer Bambusfeder, einer Rohrfeder, eines Gänsekiels, eines Pinsels, einer Stahlfeder oder eines Füllfederhalters. Je nach Schreibgerät und Führung variiert die Strichstärke von mager bis fett und von gleichmäßig bis hin zum ausgeprägten Wechselzug. 

Bei Werksatzschriften (Textschriften für Screen und Druck) ist die kalligraphische Ahnverwandtschaft insbesondere bei den kursiven Schriftschnitten erkennbar. Allerdings werden Werksatzschriften heute nicht oder kaum mehr kalligraphisch vorgezeichnet, sondern nahezu ausschließlich mit Font Editor Software generiert bzw. gezeichnet, beispielsweise mit Fontographer® und Fontlab® von FontLAP® oder FontForge® von George Williams. 1)

Der Terminus »Duktus« ist deshalb in der digitalen Typografie und Schriftgestaltung heute primär ungegenständlich und abstrakt, was beispielsweise zu vagen Beschreibungen wie »… der Duktus variiert im Schriftbild …« oder »… die Schrift hat einen feinen Duktus…« verleitet. 

In der Typografie sind »Schreibschriften« (Script Fonts) ein Sammelbegriff für dekorative Druckschriften und Screen Fonts, die in ihrer Formgebung auf einer kalligraphischen Schönschrift oder Handschrift beruhen bzw. um Schriften, die per Hand (Handcrafted) gezeichnet und so belassen als TrueType Font digitalisiert wurden. Beispiele von oben: »Avera Sans« (2014) von Tom Chalky, »Reporter« (1938) von Carlos Winkow und »Alivia« (2017) von Kelly Reed.
In der Typografie sind »Schreibschriften« (Script Fonts) ein Sammelbegriff für dekorative Druckschriften und Screen Fonts, die in ihrer Formgebung auf einer kalligraphischen Schönschrift oder Handschrift beruhen bzw. um Schriften, die per Hand (Handcrafted) gezeichnet und so belassen als TrueType Font digitalisiert wurden. Beispiele von oben: »Avera Sans« (2014) von Tom Chalky, »Reporter« (1938) von Carlos Winkow und »Alivia« (2017) von Kelly Reed.

Bei digitalen Schreibschriften (Script Fonts) hingegen ist ein Duktus – im Gegensatz zu Werksatzschriften (Textschriften) – klar zu erkennen, da sie in ihrer Formgebung (Typometrie) auf einer kalligraphischen Schön- oder Handschrift beruhen. Digitale Schreibschriften können deshalb auch leicht typisiert werden, beispielsweise als Pinselschrift, Federschrift oder Markerschrift.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Cheng, Karen: Designing Type, Anatomie der Buchstaben, Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISBN 3-87439-689-4.