Akzidenzschriftsetzer

Gewerbespezifischer Terminus aus der Epoche der Offizinen bzw. Buch- und Zeitungsdruckereien für einen besonders grafisch geschulten und qualifizierten Handschriftsetzer, der überwiegend mit Akzidenzschriften und Affichen- bzw. Plakatschriften Akzidenzdrucksachen, also wirkungsvoll gestaltete Drucke, beispielsweise Zeitungsköpfe, Werbeanzeigen, Plakate, Geschäfts- oder Privatdrucksachen gestaltet und setzt; Schriftsetzer (Setzer), der im Akzidenzsatz einer Buch- oder Zeitungsdruckerei arbeitet; Abk. »Akzidenzsetzer«. 

Semantisch rührt der erste Teil des Kompositums von »Akzidenzen«. Etymologisch von »Accidenz« zu »Akzidenz« für »etwas Zufälliges, nicht zum Wesen Gehörendes«; entlehnt aus dem lat. »accidentia« für »Zufall«. 

Handschriftsetzer in einer größeren Offizin, vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in London oder Leipzig. Fotograf und Aufnahmeort unbekannt.
Handschriftsetzer in einer größeren Offizin, vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in London oder Leipzig. Fotograf und Aufnahmeort unbekannt.

Der Beruf des Akzidenzsetzers bzw. Schriftsetzers war bis Mitte des 20. Jahrhunderts ausschließlich ein Männerberuf. Erst zum Ende des materiellen Schriftsatzes (z.B. Bleisatz) hin, arbeiteten ab den 1960er Jahren in der BRD vereinzelt auch Frauen als Handschriftsetzerinnen bzw. als Maschinenschriftsetzerinnen (Maschinensetzer). In der DDR war es dagegen üblich, dass auch Frauen diesen körperlich anstrengenden Beruf – bis teilweise nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 – ausübten.

Das Berufsbild des Akzidenzsetzers hat sich heute zum Desktop Publishers (international), zum Typografischen Gestalter*in (Schweiz) bzw. zum Mediengestalter*in (Deutschland und Österreich) entwickelt. Der Beruf des Grafik- bzw. Kommunikationsdesigner*in, des Type Directors (USA) und des Art Directors (international) entwickelten sich ebenfalls in Teilen daraus (siehe Grafikdesign). 1) 2)

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8.
2.Museumsempfehlung: Museum für Druckkunst Leipzig, Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig, online unter www.druckkunst-museum.de (23.1.2019).